Warum du die Küchenrolle aus deiner Küche verbannen solltest

Kuechenrolle
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Warum du keine Küchenrolle brauchst und welche Alternative zu Küchenpapier du garantiert schon im Haus hast – das verrät dir Utopia.

Die meisten Menschen haben eine Rolle Papiertücher in der Küche stehen – denn so eine Küchenrolle ist praktisch: wenn die Sahne umkippt, man Fleisch trocken tupfen will oder einen Taschentuch-Ersatz braucht. Die Küchenrolle ist immer schnell zur Hand – doch wie nachhaltig ist Küchenpapier eigentlich?

7 Milliarden Küchenrollen jährlich – in Deutschland

Umgerechnet so viel Hygienepapier (Küchenpapier, Taschentücher, Klopapier) verbraucht Deutschland im Jahr. Abgerollt könnte man damit die Erde 2.100 Mal umwickeln. Die Tendenz ist steigend: In den vergangenen Jahren stieg der Verbrauch von Hygienepapier pro Kopf von 11 Kilogramm auf 18 bis 19 Kilogramm (WWF 2011, UBA). Welchen Einfluss hat das auf unsere Umwelt?

Die Papierindustrie gehört laut Umweltbundesamt zu den fünf energieintensivsten Branchen in Deutschland. Die Papierherstellung bringt einen hohen Wasserverbrauch mit sich, die Produktion von Papier benötigt außerdem jede Menge Energie und Chemikalien.

Laut WWF fällt fast jeder zweite Baum, der abgeholzt wird, für die Papierproduktion. Machen wir unser Papier aus heimischen Wäldern? Nein: In Deutschland werden etwa 80 Prozent des Zellstoffs für die Papierherstellung importiert (UBA). Der größte Teil davon kommt aus Schweden, Finnland, Russland und den USA.

Der deutsche Küchenrollen-Verbrauch reicht 2100 mal um die Erde
Der deutsche Küchenrollen-Verbrauch reicht 2100-mal um die Erde. (© eyewave - Fotolia.com)

Der Anteil aus tropischen Regionen ist zwar gering, über Drittländer ist der Import tropischer Hölzer dennoch möglich. In Indonesien ist wegen der Papierindustrie bereits der Regenwald bedroht. Aber auch in Brasilien machen die riesigen Plantagen auf landwirtschaftlichen Flächen der Bevölkerung Probleme. Auf der Suche nach neuen Anbauflächen für Lebensmittel roden die Anwohner:innen dann Urwaldbestände. Zusätzlich belasten die Plantagen die Umwelt mit Pestiziden und chemischen Düngern und verbrauchen viel Wasser.

Bäume abholzen, um daraus Küchenrollen zu machen?

Ja, Küchenpapier ist praktisch. Aber es ist ein reines Wegwerfprodukt: Wir wischen was damit weg, danach werfen wir es in den Müll. Von dort kann es in der Regel nicht recycelt werden, es ist für den Wertstoffkreislauf verloren. Doch was sind die Alternativen?

Besser ist Papier mit dem FSC– oder PEFC-Siegel. Es kommt aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung, aber auch hier landen die Bäume ziemlich schnell im Mülleimer.

Noch besser ist es, recyceltes Küchenpapier zu nehmen – das man zum Beispiel am Blauen Engel erkennt. Doch das ist leider nicht sonderlich beliebt: Nur rund 55 Prozent des Hygienepapiers bestehen aus Recyclingfasern. Die Tendenz ist rückläufig: 1999 waren es noch 71 Prozent. Recycling-Hygienepapier wird meist nur öffentlich verwendet – etwa für Klopapier auf öffentlichen Toiletten. Der Anteil an recyceltem Küchenpapier in privaten Haushalten ist leider gering.

Jede Küchenrolle war mal ein Baum
Jede Küchenrolle war mal ein Baum (© Wissmann Design - Fotolia.com)

Aber auch recyceltes Küchenpapier ist keine echte Alternative zu normalem Küchenpapier. Beide Varianten sind in Plastik verpackt, nicht wiederverwendbar und werden trotz aufwendiger Herstellung nach einmaliger Verwendung weggeschmissen.

Die wiederverwendbare Küchenpapier-Alternative

Es gibt eine viel bessere Alternative zur Küchenrolle, und du hast sie schon im Haus: Geschirrhandtücher oder Lappen aus Baumwolle. Das sieht auch das Umweltbundesamt so: „Nutzen Sie papierfreie Alternativen wie waschbare Stofftaschentücher, Stoffhandtücher und Stoffservietten oder Wischtücher.“

Geschirrhandtücher oder Lappen haben gegenüber der Küchenrolle entscheidende Vorteile:

  • Längere Lebensdauer: Bis man einen Lappen wirklich nicht mehr verwenden kann, vergeht sehr viel Zeit.
  • Zero Waste: Lappen und Tücher können sehr oft wiederverwendet werden und machen deshalb keinen Müll.
  • Weniger Kosten: Wiederverwendung bedeutet seltener Neues kaufen – das schont den Geldbeutel. Vielleicht hast du sogar ausrangierte T-Shirts oder alte Handtücher, die du ganz leicht zu neuen Lappen upcyceln kannst.
  • Höhere Effizienz: Oft reicht ein Küchenpapier nicht aus, um etwas aufzuwischen. Ein saugstarker Lappen ist die bessere Alternative.
  • Reißfest: Wer kennt es nicht? Zwar verspricht die Werbung immer wieder, das Küchenpapier sei reißfest – am Ende reißt es im entscheidenden Moment dann aber doch. Mit Lappen und Tüchern kann dir das nicht passieren.

Der einzige Nachteil an Lappen und Tüchern: man muss sie waschen. Worauf du beim Waschen achten solltest, erfährst du im Utopia-Artikel Wäsche waschen, aber nachhaltig: 10 Tipps.

7 Milliarden Küchenrollen verbraucht Deutschland pro Jahr
7 Milliarden Küchenrollen verbraucht Deutschland pro Jahr. (© aradaphotography - Fotolia.com)

Utopia-Fazit: weniger Küchenrolle ist besser

Wir wollen niemandem die Küchenrolle madig machen. Doch Küchenpapier ist aufwändig in der Herstellung, verbraucht viel Wasser und Energie und schadet der Umwelt. Geschirrtücher und Baumwolllappen können fast alles, was die Küchenrolle auch kann. Auch eine nette Idee: waschbares Küchenpapier (erhältlich** bei Avocadostore, Etsy oder Amazon).

Wer trotzdem ab und zu ‘normales‘ Küchenpapier verwenden möchte, sollte Küchenrollen aus recyceltem Papier, z.B. von Memo (erhältlich** bei Memolife oder Waschbär), von Danke (erhältlich u.a. bei dm) oder dm selbst (ebenfalls dort) nehmen – achte dabei auf den Blauen Umweltengel.

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