Entkoffeinierter Kaffee: Wie gesund ist er wirklich?

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Entkoffeinierter Kaffee schmeckt nach Kaffee, hat jedoch nicht die aufputschende Wirkung von Koffein. Damit ist er eine gute Alternative für alle, die auch abends noch einen Kaffee trinken möchten. Doch ist sogenannter koffeinfreier Kaffee auch gesund?

Kaffee gehört zu den beliebtesten Getränken in Deutschland. Manche trinken Kaffee gerade wegen der Wirkung des Koffeins, andere schätzen vor allem seinen Geschmack. Wenn du die aufputschende Wirkung nicht möchtest, bietet sich entkoffeinierter Kaffee als praktischer Ersatz zu klassischem Kaffee an. Er unterscheidet sich, abgesehen vom Koffeingehalt, nicht von normalem Kaffee.

Entkoffeinierter Kaffee: So entsteht der Kaffee

Für entkoffeinierten Kaffee legt man die noch ungerösteten Kaffeebohnen in Wasser oder eine Mischung aus Wasser und organischen Lösungsmitteln ein oder dämpft sie darin. Auch spezielle Aktivkohlefilter sollen helfen können, das Koffein aus dem Kaffee zu entfernen.

Allerdings: Ganz koffeinfrei ist auch entkoffeinierter Kaffee nicht. Laut einer EU-Verordnung darf entkoffeinierter Kaffee bis zu 0,1 Prozent Koffein enthalten. Der Verbraucherzentrale zufolge haben Kaffeegetränke den folgenden Durchschnittswert an Koffein:

  • Entkoffeinierter Kaffee: 3 mg Koffein pro 150 Milliliter Kaffee
  • Normaler Kaffee: 50 bis 100 mg Koffein pro 150 Milliliter Kaffee
  • Kakao: 2 bis 8 mg Koffein pro 150 Milliliter Kakao

Wie gesund ist entkoffeinierter Kaffee?

Entkoffeinierter und normaler Kaffee schützen die Leber.
Entkoffeinierter und normaler Kaffee schützen die Leber.
(Foto: CC0 / Pixabay / silviarita)

Über die physiologischen und gesundheitlichen Wirkungen von normalem Kaffee ist inzwischen viel bekannt. Die Bundeszentrale für Ernährung (BZfE) fasst zusammen:

  • Das Koffein im Kaffee macht wach und kann die Konzentration steigern. Zu viel Koffein kann allerdings Nebenwirkungen wie Schlaflosigkeit oder Herzrasen verursachen.
  • Aus gesundheitlicher Sicht hat Kaffee eher positive Auswirkungen. Kaffeetrinker*innen haben beispielsweise seltener Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leberzirrhosen oder Typ-2-Diabetes.

Diese Studienergebnisse haben jedoch zwei Schwachstellen:

  1. Es handelt sich bei vielen Studien zum Kaffeekonsum um Beobachtungsstudien. Dabei beobachten Forscher*innen eine große Zahl an Menschen über einen längeren Zeitraum und protokollieren deren Ernährungsgewohnheiten, Lebensstil und gesundheitliche Werte. Solche Studien können statistische Zusammenhänge von bestimmten Ernährungsgewohnheiten und der Häufigkeit bestimmter Erkrankungen aufzeigen. Doch kausale Zusammenhänge liefern sie nicht.
  2. Bei den gesundheitlichen Wirkungen von Kaffee ist schwer zu sagen, inwiefern sie tatsächlich auf das Koffein und nicht viel mehr auf andere Inhaltsstoffe zurückzuführen sind. Folglich lässt sich auch nicht zweifelsfrei feststellen, welche Ergebnisse man auf entkoffeinierten Kaffee übertragen kann.

Nur wenige Studien haben bisher entkoffeinierten Kaffee untersucht oder zwischen normalem und entkoffeiniertem Kaffee unterschieden. Diese Ergebnisse gibt es aber bereits:

  • Eine Beobachtungsstudie aus den USA kommt zu dem Schluss, dass sowohl normaler als auch entkoffeinierter Kaffee die Leber schützen können.
  • Eine Review von 2017 betrachtet verschiedene Studien zur Wirkung von Kaffee und behandelt dabei auch einige Studien, die entkoffeinierten Kaffee untersuchen. Demnach sind ist die gesundheitliche Wirkung von normalem und entkoffeiniertem Kaffee vergleichbar. Beide hängen mit einer reduzierten Gesamtsterblichkeitsrate, einer reduzierten Sterblichkeitsrate aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes zusammen. 
  • Das letzte Ergebnis deckt sich mit einem Review von 2014.

Wenn nicht das Koffein wirkt – was dann?

Es lässt sich also festhalten: Ob Kaffee mit oder ohne Koffein – in beiden Fällen lassen sich ähnlich positive Ergebnisse feststellen. Wenn dafür also nicht das Koffein verantwortlich ist, welcher Stoff dann? Die Ergebnisse der Studien legen nahe, dass Kaffee noch andere Substanzen mit positiver gesundheitlicher Wirkung enthält. Laut BZfE handelt es sich unter anderem um Antioxidantien, wie zum Beispiel Polyphenole.

In der Tat kommt eine Studie zu dem Schluss, dass die antioxidative Wirkung von entkoffeiniertem Kaffee fast so groß ist wie von normalem Kaffee. Entscheidender für die antioxidative Wirkung scheint zu sein, wie du deinen Kaffee trinkst: Die Aminosäure Methionin in Milch soll die Wirkung der Antioxidantien hemmen. Aus gesundheitlicher Sicht ist schwarzer Kaffee (ob mit oder ohne Koffein) also offenbar besser. Allerdings lässt sich nicht ohne weiteres ein direkter Zusammenhang zwischen der antioxidativen Wirkung und den oben geschilderten Ergebnissen aus den Beobachtungsstudien herstellen.

Welche Vorteile hat entkoffeinierter Kaffee?

Abends ist koffeinarmer Kaffee besser als normaler, da letzterer dich wachhalten kann.
Abends ist koffeinarmer Kaffee besser als normaler, da letzterer dich wachhalten kann.
(Foto: CC0 / Pixabay / Claudio_Scott)
  • Der BZfE zufolge ist koffeinarmer Kaffee für Menschen mit empfindlichen Magen besser geeignet.
  • Bei Kaffee mit Koffein kann es zu Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und dem Koffein kommen. Entkoffeinierter Kaffee kann in kleinen Mengen eine Alternative sein. Sprich aber vorher mit deinem Arzt, da auch entkoffeinierter Kaffee kleine Mengen Koffein enthält.
  • Zudem ist entkoffeinierter Kaffee praktisch, wenn du abends Lust auf Kaffee hast aber nachts trotzdem ruhig schlafen möchtest.

Was solltest du bei entkoffeiniertem Kaffee bedenken?

Kaffee enthält gesundheitsschädliches Acrylamid, das bei der Röstung der Kaffeebohnen entsteht. Der BZfE zufolge hat die EU den Richtwert für Acrylamid in Kaffee 2018 auf maximal 400 Mikrogramm pro Kilogramm Kaffee gesenkt. 

Ein paar Tassen Kaffee am Tag gelten laut der BZfE als unbedenklich. Empfehlenswert ist jedoch schonend gerösteter Kaffee, da dieser weniger Acrylamid enthält.

Entkoffeinierter Kaffee: Was gibt es noch zu beachten?

Ob mit oder ohne Koffein: Kaffee ist ein exotisches Produkt, das von weit her zu uns kommt. Für das Klima ist es deshalb besser, wenn du auf heimische Alternativen für koffeinarmen Kaffee zurückgreifst. Tipps bekommst du hier: 9 regionale Kaffee-Alternativen: Kaffee-Ersatz aus Getreide.

Wenn es doch echter Kaffee sein soll, dann bitte Fair-Trade-Kaffee. Dieser garantiert, dass die Bäuer*innen einen gerechten Preis für ihren Kaffee erhalten. Zudem setzt sich Fairtrade für bessere Arbeitsbedingungen und Umweltschutz ein.

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