Bodenversauerung: Ursachen und Folgen des sauren Bodens

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Bereits in den 1980ern war saurer Regen und die damit einhergehende Bodenversauerung ein großes Thema im Umweltschutz. Das Problem ist noch längst nicht behoben – und die Folgen von Bodenversauerung vielfältig und gravierend.

Was versteht man unter Bodenversauerung?

Unsere Böden haben, wenn sie intakt sind, in der Regel sehr gute Pufferkapazitäten. Das heißt, sie können einen stabilen pH-Wert über eine lange Zeit aufrecht erhalten. Durch verschiedene Prozesse können jedoch zu viele Säuren in den Boden gelangen und mit der Zeit zu einer Versauerung des Bodens führen. Der Boden kann die Säuren dann nicht mehr kompensieren und sein pH-Wert sinkt – je geringer der pH-Wert ist, desto saurer ist der Boden.

Böden können auch natürlicherweise eher sauer oder eher basisch sein. Die meisten Moorböden besitzen einen sehr niedrigen pH-Wert. Dann sind die Pflanzen, die dort wachsen, entsprechend an die Böden angepasst. Schwierig wird es, wenn sich der pH-Wert zu schnell zu stark verändert, denn das halten die natürlich dort wachsenden Pflanzenarten nicht aus und sterben ab.

Das hat zahlreiche Auswirkungen für den Boden selbst und die Lebewesen, die von, mit und in ihm leben. Viele Organismen sind sehr stark an bestimmte Lebensbedingungen angepasst und können in einem sauren Boden nicht überleben.

Vor allem in tropischen Wäldern ist die Bodenversauerung stark verbreitet. Laut WWF liegt dort an vielen Stellen der pH-Wert zwischen 4,2 und 4,5. Der intakte Regenwald ist daran angepasst und liefert sich in Kreisläufen die benötigten Nährstoffe nach. Problematisch ist dieser Boden aber für die Landwirtschaft. Er ist sehr nährstoffarm und daher wenig ertragreich. Deshalb hat sich vielerorts die Brandrodung durchgesetzt: Regenwald wird gerodet, die Flächen werden wenige Jahre genutzt, dann sind die Erträge so gering, dass wieder neue Flächen gerodet werden müssen.

Idealerweise liegt der pH-Wert bei landwirtschaftlich genutzten Böden aber zwischen 5,5 und 7,5. Dann stehen genügend Nährstoffe für die Pflanzen zu Verfügung, um gute Erträge zu erzielen.

Natürliche vs. menschgemachte Versauerung

Nadelwälder sorgen eher für eine Bodenversauerung.
Nadelwälder sorgen eher für eine Bodenversauerung. (Foto: CC0 / Pixabay / felix_w)

Bodenversauerung ist ein Prozess, der viele natürliche Ursachen haben kann:

  • Pflanzen geben über ihre Wurzeln Protonen ab, um im Gegenzug Mineralstoffe aufnehmen zu können. Dadurch wird der Boden saurer – je größer die Konzentration von Protonen, desto geringer der pH-Wert.
  • Durch die Atmung von Bodenlebewesen entsteht CO2, das mit Wasser zu Kohlensäure reagiert und ebenfalls den Boden saurer macht.
  • Auch durch Regen wird CO2 in den Boden eingetragen und wodurch sich Kohlensäure bildet.
  • Daneben gibt es weitere natürliche Stoffe und chemische Reaktionen im Boden, die zu einer Bodenversauerung beitragen.
  • Außerdem hängt der pH-Wert des Bodens vom Ausgangsgestein ab: Einige Gesteinsarten sorgen von sich aus für einen eher sauren Boden.

Bedeutender sind aber die menschgemachten Ursachen, weil die meist in viel größerem Umfang auftreten und den Prozess der Bodenversauerung enorm beschleunigen:

  • Normalerweise gelangen alle Stoffe, die von Pflanzen aufgenommen wurden, wieder in den Boden zurück, wenn die Pflanzen absterben. Das Ganze ist ein Kreislauf. Wenn Pflanzen jedoch geerntet werden, passiert das nicht und ein Ungleichgewicht entsteht. Die Pflanzen geben mehr Protonen ab, als neutralisierende Stoffe durch absterbende Pflanzenteile wieder eingetragen werden können.
  • Die Düngemittel, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, führen zu einer Versauerung.
  • Beim sogenanntem sauren Regen werden Schadstoffe aus der Atmosphäre, die bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe entstehen, ausgewaschen und in den Boden eingetragen. Dabei entsteht zum Beispiel Schwefelsäure.
  • Nadelwälder tragen maßgeblich zur Bodenversauerung bei. Während ursprünglich vor allem Laubwälder in unseren Breiten wuchsen, werden Wälder heutzutage überwiegend mit Nadelbäumen aufgeforstet. Dadurch wird der Boden saurer.

Was sind die Folgen von Bodenversauerung?

Saurer Boden kann Wasser nicht so gut speichern und trocknet in Dürreperioden schnell aus.
Saurer Boden kann Wasser nicht so gut speichern und trocknet in Dürreperioden schnell aus. (Foto: CC0 / Pixabay / daeron)

Die Folgen der Bodenversauerung sind massiv:

  • Tiere und Pflanzen, insbesondere Bodenlebewesen, können in einem saureren Milieu oft nicht überleben. Deshalb führt die Bodenversauerung dazu, dass viele Lebewesen absterben und verschwinden.
  • Dadurch wird die Humusbildung gehemmt. Der Boden wird nährstoffärmer.
  • Ein saurer Boden kann weniger Nähr– und Schadstoffe aufnehmen. Somit gehen Puffer- und Speicherkapazität des Bodens verloren.
  • Die Nähr- und Schadstoffe werden ausgewaschen und gelangen so ins Grundwasser und dann oft weiter in Seen oder Flüsse, wo sie die dortigen Ökosysteme belasten.
  • Das Bodengefüge wird zerstört. Dadurch ist der Boden anfälliger für Erosion, Verschlämmung und Bodenverdichtung.
  • Die Wasserspeicherfähigkeit wird durch die Zerstörung des Bodengefüges ebenfalls beeinträchtigt. Wenn es länger nicht regnet, trocknen die Böden schneller aus.
  • Saure Böden sind weniger ertragreich, weil viele Pflanzen nicht mit den sauren Bedingungen zurecht kommen. Oft entstehen dann ein Teufelskreis: Der Boden wird noch mehr bearbeitet und gedüngt, weshalb er noch mehr versauert.

Woran erkennst du einen sauren Boden?

Ein saurer Boden ist nicht auf den ersten Blick als solcher zu erkennen. Wenn du merkst, dass die Fruchtbarkeit deines Bodens zurückgeht, dann kann das ein Indikator für einen sauren Boden sein, kann aber auch andere Ursachen haben wie der Eintrag von Schwermetallen oder starken Humusverlust.

Am sichersten kannst du bestimmen, wie sauer ein Boden ist, indem du den pH-Wert misst. Das geht am besten mit einem Indikatorpapier:

  1. Vermische 100 Gramm einer Bodenprobe mit 100 Milliliter destilliertem Wasser.
  2. Lass das Ganze zehn Minuten ruhen.
  3. Halte dann einen Streifen Indikatorpapier in das Wasser.
  4. Anhand der Farbe, die das Papier annimmt, und der bei gelegten Farbskala kannst du nun den pH-Wert ablesen.

Ein neutraler pH-Wert liegt bei 7. Werte, die darunter liegen, gelten per Definition als sauer. Viele Pflanzen wachsen in ganz leicht saurem Bereich, also bei einem pH-Wert von 5,5-6,5 am besten. Ab einem pH-Wert, der niedriger als 5 ist, fahren sie ihren Stoffwechsel deutlich zurück, so Pflanzenforschung.de.

Wenn du den pH-Wert nicht messen möchtest, kannst du auch an einigen Pflanzen erkennen, ob der Boden sauer ist. Sie werden „Zeigerpflanzen“ genannt und gedeihen eher auf saurem Boden. Dazu gehören laut einer Bestimmungshilfe der Stadt Wuppertal z.B.:

  • Erika
  • Sauerampfer
  • oder der klassischerweise in Mooren wachsende Sonnentau.

Was wird gegen Bodenversauerung getan – und was kannst du tun?

Ökostrom statt fossilen Energieträgern: So gelangen weniger Schadstoffe in die Atmosphäre.
Ökostrom statt fossilen Energieträgern: So gelangen weniger Schadstoffe in die Atmosphäre. (Foto: CC0 / Pixabay / pixel2013)

Eigentlich sollten unsere Böden durch das Bundes-Bodenschutzgesetz und die Bundes-Bodenschutzverordnung geschützt werden. In dem Gesetz geht es darum, die Bodenfunktionen zu sichern und wiederherzustelllen. Darin werden Sanierungs- und Vorsorgemaßnahmen vorgeschrieben sowie die Abwehr von Gefahren für den Boden.

Im Jahr 2015 hatten sich über 300 Umweltschutzorganisationen, darunter auch der BUND, NaBu, Greenpeace und WWF, zu einem Netzwerk namens „People4Soil“ zusammengeschlossen, um Unterschriften zu sammeln für ein neues europäisches Bodenschutzgesetz. Leider ist diese Unterschriftenaktion wegen zu wenigen Stimmen gescheitert.

In der Landwirtschaft wird dem Problem oft begegnet, indem die Böden gekalkt werden. Kalk hat die Fähigkeit, den Säuregehalt des Bodens zu neutralisieren und versorgt die Pflanzen gleichzeitig noch mit Calcium und Magnesium. Problematisch ist allerdings, dass Kalk auch für die Freisetzung von CO2 sorgt und somit klimarelevant ist.

Aber auch du kannst ein paar Dinge beachten, um unsere Böden vor Versauerung zu schützen:

  • Kaufe nur torffreie Erde: Torf ist von sich aus schon sehr sauer und sorgt deshalb schneller für eine Bodenversauerung.
  • Hilf dabei, die Verwendung fossiler Brennstoffe zu vermeiden: Fahre zum Beispiel weniger Auto und beziehe Ökostrom. Wenn weniger Schadstoffe in die Atmosphäre gelangen, gibt es weniger sauren Regen.
  • Erkundige dich vor dem Anpflanzen, welche Pflanzen eventuell zu einer Bodenversauerung beitragen können.

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