Elektroauto Hyundai Ioniq Elektro: Im Test sparsam und eigenwillig

Foto © Utopia/Ch.Schwarzer

Der Hyundai Ioniq electric ist der Geheimtipp unter den Batterie-elektrischen Autos. Wir fuhren über 1.000 Kilometer in dem erschwinglichen Koreaner – kein Konkurrent verbraucht so wenig Strom.

Der Hyundai Ioniq electric ist ein ausgewachsenes Elektroauto. Vom Ioniq gibt es auch eine Hybrid- sowie eine Plug-In-Hybridvariante. Uns hat der reine Stromer, also der electric, am meisten zugesagt. Es passt zu diesem Auto, wenn nichts brummt oder vibriert.

Der koreanische Hersteller ist für seine Verlässlichkeit bekannt, und wer dem Ruf nicht vertraut, bekommt Garantieleistungen: Fünf Jahre auf das Fahrzeug ohne Kilometerbegrenzung sowie acht Jahre oder 200.000 Kilometer auf die Batterie, je nachdem, was zuerst eintritt.

Hyundai Ioniq Electric: Reichweite im Test

Die Gretchenfrage. Die maximale Reichweite liegt laut Hyundai bei 280 Kilometern. Im Handbuch steht: 191 Kilometer im Durchschnitt. Und rund 200 Kilometer betrug unser Realwert. Das ist angesichts der Batteriekapazität von 28 Kilowattstunden und der Gesamtgröße ein sehr guter Wert.

Auf den Punkt: Kein E-Auto verbraucht so wenig elektrische Energie wie der Hyundai Ioniq electric. Bei uns zeigte der Bordcomputer 13,3 Kilowattstunden auf 100 Kilometer an.

Eine erstklassige Effizienz ergibt sich immer aus der Summe der Geizmaßnahmen. Der Hyundai steht auf Leichtlaufreifen, die mit 2,8 bar Druck aufgepumpt sind. Das Leergewicht inklusive Normfahrer (68 kg plus 7 kg Gepäck) beträgt 1.495 Kilogramm – also nur ungefähr so viel wie beim deutlich kleineren Renault Zoe. Und das, obwohl der Ioniq electric gut 20 Zentimeter länger als ein Volkswagen Golf ist.

Utopia-Autor Christoph M. Schwarzer hat auch Video zum Hyundai Ioniq Electric gedreht:

Herausragend ist die Aerodynamik. Der Luftwiderstandsbeiwert des 5-Sitzers liegt bei cW 0,24. Als Ergebnis der exzellenten Windschlüpfrigkeit haben wir den niedrigsten Autobahnverbrauch überhaupt gemessen: Bei Richtgeschwindigkeit (130 km/h) nahm der Ioniq 18,7 kWh aus der Batterie. Top.

Man kann mit dem Ioniq also auch mal auf A7 oder A1. Sobald die Schnell-Ladeinfrastruktur flächendeckend ist (dazu gleich mehr), kann man sich durch die ganze Republik hangeln.

Unser Tipp: Wähle mindestens die mittlere Ausstattungsvariante „Style“ (ab 35.500 Euro). Die hat serienmäßig eine Wärmepumpe, die in der kalten Jahreszeit Energie spart.

Und wie schnell lädt der Hyundai Ioniq?

Das kommt drauf an. An der Haushaltssteckdose dauert eine Voll-Ladung zwölf Stunden. An einer öffentlichen Säule mit Wechselstrom (AC) verkürzt sich die Wartezeit auf 4,5 Stunden.

Die Stärke des Ioniq electric ist die schnelle Gleichstrom-Ladefähigkeit (DC). Die haben alle Varianten. In spätestens einer halben Stunde ist die Batterie zu 80 Prozent geladen; eine Werksangabe, die wir in der Realität jederzeit reproduzieren konnten.

Waren DC-Ladesäulen vor drei Jahren noch eine Rarität, verbreiten sie sich jetzt sehr schnell. Tank & Rast etwa, der Betreiber der 400 deutschen Autobahnraststätten, wird bis Jahresende alle (!) Standorte mit einer DC-Säule ausstatten.

Eine Stärke des Ioniq electric ist die schnelle Gleichstrom-Ladefähigkeit (DC)
Eine Stärke des Ioniq electric ist die schnelle Gleichstrom-Ladefähigkeit (DC) (Foto © Utopia/Ch.Schwarzer)

Das Bundesverkehrsministerium hat außerdem seit dem 1. März ein Förderprogramm für 5.000 DC-Ladepunkte laufen. Bis 2020 muss alles stehen. Die Nachfrage seitens der Versorger ist so groß, dass am ersten Tag der Server in der zuständigen Behörde zusammenbrach.

Interessierte können auf einschlägigen Webseiten wie goingelectric.de/stromtankstellen/ filtern, wo die schnellen DC-Säulen stehen. Der Hyundai erfüllt den euro-amerikanischen CCS-Standard, wobei CCS die Abkürzung für Combined Charging System ist.

Wie fährt sich der Hyundai Ioniq electric?

Sehr gut. Leise, geschmeidig, kraftvoll. Wir wollen zwei Punkte hervorheben.

Zum einen lässt sich die Rekuperation in vier Stufen verstellen. Das ist die Rückgewinnung von Energie beim Bremsen oder vom „Gas“ gehen. In der stärksten Einstellung – die wählt man über Wippen am Lenkrad – verzögert der Ioniq so deutlich, dass man das Bremspedal nur noch selten bemühen muss.

Besonders faszinierend ist die Null-Rekuperation. Das ist so, als würde man bei einem normalen Auto den Gang rausnehmen und einfach rollen. Und der Hyundai rollt und rollt und rollt. So wird Effizienz fühlbar.

Hat uns gefallen: der serienmäßige Tempomat mit Abstandsregelung
Hat uns gefallen: der serienmäßige Tempomat mit Abstandsregelung (Foto © Utopia/Ch.Schwarzer)

Das zweite Element, dass uns gefallen hat, ist der serienmäßige Tempomat mit Abstandsregelung. Über ein Radarsystem orientiert sich das Auto am Vorausfahrenden und hält die Distanz. Das ist besonders auf der Autobahn angenehm.

Man kann eine Geschwindigkeit einstellen, zum Beispiel 120 km/h, und den Rest macht der Hyundai. Bremsen, wenn es notwendig ist. Wieder auf die gewählte Geschwindigkeit beschleunigen, wenn es frei ist. Entspannend, souverän – und noch vor zehn Jahren der Luxusklasse vorbehalten.

Fazit: Am Hyundai kommt man nicht vorbei

Wer neugierig auf ein Batterie-elektrisches Auto ist, sollte sich den Hyundai Ioniq electric unbedingt anschauen. Das Design mag asiatisch-eigenwillig sein, an der Qualität des Produkts ändert das nichts.

Zum Preis: Ab 33.300 Euro geht es los. Zieht man die staatliche E-Prämie von 4.000 Euro ab, bleiben 29.300 Euro übrig. Wegen der Wärmepumpe und der LED-Hauptscheinwerfer würden wir die Version Style bevorzugen (ab 35.500 / 31.500 Euro). Und wer wirklich alles inklusive Lederausstattung haben will, muss 38.000 (34.000) Euro auf den Händlertisch legen.

Hyundai Ioniq Electric: ab 33.300 Euro zu haben
Hyundai Ioniq Electric: ab 33.300 Euro zu haben (Foto © Utopia/Ch.Schwarzer)

In den Foren ist bereits die Rede von einem technischen Facelift, bei dem die 28- durch eine 40-kWh-Batterie ersetzt wird. Ob und wann das der Fall ist, wissen wir nicht.

Es ist das Schicksal der aktuellen Generation Batterie-elektrischer Fahrzeuge, dass die Entwicklung voranschreitet. Das muss jeder wissen, der sich dafür entscheidet. Letztlich zählt, ob die Reichweite groß genug ist, um das eigene Nutzungsprofil abzudecken. Darum geht es, und darum warten einige Käufer nicht mehr die irgendwann beginnende Zukunft ab.

Ioniq Electric: maximale Reichweite laut Hyundai 280 Kilometer
Ioniq Electric: maximale Reichweite laut Hyundai 280 Kilometer (Foto © Utopia/Ch.Schwarzer)

Technische Daten:

Batteriekapazität: 28 Kilowattstunden (kWh)
Motorleistung: 88 kW (120 PS)
Beschleunigung auf 100 km/h: 9,9 Sekunden
Spitzengeschwindigkeit: 165 km/h
Verbrauch im Test (nach Norm): 13,3 kWh / 100 km (11,5 kWh / 100 km)
Ladezeit AC / 6,6 kW: ca. 4,5 Stunden.
Ladezeit DC / 50 kW: ca. 30 Minuten (auf 80 Prozent)
Reichweite real / maximal: ca. 200 / 280 km
Länge / Breite / Höhe (in m): 4,47 / 1,82 / 1,45
Preis: ab 29.300 Euro (staatl. E-Prämie einberechnet)

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(3) Kommentare

  1. Das klingt nicht so schlecht. Ich habe 2 Fragen. Wie sinnvoll ist ein E-Auto wirklich ( Energieverluste bei der Herstellung von Strom, Transport der Energie und Ladegerät ) muß evtl. die Laufzeit der Atomkraftwerke verlängert werden? Sind die Arbeitsbedingungen bei Hyundai OK?

  2. Danke für Ihre wichtigen Fragen!

    Ein Vorteil von Batterie-elektrischen Autos, der gerne unterschlagen wird, ist die lokale Emissionsfreiheit. Das ist besonders in stark belasteten Städten eine positive Perspektive.

    Grundsätzlich gilt, dass verantwortungsvolle Nutzer nur grünen Strom laden. Der Staat schreibt das sogar vor – nur öffentliche Säulen, die mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden, können eine steuerliche Unterstützung erhalten.

    Zur CO2-Bilanz: Wenn Sie den allgemeinen dt. Strommix zu Grund legen (535 g CO2/kWh), käme der Ioniq electric auf etwa 71 g CO2/km. Der Gerechtigkeit halber muss nun auch z.B. bei einem Dieselmotor die Vorkette der Produktion betrachtet werden (ca. 20 Prozent zusätzliches CO2), er dürfte also nur rund 57 g CO2/km emittieren – das wiederum entspricht einem Verbrauch von 2,2 Litern Diesel pro 100 km. Sie werden Schwierigkeiten haben, so ein Auto zu finden.

    Zu den AKWs: Die sind bereits heute völlig überflüssig und laufen nur aus politischen Gründen weiter. Nein, es muss kein neues AKW gebaut werden. Bitte beachten Sie, dass rund 90 Prozent (!) der 2016 neu zugebauten Stromproduktion aus Renewables stammen – über die Laufzeit wird ein Batterie-elektrisches Auto also immer sauberer.

    Über die Arbeitsbedingungen bei Hyundai kann ich Ihnen leider nichts sagen. Allerdings ist Südkorea ein hochindustrialisiertes und modernes Land, das ich mit Deutschland gleichsetzen würde.

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