AdBlue-Emulator, DPF/AGR deaktivieren: So manipulierbar sind Diesel-Autos

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AdBlue, Abgasrückführung und Dieselpartikelfilter sollen für sauberere Abgase sorgen. Doch viele Autofahrer deaktivieren die Technologien, um Geld zu sparen. Das ist verboten, denn es schadet der Umwelt und unserer Gesundheit.

Fahrer manipulieren Dieselfahrzeuge

Der Streit um den Dieselmotor ist hierzulande längst zu einer ideologischen Frage geworden. Viele sehen in dem Verbrennungsmotor eine rückständige Technologie, die zugunsten des Klimaschutzes dem Elektromotor weichen müssen. Andere hingegen halten den Diesel für eine wertvolle Brückentechnologie, die auf dem Weg zur Elektromobilität unverzichtbar ist. Doch warum hat der Diesel überhaupt einen so schlechten Ruf? Und ist er tatsächlich so schmutzig, wie gern behauptet wird?

Tatsache ist, dass veraltete Dieselmotoren aufgrund ihrer hohen Emissionswerte grundsätzlich nicht mehr auf die Straßen gehören, insbesondere nicht in großen Zahlen in den Arbeitsverkehr unserer Städte. Hochmoderne Dieselmotoren sind hingegen mit Technologien ausgestattet, die den Schadstoffausstoß auf ein Minimum reduzieren können. So etwa AdBlue, Abgasrückführung (AGR) oder Dieselpartikelfilter (DPF).

 Das Problem: Der Einsatz von Technologien zur Aufbereitung von Dieselabgasen ist für den Dieselfahrer ein ökonomischer Faktor. Deshalb deaktivieren viele Fahrzeughalter diese wichtigen Technologien – mit fatalen Folgen für die Luftqualität in Deutschland.

Ad-Blue Emulator

Bei manipulierten Fahrzeugen erhöht sich der Schadstoffausstoß um ein Vielfaches.
Bei manipulierten Fahrzeugen erhöht sich der Schadstoffausstoß um ein Vielfaches.
(Foto: CC0 / Pixabay / Paulina101)

AdBlue ist eine Harnstofflösung, die bei modernen Dieselmotoren zur Abgasreinigung eingesetzt wird. Die Flüssigkeit wird separat zum Kraftstoff getankt und sorgt dafür, dass in der Abgasnachbehandlung etwa der Ausstoß von Stickoxiden um bis zu 90 Prozent reduziert wird. Fahrzeuge mit der entsprechenden Ausstattung verfügen über eine eigene Tankanzeige für die AdBlue-Flüssigkeit und sorgen dafür, dass der Fahrer diese nachfüllen muss.

Allerdings lässt sich dieser Kontrollmechanismus mit einem sogenannten AdBlue-Emulator umgehen. Dieses günstige Gerät wird beispielsweise von vielen Spediteuren an die Elektronik von LKWs angeschlossen. Der Emulator sorgt dafür, dass der Boardcomputer das Fehlen der AdBlue-Flüssigkeit nicht bemerkt. In manchen Fällen erzeugt der Emulator sogar einen fiktiven AdBlue-Füllstand im Armaturenbrett, damit die Manipulation bei Kontrollen schwerer zu entdecken ist.

Die Nutzung von AdBlue-Emulatoren ist zwar gesetzlich verboten, doch das Risiko, bei einer Kontrolle erwischt zu werden, ist vergleichsweise gering. Daher einige Kraftfahrer auf diesen Betrug, um viel Geld für die AdBlue-Flüssigkeit zu sparen. Das ist kein Kavaliersdelikt: Durch die Manipulation wird ein Fahrzeug, das laut Zulassung zu den saubersten seiner Klasse gehört, zu einer regelrechten Dreckschleuder, die mit ihren Abgaswerten auf vielen Straßen gar nicht unterwegs sein dürfte.

Deaktivierung der Abgasrückführung

Die Abgasrückführung (AGR) ist eine Technologie, die in vielen Motoren zum Einsatz kommt und ebenfalls den Ausstoß von schädlichen Stickoxiden reduzieren soll. Wie der Name erahnen lässt, werden dabei Teile der produzierten Abgase nicht direkt ausgestoßen, sondern in den Motor zurückgeführt. Damit besteht das Luftgemisch im Motor nicht nur aus Frischluft, was wiederum bei der Verbrennung im Motor weniger Stickoxide entstehen lässt.

Fahrzeuge mit Abgasrückführung (AGR) haben zwar einen deutlich niedrigeren Schadstoffausstoß, dafür jedoch einen etwas höheren Treibstoffverbrauch. Für viele Fahrzeughalter ist das ein Grund, die Abgasrückführung deaktivieren zu lassen. Eine Internetsuche mit dem Stichwort „AGR off“ führt zu unzähligen Anbietern, die für wenige hundert Euro einen Eingriff in die Steuersoftware des Fahrzeuges anbieten. Zusätzlich dazu kann das Rückführventil mechanisch blockiert werden. Das soll zu besseren Verbrauchswerten und stärkerer Motorleistung führen, doch der Schadstoffausstoß erhöht sich um das fünf- bis zehnfache.

Abschalten des Dieselpartikelfilters

Manipulationen am Fahrzeug sind häufig schwer zu entlarven.
Manipulationen am Fahrzeug sind häufig schwer zu entlarven.
(Foto: CC0 / Pixabay / contratempo)

In Dieselmotoren ist der Rußpartikelfilter eines der effizientesten Mittel zur Abgasreinigung. Diese können bis zu 99 Prozent der giftigen Dieselpartikel aus den Abgasen filtern. Daher wird die Nachrüstung solcher Dieselpartikelfilter (DPR) sogar steuerlich gefördert. Doch auch hier treten zugunsten eines umweltfreundlicheren Motors Kosten auf, die einige Fahrer vermeiden wollen – so etwa leicht erhöhter Kraftstoffverbrauch und Kosten für Wartung oder Austausch des Filters. Das fällt vor allem bei Taxiunternehmen ins Gewicht, da sich der Dieselpartikelfilter (DPR) bei häufigen kurzen Fahrtstrecken schneller zusetzt. Wird der Filter entfernt, hat das auch hier katastrophale Auswirkungen auf die Luftqualität in Städten.

Insgesamt sorgen manipulierte Fahrzeuge dafür, dass für einen finanziellen Vorteil eine schwere Schädigung der Umwelt und der Gesundheit von Mitmenschen in Kauf genommen wird. Zwar sind alle hier genannten Methoden illegal und strafbar, doch sie werden häufig als Kavaliersdelikt angesehen.

Hinzu kommt, dass die Manipulationen weder vom TÜV noch von der Polizei zuverlässig erkannt werden können. Die Bußgelder sind in Deutschland noch immer so gering, dass zum Beispiel Kraftfahrer selbst dann noch einen Gewinn machen, wenn sie einmal im Jahr mit einem manipulierten Fahrzeug erwischt werden. Die weit verbreiteten Manipulationen machen die Bemühungen der Politik um saubere Luft in Städten zunichte und sind letztendlich auch ein Grund für drohende Fahrverbote

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