Darmreinigung und Darmsanierung: Das sind die Unterschiede

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Darmreinigung und Darmsanierung sind für Heilpraktiker ein maßgeblicher Teil der Behandlung, Schulmediziner sind sich da nicht so sicher. Sicher ist, dass der Darm mit seinen Darmbakterien wichtig für die Gesundheit sind.

Darmreinigung und Darmsanierung – das ist der Unterschied

1. Die Darmsanierung ist eine Therapie in der Naturheilkunde.

In der Naturheilkunde mit ihrem ganzheitlichen Ansatz ist eine gesunde Darmflora der Schlüssel für einen gesunden Körper. Die Darmsanierung leitet erst die „schlechten“ krankmachende Bakterien und Giftstoffe aus, danach bauen verschiedene probiotische Bakterien eine gesunde Darmflora wieder auf.

Die Naturheilkunde bringt eine ganze Reihe von Erkrankungen in Zusammenhang mit Störungen der Darmflora:

  • Erkrankungen des Darms, wie Verdauungsstörungen oder Reiz-Darm-Syndrom
  • das ganze Spektrum der allergischen Erkrankungen mit Nahrungsmittelunvertäglichkeiten oder Neurodermitis
  • aber auch Rheuma und Arthritis

2. Der Begriff Darmreinigung dagegen kann unterschiedliche Methoden bezeichnen.

  • Die Schulmedizin versteht unter der Reinigung des Darms, Einläufe oder Abführmittel. Diese Art der Darmreinigung ist eine Vorbereitung für medizinische Eingriffe und keine Therapie.
  • In der Naturheilkunde steht eine Darmreinigung am Anfang der Darmsanierung. Unterschiedliche Präparate sollen feste Ablagerungen im Darm lösen und Giftstoffe ausschwemmen. Die empfindliche Darmschleimhaut soll somit die Nährstoffe wieder besser aufnehmen.

Mit der Darmreinigung beginnt die Darmsanierung

Alles zur Darmreinigung: Bullrichsalz, Flohsamen, Leinsamen und Heilerde.
Alles zur Darmreinigung: Bullrichsalz, Flohsamen, Leinsamen und Heilerde.
(Foto: Martina Naumann/utopia)

Eine Darmreinigung geht in der naturheilkundlichen Therapie einer Darmsanierung voran. Über zwei bis vier Wochen wird eine Kombination unterschiedlicher Präparate eingenommen, die den Darm reinigen. Es müssen nicht unbedingt teure Detox Kombi-Präparate sein, es gibt auch einfache natürliche Mittel.

Eine Darmreinigung oder -sanierung solltest du nie ohne vorhergehende Untersuchung eines erfahrenen Arztes oder Heilpraktikers beginnen. Nur der Labortest einer Stuhlprobe kann bestimmt werden, welche Bakterienstämme im Darm vorhanden sind und durch welche Giftstoffen er belastet ist.

1) Die Darmsanierung beginnt mit der Darmreinigung durch Abführmittel wie Glaubersalz. Du erhälst es im Drogeriemarkt oder auch online (z.B. bei **Amazon). Auch eine klassische Reinigung durch einen Einlauf (Colon-Hydrotherapie) ist möglich.

2) Reinigung der Darmwand: Geschrotete oder zu Pulver gemahlene Flohsamen quellen im Darm auf und transportieren so feste Ablagerungen von Verstopfungen aus dem Darm. Geschrotete Leinsamen wirken ebenso wie Flohsamen. Beides kannst du im Drogeriemarkt oder online kaufen (z.B bei **Amazon).

3) Ausleiten von schädlichen Stoffen: Die moderne Ernährung mit ihrem hohen Anteil an weiterverarbeiteten Lebensmitteln kann die Vielfalt der Darmbakterien beeinträchtigen. Der Lebensraum der Darmbakterien gerät aus dem Gleichgewicht, es können sich auch Pilze ansiedeln. Aber auch Medikamente wie Antibiotika schädigen die Darmbakterien. Sie sollen mit Hilfe folgender Mittel ausgeleitet werden:

  • Heilerde aus Silikaten bindet Säure und freie Radikale. Du erhälst sie im Drogeriemarkt oder online (z.B. bei **Amazon)
  • Vulkanische Heilerde aus Bentonit und Zeolith quellen auf und schwemmen so Giftstoffe wie Schwermetalle oder Rückstände von Medikamenten aus. Ebenfalls im Drogeriemarkt oder online (z.B. bei **Amazon) erhältlich.
  • Schwerere Pilzerkrankung oder Keiminfektionen müssen durch Medikamente ausheilen. Unterstützen kannst du hier mit einer zucker– und kohlenhydrat-reduzierten Diät.

Die Darmsanierung mit probiotischen Präparaten

Die Darmsanierung unterstützt du mit basischer Ernährung
Die Darmsanierung unterstützt du mit basischer Ernährung
(Foto: CC0/pixabay/silviarita)

Nach der Reinigung erfolgt der Wiederaufbau oder die Sanierung der Darmflora meistens mit probiotischen Milchsäurebakterien. Diese „gutartige“ Bakterien werden hochdosiert als Tabletten oder Pulver eingenommen. Das richtige Präparat sollte dir der Arzt verschreiben.

Aber auch Lebensmittel enthalten wertvolle Milchsäurebakterien in geringeren Mengen:

  • naturbelassener Joghurt, Trinkmolke oder Kefir. Dagegen sind sogenannte probiotische Joghurts kritisch zu sehen, weil die Hersteller oft Zucker und Aromastoffe zusetzten. 
  • Fermentiertes Gemüse, wie Sauerkraut, enthält ebenfalls Milchsäurebakterien.

Zur Unterstützung der Darmsanierung empfehlen Heilpraktiker eine basische Diät um einer Übersäuerung von Magen und Darm vorzubeugen. Du solltest dabei leichte Kost mit viel Gemüse und Obst essen. Zucker, Fleisch und Fertiggerichte oder Kaffee, schwarzer Tee und Alkohol dagegen sollen zu einer Übersäuerung des Darms führen. Während der Reinigungsphase kannst du auch ein paar Fastentage einlegen.

Somit ist die Ernährung eine wichtige Komponente bei der Behandlung. Mit einer gesunden, ausgewogenen Ernährung kannst du vorbeugen, anstatt nachher zu sanieren.

Darmsanierung – über die Wirkung streiten die Fachleute

Einen gesunden Darm nur mit Medikamenten? Es geht auch mit gesunder Ernährung
Einen gesunden Darm nur mit Medikamenten? Es geht auch mit gesunder Ernährung
(Foto: CC0/pixabay/Bru-nO)

Ob eine Darmsanierung wirklich die erhoffte Heilung bringt, diskutieren Schulmediziner und Naturheilkundler lebhaft.

Die Naturheilkunde verweist auf traditionelle Heilmethoden:

  • Fasten und Einläufe sind überlieferte Behandlungsmethoden in fast allen Kulturen, ob in der indischen Tradition des Ayuveda, der chinesischen Medizin oder bei den antiken Medizingelehrten wie Hippokrates.
  • Fasten und die damit verbundene Entlastung der Verdauungsorgane, wie Magen, Darm, Leber und Galle wurde schon immer eine positive Wirkung auf die körperliche und geistige Gesundheit zugeschrieben.

Die moderne Schulmedizin basiert auf klinischen Studien, doch zu der Wirkung der Darmsanierung fehlen ausreichende Studien. Ein einfacher Grund dafür ist, dass in der Vergangenheit medizinische Forschungen den Zusammenhang zwischen Darmbakterien und einer Erkrankung nicht berücksichtigen. Erst allmählich wenden sich Forscher der Wechselwirkung zwischen Darmbakterien und körperlichen Gesundheit zu.

Die Kritikpunkte der Schulmedizin sind:

  • Es ist nicht erwiesen, dass die probiotischen Tabletten an der Magensäure vorbei kommen und die Bakterien so ihre Wirkung im Darm entfalten können.
  • Die Präparate zur Darmreinigung können nicht zwischen gut und schlecht unterscheiden. Schulmediziner argumentieren, dass die Mittel auch die bestehenden guten Darmbakterien ausleiten. So müssen probiotische Präparate, die vorher noch vorhandene Darmflora auch wieder aufbauen.
  • Parallel zu einer Darmsanierung hält der Patient eine Diät, so ist nicht schlüssig bewiesen, ob die Darmsanierung oder die Ernährungsumstellung den Erfolg bringt.

Dagegen ist inzwischen unstrittig:

  1. Dass Antibiotika die Darmflora schädigt, ist in Studien bewiesen. Nach einer Behandlung mit Antibiotika, benötigt die Darmflora etwa zwei bis drei Monate zur Regenerierung. Wenn du öfter Antibiotika nehmen musst, kann es auch zu bleibenden Schäden der Darmflora kommen.
  2. Auch zeigen Studien, dass es durch die Wechselwirkung von Darmbakterien und Süßstoff zu einer Diabetes Typ II Erkrankung kommen kann.

Gut zu wissen

Der Darm ist das größte Organ im Körper. Er versorgt den Körper mit Nährstoffen. Alles, was wir essen, muss durch den Darm. Daher ist es kein Wunder, dass der Darm sensibel auf das reagiert, was er verdauen muss. Eine Ernährung mit Fast Food und viel Zucker bringt die natürliche Symbiose von Darm und Darmflora leicht aus der Balance und der Darm reagiert mit Verdauungsstörungen.

Die Bakterienstämme der Darmflora sind auch für die Aufbereitung von Vitaminen zuständig, die Zellen in der Darmwand aufnehmen. Ohne eine intakte Darmflora hat der Körper kein widerstandsfähiges Immunsystem.

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