Superfoods: Öko-Test findet Pestizide, Mineralöle und Blei

Foto: © Natalia Klenova, stokkete - Fotolia.com

Öko-Test untersuchte Superfoods, das Ergebnis ist erschreckend: Mehr als zwei Drittel der Produkte fallen durch, zwei müssen sogar aus dem Verkauf genommen werden.

Superfoods versprechen viel, doch nachweisen lässt sich bisher wenig bis gar nichts: So helfen Chiasamen angeblich gegen Blutzuckerstress und reduzieren das Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko. Gojibeeren gelten als Anti-Aging-Mittel und Hanfsamen sollen Müdigkeit und Erschöpfung vertreiben. Wer seine Smoothies oder das Müsli mit Superfoods anreichert, meint, er lebe gesünder. Öko-Test kommt allerdings zu dem Ergebnis: stimmt nicht. Nicht nur, dass die teuren Superfoods gar nicht so vitamin- und mineralstoffreich sind wie erhofft, sie sind oft auch stark schadstoffbelastet.

Gesunde Lebensmittel müssen nicht vom anderen Ende der Welt kommen:

Das Verbrauchermagazin kaufte für seinen aktuellen Test 22 Superfood-Produkte ein – von Chiasamen und getrockneten Gojibeeren bis hin zu Gerstengras- und Acaipulver. Die untersuchten Superfoods stammen sowohl aus Bio-Läden und Reformhäusern als auch aus gewöhnlichen Supermarkt-Ketten wie Aldi Süd. Im Fokus der Laboruntersuchungen standen Rückstände und Verunreinigungen – etwa Pestizide in Gojibeeren, Kohlenwasserstoffe (PAK) in Algenprodukten – aber auch die Belastung mit Keimen, da Superfoods in der Regel roh verzehrt werden.

Nur zwei Produkte sind empfehlenswert

Mehr als zwei Drittel der getesteten Superfoods fielen mit einem „ungenügend“ oder „mangelhaft“ durch, da sich Mineralöl, Blei, Cadmium oder/und überhöhte Pestizidmengen darin fanden. In zwei Hanfprodukten konnte Ökotest außerdem Schimmelpilze nachweisen. Diese sind zwar nicht bedenklich für die Gesundheit, fördern allerdings den Verderb und sind ein Indiz für Hygienemängel in der Produktion.

Vor allem konventionelle Goji-Beeren sind mit Vorsicht zu genießen, wie der Test der „Dragon Superfoods Goji-Beeren“ von Smart Organic zeigte: 16 verschiedene Pestizide steckten in dem Produkt, in einem Fall sogar über dem gesetzlichen Grenzwert. Zudem fanden sich Enterobakterien in eben jener Probe – diese können zu Durchfallerkrankungen führen. In drei Produkten ließ sich außerdem ein erhöhter Bleigehalt feststellen, dieser kann das zentrale Nervensystem, Herz-Kreislauf sowie die Nieren schädigen.

Die Gewinner sind zwei Bio-Produkte: Die „Original Gojibeeren“ von Morgenland bekamen die Bewertung „sehr gut“ und das „Bio-Kokosöl“ von Dr. Goerg schnitt mit „gut“ ab.

Mineralöle in fast allen Produkten gefunden

Nur fünf Produkte im Test waren frei von Mineralölkohlenwasserstoffen. Vor allem gesättigte Mineralöle (MOSH) wurden gefunden, diese können sich im Körperfett und in Organen anreichern. Acht der untersuchten Produkte waren zusätzlich mit aromatischen Mineralölen, sogenannten MOAH belastet, unter denen sich auch krebserregende Verbindungen befinden können. Für beide Mineralöle gibt es bislang keine Grenzwerte, das Bundesinstitut für Risikobewertung rät allerdings, so wenig MOSH wie möglich zu sich zu nehmen und MOAH gänzlich zu vermeiden.

Bereits zehn Gramm des Algenpulvers „Smart Food Spirulina Pulver“ von Rawboost lieferten im Test ein Viertel der Menge an Mineralöl, die Erwachsene nach einer Schätzung der Europäischen Lebensmittelbehörde täglich höchstens zu sich nehmen sollten.

Chiasamen: Basic und Alnatura enttäuschen im Test

Gesund und zugleich bio – eine vertrauenswürdige Kombination, könnte man meinen. Ein Großteil der verfügbaren Superfoods ist Bio-zertifiziert und Öko-Test testete entsprechend vor allem Bio-Produkte (18 von 22 Test-Produkten). Leider enttäuschten auch sie: So wurden in den Chiasamen von Basic und Alnatura gesetzliche Pestizid-Rückstandshöchstmengen überschritten. Verantwortlich für diese sind Unkrautvernichtungsmittel wie Diquat und Paraquat, die als hochgiftig gelten. Die Probe von Basic musste aufgrund ihres hohen Wertes als nicht verkehrsfähig eingestuft werden. Beide Bio-Hersteller erklärten umgehend nach dem Test, ihre Produkte aus dem Verkauf zu nehmen.

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Die Chiasamen von Basic und Alnatura wurden aufgrund von erhöhten Pestizidwerten aus dem Verkauf genommen. (Foto: © Basic / Alnatura)

Auch in den beiden Bio-Produkten „Taste Nature Moringa Pulver“ von Authentic Nutrients und dem „Weizengras-Pulver“ von Veganz wurden mehrere Pestizide gefunden.

Mückenschutzmittel und Cadmium im Kakao

Im „Bio Rohkakao Pulver“ von Feinstoff fand sich das Mückenschutzmittel DEET, dessen zulässige Höchstmenge (auf dem deutschen Markt 0.01 mg/kg) überschritten wurde. Da die nötige Ausnahmegenehmigung vom Bundesamt für Verbraucherschutz fehlte, die es erlaubt, das Mittel gegen Moskitos einzusetzen, wurde auch dieses Produkt als „nicht verkehrsfähig“ eingestuft.

Auch ein hoher Gehalt an nierenschädlichem Cadmium fand sich in dem Kakaopulver: Bereits mit einem Esslöffel nimmt der Körper mehr auf, als es höchstens an einem ganzen Tag sein sollte.

Öko-Test meint: „Superfoods sind überflüssig“

Oft kommen sogenannte Superfoods von weither – etwa aus Südamerika oder China. Angesichts ihres zweifelhaften Nutzens ist das wenig sinnvoll, zudem könnte man sie auch ganz einfach durch regionale Produkte ersetzen: Walnüsse, Sonnenblumenkerne, Linsen und Haferflocken anstatt Hanfsamen. Heidelbeeren, Schwarze Johannisbeeren oder Rotkohl statt der exotischen Acaibeere. Bezogen auf eine übliche Verzehrportion enthält Milch mehr Calcium und Spinat mehr Eisen als Moringapulver. Eben mit diesen Portionsangaben wird auch bei Chiasamen und Gojibeeren getrickst.

Öko-Test stellt fest: „Superfoods sind schlicht überflüssig. Wer sich abwechslungsreich und regional ernährt, braucht keine Superfoods. Das spart auch die teils weiten Transportwege.“

Hier geht’s zum Artikel bei Öko-Test.

Regionale und günstigere Alternativen zu Superfoods findest du in unserer Bildergalerie:

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(32) Kommentare

  1. Daß konventionelles Superfood nicht besser abschneidet, als sonstige Lebensmittel verwundert ja nicht weiter.
    Aber daß die Bio-Produkte z.T. auch so stark belastet sind, ist natürlich sehr ärgerlich – sowohl für den Verbraucher, als auch für die Branche, die ständig um Vertrauen werben muß.
    Hier muß dringend und überzeugend Abhilfe geschaffen werden.

    • Ja Fox, das meinte ich ja mit erschreckend, daß auch zwei so bekannte Bio-Firmen belastete Produkte im Sortiment haben.
      Bei konventionellen Produkten hätte es mich nicht gewundert.

    • Auch Bio ist nicht gleich Bio. Daher gibt es ja div. Gütesiegel bei deren Vergabe besonders hohe Maßstäbe angelegt werden (z. B. Demeter, Bioland und Naturland). Es wäre wünschenswert, würde der Verbraucher erfahren, welche Produkte letztendlich unbedenklich waren. Eine allgemeine Verdächtigung ist unfair gegenüber „sauberen“ Produkten (wenn es sie denn in diesem Falle gibt). … Der unkritische Hinweis auf den hohen Kalziumgehalt der Milch lässt mich jedoch kopfschütteln.

    • @w.s. „Eine allgemeine Verdächtigung ist unfair gegenüber „sauberen“ Produkten“
      Eine allgemeine Verdächtigung hat ja auch nicht statt gefunden, sondern konkrete Produkte sind betroffen.
      Man kann leider nicht genau sagen, wo man als Verbraucher auf der sicheren Seite ist.
      Wir hatten mit unserer Firma jahrelang Bio-Kontrollen und ich kann sagen, daß die wirklich sehr genau arbeiten. Aber auch der Kontrolleur hat uns immer wieder erzählt, daß es leider nicht möglich ist, flächendeckend zu kontrollieren.
      Ein Problem ist vor allem die fehlende Vernetzung der unterschiedlichen Kontrollstellen. Vor allem, wenn die Produkte im Ausland produziert wurden und die Kontrollen über mehrere Stellen ablaufen, dann wird es, für ein Glied der Kette einfacher, zu betrügen.
      Aber genau dafür gibt es ja verschiedene Kontroll-Instanzen, wie z.B. auch Ökotest und letztendlich fällt es dann eben doch auf.
      Trotzdem ist und bleibt Bio natürlich die bessere Wahl, weil dort geahndet wird, was im konventionellen Bereich ganz normal wäre.
      Und die beiden besten Produkte sind ja auch Bio.

  2. Haferflocken statt Hanfsamen?
    Hanf würde eigentlich überall wachsen und ist somit eigentlich auch nicht als Superfood anzusehen, eben genau wie Haferflocken.
    Erst das fragwürdige Verbot des „Drogenhanfs“ macht aus einer pflegeleichten Nutzpflanze ein Superfood.

    • Das finde ich eine etwas fragwürdige Definition von Superfood.
      Zum Superfood wird ein Lebensmittel ja durch besondere gesundheitliche Wirkung, nicht durch Rarität oder besondere Ansprüche im Anbau.

    • ganz genau so ist es. Ausschliesslich ideologische und finanzielle Gründe haben aus dem Heilkraut, der universell einsetzbaren Kulturpflanze, der wundervollen Rauschspenderin und Medizin plötzlich medial eine „pöhze Trooogä“ gemacht,
      nun ist es an der Zeit sie wieder zu befreien und als das zu sehen, was sie ist
      – vielversprechend für alle Bereiche des Lebens und nachhaltiges Wirtschaften.

  3. Kuhmilch als Alternative für Moringapulver anzugeben finde ich unpassend. 100 Liter Wasser braucht es, um 1 Liter Milch „herzustellen“, dazu kommen ethische Probleme (die Kuh gibt keine Milch, wenn sie nicht gerade schwanger ist oder war). Diese „Alternative“ ist keine Alternative, da gibt es Besseres – z.B. Brokkoli oder Kohl.

    • was soll das argument 100 liter wasser braucht es um 1 liter kuhmilch herzustellen? in deutschland ist das kein problem, da mehr als genug wasser vorhanden ist. mit dem gleichen argument müssten wir unseren kaffeekonsum einstellen – ich glaube es braucht 140 liter wasser für 1 tasse kaffee – und wenn wir den albernen begriff superfood schon benutzen, dann ist kuhmilch ganz sicher eins, denn deren positive wirkungen, neben ein paar bedenklichen, wird ausser von militanten veganern kaum jemand bestreiten. es ist also für alle nicht-veganer, den großen teil der bevölkerung, sehr wohl eine alternative, insbesondere wenn es bio-milch ist.

    • Wobei der Mensch mit dem achsotollen und mega vielen Kalzium in der Kuhmilch nun mal nicht viel anfangen kann. Nur ein sehr geringer Teil davon kann tatsächlich verwertet werden. Schließlich sind wir keine Kälber!

  4. Ihr seid doch mitlerweile auch ein verkäuflicher Haufen. Milch als „Alternative“ in irgend einer Form anzugeben ist jawohl die lächerliste und billigste Art der Suggestion. Erst über die Produktions und Lieferbedingten verunreinigungen von Produkten schwafeln und dann ohne jeglichen ähnlichen Hinweis ein tierisches Produkt anpreisen, ALS OB ES DA NICHTS ZU SAGEN GÄBE. ERBÄRMLICH FREUNDE

    • was für ein alberner kommentar, der glaubt utopia muss vegan argumentieren. da muss man ja schon in einem sehr geschlossenen gedankenkosmos gefangen sein…

  5. Ich würde den Ergebnissen von Ökotest, so wie vieles andere auch nicht immer blind vertrauen, da Ökotest soweit ich weiß der Partei SPD gehört und ich könnte mir vorstellen, dass die Testergebnisse manchmal von ganz anderen Faktoren abhängen wie wir denken. Weil wer überprüft den die Ergebnisse von Ökotest oder Stiftung Warentest z. B. ob die wirklich stimmen?

    • die werden im regelfall von der öffentlichkeit und den medien kontrolliert – wie erst letztens bewiesen als die stiftung warentest falsche bewertungen vornahm und zurückrudern musste – hinter jedem baum eine verschwörung zu wittern ist nicht gut für die lebensqualität leibe sandra. zu den besitzverhältnissen kann jeder interessierte bei wikipedia nachschauen: – Gesellschafter ist zu 100 % die Öko-Test-Holding AG. 66,2 % der Aktien sind im Besitz der dd_vg.[1] Unter dieser Holding vereint die SPD ihre Medienbeteiligung. Die restlichen Aktien gehören rund 900 Aktionären.

  6. Interessanter Artikel. Kann mir gut vorstellen,sass einige Produkte mit Giftstoffen belastet sind, auch Bio.
    Allerdings ist Bio nicht gleich Bio. Wer sich für diese Themen wirklich interessiert weiss, dass gerade Alnatura nicht über jeden Zweifel erhaben ist. Da muss man die einzelnen Labels schon genauer kennen um zu wissen welche wirklich Bio sind. Und EU-Biorichtlinien sind nicht unbedingten die strengsten und z.T. fragwürdig. Da überrschen die Testresultate nicht.

  7. Ich verweise mal auf Otto Bruker „Der Murks mit der Milch“… und bitte um eine Untersuchung von heimischen Obst und Gemüse. Dass das Biosiegel so unterwandert wird ist natürlich mehr als ärgerlich, wohl aber gewollt. Genau, wie die Suggestion des Artikels. Gerne kann ich Ihnen mal die regelmäßigen Testungen unserer EU-BIO-Moringa-Plantage zukommen lassen. Sie werden vermutlich vom Glauben abfallen!

    • ich verweise auf brukers ernähungsempfehlung: Die von Bruker empfohlene Ernährung wurde von ihm als „vitalstoffreiche Vollwertkost“ bezeichnet. Er betrachtete diese als die „ursprüngliche“ Ernährungsweise, für die der Mensch geschaffen sei. Sie besteht überwiegend aus „vollwertigen“, weitgehend „naturbelassenen“ Lebensmitteln, und vermeidet die „teilwertigen“, z. B. fabrikatorisch veränderten Nahrungsmittel. Dies bedeutet unter anderem: Vollkorngetreideprodukte (möglichst frisch gemahlen), Obst, Gemüse, Salat und unbehandelte Nüsse. Auch Butter oder Sahne sind erlaubt, weil sie im Gegensatz zu anderen Milchprodukten, Fleisch und Fisch, praktisch kein Eiweiß, sondern hauptsächlich natürliches Fett enthalten. Kaltgeschlagene Öle, wie kaltgepresstes Sonnenblumenöl und natives Olivenöl, ergänzen Brukers Ernährungsempfehlungen. – und frage mal, wer unterwandert das biosiegel? und von wem ist was gewollt? was ist die suggestion des artikels? fragen über fragen

  8. Man muss das schon ein bisschen differenzierter sehen. Die Pestizide werden durch die Agrarindustrie tonnenweise in die Umwelt gepumpt. Durch Wind und Regen werden diese dann über die ganze Erde verteilt und machen auch vor biologisch bewirtschafteten Böden nicht halt, was dazu führt, dass Pestizide auch in Bio Produkten landen – aber wohlgemerkt in sehr geringen Konzentrationen

    Was machen jetzt aber „Journalisten“ wie die vom Öko Test. Sie suchen Spuren von Pestiziden in Bio Produkten und stellen diese dann deswegen an den Pranger. Die Empfehlung ist dann, esst einfach normales Obst und Gemüse, das Geld für Bio könnt ihr euch sparen. Was passiert – diejenigen, die sich dafür einsetzen keine Pestizide einzusetzen, werden dafür bestraft, dass der Müll der Agrarindustrie in ihren Produkten landet. Unter diesem Aspekt hat diese ganze Öko Test Geschichte natürlich einen sehr fahlen Beigeschmack.

    Aber wie unabhängig kann ein Magazin schon sein, das von den Anzeigengeldern derjenigen lebt, die es zu bewerten hat? Mit den großen Konzernen lässt sich halt mehr Geld verdienen, als mit den kleinen Bio Bauern.

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