Auf dem Boden schlafen: Das macht es mit deinem Rücken

auf dem Boden schlafen
Foto: CC0 / Pixabay / Hotgirlvietnam

Auf dem Boden zu schlafen gilt als gesund und förderlich für den Rücken. Was es mit dieser These auf sich hat und was es mit dem Rücken macht, erfährst du hier.

Kultur, Finanzen, Naturverbundenheit oder Ausdruck eines Lebensstils – es gibt viele Gründe, auf dem Boden zu schlafen. In Japan schlafen die Menschen seit Jahrhunderten auf diese Weise. Noch heute dient in vielen Häusern als Schlafunterlage ein Futon, dieser wiederum liegt auf Matten aus Stroh, sogenannten Tatamis.

Immer wieder berichten Menschen, dass sie auf dem Boden besser schlafen und ausgeruhter in den Tag starten. Was ist da dran? Und was macht die Bodenlage mit deinem Rücken?

Auf dem Boden schlafen: Wie gesund ist das?

Auf dem Boden zu schlafen soll besonders schonend für den Rücken, die Hüfte und andere Gelenke sein. Wissenschaftlich ist diese Aussage nicht klar belegt. Zu weiche Matratzen können allerdings den Rücken belasten und Rückenschmerzen oder Blockaden nach sich ziehen.

Besonders im Rahmen der Paleo-Diät und -Lebensweise ist das Schlafen auf dem Boden beliebt. Anhänger:innen des Paleo-Konzeptes versuchen, dem ursprünglichen Lebensstil des Menschen während der Altsteinzeit näher zu kommen. Dazu gehört unter anderem eine Diät, die aus unverarbeitetem Fleisch, Fisch, Meeresfrüchten, Gemüse, Obst und Nüssen besteht. Auf andere Lebensmittel wie Getreide, Hülsenfrüchte, Zucker oder Milch und Milchprodukte wird dagegen komplett verzichtet. Der Lebensstil soll laut seinen Befürworter:innen gesund sein. Ihnen zufolge haben unsere Gene sich seit Jahrtausenden nicht verändert und hatten keine Zeit, sich an die moderne Lebensweise (zum Beispiel verarbeitete Lebensmittel oder weiche Matratzen) anzupassen.

Anhänger:innen der Paleo-Lebensweise sehen verschiedene Vorteile im Schlaf auf dem Boden. So soll sich der Rücken dabei der Unterlage anpassen und zudem die Schlafbewegung gefördert werden. Das sei gut für Muskellockerung und Durchblutung der Organe. Manche Menschen, die Paleo praktizieren, stellen deshalb die Frage in den Raum, ob ein wenig „Unbequemlichkeit“ nicht gesünder sei. Auf einer harten Unterlage wache man zwar zunächst gerädert auf, aber Organe wie die Lunge könnten beim Schlafen auf dem Boden besser arbeiten als auf einer weichen Matratze.

Neuere Studien zum Thema „auf dem Boden schlafen“ fehlen allerdings. Eine Studie aus dem Jahr 2003 belegt lediglich, dass harte Matrazen entgegen weitverbreiteten Behauptungen nicht die rückenfreundlichste Unterlage sind. Die Forschenden schlussfolgerten, dass Menschen mit Rückenschmerzen besser auf eine mittelharte Matratze zurückgreifen sollten. Bei diesem Härtegrad hatten Proband:innen sowohl im Liegen als auch nach dem Aufstehen und während des Tages weniger Schmerzen als solche, die auf einer sehr harten Matratze lagen. Auf einer sehr harten Unterlage konzentriert sich der Druck des Körpers auf einzelne Punkte, etwa die Schulter und das Becken. Das belastet und schädigt Haut und Knochen. Expert:innen raten: Je älter und schmerzgeplagter der Mensch, desto weicher sollte die Unterlage sein.

Woran erkenne ich, ob ich gut liege?

Viele moderne Matratzen sind zu weich.
Viele moderne Matratzen sind zu weich.
(Foto: CC0 / Pixabay / Victoria_paint)

Bei einem gesunden Menschen ist eine sehr weiche Schlafunterlage trotzdem nicht zu empfehlen. Auf einer zu weichen Matratze hängt der Rücken durch, obwohl er stabil bleiben und nicht einsinken sollte.

Beim Kauf einer neuen Matratze ist mehrminütiges Probeliegen wichtig, damit du einen guten Eindruck von ihrer Eignung bekommst. Dabei solltest du folgende Dinge beachten: 

  • Je höher der Härtegrad einer Matratze, desto belastbarer ist sie. Als Faustregel kannst du die eigene Körpergröße in Zentimetern abzüglich 100 heranziehen und mit deinem Gewicht vergleichen. Ist das Körpergewicht geringer, solltest du eine weiche Matratze wählen. Sind die Werte nahezu identisch, eignet sich eine mittlere. Ist das Gewicht höher, empfiehlt sich eine harte Matratze.
  • Liege beim Probeliegen länger in deinen gewohnten Schlafpositionen. So kannst du besser fühlen, ob die Matratze den richtigen Widerstand und Härtegrad hat. 
  • Schultern und Becken sollten nur so sehr einsinken, dass die Wirbelsäule ihre natürliche Form behält: ein leicht geschwungenes S.
  • Ist die Unterlage zu hart, passt zwischen Taille und Matratze noch eine flache Hand.

Wer das Schlafen auf dem Boden ausprobieren möchte, kann sich dem Thema langsam nähern und erst einmal eine weiche Unterlage dazwischenlegen. Und wer nicht gleich das Bett aus dem Schlafzimmer verbannen und in eine Unterlage investieren möchte, kann im Urlaub testen, wie sich das Schlafen auf dem Boden anfühlt. Inzwischen gibt es deutschlandweit Strohhotels oder Unterkünfte mit Betten auf dem Boden. 

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