5 häufige Argumente Fleisch zu essen – NICHT

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Als Vegetarier:in oder Veganer:in wird man häufig mit Argumenten konfrontiert, warum eine fleischlose Ernährung ungesund, unnatürlich oder gar umweltschädlich sei. Was ist dran an diesen Aussagen? Wir haben fünf der häufigsten Argumente für Fleisch gesammelt und Gegenargumente formuliert.

Behauptungen wie „Für Tofu brennt der Regenwald!“, „Sportler:innen brauchen Fleisch!“ oder „Wenn der liebe Gott nicht gewollt hätte, dass wir Fleisch essen, hätte er es nicht so lecker gemacht!“ hat vermutlich jede:r Vegetarier:in und Veganer:in schon einmal gehört. Über Gott und seine Pläne können wir nicht mehr als streiten. Doch wenn Aussagen nachweislich falsch sind, muss man diese nicht auf sich beruhen lassen. Wie man einige der häufigsten Argumente für Fleischkonsum sachlich entgegnen kann:

1. Menschen sind Fleischfresser?

Menschen sind Fleischfresser, vegane Ernährung ist unnatürlich.

Einige der beliebtesten Argumente gegenüber Vegetarier:innen und Veganer:innen kreisen um die Frage, wie natürlich eine Ernährung ohne Fleisch ist. Dabei fallen auch gerne einmal Sätze wie „Menschen sind Fleischfresser, das sieht man schon am Gebiss“. Aber: Ein reiner Fleischfresser (= Carnivore) ist der Mensch ganz sicher nicht. Immerhin essen auch die größten Fleischliebhaber:innen ab und zu mal ein Stück Obst oder Gemüse. Das ist auch wichtig, denn anders als Carnivoren können Menschen selbst kein Vitamin C bilden und müssen es über die Nahrung aufnehmen.

Wären wir reine Fleischfresser, könnten wir außerdem große Stücke Fleisch fast ohne zu kauen runterschlucken. Bei Carnivoren beginnt die Verdauung im Magen, Menschen hingegen verdauen bereits im Mund. Dabei hilft uns ein Enzym im Speichel, das Stärke abbaut. Und Stärke ist nicht in Fleisch, sondern in Pflanzen vorhanden.

Zugegeben: Pflanzenfresser (= Herbivoren) sind Menschen biologisch gesehen auch nicht, sondern Allesfresser (= Omnivoren). Das heißt, unsere körperlichen Eigenschaften – darunter auch Aufbau und Funktionsweise des Gebisses – erlauben es uns, sowohl tierische als auch pflanzliche Nahrung zu essen – je nachdem, was gerade vorhanden ist.

Anders als unsere Vorfahren, die jagten und sammelten, haben wir heute die Wahl. Wir verhungern nicht, wenn wir kein Fleisch essen, der Landwirtschaft und Lagermöglichkeiten sei Dank. Wir müssen auch nicht so viel Energie in die Nahrungssuche stecken – und diesen Verlust durch Nahrung ausgleichen. Außerdem werden wir älter, weshalb man nicht nur die kurzfristige Sättigung betrachten sollte, sondern auch die langfristigen gesundheitlichen Vor- und Nachteile einer Ernährungsweise.

2. Wer körperlich fit sein will, braucht Fleisch?

Menschen brauchen tierische Proteine, vor allem Sportler:innen.

„Wenn der [Bauarbeiter] nur einmal die Woche Fleisch kriegt und nur Salat, fällt er am dritten Tag vom Gerüst runter.“ Dieses Zitat des bayerischen Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger machte im Sommer 2020 die Runde. In einem Punkt hat der Politiker Recht: Von Blattsalat allein kann man sich nicht ausgewogen ernähren. Zum Glück gibt es aber eine ganze Menge weiterer pflanzlicher Lebensmittel, auch um uns mit den bei Sportler:innen so beliebten Proteinen zu versorgen. Mehr dazu: „Vegane Proteine: Die 5 wichtigsten Quellen“.

Linsen, Bohnen, Kichererbsen
Hülsenfrüchte sind eine gute pfanzliche Proteinquelle. (Foto: CC0/ Pixabay/ ulleo)

Dass man auch mit einer rein pflanzlichen Ernährung Höchstleistungen erbringen kann, zeigt die Dokumentation „The Game Changers“ am Beispiel verschiedener Spitzensportler:innen. Der Wissenschaftsjournalist Bas Kast kommt in seinem Buch „Der Ernährungskompass: Das Fazit aller wissenschaftlichen Studien zum Thema Ernährung“ (kaufen** u.a. bei Thalia, bücher.de oder Buch7) sogar zu dem Schluss, dass pflanzliche Proteine gesünder sind als tierische. Diverse Studien liefern Hinweise darauf, dass Fleischkonsum das Risiko verschiedener Zivilisationskrankheiten steigert.

3. Die Sache mit dem Vitamin B12

Veganer:innen müssen Vitamin B12 supplementieren, Fleischesser:innen nicht.

Wenn man Vitamin B12 als Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen muss, kann das keine sinnvolle Ernährungsweise sein – auch dieses Argument haben sicherlich viele schon gehört. Es stimmt, Veganer:innen sollten Vitamin B12 supplementieren. Zwar enthalten auch einige pflanzliche Lebensmittel Vitamin B12, allerdings in einer Form, die laut Expert:innen für den menschlichen Körper nicht nutzbar ist.

Aber woher stammt das Vitamin B12 in Fleisch? Bei Geflügel- und Schweinefleisch lautet die Antwort: aus Nahrungsergänzungsmitteln. Denn genau wie beim Menschen bildet sich im Dickdarm der Tiere zwar Vitamin B12, sie scheiden es aber aus, ohne es zu verwerten. Genauere Infos dazu findest du im folgenden Video vom Wissensmagazin Quarks:

Wiederkäuer können hingegen ihr vom eigenen Körper hergestelltes Vitamin B12 nutzen. Dafür müssen sie ausreichend mit dem Spurenelement Kobalt versorgt sein. In der industriellen Landwirtschaft mangelt es Kühen häufig an dieser Voraussetzung, weshalb auch sie oft auf Nahrungsergänzung angewiesen sind.

Auf dieser Grundlage ist es durchaus berechtigt, die Frage zu stellen, ob man Vitamin B12 in Form von Nahrungsergänzungsmitteln nicht einfach selbst zu sich nehmen und den Umweg über die Tiere auslassen kann.

4. Veganer:innen essen Industriepampe?

Fleischersatzprodukte sind unnatürlicher Chemiefraß.

Veganes Essen besteht aus Geschmacksverstärkern, künstliche Aromen und anderen Zusatzstoffen? Für einige pflanzliche Nahrungsmittel stimmt das, wie auch für viele verarbeitete tierische Produkte. Und wie auch bei einer omnivoren Ernährung sollten solche Produkte die Ausnahme und nicht die Regel sein, wenn man Wert auf eine gesunde Ernährung legt.

Fleischersatzprodukte erleichtern vielen Menschen den Umstieg auf eine pflanzliche Ernährung. Sie sind praktisch, wenn man ohne große Mühe eine vegane Alternative zu einem Fleischgericht zubereiten möchte. Auf Dauer nehmen viele gesundheitsbewusste Veganer:innen allerdings davon Abstand, Fleisch, Wurst und Käse 1:1 durch vegane Ersatzprodukte zu ersetzen. Stattdessen gibt es zum Beispiel Bolognese aus Linsen, Gemüsespieße beim Grillen und Hummus aufs Brot. Tofu gibt es auch naturbelassen und selbst bei verarbeiteten Fleischersatzprodukten ist die Zutatenliste nicht immer gleich lang und gleich kryptisch.

Grillgemüse ist schnell vorbereitet und lässt sich ganz nach Belieben variieren.
Statt Veggie-Würstchen landet bei vielen Vegetarier:innen und Veganer:innen Gemüse auf dem Grill. (Foto: CC0 / Pixabay / angela0716)

Selbst wenn sich Veganer:innen auf einer Grillparty (wenn diese wieder möglich sind) ein paar vegane Würstchen gönnen: Bevor man diese als Industriepampe bezeichnet, sollte man sich überlegen, ob es wirklich das Vegansein ist, das den Ausschlag darüber gibt, wie natürlich oder unnatürlich man sich ernährt. Hat man sich selbst nicht gerade eine Bratwurst mit ähnlich langer Zutatenliste einverleibt, dazu noch fertige Grillsaucen, Chips und Cola? Wenn ja, dann ist es vielleicht besser, den Mund zu halten.

5. Für Tofu brennt der Regenwald?

Vegane Ernährung schadet der Umwelt.

Wenn wir alle aufhören, Fleisch zu essen, wo sollen wir dann das ganze Gemüse anbauen, um satt zu werden? Diese Frage stellen sich vermutlich einige. Wenn bereits jetzt Regenwald abgeholzt wird, um Soja anzubauen, wird das Problem mit einem Umstieg auf Pflanzenkost nicht noch schlimmer?

Viele, die diese Fragen stellen, vergessen, dass auch Schweine, Rinder und Hühner etwas fressen müssen. Die wenigsten dieser Tiere grasen auf grünen Bergwiesen, die für den Nahrungsanbau ungeeignet sind. Stattdessen werden für den Anbau von Tierfutter große Ackerflächen benötigt. Damit ist der Flächenbedarf für tierische Nahrungsmittel höher als für pflanzliche. Geht die Tierhaltung zurück, so werden Flächen frei, auf denen wir Nahrung für den menschlichen Verzehr anbauen oder die wir wiederaufforsten können.

Ökobilanz Pflanzenmilch vs. Kuhmilch, Landverbrauch
Für Kuhmilch wird deutlich mehr Fläche gebraucht als für Milchalternativen.

Der steigende Hunger nach billigem Fleisch hat dazu geführt, dass Wälder abgeholzt werden, um in riesigen Monokulturen Tierfutter anzubauen. Je nach Quelle werden 75 bis 85 Prozent des weltweit geernteten Sojas an Tiere verfüttert. So viel also zu der Behauptung, Vegetarier:innen und Veganer:innen würden den Regenwald zerstören. Das Soja für Fleisch- und Milchersatzprodukte kommt übrigens oft aus Europa. Mehr dazu: „Soja aus dem Regenwald? Hierher kommen die Sojabohnen für Tofu & Sojadrinks wirklich“.

Wenn man jahrelang Fleisch und andere tierische Produkte gegessen hat, kann es schwer sein, weniger davon zu essen oder sogar ganz zu verzichten. Sich hinter falschen Argumenten zu verstecken, zählt aber nicht länger als Ausrede. Also leg doch einfach mit ein paar leichten Schritten los: 10 Tipps, um ein bisschen veganer zu werden.

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(7) Kommentare

  1. Ich kann echt gut verstehen, wenn man sich vegetarisch oder gar vegan ernährt. Mir fehlt dazu leider (noch) das Durchhaltevermögen und ein schönes Stück Fleisch vom Metzger meines Vertrauens lockt mich dann doch sehr.

    Was ich nicht nachvollziehen kann ist, wenn man die (überteuerten) veggie Produkte der großen Fleischhersteller kauft. Denn damit unterstützt man eben doch die Industrie, die ansonsten mit Massentierhaltung ihr Geld verdient. Und bevor jetzt als Antwort kommt, wenn das alle machen würden, sinkende Fleischnachfrage,… Es wird bereits wesentlich mehr Fleisch produziert als gegessen wird. Gewisse Firmen sollte man einfach grundsätzlich nicht unterstützten. Egal ob aus Umwelt-, Tier- oder Mitarbeiterschutz Gründen.

  2. Ich finde es ist wichtig von allem etwas zu essen, denn wie schon im Beitrag erwähnt, sind Menschen Allesfresser. Früher auf unserem Bauernhof haben wir auch Tiere gehalten und diese gegessen, nur mit den Unterschied, dass wir mit einem Schwein eine fünfköpfige Familie ein 3/4 Jahr lang ernährt haben. Es wurde das gesamte Tier verwertet und nichts weggeworfen. Es wurde auch nicht jeden Tag Fleisch konsumiert nur weil wir Tiere hatten. Es wurde viel haltbar gemacht und meistens Sonntags oder zu Besonderen Anlässen Fleisch gegessen. Zwischendurch haben wir viel Vegetarisches gekocht (z.B Gemüse aus den Garten) Die Tiere wurden auch nicht mit irgendwelchen gepanschten Futter gefüttert. Wenn dies Heutzutage auch noch so laufen würde, dann hätten wir ein Problem weniger auf der Welt. Ich meine, wenn die Menschen wieder anfangen würden sich selber zu versorgen und Tiere zu halten, dann würden einige zu Vegetariern werden, denn ein Tier zu töten ist keine Feine Sache.

  3. Stimme fast allem zu, nur absolut nicht dem ersten Satz. Es ist überhaupt nicht wichtig, von allem etwas zu essen. Und schon gar nicht, weil wir es können, sprich Allesfresser sind.
    Nur weil ich es kann, trete ich auch nicht jedes schwächere Wesen, das mir auf der Straße begegnet. Sprich Ethik und Moral bestimmen unser aller Leben. Leider erkennen die meisten Menschen nicht, dass ihre Spezies nicht die einzige ist, die Liebe, Trauer, Leid, Freude… empfindet und stempelt alle anderen Spezies quasi als „minderwertig“ ab und nutzt sie u.a. für ihre Gaumenfreude aus.

  4. Das stimmt was Sie schreiben, vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt. Ich habe auch geschrieben “ von allem ETWAS“ zu essen und sich nicht jeden Tag den Bauch mit Fleisch/Fleischprodukten zu stopfen. Gemüse und Obst sollten immer an erster Stelle für den Menschen stehen nicht Tierfleisch. Ich und meine Familie konsumieren Fleisch 1-2x die Woche und es ist uns auch sehr wichtig, dass es Bio ist und dass das Tier Artgerecht gelebt hat. Nichts und niemand sollte minderwertig betrachtet werden den das eine kann ohne das andere nicht überleben… außer die Welt ohne Menschen.

  5. Könnt ihr das bitte korrigieren? Weder Menschen noch Tiere produzieren B12- es wird immer von Mikroorganismen produziert (Bakterien/Algen), welche im Darm, in Wasser, und im Boden leben. Tiere nehmen B12 durch Erdanhaftungen, Oberflächengewässer und Kotfressen auf- würde der Mensch nicht hygienisierte Lebensmittel zu sich nehmen und Oberflächengewässer als Trinkwasser nutzen, gäbe es auch für Veganer*innen auch kein B12 Problem. Da es aber auch pathogene Bakterien gibt ist Supplementation ein guter Kompromiss.