Apfelsaft im Test: Warum nur naturtrüber Direktsaft gut abschneidet

Apfelsaft im Test bei Stiftung Warentest
Foto: © industrieblick - stock.adobe.com

Stiftung Warentest hat Apfelsaft getestet – mit durchwachsenem Ergebnis. Direktsäfte schneiden am besten ab, die meisten Säfte sind Mittelmaß. Die Testmethode lässt ein großes Problem außer Acht.

Apfelsaft ist nach Orangensaft der zweitbeliebteste Saft in Deutschland: Pro Kopf trinken wir davon rund sechseinhalb Liter im Jahr – Apfelschorle nicht mit eingerechnet. Entsprechend groß ist die Produktauswahl im Supermarkt.

Stiftung Warentest hat jetzt 26 Apfelsäfte verkostet und im Labor untersucht. Das Ergebnis: Nur sechs Säfte – alles naturtrübe Direktsäfte – schneiden mit der Note „gut“ ab. Die meisten Säfte sind befriedigend, drei ausreichend und einer fällt mit mangelhaft durch.

Apfelsaft: Naturtrüber Direktsaft überzeugt im Test

Unter den 26 Apfelsäften im Test sind 16 Direktsäfte. Dabei handelt es sich um Saft, der direkt nach dem Pressen der Äpfel kurz erhitzt und abgefüllt wird. Bei Säften aus Saftkonzentrat dagegen wird der gepresste Saft mittels Hitze zu einem Konzentrat verarbeitet, welches später mit Wasser und Aromastoffen wieder zu Saft verdünnt wird.

“Der Test zeigt, dass die naturtrüben Direktsäfte den Säften aus Konzentrat vor allem geschmacklich überlegen sind”, sagt Projektleiterin Janine Schlenker. Apfelsaft ist natürlicherweise trüb, durch Zentrifugieren und Filtern kann er jedoch geklärt werden. Mitunter wird zur Filterung auch Gelatine eingesetzt, darum gelten solche Säfte oft als nicht vegan.

Naturtrübe Säfte sind laut Stiftung Warentest außerdem gesünder als klare, weil sie mehr wirksame Planzenstoffe (Polyphenole) enthalten. Diese stecken vor allem in den Trübstoffen. Natürliches Vitamin C allerdings enthält Apfelsaft kaum.

Testsieger und -Verlierer

Unter den sechs guten Säften sind zwei Bio-Säfte:

  • Voelkel Demeter Apfel 100% Direktsaft
  • Van Nahmen Bio-Apfelsaft von Streuobstwiesen

Auch die konventionellen naturtrüben Direksäfte von Edeka und Lidl schneiden gut ab.

Äpfel
Aus regionalen Äpfel von Streuobstwiesen entsteht nicht nur feiner Saft, sie schonen auch die Umwelt. (Foto: CC0 / Pixabay / Couleur)

Sowohl die Direktsäfte von Aldi Nord als auch beliebten Markensäfte – etwa von Amecke und Pfanner – sind im Test nur befriedigend.

Mit „ausreichend“ schneiden unter anderem die naturtrüben Säfte von Dm Bio und Granini ab. Bei beiden kritsieren die Tester:innen einen vergleichsweise geringen Aromagehalt, beim Granini-Saft außerdem unklare Deklarationen zum Zuckergehalt und zur angeblichen CO2-Neutralität.

Von den acht Bio-Apfelsäften im Test schnitten nur die beiden oben genannten gut ab, vier weitere (Aldi Nord, Edeka, Lidl, Rabenhorst) mit befriedigend.

Der Alnatura Apfelsaft naturtrüb schneidet als einziger Saft im Test mit mangelhaft ab – das Labor fand hier einen hohen Gehalt an Ethanol, flüchtiger Säure und Acetoin. Laut Stiftung Warentest deutet das auf minderwertige Äpfel oder unsaubere Verarbeitung hin. Gesundheitlich bedenklich sind die Gehalte aber nicht.

Test lässt Pestizide außer Acht

Was man wissen sollte: Anders als Öko-Test wird bei Stiftung Warentest das „sensorische Urteil“ (sprich: der Geschmack) am stärksten gewertet. Die „chemische Qualität“ hingegen fließt nur mit 15% ins Gesamturteil ein.

Apfelplantage
Auf Apfelplantagen ist ein hoher Pestizideinsatz nicht ungewöhnlich. Ob Rückstände im Saft zu finden sind, hat Stiftung Warentest nicht untersucht. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash.com – Matthew Rumph)

Ob Pestizidrückstände enthalten sind hat das Labor offenbar gar nicht geprüft. Dabei ist der Einsatz von Pestiziden im Apfelanbau weit verbreitet. 2020 fand Öko-Test im Apfelsaft-Test in allen konventionellen Säften Spuren von Pestiziden – in manchen sogar mehrere und einige besonders problematische.

Keine Schadstoffe, aber nicht unbedingt gesund

Immerhin: Andere gesundheitlich bedenkliche Rückstände oder Schadstoffe wie etwa Schimmelpilzgifte oder Keime hat das Labor von Stiftung Warentest in keinem Saft gefunden.

Ernährungsexpert:innen weisen aber immer wieder darauf hin, dass Fruchtsäfte keine geeigneten Durstlöscher sind. Sie enthalten viel Fruchtzucker.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) ordnet Fruchtsäfte gar nicht erst nicht bei den Getränken, sondern beim Obst und Gemüse sein – denn Getränke sollten den Expert:innen zufolge „energiearm“ sein. Das trifft auf Wasser und ungesüßte Tees zu, nicht aber auf Saft. Um die Empfehlung, täglich fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen, leichter umsetzen zu können, könne eine Portion Obst durch 200 Milliliter Fruchtsaft ersetzt werden, allerdings nicht täglich.

Die ausführlichen Testergebnisse findest du online auf test.de oder in der Zeitschrift test 3/22.

** mit ** markierte oder orange unterstrichene Links zu Bezugsquellen sind teilweise Partner-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös. Mehr Infos.

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter: