Öko-Test hat Apfelsaft untersucht – so schneiden die Säfte von Lidl, dm, Voelkl und Co. ab

Fotos: Fotos: Ökotest, Colourbox.de

Guter Apfelsaft ist leicht zu finden: Bei Öko-Test konnten viele Apfelsäfte überzeugen – im Labor und im Geschmack. Allerdings stecken in allen konventionellen Säften Rückstände von Pestiziden. Darunter befinden sich auch besonders bedenkliche Insektenvernichtungsmittel.

Apfelsaft gehört zu den Lieblingsgetränken der Deutschen: 6,8 Liter Apfelsaft und 4,5 Liter Apfelschorle hat laut dem Verband der deutschen Fruchtsaftindustrie jeder im Jahr 2019 durchschnittlich getrunken. Doch welcher Apfelsaft ist wirklich gut und empfehlenswert?

Öko-Test hat 25 Apfelsäfte ins Labor geschickt und untersuchen lassen, ob sich Pestizide, Wachstumsregulatoren und andere Problemstoffe im Saft befinden. Außerdem haben Sensorik-Expert*innen den Geschmack der einzelnen Säfte beurteilt. Die gute  Nachricht: Rund zwei Drittel der Apfelsäfte haben mit der Bestnote „sehr gut“ überzeugt. Besonders Bio-Säfte konnten punkten.

Apfelsaft-Test: Bio-Säfte von Streuobstwiesen empfehlenswert

Apfelsaft selber machen
Öko-Test hat Apfelsaft getestet. (Foto: Colourbox.de / Sea Wave)

Das „sehr gute“ Ergebnis vieler konventioneller Apfelsäfte täuscht nicht darüber hinweg, dass sich in allen Säften Pestizide (in Spuren) befinden. Komplett frei von Pestiziden sind nur Bio-Apfelsäfte, wie der Apfelsaft von dm. Besonders vorteilhaft sind allerdings Säfte, die von Streuobst-Äpfeln stammen und das trifft auf den dm-Saft nicht zu. Die artenreichen Streuobstwiesen sind stark gefährdet (Rote Liste gefährdeter Biotope) und der Kauf von Streuobst-Apfelsaft trägt somit zum Erhalt der Streuobstwiesen bei. Zwei empfehlenswerte Testsieger sind zum Beispiel:

  • Voelkel Apfelsaft naturtrüb Streuobstwiesen Initiative (Bio-Apfelsaft)
  • Rabenhorst Streuobstapfel (Bio-Apfelsaft)

Das Ergebnis des Geschmackstests dieser beiden Marken: Der Voelkel-Apfelsaft schmecke ausgewogener, der Rabenhorst-Saft habe stärkere süße und säuerliche Noten. Auszusetzen gab es am Geschmack bei beiden Säften nichts.

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Apfelsaft mit Pestiziden belastet

Beim Anbau der Äpfel setzen viele Betriebe synthetische Spritzmittel ein: Während Bio-Apfelsäfte frei von Pestiziden sind, hat Öko-Test in allen konventionellen Apfelsäften Pestizidrückstände gefunden.

Zwar handelt es sich dabei nur um äußerst geringe Mengen, doch zum Teil stecken vier verschiedene  Pestizide in einer Flasche. So zum Beispiel im naturtrüben Apfelsaft von Lidl (Solevita Apfel Direkt Gepresst). Auch im Rio D‘Oro Apfelsaft naturtrüb von Aldi stecken Pestizidrückstände. In zwei anderen Apfelsäften hat Öko-Test das besonders problematische Acetamiprid nachgewiesen. Es handelt sich dabei um ein Insektenvernichtungsmittel, das auch für Bienen sehr giftig ist. Es steckt unter anderem im Pfanner 100% Apfel Direktsaft naturtrüb.

Kritisch sieht Öko-Test außerdem Wachstumsregulatoren, wie etwa beim Rio D‘Oro Apfelsaft naturtrüb von Aldi. Allerdings waren auch hier nur Spuren enthalten, anders als zum Beispiel bei so manchem Apfelmus.

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Extraportion Vitamin C im Apfelsaft

Apfelsaft
Äpfel enthalten mehr Vitamin C als Apfelsaft. (Foto: © Andreas Berheide - Fotolia.com)

Am Apfelsaft von Pfanner hatte Öko-Test noch mehr auszusetzen: Das Unternehmen hat dem Saft zusätzlich Vitamin C hinzugesetzt. Hintergrund ist, dass Apfelsaft grundsätzlich weniger Vitamin C enthält als Äpfel, da die Vitamine bei der Saftherstellung verloren gehen. Dennoch sollte naturtrüber Apfelsaft möglichst naturbelassen sein und nicht künstlich aufgepeppt werden, findet Öko-Test. Auch drei andere Hersteller fügen ihrem Apfelsaft Vitamin C hinzu, so zum Beispiel beim Apfelsaft Beckers Bester naturtrüber Apfel.

Ein weiterer Kritikpunkt von Öko-Test: Auf vielen Verpackungen steht, dass kein Zucker zugesetzt sei. Das ist inhaltlich auch richtig, aber solche Aufschriften sind überflüssig. Denn gesetzlich ist ohnehin der Zuckerzusatz bei Fruchtsäften aus Direktsaft oder Konzentrat nicht erlaubt. Ein typischer Fall von Werbung mit Selbstverständlichkeiten.

Fast immer schmeckt der Apfelsaft

Geschmacklich gab es bei den Apfelsäften fast nichts auszusetzen. Nur der Alnatura-Apfelsaft hatte einen erhöhten Ethanolwert, die Mikroorganismen hatten offenbar schon viel Zeit zu arbeiten. Alle gesetzlichen Vorgaben werden zwar eingehalten, doch im Geschmack sei der Saft etwas bitter und schmecke „gealtert“, so Öko-Test. Alnatura erklärte als Reaktion auf den Test, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Die Ergebnisse des Geschmackstests seien für das Unternehmen nicht nachvollziehbar.

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Alle Details findest du in der Ausgabe 09/2020** von Öko-Test sowie online auf www.ökotest.de.

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