Flink, Gorillas & Co.: Wie nachhaltig sind die neuen Lebensmittel-Lieferdienste?

Wie nachhaltig sind Lebensmittel-Lieferdienste?
Foto: CC0 Public Domain / Pexels - Mart Production

Flink, Gorillas, Alpakas, Knuspr – gerade schießen Lebensmittel-Lieferdienste mit witzigen Namen wie Pilze aus dem Boden. Einige Anbieter geben sich besonders grün. Aber wie nachhaltig sind die Lieferdienste für Lebensmittel tatsächlich? Wir haben uns die Start-ups genauer angesehen.

Lebensmittel online zu bestellen und sich bequem nach Hause liefern zu lassen, liegt voll im Trend. Seit Beginn der Corona-Pandemie erfahren Lebensmittel-Lieferdienste einen regelrechten Boom und die E-Bikes von Gorillas und Co. sind in manchen Großstädten längst zu einem festen Teil des Stadtbilds geworden.

Aber was genau bieten die einzelnen Anbieter, was unterscheidet sie und gibt es wirklich nachhaltige Lieferdienste? Wir haben uns die Unternehmen genauer angesehen, um herauszufinden, ob du mit Lebensmittel-Lieferdiensten nachhaltig(er) einkaufen kannst.

Lebensmittel-Lieferdienste sind kein ganz neues Phänomen: Supermarktketten wie Edeka (Bringmeister) und Rewe beliefern Kund:innen bereits seit längerer Zeit. Doch statt starrer Lieferzeiten mit einem vorher gebuchten Termin und Lkws, die die Produkte ausliefern, bieten die neuen Lieferdienste deutlich mehr Flexibilität und E-Mobilität. Aber macht sie das nachhaltig?

Flink bezeichnet sich selbst als mobiler Supermarkt, der Einkäufe in zehn Minuten bis an die Haustür liefert.

Wer steckt dahinter? Flink ist aus dem Hamburger Start-up Pickery hervorgegangen, inzwischen ist Rewe Anteilseigner.

Verfügbarkeit: Montag bis Samstag von 8 bis 23 Uhr (Freitag und Samstag sogar bis Mitternacht), in über 30 Städten in Deutschland

Was gibt es? Ein Vollsortiment von Obst und Gemüse über Backwaren bis zu Nudeln und Snacks; auch frisches Fleisch und Fisch, viele Bio-Produkte, auch vegane Produkte. Was negativ auffällt: Eine spezielle Sparte „ready to“ mit Fertigprodukten mit viel Plastikverpackung, hauptsächlich Markenprodukte, günstige Eigenmarken-Produkte fehlen.

Was kostet’s? Die Lieferkosten betragen immer 1,80 Euro, die Preise entsprechen denen im Rewe-Supermarkt. Der Mindestbestellwert liegt bei einem Euro, die Bestellung und Bezahlung erfolgen über die Flink-App.

Auslieferung: Über Fahrradkuriere mit E-Bikes

Gorillas

Gorillas verspricht Lebensmittel-Lieferungen zu Supermarkt-Preisen in nur zehn Minuten.

Der Lebensmittel-Lieferdienst Gorillas liefert per E-Bikes.
Der Lebensmittel-Lieferdienst Gorillas liefert per E-Bikes. (Foto: © Gorillas, Yagmur Ruzgar)

Wer steckt dahinter? Zwei Unternehmer aus Berlin, Gorillas wurde 2020 gegründet. Inzwischen haben mehrere Unternehmen in das Start-up investiert.

Verfügbarkeit: Montag bis Samstag von 8 bis 23 Uhr, sonntags von 9 bis 20 Uhr, in 22 Städten in Deutschland, auch in Italien, Frankreich und weiteren europäischen Ländern

Was gibt es? Ein Supermarkt-Vollsortiment, von frischen Lebensmitteln und Backwaren bis hin zu TK-Produkten und Getränken, auch Fleisch und Käse gibt es sowie eine große Auswahl an Bio-Produkten; auch eine spezielle vegane „Abteilung“. Negativ: hauptsächlich Markenprodukte

Was kostet’s? Ab zehn Euro Bestellwert betragen die Lieferkosten 1,80 Euro, darunter ist ein Aufschlag von 2,10 Euro fällig. Die Preise entsprechen denen im Supermarkt, einen Mindestbestellwert gibt es nicht. Bestellung und Bezahlung laufen über die Gorillas-App.

Auslieferung: Per E-Bikes und Cargobikes

Lies auch: Lebensmittel-Lieferdienst Gorillas: Kein nachhaltiges Geschäft

Flink und Gorillas – beide Lieferdienste bringen Supermarktprodukte per Fahrrad zu den Kund:innen. Im Fokus stehen dabei eine sehr schnelle Lieferung und eine Verfügbarkeit von morgens bis abends. Einen Fokus auf Nachhaltigkeit und nachhaltige Produkte können wir allerdings (noch) nicht erkennen. Zudem wird bei Gorillas immer wieder Kritik an den Arbeitsbedingungen laut. Neben den beiden Platzhirschen gibt es aber noch andere Lebensmittel-Lieferdienste.

Gibt es nachhaltigere Lebensmittel-Lieferdienste?

Inzwischen versuchen kleinere, regionale Lebensmittel-Lieferdienste, Einkäufe und Zustellung möglichst nachhaltig zu gestalten. Einige Beispiele:

Alpakas in und aus Berlin bietet ein breites Produktsortiment an Bio-Lebensmitteln an und achtet bei den Drogerieprodukten auf Low-Waste. Zudem verzichtet Alpakas auf Einwegplastik und verwendet stattdessen Mehrwegverpackungen wie Gemüsenetze und Mehrweggläser. Ausgeliefert wird mithilfe von E-Lastenrädern und bei einer Bestellung bis 17 Uhr noch am Bestelltag. Die Lieferkosten betragen 3,90 Euro, ab 25 Euro Bestellwert fällt diese Pauschale weg.

Lies dazu auch: Grüne Alternative zu Gorillas? Lieferdienst Alpakas liefert Bio-Lebensmittel nach Hause

Knuspr beliefert München und angrenzende Gemeinden mit einem Vollsortiment inklusive frischer Backwaren, das nach eigener Aussage zu 30 Prozent aus regionalen Produkten lokaler Erzeuger:innen besteht. Bei vielen Waren verzichtet Knuspr auf Groß- oder Zwischenhändler. Nudeln, Reis und Co. sind im Mehrwegglas bestellbar. Das Unternehmen möchte „Supermarkt & Hofladen“ in einem sein, ausgeliefert wird innerhalb von drei Stunden in Elektrofahrzeugen. Die ersten drei sowie Bestellungen ab 29 Euro Bestellwert sind lieferkostenfrei. Die Zeichen stehen auf massive Expansion: Knuspr möchte ein „Big Player“ im Umfeld der Lebensmittel-Lieferdienste werden.

Um möglichst nachhaltig und gleichzeitig kostengünstig einzukaufen, lohnt sich oft der Gang zum Wochenmarkt.
Wer nachhaltig und gleichzeitig kostengünstig einkaufen möchte, geht besser zum Wochenmarkt als zum Lebensmittel-Lieferdienst. (Foto: CC0 / Pixabay / distelAPPArath)

Terano liefert plastikfreie und größtenteils Bio-zertifizierte Lebensmittel in München. Die Verpackungen bestehen aus Papier, Baumwolle oder Glas. Ausgeliefert wird per Fahrrad, bei größeren Distanzen bislang auch noch per Auto. Die Lebensmittel-Bestellungen werden am nächsten Tag geliefert, ab 50 Euro Einkaufswert entfallen die Lieferkosten.

Fazit: Kauft man bei Lebensmittel-Lieferdiensten wirklich nachhaltig ein?

Alle Lebensmittel-Lieferdienste, die wir uns angesehen haben, haben eines gemeinsam: Sie garantieren frische Lebensmittel in hoher Qualität. Das ist an sich eine gute Sache, noch schöner wäre es natürlich, wenn das Sortiment überwiegend Bio-Qualität hätte. So werden Anbauflächen geschont und keine synthetischen Pestizide eingesetzt.

Wir möchten Lebensmittel-Lieferdienste nicht per se kritisieren oder als unnachhaltig abstempeln. Die Lieferung per E-Bike und das Bemühen um weniger bzw. plastikfreie Verpackungen begrüßen wir. Für Senior:innen, Menschen mit Behinderung und alle Menschen, die aus anderen Gründen wenig mobil sind, können Lebensmittel-Lieferdienste eine echte Alternative für den wöchentlichen Einkauf sein. Und während einer Pandemie, in der man Menschenmassen meiden und Kontakte einschränken möchte, ist die Lieferung bis vor die Haustüre praktisch.

Allerdings sehen wir die Geschäftsmodelle der großen Player Flink und Gorillas kritisch: Sie sind auf ein sehr schnelles und sehr starkes Wachstum ausgerichtet – nachhaltiges Wirtschaften sieht für uns anders aus.

Der enorme logistische Aufwand und der Zeitdruck, der hinter der versprochenen kurzen Lieferzeit bei Flink und Gorillas steht, kann die Arbeitsbedingungen unserer Meinung nach nicht positiv beeinflussen. Gorillas stand bereits mehrfach wegen fragwürdiger sozialer Bedingungen in der Kritik.

Gleichzeitig kann uns die ständige Verfügbarkeit frischer Lebensmittel dazu verleiten, die Wertschätzung für die Produkte zu verlieren. Auch die Aufwände für Anbau, Ernte und Aufbereitung der Lebensmittel geraten damit noch weiter in den Hintergrund. Wir treffen unsere Lebensmittelauswahl nach den schicksten Produktbildern und können nicht wie im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt Preise vergleichen oder die Äpfel selbst aussuchen.

Auch wenn die Lebensmittellieferung per E-Bike besser ist als mit dem Auto zum Supermarkt zu fahren: Mal ehrlich, bislang gibt es die Lebensmittel-Lieferdienste vorwiegend in Städten. Und gerade dort muss kaum jemand mit dem Auto zum Einkaufen fahren.

Wenn du trotzdem Lebensmittel online bestellen möchtest, informiere dich besser, ob es einen kleinen, regionalen Dienst gibt, der zu dir liefert, als bei den großen Playern zu bestellen.

Wenn du deinen Lebensmittelkauf nachhaltiger gestalten willst und auch ohne Auto mobil bist, musst du aber nicht beim Lebensmittel-Lieferdienst bestellen. Du kannst auch einfach:

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