Polyacryl: Eigenschaften, Anwendung und Probleme der Kunstfaser

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Polyacryl sieht ähnlich aus wie Wolle, ist aber bedenklich für die Umwelt. Wo die Chemiefaser vorkommt und was sie so problematisch macht, erklären wir dir hier.

Eigenschaften und Vorkommen von Polyacryl

Polyacryl (eigentlich Polyacrylnitril) ist eine Kunststoff-Faser, aus der vor allem Textilien gefertigt werden. Sie besteht zu 85 Prozent kettenartig verbundener Acrylnitril-Moleküle. Wegen seiner bauschigen Konsistenz wird der Stoff vor allem für Pelzimitationen, Decken und Pullover verwendet. Er hat eine wollähnliche Konsistenz und ist weich, warm und knitterarm. Die Fasern weisen eine geringe Dichte auf und sind daher sehr leicht. Außerdem nimmt Polyacryl nur wenig Feuchtigkeit auf und trocknet schnell wieder.

Auch Stofftiere, Farbwalzen für Malerarbeiten und viele Bodenbeläge bestehen aus Polyacryl. Die Fasern sind sehr licht- und wetterbeständig – deshalb werden sie auch für Sportkleidung verwendet.

Jährlich werden 170.000 Tonnen Polyacryl produziert. Weltweit wird nur Polyester noch häufiger hergestellt. Meistens wird Polyacryl nicht in Reinform, sondern mit Wolle oder Baumwolle gemischt verarbeitet, die Naturfasern dadurch weniger verfilzen.

Polyacryl ist chemikalienbeständig und hautfreundlich. Außerdem ist die Faser formstabil und relativ langlebig  allerdings nicht hitzebeständig. Wenn die Fasern verbrennen oder zu stark erhitzt werden, entwickeln sie Blausäure: Diese ist extrem giftig, und kann über die Atemwege oder die Haut in den Körper gelangen. Um das zu verhindern, solltest du Polyacryl-Textilien nicht über 40 Grad waschen. Bügle sie nicht zu heiß und trockne sie nicht im Trockner.

Polyacryl aus ökologischer Sicht

Polyacryl ist ein beliebter Stoff mit vielen Nachteilen.
Polyacryl ist ein beliebter Stoff mit vielen Nachteilen.
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Laut eines Berichts von Greenpeace benötigt 1 Kilo Baumwolle 8.000 Liter Wasser, um zu wachsen. Ein Kilo Polyacryl hingegen braucht nur 210 Liter. In diesem Punkt schneidet die Kunstfaser also besser ab als ein Naturprodukt.

Greenpeace räumt aber auch ein, dass natürliche Fasern nicht allen Anforderungen gerecht werden können, die wir an Kleidung stellen. Außerdem können ökologisch produzierte Fasern den weltweiten Bedarf derzeit nicht decken. Der Großteil unserer Naturfaser-Kleidung ist zudem stark mit Pestiziden und Kunstdünger behandelt. Synthetische Stoffe wie Polyacryl sind also weiterhin notwendig.

Polyacryl hat aber auch einige Nachteile:

  • Bei der Herstellung benötigt die Faser viel Energie – und zwar dreimal so viel wie Baumwolle.
  • Außerdem basiert die Kunstfaser auf Acrylnitril, das aus Erdöl hergestellt wird. Allerdings gibt es bereits erste Forschungsvorhaben, um Polyacryl aus nachwachsenden Rohstoffen zu gewinnen.
  • Ein weiteres Problem bei Polyacryl ist, dass es beim Waschen Mikroplastik produziert: Laut Forschern verliert ein Kleidungsstück bis zu 1.900 Fasern pro Waschgang, die so ins Abwasser gelangen. Kläranlagen können die kleinen Teilchen oft nicht herausfiltern und so gelangen sie in Gewässer und Meere.
  • Polyacryl wird derzeit nur selten recycelt, obwohl es bereits einige Ansätze dazu gibt. Du kannst nicht mehr tragbare Kleidung und Materialien zum nächstgelegenen Wertstoffhof bringen. Die Mitarbeiter dort können sich am besten um die fachgerechte Verwertung kümmern. Wenn die Sachen noch ordentlich aussehen, kannst du sie auch in einem Second-Hand-Laden abgeben.

Fazit: Polyacryl ist nicht empfehlenswert

Fazit: Aus ökologischer Sicht sind Polyacrylfasern nicht zu empfehlen. Wenn du Textilien auf Polyacryl besitzt, solltest du sie möglichst lange nutzen und nur waschen, wenn es wirklich nötig ist. Die deutsche Meeresstiftung empfiehlt, Polyacryl-Textilien mit Flüssigwaschmittel in vollbeladenen Maschinen zu waschen – bei eher kurzen Waschgängen und geringer Schleuder-Drehzahl. 

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