Der neueste Fund von The Ocean Cleanup ist ein Weckruf

Fotos: © The Ocean Cleanup

Der „Meeresstaubsauger“ von The Ocean Cleanup ist wieder im Pazifischem Müllstrudel. Bevor die große Meeressäuberungsaktion weitergeht, führt das Team noch einige Tests durch. Vor einigen Tagen sammelte der „Meeresstaubsauger“ dabei ein ganz besonderes Stück Plastik auf.

Der erste Versuch von „The Ocean Cleanup“ war vergangenes Jahr gescheitert: Der erste Meeresstaubsauger namens „System 001“ hatte technische Probleme – und musste nach nur wenigen Wochen am Pazifischen Müllstrudel wieder zurück an Land.

Jetzt wagt The Ocean Cleanup einen zweiten Versuch. Das Team hat das Gerät repariert und Schwachstellen behoben. Seit Ende Juni ist „System 001/B“ wieder im Wasser und sammelt Plastikmüll auf. Ein rosafarbenes Plastikteil mit japanischer Aufschrift hat das Team besonders überrascht.

Boyan Slat teilt Foto auf Twitter

CEO Boyan Slat tweete zwei Fotos von dem Plastik. „Wow. Unsere Crew hat gerade ein 49-Jahre-altes Stück Müll aus dem Pazifischen Müllstrudel gefischt“, schrieb er dazu. „Als dieses Plastik hergestellt wurde, waren die Beatles noch zusammen.“

Man erkennt zwar nicht, was das Plastikstück eigentlich ist. Auf einem runden Siegel steht jedoch „70“ – offenbar für 1970. Das Team von The Ocean Cleanup geht deswegen davon aus, dass das Plastik inzwischen 49 Jahre alt ist. Nutzer auf Twitter halfen Slat, mehr darüber herauszufinden: Demnach steht auf dem Teil der Name einer japanischen Bäckerei, die seit über 100 Jahren in Betrieb ist.

Das Plastik hat einen langen Weg hinter sich

The Ocean Cleanup, Boyan Slat, Plastik
Die Aufschrift ist deutlich erkennbar. (Foto: © The Ocean Cleanup)

Das Besondere und zugleich Erschreckende: Das Plastikteil hat nur ein paar kleine Löcher und Kratzer und seine Ecken sind etwas abgerundet – abgesehen davon sieht es unversehrt aus. Auch die Aufschrift ist deutlich erkennbar. Dabei wurde das Plastik wahrscheinlich jahrzehntelang durchs Salzwasser gewirbelt und hat einen langen Weg hinter sich: Zwischen Japan und dem Pazifischen Müllstrudel liegen tausende Kilometer.

Das zeigt: Selbst unter extremen Bedingungen baut sich Plastik nur sehr langsam ab. Die Plastikteile bleiben in den Meeren und werden dort zur Gefahr für Meerestiere und das marine Ökosystem.

450 Jahre für die Plastikflasche

Wie lange sich ein Plastikteil hält, hängt auch von der Art des Plastiks ab. Plastiktüten brauchen Schätzungen zufolge etwa zehn bis 20 Jahre, bis sie sich zersetzt haben. Bei Plastikflaschen dauert es hingegen etwa 450 Jahre. Bei Angelschnüren gehen Experten sogar von 600 Jahren aus. Und während die Plastikflasche oder Angelschnur hunderte Jahre im Meer vor sich hintreibt, gelangt täglich weiterer Plastikmüll ins Meer.

Und selbst wenn sich Plastikflasche, Tüte und Co. endlich abgebaut haben: ganz weg sind sie nicht. Die großen Teile zersetzen sich lediglich in mikroskopisch kleine Partikel. Sie bleiben also als Mikroplastik weiterhin im Meer und gelangen letztendlich sogar in unsere Nahrungskette.

Der Meeresstaubsauger von The Ocean Cleanup kann kein Mikroplastik aus dem Meer filtern, sondern nur die größeren Plastikteile. Das ist zumindest ein Anfang – noch wichtiger wäre allerdings, dass kein neues Plastik mehr ins Meer gelangt. Das bedeutet vor allem, dass sich Entsorgungssysteme weltweit verbessern müssen und wir alle wieder weniger Plastik verwenden sollten. Was du selber tun kannst: Plastik vermeiden: 7 einfache Schritte zu weniger Plastikmüll 

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(2) Kommentare

  1. „Dabei wurde das Plastik wahrscheinlich jahrzehntelang durchs Salzwasser gewirbelt und hat einen langen Weg hinter sich“

    Worauf basiert diese Vermutung?

    Richtig ist doch nur der mögliche Ansatz, wann die Kiste hergestellt worden ist.

    Wenn man Fundstücke dieser Größe an Küsten finden kann, dann sind diese deutlich beschliffen und mitnichten Jahrzehnte im Meer unterwegs gewesen (Angabe basierend auf eigenen Funden). Auch findet man gerade bei größeren Stücken auch Bewuchs von Algen, Muscheln und ähnlichem.

    Hier ist es doch viel eher anzunehmen, das die Kiste höchstens vor Jahren in das Meer gelangt war und vorher …

    Keine Frage, jedes gefundene Plastikteil muß uns körperlich weh tun und uns immer wieder daran erinnern, unseren Konsum zu verändern. Denn jedes gekaufte Produkt entscheidet, wie es mit diesem Planeten weiter geht… vor allem in der ersten Welt sollte VERZICHT das oberste Gebot sein.

    Unsinnig sind jedoch Beiträge die die Seriösität infrage stellen.
    Hier hat Boyan vielleicht selber zu kurz gedacht? Ich bin beeindruckt von seiner Power, jede Idee verdient ihre Prüfung. Doch die Lösung liegt nicht im Beseitigen des Mülls im Meer, sondern im Schließen der Quelle.

    Jeden Tag versuchten Sammelns kommen mehr Plastikpartikel hinzu, als herausgefischt werden. Es muß daher – wie immer – an der Wurzel begonnen werden: Der Industrie und den Inverkehrbringern. Und das geht nur durch einlenken der Politiker… womit wir uns wie an anderen Stellen im Kreis drehen.

  2. WOHIN baut sich Plastik ab?
    WAS wird daraus?
    Erst Mikroplastik, welches von Tieren und dann auch Bakterien aufgenommen wird. WAS passiert damit in Tierkörpern?
    Dann vllt sogar pflanzliches und tierisches Plankton – was passiert damit?

    Plastik besteht meist aus allen möglichen Zutaten, von Farben, Lacken, Lösungsmitteln, Weichmachern, Ölen, Chemikalien uvm.
    Diese Einzelstoffe verschwinden nicht, sondern verbinden sich mit anderen, organischen oder anorganischen, Tieren, Pflanzen, Substraten, Wasser,…
    Man KANN also garnicht sagen „Plastik baut sich ab“… o_O

    Was suggeriert so eine Aussage?
    Dass sich Plastikmüll letztlich in harmlose Stoffe zersetzte, sogar in „Luft auflöste“????
    DAS ist FALSCH!

    Also bitte Utopia, solche FakeNews dürfen Sie hier nicht verbreiten!

    Man darf davon ausgehen, so oft wie behauptet wird dass Plastik sich „auflöse“, dass hier auch wieder eine industrielle Lobby-Maschine dahinter sitzt, die bewusst Irre führt und „Alternative Fakten“ produziert.
    Oder warum regt man sich so auf, wenn doch Plastik sich harmlos auflöste?
    Die Erdöl-Mafia wird schon wissen wie man Wissenschaft und PR benutzt…

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