Klimaneutrale Mode: Umweltfreundlich oder Werbelüge?

Foto: Pixabay/ CC0/ gonghuimin468, artisano

Nicht nur unser Auto und das Steak auf unserem Teller belasten das Klima, sondern auch unser Kleiderschrank. Gut, dass viele Fashionlabels inzwischen „klimaneutral“ sind – aber was heißt „klimaneutrale Mode“ eigentlich genau?

Alles mögliche ist angeblich klimaneutral: Fleischersatzprodukte, Flüge und inzwischen sogar Mode. Und das ist ja eigentlich auch gut so: Die Textilbranche ist immerhin einer der größten Treibhausgas-Produzenten überhaupt. Sie stößt gut 1,2 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr aus – das ist mehr als durch den internationalen Flug- und Schiffverkehr zusammen entstehen.

Also ist es nur richtig, wenn Fashionlabels klimaneutral werden wollen. Aber wie machen sie das genau? Und was bringt es? Wir haben uns ein paar Marken genauer angesehen.

Was „klimaneutrale Mode“ bedeuten kann: 3 Beispiele

Beachte: Die folgenden Labels sind nur Beispiele, die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Kleidung Bekleidung Mode
Was macht Mode klimaneutral? (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Crew)

Beispiel Armedangels

„Sorry to say: Aber jedes Unternehmen verursacht CO2-Emissionen, ganz gleich, wie nachhaltig und sparsam es wirtschaftet“, erklärt Armedangels auf der eigenen Website. Trotzdem arbeitet das Label daran, die eigenen 263 Tonnen CO2 pro Jahr zu reduzieren.

Das fängt schon damit an, dass Armedangels seinen eigenen Impact überhaupt benennt. Bei der Produktion geht es weiter: Die findet nur in Europa, der Türkei und Tunesien statt, um noch längere Transportwege zu vermeiden. Außerdem verzichtet Armedangels auf Luftfracht, betreibt Büro, Onlineshop und Lager ausschließlich mit Ökostrom und die Mitarbeiter*innen nutzen für Dienstreisen im Inland ausschließlich Bus und Bahn.

Die Emissionen, die nicht vermieden werden konnten, hat Armedangels mit ClimatePartner über ein Biomasse-Projekt in Indien ausgeglichen – auch rückwirkend für 2019. Nach eigenen Aussagen sei das Unternehmen seit September deshalb „klimaneutral“.

Beispiel Bleed

Bereits im Februar 2019 brachte Bleed einen veganen, fairen und CO2-neutralen Sneaker auf den Markt. Um die Emissionen gering zu halten, bezog der Hersteller die Materialien überwiegend aus Spanien und Portugal. Übrige CO2-Emissionen aus beispielsweise der Produktion wurden ausgeglichen.

Heute führt das Label CO2-neutrale Jacken aus recycelten Materialien in seiner Kollektion. Bei deren Herstellung entstehen 25,44 Kilogramm CO2 pro Jacke – das hat Bleed zusammen mit dem Umweltberater Climate Partner errechnet. Diese gleicht das Label durch Spenden an ein Waldschutzprojekt in Kenia aus.

Beispiel Aldi

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Aldi Süd hat die Emissionen seiner Sneaker kompensiert – aber das macht sie nicht zu nachhaltigen Schuhen. (© Aldi Süd)

Auch Aldi Süd gleicht nach eigenen Angaben Emissionen aus, indem der Discounter in Klimaschutzprojekte investiert. Viele Filialen erzeugen sogar mit Solaranlagen ihren eigenen Strom.

Und im Juni 2020 hatte Aldi einen Sneaker für 13 Euro im Angebot, deren CO2-Emissionen der Discounter nach eigenen Angaben komplett ausgeglichen hat. Abgesehen davon war der Schuh leider wenig nachhaltig und nur mit einem sehr schwachen Recycling-Siegel ausgezeichnet.

Mehr Informationen: Aldi verkauft klimaneutrale Sneaker – warum wir sie nicht empfehlen

Wie groß ist der Impact wirklich?

Leider sind Begriffe wie „klimaneutral“ oder „klimafreundlich“ nicht gesetzlich geschützt. Das bedeutet, Unternehmen können sie unterschiedlich auslegen.

  • Armedangels bezieht Klimaneutralität auf das ganze Unternehmen, versucht aber auch bei der Produktion Treibhausgase zu vermeiden.
  • Bleed und Aldi produzierten klimaneutrale Mode-Produkte, indem die Unternehmen Emissionen ausglichen.
  • Bleed gab dabei die genaue Menge der Emissionen an – die Marke engagiert sich auch sonst glaubhaft für Nachhaltigkeit.
  • Aldi blieb vage, auch der Recyclinganteil in den Schuhen lies sich nicht nachvollziehen.

Doch welche Emissionen werden genau gezählt? Wird auch die Umweltbelastung durch die Entsorgung der Produkte beachtet? Oder mitberechnet, dass zum Beispiel gepflanzte Bäume vielleicht in ein paar Jahren wieder gefällt werden?

All diese Faktoren wirken sich auf die Umweltbilanz eines Produktes aus – und machen das Thema „Klimaneutralität“ sehr komplex. Deshalb schadet es nicht, Aussagen wie „XY ist klimaneutral“ mit Skepsis zu begegnen und genauer hinzusehen.

Neutralisieren ist gut, vermeiden ist besser

Bäume pflanzen, Wald
Bäume können Emissionen kompensieren – aber effektiver wäre es, die Treibhausgase zu vermeiden. (Foto: Unsplash, CC0)

Natürlich begrüßen wir es, wenn Unternehmen ihre Emissionen neutralisieren. Noch besser wäre es aber, diese im Vorhinein zu vermeiden.

Darum bemühen sich echte Fair-Fashion-Marken seit jeher. Dazu berücksichtigen sie auch andere Punkte, um die Produktion ihrer Mode möglichst nachhaltig zu gestalten.

Wenn du dir unsicher bist, wie nachhaltig „klimaneutrale Mode“ oder andere Produkte wirklich sind, dann befolge folgende Tipps:

  • Schau dir die Website des Unternehmens an. Wird dort genau erklärt, inwiefern Emissionen eingespart und ausgeglichen werden?  Setzt sich das Unternehmen auch auf andere Weise für Umweltschutz ein?
  • Behalte auch im Hinterkopf: Emissionsarm ist nicht gleich umweltfreundlich. Synthetische Fasern setzen zum Beispiel weniger CO2 frei als Wolle, sind aber aus anderen Gründen ökologisch bedenklich.
  • Wer ein wirklich nachhaltiges Kleidungsstück haben möchte, orientiert sich besser an Siegeln wie GOTS oder IVN Best.

Weitere nachhaltige Fair-Fashion-Labels findest du in unserer Bestenliste:

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(2) Kommentare

  1. Es gibt 3 Kategorien von Unternehmen;
    1. Die sich nicht um CO2 kümmern,
    2. Die sich darum kümmern und bemühen ihren Ausstoß zu verringern bzw. auf null zu fahren.
    3. Die „Whitewashing“ als eine PR und Marketing Kampagne einsetzen. Es wird eine Kapsel-Kollektion gelauncht und stark promotet „Schau wird sind besorgt und produzieren auch nachhaltig und nach Fairtrade“. Der Hauptteil ihrer Kollektion wird aber nach-wie-vor in Billiglohnländer in Asien produziert und nach Europa verfrachtet.

    Aldi ist ja hier so ein Beispiel von Augenwischerei und Whitewashing. Ein Sneaker für €13 !! Die Produktionskosten werden unter €5 liegen. Nachhaltig? Fairtrade mit ordentlicher Bezahlung? Logistikkosten? Geht ja gar nicht

    FastFashion ist auch so ein Musterbeispiel, wo größtenteils einer Kollektion in Asien produziert wird, damit anschließend ein T-Shirt für €9.95 verkauft werden kann. Das T-Shirt hat einen Produktionspreis von unter €3. Von Nachhaltigkeit kann keine Rede sein, also um gegenzusteuern kommt die besagte Kapselkollektion auf den Markt und stark vermarktet; „Unsere Kollektion ist aus 100 % organische Baumwolle“ macht aber keine 5 % vom Gesamtumsatz aus. Auf meinem neuen Blog http://www.modefutzi.blogspot.com werde ich auch stark auf diese Thematik eingehen. Nach über 30 Jahre in der Branche habe ich so einiges gesehen und es wird Zeit für ein generelles umdenken in unserem Konsumverhalten, vonseiten der Unternehmen aber auch Konsumenten.