Melamin: 4 gute Gründe gegen das Kunststoff-Geschirr

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Buntes Geschirr aus dem Kunststoff Melamin ist beliebt, denn es gilt als stabil, bruchsicher und leicht. Deswegen wird es gerne für Kinder, beim Picknick oder im Campingurlaub verwendet. Doch es gibt gute Gründe, auf das Kunststoffgeschirr zu verzichten.

Was ist Melamin-Kunststoff?

Melamin ist ein weißes, geruchs- und geschmackloses Pulver. Es wird heute industriell aus Harnstoff gewonnen. Harnstoff wiederum entsteht u.a. bei der Verbrennung von Erdgas. Der größte Teil des Melamins wird zu Kunstharzen verarbeitet. Dazu wird das Melamin mit Formaldehyd versetzt. Es ist zum Beispiel in Nagellack, Kleidung, Medikamenten und auch in Kunststoffen enthalten. Das gewonnene Melaminharz wird oft zu Geschirr verarbeitet. Das ist allerdings in vielen Fällen gar nicht gesund.

Grund 1: Melamin-Kunststoff kann giftige Stoffe freisetzen

Kochlöffel aus Holz ersetzen Melamin-Kunststofflöffel
Kochlöffel aus Holz ersetzen Melamin-Kunststofflöffel (Foto: CCO / Pixabay / moritz320)

Ab einer Temperatur von 70°C setzt Geschirr aus Melamin die Bestandteile Formaldehyd und Melamin frei. Davor warnt auch die Verbraucherzentrale, denn für beide Stoffe wurden gesundheitsschädliche Wirkungen nachgewiesen:

  • Melamin zeigte in Tierversuchen eine giftige Wirkung auf die Blase. Es steht im Verdacht, Erkrankungen im Blasen- und Nieren­system zu verursachen.
  • Formaldehyd ist haut- und schleimhautreizend. Es kann nach dem Einatmen das Krebsrisiko im Nasen-Rachen-Raum fördern. Zudem ist es als Auslöser für Allergien bekannt.

Für beide Stoffe gibt es daher genaue Grenzwerte. So dürfen pro Kilogramm Lebensmittel höchstens 2,5 mg Melamin und 15 mg Formaldehyd enthalten sein. Wird Melamin-Kunststoff jedoch in der Mikrowelle erhitzt oder mit zu heißem Tee befüllt, werden die Grenzwerte schnell überschritten und die giftigen Stoffe gehen in das Essen oder Getränk über. Damit wird der Körper mit den giftigen Stoffen belastet.

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Auch Kochutensilien wie Kochlöffel oder Pfannenwender gibt es aus Melamin-Kunststoff. Sie dürfen auf keinen Fall länger in der Pfanne oder im Topf liegen, weil auch dann Melamin und Formaldehyd freigesetzt werden kann. Am besten verzichtest du auf Kochgeschirr aus Melamin-Kunststoff und verwendest ganz einfach Holzkochlöffel.

Grund 2: Säuren, Fett und Salz lösen giftige Stoffe

Auch Säure löst giftige Stoffe aus Melamingeschirr
Auch Säure löst giftige Stoffe aus Melamingeschirr (Foto: CCO / Pixabay / quadic)

Auch säure-, fett- und salzhaltige Lebensmittel lösen Melamin und Formaldehyd aus dem Melamingeschirr. Vor allem wenn sie lange fettige oder salzige Soße beinhalten, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit.

Dafür solltest du besser Porzellanschüsseln oder Edelstahlgefäße verwenden und auf Melamin-Schüsseln verzichten.

Grund 3: Weitere Giftstoffe in Melamin-Geschirr sind möglich

Weitere giftigen Stoffe im Melamingeschirr sind oftmals nicht deklariert
Weitere giftigen Stoffe im Melamingeschirr sind oftmals nicht deklariert (Foto: CCO / Pixabay / geralt)

Der Marktcheck der Verbraucherzentrale zeigte, dass bei keinem der 78 geprüften Produkte aus Kunststoff die Materialangaben vollständig, lesbar und verständlich waren. Teilweise wird für Melamin die Bezeichnung „MF“ verwendet, doch auch hinter dem Recycling-Code „07“ kann sich Melamin verbergen. Hersteller sind nicht verpflichtet anzugeben, welche Stoffe verwendet werden. Deswegen ist es oftmals nicht möglich abzuschätzen, welche Gifte sich aus dem Melamingeschirr noch lösen könnten.

Einer dieser weiteren Stoffe ist laut eines Berichts vom SWR das Abbauprodukt Nonylphenol. Dieser Stoff wird verwendet, damit der Kunststoff bei Sonneneinstrahlung und Hitze stabil bleibt. Nonylphenol wirkt sich auf den Hormonhaushalt des Menschen aus und sollte daher vermieden werden.

Grund 4: Recycling von Melaminkunststoffen ist kompliziert

Melaminharz lässt sich nicht wie andere Kunststoffe thermisch recyceln
Melaminharz lässt sich nicht wie andere Kunststoffe thermisch recyceln (Foto: CCO / Pixabay / Hans)

Durch seine beständigen Eigenschaften ist Melamin-Kunststoff nicht ökologisch abbaubar und sehr schwer zu recyceln. Normalerweise wird reines Plastik im Recyclingprozess zerkleinert und dann unter Hitze umgeformt. Melamin-Kunststoff kann zwar zerkleinert werden, dann aber nicht mit Hitze umgeformt werden.

Eine Möglichkeit besteht darin, den Melamin-Kunststoff zu Pulver zu verarbeiten und dann mit weiteren Stoffen wieder in neue Formen zu bringen. Forscher beschäftigen sich auch mit aufwändigen chemischen Prozessen, um Melamin-Kunststoff zu lösen und weiterverarbeiten zu können.

Einfach ist das Recycling von Melamin also nicht und wie es für den Alltag wiederverwertet werden kann, bleibt unklar. Im Zweifelsfall wird es erst einmal als Sondermüll aussortiert.

Achtung: Melamin auch in Bambusbechern

Fast alle Bambusbecher enthalten Melamin
Fast alle Bambusbecher enthalten Melamin (Foto: Unsplash.com/Pixabay)

Stiftung Warentest testete im Sommer 2019 zwölf verschiedene Bambusbecher – mit fatalen Ergebnissen: Aus mehr als der Hälfte der getesteten Bambusbecher gingen Schadstoffe ins Getränk über, die über dem EU-Grenzwert lagen. Neben Melamin fand sich auch Formaldehyd.

Neben den Schadstoffen rügten die Tester irreführende Kennzeichnungen wie falsche Abbaubarkeitsversprechen, fehlende Inhaltsangaben oder mangelnde Warnhinweise. Die Stiftung warnt deshalb: „Lassen Sie die Finger von Bambusbechern!“

Einzig der Bamboo Cup von Chicmic zeigte nach Aussage der Tester „keine Auffälligkeit“. Er erhielt die Note 2,4 und damit das beste Ergebnis. Den Chicmic-Cup kannst du unter anderem bei Galeria Kaufhof, Amazon oder Goods for Life bestellen**.

Die besten Melamin-Alternativen

Von Campern und Abenteurern wegen seiner Langlebigkeit geschätzt sind Edelstahlbecher.
Von Campern und Abenteurern wegen seiner Langlebigkeit geschätzt sind Edelstahlbecher. (Foto: CCO / Pixabay / Pexels)
  • Eine gute Alternative zu Kunststoffgeschirr für den Campingurlaub oder das Picknick ist Edelstahlgeschirr. Es ist nahezu für die Ewigkeit gemacht, denn es ist hitzebeständig und sehr stabil. Neben Tellern gibt es Flaschen, Besteck, Brotdosen und sogar Kinderflaschen aus Edelstahl. Du kannst das Geschirr in Campingläden, manchmal auch secondhand in Gebrauchtwarenläden und im Internet (z.B. bei **Avocadostore) kaufen.
  • Als weitere Alternative wird oftmals Bioplastik-Geschirr auf Basis nachwachsender Rohstoffe wie zum Beispiel Palmblättern, Bambus, Zuckerrohr oder Mais angeboten. Die Pflanzen werden aber oft in Monokulturen angebaut und sind teils gentechnisch verändert, Palmblätter oder das Zuckerrohr stammen oft von Plantagen, für die Regenwald abgeholzt wurde. Zudem gehen mit dem Anbau der Pflanzen für Bioplastik oft wertvolle Anbauflächen für Nahrungsmittel verloren. Es ist also fraglich, ob die Ökobilanz dieser Produkte wirklich so gut ist wie versprochen. Außerdem solltest du beim Kauf von Bioplastik-Geschirr ganz genau hinschauen: Häufig werden auch hier Melaminharze zum Binden der natürlichen Rohstoffe verwendet.
  • Eine gute Alternative sind biologisch abbaubare Holzprodukte wie Kochlöffel, Pfannenwender oder Schüsseln. Diese sind zwar etwas schwerer, jedoch nicht so zerbrechlich wie gängiges Porzellangeschirr. Vor allem Olivenholz für Teller oder Kochbesteck oder Kokosnuss-Schalen für Schüsseln eignen sich sehr gut.

Allerdings musst du bedenken: Für exotisches Holz entsteht beim Transport ein hoher CO2-Ausstoß. Die Anbaubedingungen sind meist schlecht, zum Beispiel wird viel gedüngt und Trinkwasser zum Bewässern genutzt.

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(6) Kommentare

  1. Hallo generationbonus,

    leider gibt es keine Kennzeichnungspflicht für Melamingeschirr. Wenn das Geschirr eine Hersteller-/Markenbezeichnung hat, dann kannst du natürlich über diese Information herausfinden, um welches Material es sich handelt (z.B. Rice).

    Viele Grüße
    Ines vom Utopia-Team

  2. Hallo Clemens,
    wenn du dich da genauer einlesen möchtest, schau mal unter Haber-Bosch-Verfahren und Ammoniak-Herstellung nach. Erdgas wird in diesem Verfahren zur Herstellung von Ammoniak benötigt, welches Grundlage zur Harnstofferzeugung ist.

    Viele Grüße aus Utopia
    Ines

  3. Melamin-Harz ist im so genannten Schmutzradierer enthalten. Er ist porös, wie ein Schwamm. Beim Schrubben verschmutzter Sanitär-Oberflächen wird er derart abgerieben, dass er in Form einer Emulsion in die Kanalisation gespült wird. Wenn es nicht biologisch abbaubar ist, warum wird es dann beim dm-Drogeriemarkt als Eigenmarke verkauft?

    Laut der Literatur beträgt die Halbwertzeit beim Melamin-Abbauprozess maximal 24 Monate – Quelle: doi.org/10.1201/9780203719329

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