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Pink Lady: Das ist faul an dieser Apfelsorte

Foto: Sven Christian Schulz / Utopia

Pink Lady gehört zu den beliebtesten Äpfeln in Deutschland. Doch die Kritik an Pink Lady ist groß: schlechte CO2-Bilanz, Öko-Test warnt vor Pestiziden und Umweltschützer sehen die Sortenvielfalt in Gefahr.

Pink Lady-Äpfel gibt es heute in fast jedem Supermarkt: Sie haben immer die gleiche Farbe, immer den gleichen Geschmack, sind immer knackig und immer makellos. Dafür kosten sie auch etwas mehr als andere Apfelsorten. Genau genommen handelt es sich bei Pink Lady aber nicht um eine Apfelsorte, sondern vielmehr um eine geschützte Marke.

Pink Lady in der Kritik: Apfel als Lifestyle-Produkt

Pink Lady in der Kritik: Viel Werbung für einen Apfel.
Pink Lady in der Kritik: Viel Werbung für einen Apfel. (Foto: Sven Christian Schulz / Utopia)

Mit aufwendigen Marketing-Kampagnen macht Pink Lady Werbung für den „einzigartigen Apfel“, der ein „Partner für körperliche Fitness und Wohlbefinden“ sei. Das wirklich Einzigartige an dem Apfel ist aber wohl eher das Konzept dahinter:

  • Club: Pink Lady ist die wohl bekannteste Clubsorte. Das heißt, die Apfel-Bauern müssen einem Club beitreten, Lizenzgebühren bezahlen und bekommen vorgeschrieben, wie groß und rot die Äpfel sein müssen, berichtet Greenpeace.
  • Abhängigkeit: Viele Apfel-Bauern machen sich mit dem Anbau von Cripps Pink für Pink Lady abhängig von der „International Pink Lady Alliance“, die hinter der Marke steckt. Denn sie müssen die Apfelbäume teuer kaufen und verpflichten sich, die Äpfel zu einem festen Preis nur an die Pink Alliance abzugeben. Hof-Verkäufe oder Kooperationen mit Supermärkten sind den Bauern nicht erlaubt. Das Risiko von Ernteausfällen tragen sie selbst.
  • Anbaugebiet: Cripps Pink wird überwiegend aus Südeuropa und Südamerika importiert. Deshalb hat die Marke Pink Lady auch eine schlechtere Klimabilanz als deutsche Äpfel in der Saison und zu Beginn der Lagerung. Heimische Apfel-Bauern haben also nichts von der Nachfrage nach Äpfeln – im Gegenteil: Sie bleiben auf ihren Apfelsorten sitzen oder bekommen nur noch wenig Geld dafür.
  • Züchtung: Der Apfel schmeckt süßer als andere Äpfel und wird in der Werbung auch schon mal als gesunde Alternative zu Süßigkeiten dargestellt. Konkret heißt das: Die für die Säure und braune Stellen verantwortlichen Polyphenole sind nur noch in geringen Mengen enthalten. Dabei haben sie gute Eigenschaften: Sie können Allergene binden und machen Äpfel so für Apfelallergiker besser verträglich. Züchtungen wie Pink Lady kommen für Apfelallergiker dagegen nicht in Frage. Alte Sorten sind für sie besser und sollen sogar die Abwehrkräfte stärken und gegen chronische Krankheiten wie Rheuma helfen, berichtet ZDF.
  • Marketing: Mit großen Werbekampagnen preist Pink Lady seine Äpfel als besonders gesund an und baut sogar eine eigene Online-Community rund um diesen Hype auf. Es gibt sogar extra Äpfel für Kinder – die PinKids.

Pink Lady bei Öko-Test in der Kritik

Pink-Lady-Äpfel kommen oft aus Südamerika.
Pink-Lady-Äpfel kommen oft aus Südamerika. (Foto: Sven Christian Schulz / Utopia)

Pink Lady ist ein Designer-Apfel mit Problemen, die auch in der Sorte stecken: Die Kreuzung aus Golden Delicious und Lady Williams lässt den Apfel zwar appetitlich aussehen und gut schmecken. Doch „die genetische Verengung erhöht die Anfälligkeit für Apfelkrankheiten und Schädlinge„, erklärt Greenpeace.

Außerdem: Wenn die Bauern die Äpfel nicht spritzen, zeigen sie schnell Schorf – eine typische moderne Apfelkrankheit. Um das zu verhindern, setzen die Bauern massiv Pestizide und andere chemische Spritzmittel ein.

Die Rückstände dieser Mittel essen die Kunden mit: Öko-Test hat in Pink-Lady-Äpfeln Spuren von drei Pestiziden nachgewiesen – darunter auch ein besonders bedenkliches Pestizid. Die Experten des Verbrauchermagazins empfehlen deshalb Bio-Äpfel.

Sortenvielfalt nimmt ab

Sortenvielfalt statt Designer-Äpfeln.
Sortenvielfalt statt Designer-Äpfeln. (Foto: CC0 / Pixabay / Maklay62)

Die Sorte hinter Pink Lady heißt fast immer „Cripps Pink“. Es handelt sich dabei um eine genetische und auf Effizienz getrimmte Züchtung aus Golden Delicious und Lady Williams. Kaufen alle Menschen nur noch eine Sorte, werden keine anderen Apfelsorten mehr angebaut. Die Sorten und Samen gehen also verloren.

Das ist problematisch, weil sich Sorten dann nur schwer weiterentwickeln lassen, etwa um robuste Apfelsorten infolge von klimatischen Veränderungen zu gewinnen. Früher gab es circa 3.000 Apfelsorten, von denen viele bereits verschwunden sind.

Stefan Eschek vom Bundessortenamt erklärt im ZDF: „Obstbauern, die keine Club-Sorten anbauen (…) verdienen dann weniger Geld, bekommen dann finanzielle Probleme und werden dann vielleicht von größeren Unternehmen aufgekauft, die dann auch alles nur mit Clubsorten bepflanzen und am Ende gibt es dann nicht mehr Sorten, sondern nur noch drei oder vier Sorten auf dem Markt“.

Bessere Äpfel finden

Äpfel direkt vom Bauern statt von Pink Lady.
Äpfel direkt vom Bauern statt von Pink Lady. (Foto: CC0 / Pixabay / Pexels)

Zusammengefasst: Unter der Marke „Pink Lady“ liegen makellos aussehende Äpfel in den Regalen. Sie stammen von Apfelplantagen in Südamerika und Südeuropa, die auf Effizienz getrimmt sind. Diese Apfel-Kreuzung ist anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Darum sind viele chemische Spritzmittel nötig, die sich in Spuren noch auf den Äpfeln finden lassen.

Apfel-Bauern müssen Lizenzgebühren zahlen, bekommen Bäume und vorgegebene Abnahmepreise und dürfen ihre Äpfel an keine anderen Abnehmer verkaufen. Durch die große Nachfrage nach einer bestimmten Sorte werden andere Apfelsorten nicht mehr angebaut und die Sortenvielfalt schwindet.

So findest du bessere Äpfel:

  • Kaufe Äpfel direkt vor Ort bei Hofläden oder auf dem Wochenmarkt. Greife hier auch zu Äpfeln mit Frostschäden oder anderen kosmetischen Fehlern, denn auch sie schmecken gut.
  • Frage bei Obstbauern nach alten Apfelsorten. So kannst du selbst zur Sortenvielfalt beitragen. Auch Vereine wie VERN oder die Arche Noah haben sich dem Erhalt seltener und alter Sorten verschrieben.
  • Auf vielen Streuobstwiesen kannst du selbst Äpfel pflücken. Sie haben vielleicht ein paar Schönheitsfehler, sind dafür aber frei von chemischen Spritzmitteln. Meist handelt es sich außerdem um alte Apfelsorten.

Video-Tipp: Der wahre Preis für den perfekten Apfel

Die ZDF-Dokumentation zeigt, warum Äpfel immer mehr zur Designerware werden und welche Folgen das für Bauern und Apfelallergiker hat. Eine sehr sehenswerte Dokumentation, die einen Vergleich zwischen Pink Lady und alten Apfelsorten vornimmt – im Labor und im Geschmackstest auf der Straße.

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(3) Kommentare

  1. Diese „Lady“ Äpfel haben mich noch nie „angesprochen“,nicht nur wegen dem höheren Preis,ich kaufe Äpfel entweder „Bio“ im „Supermarkt“,oder sehr gerne auf „einem“ Südbahnhof“ Markt,herrliche Äpfel von einem „Caritas“ Projekt Betrieb,stellen auch Obstsäfte ,Cider her!

  2. Danke für diesen Beitrag. Ich fand diesen Apfel bisher so mega- lecker, das ich über den höheren Preis und die fragwürdige Herkunft hinweggesehen habe. Werde jetzt wieder die einheimischen Braeburn kaufen.

  3. Ich beziehe mein Obst und Gemüse zum grössten Teil vom Wochenmarkt oder aus dem Bioladen. Meine Dealer aus der Nachbarschaft liefern nur in der Saison.
    Äpfel gibt es zur Zeit noch nicht.

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