Bioenergiedörfer: Diese Dörfer können ihren Energiebedarf selbst decken

Bioenergiedorf
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Das erste Bioenergiedorf war 2004 Jühnde. Seitdem sind viele dazugekommen. Hier erfährst du, was ein Bioenergiedorf ausmacht und wie es zum Klimaschutz beitragen kann.

Die begrenzte Verfügbarkeit nicht nachwachsender Ressourcen, mangelndes Gemeinschaftsgefühl und die Abhängigkeit von Importen sind aktuell kritische Themen. Mit allen setzen sich Bioenergiedörfer auseinander und streben ökologisch und sozial nachhaltige Lösungen an.

Ein Bioenergiedorf nutzt Biomasse als Erneuerbare Energie und erzeugt diese dort, wo sie auch verbraucht wird. Außerdem schaffen die Anlagen zur Energiegewinnung Arbeitsplätze und das gemeinsame Projekt stärkt den Zusammenhalt im Ort.

Pionier beim Thema Bioenergiedorf war die Gemeinde Jühnde in der Nähe von Göttingen. 2004 wurden dort 70 Prozent der Haushalte an eine Biogasanlage und ein Biomasseheizwerk angeschlossen. Ein wesentlicher Treiber des Projektes war das „Interdisziplinäre Zentrum für Nachhaltige Entwicklung“ der Universität Göttingen. 2019 mussten die Anlagen in Jühnde aus finanziellen Gründen an ein Unternehmen verkauft werden. Es haben sich jedoch viele andere Gemeinden gefunden, die das Konzept Bioenergiedorf umsetzen.

Was ein Bioenergiedorf ausmacht

Holz ist eine mögliche Biomasse für die Energiegewinnung eines Bioenergiedorfs.
Holz ist eine mögliche Biomasse für die Energiegewinnung eines Bioenergiedorfs. (Foto: CC0 / Pixabay / space_drifter)

Damit ein Dorf oder eine Gemeinde als Bioenergiedorf bezeichnet werden kann, muss der Ort mindestens 50 Prozent seines Energieverbrauchs an Strom und Wärme mit regional erzeugter Bioenergie decken. Dafür verwendet ein Bioenergiedorf meist Biomasse, Photovoltaik und teilweise Windenergie. Es sind aber auch andere Alternativen möglich. Biomasse können zum Beispiel Getreidepflanzen, Gülle oder Bioabfälle sein.

Neben der Erzeugung und Nutzung von Bioenergie liegt in einem Bioenergiedorf der Fokus auch darauf, die gewonnene Energie möglichst effizient zu nutzen. Außerdem versuchen die Dörfer, sparsam mit der Energie umzugehen.

Besonders maßgeblich ist in einem Bioenergiedorf die Beteiligung der Bürger:innen. Sie unterstützen die Idee des Bioenergiedorfes und sind an Entscheidungen beteiligt. Dabei ist wichtig, dass möglichst alle mitarbeiten und auch in ihren Privathaushalten auf Erneuerbare Energien setzen. Zusätzlich gehören die technischen Anlagen zur Bioenergiegewinnung zumindest teilweise den Bürger:innen und Kund:innen, zum Beispiel Landwirt:innen.

Wo gibt es Bioenergiedörfer?

Auf der Webseite der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. sind aktuell 170 Bioenergiedörfer in Deutschland verzeichnet. Die meisten davon befinden sich in Baden-Württemberg oder Bayern. Weitere 42 Ortschaften sind auf dem Weg, ein Bioenergiedorf zu werden – darunter sogar das gar nicht so dörfliche Göttingen. Zu jedem Bioenergiedorf findest du auf der Webseite ein ausführlicheres Datenblatt. Es informiert dich unter anderem darüber, wie das jeweilige Dorf aktuell seine Energie gewinnt.

Bioenergiedörfer gibt es aber nicht nur in Deutschland. Für andere Länder scheint es keine so klare Auflistung wie für Deutschland zu geben, aber ein Beispiel für ein Bioenergiedorf in Österreich ist etwa das Landgut Danzermühle. In Rumänien versucht sich die Gemeinde Ghelinţa an dem Konzept.

So helfen Bioenergiedörfer, das Klima zu schützen

Auch Solaranlagen werden in einem Bioenergiedorf genutzt.
Auch Solaranlagen werden in einem Bioenergiedorf genutzt. (Foto: CC0 / Pixabay / RoyBuri)

Sonnenenergie über Photovoltaik zu nutzen, ist eine sehr bekannte Methode, um zumindest ohne unmittelbare CO2-Emissionen Energie zu gewinnen. Biomasse bezeichnet die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe als „in pflanzlicher Form gespeicherte Sonnenenergie“. Damit wird deutlich, dass es sich auch hierbei um eine erneuerbare Energieform handelt: Pflanzen wachsen schließlich relativ schnell nach. Bei den meisten Methoden wird die Biomasse letztendlich verbrannt, um die in ihr gespeicherte Energie freizusetzen.

Jetzt denkst du vielleicht: Moment, beim Verbrennen entsteht doch CO2 – schadet das nicht dem Klima? Zwar tritt beim Verbrennungsprozess tatsächlich CO2 frei, aber nur so viel, wie die jeweilige Pflanze während ihres Wachstums aufgenommen hat. Es entsteht also kein zusätzliches CO2 und die nächste Generation an Pflanzen nimmt das freigewordene Kohlenstoffdioxid wieder auf. In dieser Hinsicht ist die Bilanz also ausgeglichen.

Ganz geht die Rechnung am Ende allerdings leider noch nicht auf, weil die Pflanzen ja auch gepflanzt, gepflegt, geerntet, transportiert und verarbeitet werden müssen. Auch dafür ist Energie vonnöten und es wird CO2 freigesetzt. Deswegen sollte man bei diesen vorbereitenden Schritten auf eine sparsame Nutzung von Energie achten. Insgesamt hat Energie aus Biomasse im Vergleich zu Energie aus fossilen Brennstoffen den klaren Vorteil, dass sie keinen vor Millionen von Jahren gespeicherten Kohlenstoff in Form von CO2 freisetzt.

Neben der Energie selbst lässt sich außerdem die Wärme aus der Verbrennung der Biomasse nutzen und in ein Nahwärmenetz einspeisen. Das ermöglicht den Haushalten im Bioenergiedorf den Verzicht auf eine eigene Heizung – beispielsweise eine Gasheizung, die zusätzlich CO2 produzieren würde.

Mit Blick auf den Klimaschutz bringen Bioenergiedörfer den klaren Vorteil mit, dass dabei buchstäblich ein ganzes Dorf auf erneuerbare und lokal erzeugte Energie setzt. Das hat auf jeden Fall eine größere Wirkung, als wenn einzelne Haushalte alleine aktiv werden.

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