Nachhaltige Citybikes: Bessere Stadträder aus Metall, Bambus & Holz

Accell Group, Myboo. Collage: ut/lw

Nicht nur bei der Trekking-Tour, auch bei der Fahrt zum Wochenmarkt, zu Freunden oder in die Kneipe ist das Fahrrad immer noch das umweltfreundlichste Verkehrsmittel. Welche Hersteller setzen bei der Produktion auf Umweltstandards? Und wohin mit dem alten Akku bei E-Bikes?

Das Fahrrad, neudeutsch Citybike, hat die Menschen immer schon begeistert. Zum Beispiel den Philosophen Ivan Illich: „Fahrräder ermöglichen es dem Menschen, sich schneller fortzubewegen, ohne nennenswerte Mengen von knappem Raum, knapper Energie oder knapper Zeit zu beanspruchen. Er benötigt weniger Stunden pro Kilometer und reist doch mehr Kilometer im Jahr. Er kann den Nutzen technologischer Errungenschaften genießen, ohne die Pläne, die Energie oder den Raum anderer übermäßig zu beanspruchen.“

Das Zitat stammt aus den 70er Jahren. Es stimmt heute noch. Im Zeitalter von Dieselskandal, Klimawandel und CO2-Debatte, können die Besitzer von Citybikes sicher sein, dass sie das mit Abstand umweltfreundlichste Verkehrsmittel nutzen. Kein Stau, keine Lärmemission, keine CO2-Emissionen – grüner geht’s nicht.

Naja, ein bisschen grüner vielleicht schon. Gerade bei E-Bikes ist der Akku nicht gerade ein ökologischer Musterknabe. Zumal die Produzenten der Akkus sich bedeckt halten, wo und unter welchen Bedingungen die Lithium-Ionen-Speicher hergestellt werden.

Als Besitzer eines E-Bikes kannst du immerhin einige Dinge tun, um die Lebensdauer des Energiespeichers voll auszuschöpfen. Tipps zur Pflege von E-Bike-Akkus findest du deshalb weiter unten.

Nachhaltig produzierte Citybikes

Fahrrad-Citybik
Solides Citybike von vsf fahrradmanufaktur mit 8-Gang-Nabenschaltung Shimano Nexus, Magura-Hydraulikbremsen, Nabendynamo und stabilem Gepäckträger. (Mehmet Toprak)

Noch umweltfreundlicher als ein E-Bike ist natürlich ein Fahrrad ohne Elektromotor. Am allerbesten aber ist ein Fahrrad aus möglichst nachhaltiger Herstellung. Wer sich ein Citybike anschaffen will, findet derzeit leider noch nicht allzu viele Hersteller, die auf umweltfreundliche Produktion Wert legen. Man steht wohl auf dem Standpunkt, dass Radfahren an sich schon umweltfreundlich genug sei, um noch eine besonders nachhaltige Herstellung zu benötigen. Hinzu kommt der Preisdruck durch die starke Konkurrenz.

Einige Hersteller, die das Thema Nachhaltigkeit auf ihrer Website ansprechen, finden sich aber doch. Die vsf fahrradmanufaktur etwa stellt ihre Räder im niedersächsischen Oldenburg her. Zur heimischen Produktion gesellen sich laut Hersteller noch umweltschonende Produktionsabläufe wie beispielsweise die lösungsmittelfreie Pulverbeschichtung des Rahmens. Bei Bike-Fans genießen die technisch solide und durchdacht konzipierten Räder aus Oldenburg schon lange einen guten Ruf.

Citybikes: Accell und Dorel versprechen faire Herstellung

Winora Citybike
Die Bikes von Winora gehören zur Accell Group. Nachhaltigkeit gehört laut Hersteller zur Firmenpolitik. (Accell Group)

Auch bei den Rädern der niederländischen Accell Group darf man auf ökologisches Engagement hoffen. Der Konzern vermarktet in Europa unter anderem die (auch in Deutschland bekannten) Marken Batavus, Raleigh, Winora sowie die E-Bikes von Sparta. In seinem Nachhaltigkeits-Report bekennt sich der Konzern zu einer ressourcenschonenden und sozial verantwortlichen Produktpolitik. Dazu gehört auch die Kontrolle der Zulieferer hinsichtlich des Einsatzes von Chemikalien, etwa bei der Beschichtung von Rahmen und anderen Bauteilen.

Auf umweltschonende Produktionsstandards setzt auch der kanadische Konzern Dorel, unter dessen Dach inzwischen die amerikanischen Radklassiker der Marke Schwinn produziert werden. Echte Sicherheit, dass wirklich jede Komponente des Rads nach ökologischen Standards und fair hergestellt wurde, geben die allgemeinen Erklärungen auf den Websites natürlich nicht.

Bikes aus Bambus von My Boo aus Kiel …

Wenn du dir ein konsequent ressourcenschonend produziertes Rad anschaffen willst, solltest du dir deshalb die Bambusräder von Unternehmen wie My Boo oder Stark genauer ansehen.

MyBoo-Citybike
My Pra, ein komfortables Stadtrad aus Bambus. (My Boo)

Bambus gehört zu den am schnellsten nachwachsenden und gleichzeitig stabilsten Pflanzen. Beim Kieler Unternehmen My Boo stammt der Bambus aus Afrika. Das Unternehmen schafft so nach eigenen Angaben mehr als 60 sichere und fair bezahlte Arbeitsplätze in Ghana. Durch den Verkauf der Bambus-Bikes wird außerdem eine eigene Schule finanziert.

Der Bambusrahmen des Rads wird mit handelsüblichen Komponenten wie Scheibenbremsen und einer Shimano-Schaltung bestückt. Ganz billig sind die stylischen Bikes natürlich nicht. Das Citybike ist je nach Konfiguration ab 1.599 Euro zu haben, die E-Bikes kommen auf 4.000 Euro und mehr. Dafür bekommt man ein individuell konfiguriertes und edles Unikat, mit dem Arbeitsplätze und Ausbildung in Ghana gesichert werden.

… und von Stark aus Darmstadt

Fahrrad Rahmen Stark
Der Rahmen von Stark ist aus Bambus. Die Rohre sind mit Epoxid-Harz verklebt und mit Hanf- und Kunststofffasern verbunden. (Stark)

Mit Bambus arbeitet auch das 2015 gegründete Start-up Stark aus Darmstadt. Ebenso wie die Kollegen von My Boo legt man nicht nur großen Wert auf Bambus, sondern auch auf faire Arbeitsbedingungen. Die Fahrrad-Rahmen werden unter Aufsicht eines NGO-Projekts von Frauen in Vietnam gebaut. Die Firma Stark kommt offenbar mit der Produktion kaum nach, zum aktuellen Zeitpunkt sind jedenfalls alle Modelle auf der Homepage ausverkauft. Vielleicht liegt es daran, dass sie günstiger angeboten werden als die der Konkurrenz?

Wem Bambus-Bikes nicht exotisch genug sind, für den gibt es eine weitere Option, nämlich Räder aus Rückschnittholz. Das ist in gewisser Weise noch ökologischer als Bambus, da ein sinnvoller Rückschnitt das Wachstum des Waldes fördert. Außerdem muss dafür kein Bambus aus Afrika oder Asien importiert werden.

Aus schnell nachwachsendem Rückschnittholz hergestellt: Das Brown Bike von der englischen Firma Beamz.
Aus schnell nachwachsendem Rückschnittholz hergestellt: Das Brown Bike von der englischen Firma Beamz. (Beamz)

Solche Räder aus Rückschnittholz gibt es beispielsweise von der englischen Firma Beamz. Wer sich für ein solches Rad interessiert, muss das Unternehmen aus Southampton per Mail kontaktieren. Die Bikes werden auf Bestellung individuell für den Kunden gefertigt. Ivan Illich, der Fahrradphilosoph aus den Siebzigern, wäre sicher begeistert.

Tipps zur Akkupflege beim E-Bike

Wie versprochen hier noch einige Tipps dazu, wie du die Lebensdauer deines E-Bike-Akkus erhöhst:

  • Idealerweise sollte der Akku in einem Temperaturbereich zwischen zehn und 25 Grad Celsius betrieben und gelagert werden. Frost und starke Sonneneinstrahlung vertragen die Batterien nämlich nicht.
  • Dauerhafte Tiefentladung mag der E-Bike-Akku ebenso wenig wie das lange Hängen an der Steckdose, wenn er bereits vollgeladen ist.
  • Sollte ein Akku länger gelagert werden, beispielsweise über den Winter, ist Zimmertemperatur ideal. Der Ladestand sollte dabei nach Möglichkeit zwischen 30 und 40 Prozent bleiben.

Wenn Du diese Tipps beachtest, schafft der Akku auch die typischen 500 bis 1.000 Ladezyklen, bevor er erschöpft ist und ausgetauscht werden muss. Dann ist Entsorgung angesagt. In die Mülltonne werfen ist streng verboten, beschädigte Akkus dürfen auch nicht mit der Post verschickt werden. Stattdessen sind die Händler verpflichtet, die Akkus zurückzunehmen.

Abgeholt und fachgerecht entsorgt werden die Akkus in der Regel dann von der „Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien“ (GRS). Bei der Entsorgung werden Schwermetalle wie Quecksilber, Nickel und Cadmium zurückgewonnen.

Auch die BMZ Group, ein Spezialist für High-Tech-Batteriesysteme aus Karlstein am Main, bietet einen flächendeckendes Rücknahme- und Recyclingangebot für Lithium-Ionen-Akkus in jedem EU-Mitgliedsstaat an. Das kann nützlich sein, wenn du umgezogen bist und der Händler sich nicht mehr in der Nähe befindet.

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(1) Kommentar

  1. Als Referenz für die Nachhaltigkeit wird der eigene (Werbe)text auf der jeweils eigenen Website angeführt. Hallo? Geht’s noch, Utopia?
    Für diese Recherchetiefe hätte auch ein Link auf die jeweiligen Hersteller gereicht. Der eigene Text macht das nicht gerade seriöser…

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