Industrieländer: Definition und welche dazugehören

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Industrieländer, der Begriff ist geläufig, aber was dahinter steckt verwirrt. Hier ließt du welche Länder gemeint sind und warum gerade sie den Klimaschutz ernst nehmen sollten.

Industrieländer: Schwierige Definition

Der Begriff Industrieländer stammt aus der Wirtschaftslehre. Aber auch dort ist nicht eindeutig definiert, woran du ein Industrieland erkennst und welche Länder das überhaupt sind.

Laut Gablers Wirtschaftslexikon stammen die Einnahmen der Länder hauptsächlich aus Industriebetrieben.

Sie fügen jedoch hinzu, dass diese Definition nicht mehr so richtig passt: In vielen traditionellen Industrieländern nehmen Dienstleistungen jetzt die Stelle der Industrie ein. Zu Dienstleistungen zählen beispielsweise Banken, Versicherungen, Technologieunternehmen, Tourismus, Pflege- oder soziale Berufe.

Am Beispiel Deutschland wird das Dilemma mit den Begrifflichkeiten deutlich: Aus Statistiken für 2017 geht hervor, dass der Dienstleistungssektor rund 69 Prozent der Staatseinnahmen ausmacht, gemessen am Bruttoinlandsprodukts (BIP) – die Industrie jedoch nur 31 Prozent. Demnach wäre Deutschland kein Industrieland mehr.

Was tatsächlich mit Industrieland gemeint ist, wird klarer, wenn du die weiteren Eigenschaften dazu nimmst. Gablers Wirtschaftslexikon beschreibt Industrieländer so:

  • Die Wirtschaft im Land ist traditionell von der Industrie geprägt.
  • Hohes durchschnittliches Einkommen der Bevölkerung.
  • Die Wirtschaft in den Ländern ist gut entwickelt.
  • Gute Ausbildungsmöglichkeiten und hohes technologisches Niveau.

Industrieländer und wer alles dazu zählt

Viele Industriehallen sind heute Museen.
Viele Industriehallen sind heute Museen. (Foto: CC0/pixabay/olafpictures)

Mit Industrieländer sind fast immer diese Staaten gemeint:

  • Nordamerika – USA und Kanada
  • Europa – Großbritannien, Deutschland und Frankreich
  • Asien – Japan

Folgende Ländern können unter die Bezeichnung Industrieländer fallen. Es hängt oftmals vom Inhalt ab, ob es mehr um politische oder wirtschaftliche Themen geht.

  • Europa – alle EU Mitgliedstaaten, der EU-Wirtschaftsraum kann insgesamt als Industrieland gelten.
  • Südamerika – Brasilien und Argentinien
  • Asien – Indien, Südkorea, Taiwan und Singapur
  • Australien und Neuseeland
  • Russland und China sind ein Sonderfall. Eigentlich erfüllen sie die meisten Kriterien eines Industrielands. Im politischen Sprachgebrauch gehören Russland und China meist nicht dazu – denn Industrieland steht hier auch mal stellvertretend für die Gruppe der G7 Staaten.

Die Bundesregierung erläutert, dass die G7 ein informeller Kreis aus Industrieländern sind: Dazu gehören, die zuerst genannten sechs Länder sowie Italien als siebentes Land. In den Treffen stimmen sich die Regierungschefs über politische Themen ab, zum Beispiel auch über Klimaschutz.

Der Begriff Industrieländer ist veraltet

Schwerindustrie für Kohle und Eisen prägen die Industriestaaten.
Schwerindustrie für Kohle und Eisen prägen die Industriestaaten. (Foto: CC0/pixabay/caropat)

Industrieland ist eine inzwischen veraltete Bezeichnung. Sie gehört zur Wirtschaftsgeschichte der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Aus Agrarländer, bei denen die Wirtschaft aus Ackerbau und Handwerk bestand, entwickelten sich Industrieländer. Es gab große Textilfabriken, Kohleraffinerien oder Erzwerke. Agrarstaaten waren in diesem Zusammenhang gleichbedeutend mit Entwicklungsländern.

So ist England das erste Industrieland. Von dort startete die industrielle Revolution. Durch Erfindungen, wie Dampfmaschinen oder die Möglichkeit Kohle als Energiequelle zu nutzen, entstanden immer neue Industriebetriebe in ganz Europa, den USA und nach dem zweiten Weltkrieg in Japan.

Mit der Globalisierung in den letzten Jahrzehnten sind Industriebetriebe in die einstigen Entwicklungsländer weiter gezogen. Zum Beispiel stehen in China, Indien, Indonesien oder Bangladesh heute viele der Fabriken aus den Industrieländern. Eigentlich müssten sie jetzt Industrieland heißen – tun sie nur meist nicht. In diesen Ländern fertigen heute die Fabrikarbeiter, oft für einen geringen Lohn unter anderem Elektrogeräte oder Textilien an. Diese Waren landen dann wieder in den Läden der Industrieländern.

Internationale Institutionen, wie die Weltbank, verwenden daher Industrieland nicht als Begriff. Sie teilen die Staaten ohne geschichtlichen oder politischen Hintergrund nach der Höhe des nationalen Einkommen ein. Die alten Industriestaaten finden sich dann in einer Gruppe mit hohem nationalem Einkommen ( High Income Country) zusammen mit Staaten, wie den Ölförderländern am Golf.

Industrieländer haben einen großen Einfluss auf das Klima

Containerschiffe transportieren die Konsumgüter über die Weltmeere.
Containerschiffe transportieren die Konsumgüter über die Weltmeere. (Foto: CC0/pixabay/hectorgalarza)

Ein weiteres Merkmal für die alten Industrieländer könnte auch ihr CO2 Fußabdruck sein.

Die Bundeszentrale für politische Bildung berichtet, dass Industrieländer den größten Anteil am Klimawandel haben. Die hohen CO2-Emissionen verursacht unter anderem der Lebensstil in diesen Ländern. Hohe durchschnittliche Einkommen ermöglichen Konsum und einen hohen Lebensstandard.

Das bedeutet in der heutigen Gesellschaft fast immer noch: Konsumgüter, Elektrogeräte, Autos, Flugreisen und häufig Fleisch zu den Mahlzeiten. Alles Dinge, die CO2-Emissonen verursachen. Das Gute daran, du kannst in deiner Umgebung mit dem Klimaschutz anfangen.

Menschen im globalen Süden können sich solchen Luxus häufig nicht leisten und haben oft auch keine Wahl. Trotzdem bekommen sie stärker die Folgen des Klimawandels, der von ihnen nicht verursacht wurde, zu spüren.

In einer Studie fordert Oxfam daher Industrienationen auf, Kompensationzahlungen für Entwicklungsländer in einen Fond zu leisten. Sie errechneten, dass die reichen Industrieländer dafür etwa jährlich 50 Milliarden US-Dollar aufbringen müssten. Damit ließen sich die Schäden in den ärmeren Ländern bezahlen. Auswirkungen des Klimawandels sind zum Beispiel Dürre, Missernten, Überschwemmungen und Wirbelstürme, die zu Hungersnöten und Krankheiten bei der Bevölkerung führen können.

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