Mikroplastik & Erdöl: 4 Gesichtscremes fallen bei Öko-Test durch

Foto: Öko-Test

Das Verbrauchermagazin Öko-Test hat 20 Gesichtscremes getestet, darunter Naturkosmetik-Produkte, aber auch Cremes beliebter Marken wie L’Oréal oder Avène. Das Ergebnis: Wegen Mikroplastik, Erdöl und bedenklicher Duftstoffe sind viele Produkte nicht empfehlenswert – vier Cremes fallen sogar komplett durch.

Kalte Temperaturen, trockene Heizungsluft: Besonders im Winter braucht unsere Haut gute Pflege. Sogenannte reichhaltige Gesichtscremes sind fettiger als normale Gesichtscremes und deshalb besonders gut geeignet für strapazierte, trockene Haut. Doch nicht alle Cremes sind empfehlenswert. Öko-Test hat in Ausgabe 12/2018 zwanzig reichhaltige Gesichtscremes getestet – und unter anderem Mikroplastik, falsche Fette auf Erdölbasis und bedenkliche Duftstoffe in verschiedenen Produkten nachgewiesen.
Öko-Test Gesichtscremes – Alle Testergebnisse als PDF**

Während Produkte bekannter Marken durchfielen (siehe unten), schnitten beispielsweise die Naturkosmetik-Cremes von Lavera (erhältlich** u.a. bei Hans Natur), von Weleda (erhältlich** u.a. bei Ecco Verde) oder Santaverde (erhältlich** u.a. bei Amazon) mit „sehr gut“ ab.

Größter Kritikpunkt: Mikroplastik

Während Öko-Test früher nur feste Mikroplastik-Partikel negativ bewertete, bekommen künftig alle Produkte Punktabzug, in denen Kunststoffverbindungen vorkommen – unabhängig von Löslichkeit, Abbaubarkeit oder Zustandsform. Öko-Test bezeichnet diese Kunststoffverbindungen nicht als Mikroplastik, weil es sich nicht um feste Partikel handelt. Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und BUND dagegen sprechen in all diesen Fällen von Mikroplastik, wir von Utopia schließen uns dem an.

Mehr dazu liest du hier: Was ist Mikroplastik? – Eine Definition

Mikroplastik Kügelchen
Mikroplastik gibt es laut Umweltschutzorganisationen nicht nur in fester, sondern auch in flüssiger Form. (Foto "Microplastic" von Oregon State University unter CC BY-SA 2.0 )

Mikroplastik kommt in den Cremes hauptsächlich in Form von Silikonen vor, daneben werden aber auch andere synthetische Polymere eingesetzt. Sie verdicken die Cremes, sorgen für ein entspanntes Hautgefühl und gute Verteilbarkeit. Laut Öko-Test fügen sie sich schlecht in das Gleichgewicht der Haut ein, besser seien natürliche Öle, wie sie in Naturkosmetik vorkommen.

Bei den Silikonverbindungen gibt es auch solche, die schwer abbaubar sind und sich deshalb in der Natur anreichern: Das gilt etwa für das Silikon Cyclopentasiloxan, das laut Öko-Test die Wasserqualität gefährdet. Nachgewiesen wurde es in der Hydra Active 3 Nutrissime-Feuchtigkeitspflege von L’Oréal sowie in der 24h Aqua Booster-Feuchtigkeitscreme von Marbert.

Öko-Test findet Erdöl in Gesichtscremes

In drei Cremes sind mehr als 1 Prozent Paraffine enthalten, darunter erneut die genannte Creme von L’Oréal. Die Mineralölverbindungen werden als Ersatz für natürliche Fette eingesetzt, fügen sich aber laut Öko-Test genau wie Silikone schlecht in das Gleichgewicht der Haut ein – und können mit aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH) verunreinigt sein. Laut Öko-Test könne nicht ausgeschlossen werden, dass unter MOAH auch Verbindungen seien, die möglicherweise Krebs erzeugen. Lies dazu auch:

Problematische UV-Filter, kritische Konservierungsmittel, bedenkliche Duftstoffe

Einige reichhaltige Cremes warten mit UV-Schutz auf – aus Sicht von Öko-Test vollkommen unnötig, da diese Cremes ja vor allem in der kalten Jahreszeit zum Einsatz kommen, an denen die Haut kaum Sonnenschutz braucht. Besonders problematisch wieder das Produkt von L’Oréal: Der UV-Filter in der Creme steht im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken.

Öko-Test Gesichtscremes – Alle Testergebnisse als PDF**

Außerdem hat Öko-Test kritische Konservierungsmittel in den Cremes nachgewiesen, darunter sogenannte Formaldehydabspalter: Formaldehyd kann Krebs erzeugen; die als Konservierungsmittel zugelassenen Formaldehydabspalter setzen Formaldehyd nach und nach frei.

Punkteabzug gab es auch für riskante Duftstoffe, die sich laut Öko-Test in Tierversuchen als fortpflanzungsschädigend erwiesen haben, sich im menschlichen Fettgewebe anreichern oder häufig Allergien auslösen sollen. Lies dazu auch:

Das Ergebnis: 4 bekannte Gesichtscremes fallen durch

Die Verlierer im Test sind Gesichtscremes bekannter konventioneller Marken:

  • Die L‘Oréal Hydra Active 3 Nutrissime Feuchtigkeitspflege (2,95 Euro/50 ml): Enthält bedenkliche Duftstoffe. Zudem Mikroplastik im weiteren Sinne (Silikone/Paraffine/Erdölprodukte) und Formaldehydabspalter (können Krebs erregen), bedenkliche UV-Filter und Propylparaben.
  • Die Eau Thermale Avène Nutritive Creme reichhaltig (28,50 Euro/50 ml): Enthält ebenfalls Mikroplastik im weiteren Sinne, Silikone, Paraffine, Erdölprodukte, PEG/PEG-Derivate und halogenorganische Verbindungen. Letztere können wie ein Hormon wirken.
  • Die Marbert 24h Aqua Booster reichhaltige Feuchtigkeitscreme (29,45 Euro/50 ml): Enthält bedenkliche Duftstoffe und Mikroplastik im weiteren Sinne.
  • Die Ahava Essential Day Moisturizer Tagescreme (35 Euro/50 ml): Enthält bedenkliche Duftstoffe, PEG/PEG-Derivate und Mikroplastik im weiteren Sinne.

Öko-Test Gesichtscremes – Alle Testergebnisse als PDF**

Öko-Test 12/2018
Öko-Test Ausgabe 12/2018 (Foto: Öko-Test)

Die Gewinner: Naturkosmetik-Produkte

Alle 8 getesteten Naturkosmetikprodukte dagegen schnitten bei Öko-Test „sehr gut“ ab. Darunter waren:

  • Lavera Basis Sensitiv Pflegecreme (ca. 9 Euro/50 ml) (erhältlich** u.a. bei Hans Natur)
  • Weleda Coldcream Gesichtscreme trockene/sehr trockene Haut (ca. 16,50 Euro/50 ml, erhältlich** u.a. bei Ecco Verde)
  • Santaverde Gesichtspflege Aloe Vera Creme Rich (ca. 43 Euro/50 ml, erhältlich** u.a. bei Amazon)

Naturkosmetik-zertifizierte Cremes kommen ohne Mikroplastik aus. Hier findest du empfehlenswerte Naturkosmetik-Marken.

Zum Test: Den vollständigen Öko-Test Gesichtscremes findest du in Öko-Test Jahrbuch für 2020.

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