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Haarfarben im Test: Stiftung Warentest findet Pestizide, bei Öko-Test gibt es nur Top oder Flop

Haare stylen mit Haarspray Hitzeschutz und Schaumfestiger
Foto: CCO Public Domain / Pexels - Element5 Digital

Im Oktober hatte Öko-Test in seinem Haarfarben-Test nur zwei Noten vergeben – „sehr gut“ oder „ungenügend“. Einige bekannte Marken fielen durch. Nun hat die Stiftung Warentest Pflanzenhaarfarben untersucht und lobt das Färbeergebnis, findet aber Arsen und Schwer­metalle, in einem Produkt sogar ein verbotenes Pestizid.

Gar nicht leicht, den Überblick zu behalten: Neben echten Pflanzenhaarfarben, die tatsächlich aus zermahlenen Blättern, Blüten oder Wurzeln bestehen, gibt es in Reformhaus, Drogerie & Co. auch viele synthetische Haarfarben, die sich nur ein grünes Mäntelchen umhängen.

Auch bei Begriffen wie „Natur-„, „Bio-“ oder „Öko-Haarfarbe“ geht es nach unseren Erfahrungen ziemlich durcheinander. Letztere können zwar durchaus viele Pflanzenzusätze enthalten, aber auch mit harter Chemie daherkommen. Klarheit schafft erst ein kritischer Blick auf die tatsächlichen Inhaltsstoffe, wie sie auf der Verpackung stehen.

Stiftung Warentest prüft 6 Pflanzenhaarfarben

Die Stiftung Warentest hat sechs Pflanzenfarbpulver für hell­braune bis mittelbraune Haare analysiert. Prüfkriterien waren unter anderem der Farbzustand nach 28 Haarwäschen, die Handhabbarkeit beim Färben sowie die Deklaration und Werbeaussagen auf den Verpackungen. Auch auf kritische Inhaltsstoffe untersuchte die Stiftung Warentest die Haarfarben, im Detail auf Pflanzen­schutz­mittel, Arsen, Schwer­metalle und auf aromatische Amine, die teils als starke Kontaktallergene eingestuft werden.

Naturkosmetik überzeugt im Test

Zunächst die gute Nachricht: Vier der sechs Produkte im Test schnitten mit einem „guten“ Gesamtergebnis ab. In Sachen Farbkraft konnten die Pflanzenhaarfarben überzeugen, denn sie entsprachen dem auf der Packung abge­bildeten Farbton und die Farbe strahlte auch nach 28 Haarwäschen intensiv. Einziges Manko: Bei einer vollständigen Grauabdeckung kamen die Naturhaarfarben im Test an ihre Grenzen.

Unter den Testsiegern waren folgende zertifizierte Naturkosmetikprodukte:

Aromatische Amine wiesen die Tester:innen in keinem der Produkte nach. Doch ganz ohne kritische Inhaltsstoffe kam fast keines der Produkte aus: In vier Haarfarben war der Gehalt an Arsen bzw. an Schwer­metallen aus Sicht der Stiftung Warentest erhöht. Eine Gesundheitsgefahr sehen die Tester:innen allerdings nicht.

Verbotenes Pestizid in konventioneller Pflanzenhaarfarbe

Die Pflanzenhaarfarbe 100% Vegetal von Schwarzkopf dagegen enthielt Rück­stände von mehreren Pestiziden. Eines davon ist das laut EU-Kosmetik­ver­ordnung verbotene Pestizid Mono­crotophos, das laut den Warentester:innen giftig für Bienen und Vögel ist. Für den Menschen bestehe bei der nachgewiesenen Konzentration des Pestizids kein Gesundheitsrisiko.

Natürliche Haarfarben aus Henna verleihen deinem Haar auch in der Schwangerschaft neue Farbakzente - ganz ohne Färben.
Pflanzenhaarfarben färben zum Beispiel mit Henna. (Foto: CC0 / Pixabay / Pexels)

Auf Nachfrage von Stiftung Warentest teilte das Unternehmen mit, dass der Anbau des Henna-Pulvers ohne Pestizide erfolge, man jedoch „durch Verwehungen aus Nach­barfeldern“ das Einschleppen von Pestiziden „nicht voll­ständig“ ausschließen könne.

Die vollständigen Testergebnisse kannst du auf test.de nachlesen.

Naturhaarfarben bei Öko-Test: Entweder „sehr gut“ oder „ungenügend“

Die Verbraucherschützer:innen von Öko-Test haben ganze 17 braune Haarfarben ins Labor geschickt, darunter sowohl echte Pflanzenhaarfarben als auch synthetische Färbemittel.

Letztere werben mitunter mit blumigen Versprechen („Von der Natur inspirierte Farben, angereichert mit natürlichen, biologischen Pflanzensamenölen“ usw.), entpuppen sich beim Blick auf die INCI-Liste aber als konventionelle chemische Oxidationsfarben. Wo pflanzliche Farben z. B. auf Henna, Indigo, Kamille oder Färberkrapp setzen, wirken die Oxidationsmittel mit Wasserstoffperoxid: Das H2O2 zersetzt erst die Farbpigmente im Haarinneren, die dann durch künstliche Farbstoffe ersetzt werden.

Das Problem: Die künstlichen Permanent-Haarfarben enthalten unter anderem sogenannte aromatische Amine, die nur an ihren kryptischen INCI-Namen – wie p-Phenylendiamin (PPD) oder Toluene-2,5-Diamine Sulfate – zu erkennen sind.

Einige dieser aromatischen Amine werden vom wissenschaftlichen Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU jedoch als starke oder sogar sehr starke Kontaktallergene eingestuft, was bedeutet, dass sie Rötungen, Schwellungen oder Juckreiz auslösen können. Öko-Test hatte viele aromatische Amine deshalb schon in vergangenen Tests in bunten Haarfarben und Blondierungen kritisiert.

Haarfarben: Früher sogar noch mehr Chemie

Unter den neun echten pflanzlichen Haarfarben im Test, die tatsächlich mit Blättern, Wurzeln & Co. färben, war beispielsweise die Garnier Color Herbalia Pflanzenhaarfarbe Naturbraun. Sie erhielt ein „sehr gut“. Kaufen kannst du sie für rund 10 Euro u.a. bei Flaconi.

Ebenfalls unter den „sehr guten“ Testsiegern war das Henné Pulver Color Braun, das mit rund 6 Euro zu den günstigeren Farben im Test zählt. Du findest es online u.a. bei Ebay oder BioNaturel.

Eine dritte „sehr gute“ Farbe war die Logona Pflanzenhaarfarbe Creme, 230 Maronenbraun, die mit ca. 15 Euro allerdings auch die teuerste im Test war. Dafür trägt sie ein Naturkosmetik-Siegel. Du findest die Farbe u.a. bei PureNature, Flaconi oder BioNaturel.

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Die Oxidationsfarbe Korres Dauerhafte Haarfarbe Arganöl 5.0 hingegen fiel neben anderen mit „ungenügend“ durch, ebenso wie das Naturtint Permanente Farbgel 5N Kastanienbraun Hell. In beiden fand das Labor extrem sensibilisierende Kontaktallergene sowie weitere umstrittene Stoffe wie halogenorganische Verbindungen und PEG/PEG-Derivate.

Entsprechend rät Öko-Test zu Haarfarben aus echten Pflanzenbestandteilen statt zu Chemie – wir schließen uns an.

Alle Details und die vollständigen Ergebnisse zum Haarfarben-Test findest du im Öko-Test Jahrbuch für 2022 sowie online auf www.ökotest.de.

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