Einfacher Vergleich: Wie Umwelt ist mein (neues) Auto?

© Daimler / Smart

Kohlendioxid, Partikel, Stickoxide. Autos produzieren Gift – allerdings unterschiedlich viel davon. Der ADAC hat ein verlässliches Verfahren etabliert, um die Umweltverträglichkeit zu vergleichen.

Aus den Auspuffrohren unserer Autos kommen Abgase. Schlecht für die Welt, und schlecht für den Menschen als Teil davon. Konkret: Kohlendioxid beeinflusst das Klima. Partikel – im Volksmund Feinstaub genannt – und Stickoxide schädigen den Körper direkt.

Trotzdem greifen über 98 Prozent aller Neuwagenkäufer zu Benzin- oder Dieselmotoren. Doch auch beim Griff zu den Öko-Schutzfinken ist keineswegs egal, welches Fahrzeug wir auswählen: Die Höhe der Emissionen fällt nämlich höchst unterschiedlich aus.

ADAC EcoTest zeigt, wer sauber(er) ist

Als Laie hätte man keine Chance, die Werbeversprechen der Industrie kritisch zu hinterfragen. Für uns übernimmt das ADAC Technik Zentrum diese Aufgabe. Ja, es ist leider genau der Verein, dessen Image ziemlich ramponiert ist, der aber zugleich auch das beste Vergleichsverfahren entwickelt hat, das wir derzeit in Deutschland haben: den EcoTest. Folgende Bildergalerie zeigt, wie umwelt(un)freundlich 10 aktuelle Alltagsautos in diesem EcoTest abschneiden:

NEFZ zu WLTC
Verschiedene Testverfahren produzieren unterschiedliche Ergebnisse (Grafik: ADAC e.V.)

Im EcoTest werden massenrelevante Automodelle auf dem Prüfstand des ADAC Technik Zentrums gemessen. Nicht nach den laschen Bedingungen des so genannten Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ), der durch die hohen Abweichungen zwischen Papierform und Wirklichkeit in Verruf geraten ist. (Siehe Beitrag: Die Öko-Tricks der Auto-Industrie.)

Zwar prüft auch der ADAC, ob ein Testwagen die Vorgaben des NEFZ erfüllt. Hinzu kommen dort aber die Ergebnisse aus zwei weiteren simulierten Teststrecken, dem WLTC (Worldwide harmonized Light Vehicles Test Cycle) und dem ADAC-Autobahntest. Hier wird zum Beispiel mit eingeschaltetem Licht und Klimaanlage gefahren, und insgesamt liegen die Geschwindigkeiten deutlich höher als bei den gesetzlichen Mindestvorgaben – und damit näher an der Realität.

ADAC EcoTest ermittelte hohe Stickoxidwerte schon vorm Volkswagen-Skandal

Obwohl der ADAC EcoTest keineswegs extreme Anforderungen simuliert, sprechen die Ergebnisse eine deutliche Sprache: So hat zum Beispiel der International Council on Clean Transportation (ICCT) mit den Daten das EcoTests im September eine Untersuchung veröffentlicht (PDF), in der bereits auf stark überhöhte Stickoxidemissionen bei Diesel-Pkw hingewiesen wurde. Das geschah, bevor der ICCT durch die Mithilfe bei der Aufdeckung des Volkswagen-Manipulationsskandals weltbekannt wurde.

Um verschiedene Antriebssysteme und Kraftstoffarten korrekt vergleichen zu können, berechnet der ADAC außerdem, wie viele Emissionen bei der Herstellung von Diesel, Benzin oder Strom frei werden. So addieren sich etwa beim Diesel zu den im Prüflabor gemessenen CO2-Werten 18 weitere Prozent für Förderung, Transport und Raffinerie. Und bei Batterie-elektrischen Autos werden pro verbrauchter Kilowattstunde Strom 563 Gramm Kohlendioxid (nach Umweltbundesamt) zu Grunde gelegt.

ADAC EcoTest Abfrage
ADAC EcoTest Abfrage (Screenshot adac.de)

Klingt kompliziert? Das ist es auch, aber es wird der Problemlage methodisch gerecht.

Die Übersicht darüber, wie sauber ein bestimmtes (oder Ihr aktuelles) Auto ist, ist dafür umso einfacher, nämlich hier: adac.de/infotestrat/tests/eco-test/

Auf dieser Seite können Interessierte zum Beispiel nach den Bewertungssternen sortieren, nach der Fahrzeugklasse oder nach einem bestimmten Hersteller.

Das saubere Dutzend: die Liste der Top-Autos

Fünf Sterne (ab 90 Punkte des ADAC-eigenen Systems aufwärts) sind das Maximum. Die Autos, die sich in dieser Kategorie finden, sind nicht gerade günstig. Aber es ist ein klares Statement, das der ADAC hier abgibt: Konventionelle Antriebe erreichen keine Spitzenplätze.

Stattdessen dominieren Fahrzeuge mit Erdgas als alternativem Kraftstoff sowie Batterie-elektrische Autos. Allein der Toyota Prius schafft es nur mit Benzin im Tank ins saubere Dutzend.

Hier das Ranking des ADAC:

  1. Mercedes E200 Natural Gas Drive (101 Punkte)
    Volkswagen e-Up (101 Punkte)
  2. Audi A3 g-tron (100 Punkte)
    Volkswagen Golf 1.4 TGI (100 Punkte)
  3. Volkswagen e-Golf (99 Punkte)
  4. BMW i3 (98 Punkte)
  5. Nissan Leaf (96 Punkte)
    Nissan e-NV 200 (96 Punkte)
  6. Kia Soul EV (93 Punkte)
  7. Toyota Prius Plug-In (92 Punkte)
  8. Ford Focus electric (91 Punkte)
  9. Toyota Prius (90 Punkte)

Konsumenten kaufen gegen Umweltempfehlungen

Betrachtet man Europas Topseller, den Golf, wird aber schnell klar, dass für die meisten Kunden das Geld der wichtigste Faktor ist. Der teure, aber vergleichsweise saubere Erdgas-Golf (fünf Sterne, 100 Punkte) wird kaum verkauft. Die preisgünstigste Variante mit Verbrennungsmotor namens 1.2 TSI dagegen ist am beliebtesten – und genau diese Version bekommt im ADAC EcoTest eine eher niedrige Bewertung (82 Punkte).

In einer Bildergalerie zeigen wir, wie umwelt(un)freundlich 10 aktuelle Alltagsautos im ADAC EcoTest abschneiden:

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(2) Kommentare

  1. „Fünf Sterne (ab 90 Punkte des ADAC-eigenen Systems aufwärts) sind das Maximum. Die Autos, die sich in dieser Kategorie finden, sind nicht gerade günstig. Aber es ist ein klares Statement, das der ADAC hier abgibt: Konventionelle Antriebe erreichen keine Spitzenplätze.“

    Habe auf der ADAC EcoTest Sucheingabe nach 5 Sternen gefiltert und Ergebnistreffer (15 Modelle) nach Punktzahl in der rechten Spalte abwärts sortieren lassen.

    Da kommen sehr wohl konventionelle Dieselmotoren vor:
    92 Punkte: Skoda Superb Combi 2.0 TDI SCR Style
    91 Punkte: Mercedes C 220 d Coupé, Audi A4 2.0 TDI ultra sport, Peugeot 308 BlueHDi 120 STOP&START Active

    Der Ford Focus electric steht demnach mit 91 Punkten auf demselben Eco Wert wie Diesel, kann das richtig sein?