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Arsen in Reiswaffeln: Öko-Test findet Schadstoff in Produkten für Groß und Klein

Foto: Öko-Test

Reiswaffeln gelten als praktischer Snack für Zwischendurch, vor allem für Kinder. Dabei enthalten die meisten Schadstoffe wie Acrylamid, Schimmelpilze und Mineralöl. Öko-Test fand sogar in allen getesteten Reiswaffeln Arsen, auch in den Produkten für die Kleinen.

Die Reiswaffel erlebt aktuell in den sozialen Medien eine Renaissance als Snack, der vielseitig zu garnieren und zuzubereiten ist. Von süß bis salzig, alles ist bei den Rezepten dabei. Als Zwischenmahlzeit, vor allem für Kleinkinder, ist die Reiswaffel schon lange gefragt.

Öko-Test hat sich nun erneut Reiswaffeln genauer angesehen. Das Ergebnis ist bitter: Alle 19 Reiswaffeln im Test wiesen Spuren von Arsen auf. Teils sogar über den gesetzlichen Grenzwerten, die für Reis gelten, der zu Lebensmitteln für Kleinkinder und Babys verarbeitet wird. Für Reiswaffeln gibt es keinen entsprechenden Grenzwert.

Außerdem wurden die Tester:innen auch fündig bei Rückständen von Cadmium und Mineralöl sowie bei Spuren von Schimmelpilzgiften und Acrylamid.

Reiswaffeln im Test: So wurde geprüft

Die Tester:innen untersuchten elf kleine Reiswaffeln, die für Kinder im Beikostalter ab dem siebten oder achten Monat angeboten werden. Hier fand Öko-Test ausschließlich Waffeln mit Fruchtgeschmack in den Sortimenten der Supermärkte und Drogerien.

Außerdem befanden sich neun Reiswaffel-Produkte für jedes Alter in der Testauswahl. Zwei davon sind ebenfalls mit Fruchtgeschmack und kleiner als gewöhnliche Reiswaffeln. Diese Waffeln sind auch frei von Vitamin B1-Zusatz, wie er in den Reiswaffeln für Beikost zu finden ist. Alle restlichen Produkte im Test sind „normale“ Reiswaffeln; also größer und ohne Fruchtzusatz.

Öko-Test hat im Labor alle Waffeln auf giftige Stoffe untersuchen lassen, darunter: Arsen, Cadmium und Blei, außerdem Schimmelpilzgifte, die in Getreide vorkommen, Mineralölbestandteile, Pestizide und der für Gebackenes typische Schadstoff Acrylamid. Bei den Schadstoffgrenzwerten orientierte sich Öko-Test an den strengeren Maßstäben, die für Reiswaffeln für Babys und Kleinkinder gelten. Wurden diese Grenzwerte überschritten, führte das zu einer Abwertung in der Gesamtbewertung.

Nur zwei Reiswaffeln schneiden gut ab

Von 19 Reiswaffeln erhielten kaum Produkte gute Bewertungen. Nur zwei Produkte sind mit „sehr gut“ und „gut“ empfehlenswert:

  • Babydream Reiswaffeln Apfel-Mango, Bio (Rossmann, Gesamtbewertung „sehr gut“)
  • Rewe Bio Mini Reiswaffeln Apfel-Himbeere (Gesamtbewertung „gut“)

Weitere sieben Produkte landen mit „befriedigend“ und „ausreichend“ im Mittelfeld, darunter:

  • Edeka Bio Reiswaffeln Apfel („befriedigend“)
  • Hipp Himbeer Reiswaffeln, Bio („befriedigend“)
  • Alnatura Birne Beeren Reiswaffeln, Bio („ausreichend“)

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Acrylamid, Aflatoxin & Co.: viele Produkte mit Schadstoffen belastet

Ganze elf Produkte fielen mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch. Zu einer Abwertung führten in allen Fällen erhöhte Schadstoffwerte einzelner oder unterschiedlicher schädlicher Substanzen. So waren einige Waffeln mit Schimmelpilzgiften wie Aflatoxin belastet, aber auch andere Schadstoffe wurden nachgewiesen, zum Beispiel:

Acrylamid

Einer der gesundheitlich problematischsten Stoffe, den die Tester:innen nachwiesen ist Acrylamid. Der als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestufte Stoff brachte schon Pommes Frites und Chips in Verruf. Öko-Test fand Spuren von Acrylamid in vielen der getesteten Reiswaffeln, auch in Produkten für Kinder.

Es handelt sich um einen Stoff, der Genmutationen hervorrufen und das Krebsrisiko erhöhen kann. Acrylamid entsteht beim starken Erhitzen von kohlenhydratreichen Lebensmitteln und könnte eigentlich im Herstellungsprozess vermieden werden, wie Öko-Test bereits 2016 in ihrem Testergebnis feststellte.

Belastet mit dem Schadstoff waren unter anderem die Byodo Reiswaffeln ohne Salzzusatz (Bio, Gesamturteil ungenügend), die zudem Spuren von Mineralölbestandteilen MOAH enthielten. Mineralölrückstände fanden die Tester:innen auch in einem weiteren Produkt.

Reiswaffeln enthalten oft nicht nur Reis, sondern auch Arsen, Cadmium oder Acrylamid. (Foto © dima_pics - Fotolia.com)

Arsen: Schwermetall in Reiswaffeln nach wie vor ein Problem

Leider ist es keine Überraschung, aber dennoch eine Enttäuschung. Alle getesteten Reiswaffeln wiesen Spuren von Arsen auf, teils sogar über den erlaubten Grenzwerten. Bereits in früheren Tests stellte sich Arsen als ein Problem des Reisprodukts heraus. Bis heute scheint dieses nicht behoben und kein einziger Hersteller in der Lage, die Reiswaffeln ohne Arsenrückstände zu produzieren.

Das ist besonders problematisch, da Reiswaffeln oft in Kinderhänden und Kindermägen landen. Eine Belastung mit anorganischem Arsen, wie es in den Produkten durch ein Labor nachgewiesen wurde, ist vor allem bei geringem Körpergewicht bedenklich.

Gefunden haben die Tester:innen erhöhte Arsen-Werte auch in:

  • Babylove Bio Mini Reiswaffeln Apfel & Karotte (Gesamtbewertung „mangelhaft“)
  • Dm Bio Apfel Reiswaffeln (Gesamtbewertung „mangelhaft“)

Cadmium

Wie Arsen steckt auch das Schwermetall Cadmium natürlicherweise im Boden. Durch menschliche Umweltverschmutzung wird es eingetragen und kann letztlich in Lebensmitteln landen. Dies ist auch bei drei Reiswaffeln im Test der Fall. Zweimal sind die Gehalte nach Auffassung von Öko-Test sogar „stark erhöht“, zum Beispiel in Lima Reiswaffeln ohne Salzzusatz, Bio (Gesamturteil „ungenügend“). Cadmium ist giftig für die Nieren und steht unter anderem im Verdacht, fortpflanzungsschädlich zu sein.

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Wie kommt das Arsen in die Reiswaffel?

Das Arsen steckt bereits im Reis und wird durch die Verarbeitung zur Reiswaffel sogar noch konzentriert. „Da anorganische Arsenverbindungen als krebsauslösend für den Menschen klassifiziert sind, sollten Lebensmittel davon nur so wenig wie vernünftigerweise erreichbar enthalten.“, so der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

Geflutete Reisfelder setzen große Mengen Methan frei. (Foto: CC0 / Pixabay / NetDigiThai)

Doch wie kommt das Arsen eigentlich in den Reis? Das Halbmetall Arsen ist ein natürlicher Bestandteil des Gesteins der Erdkruste. In Böden und Grundwasser gelangt das Arsen aber erst durch menschliche Aktivitäten wie Minen und Bergbau. Auch Dünger und Pestizide für zum Beispiel Baumwollplantagen belasten die Umwelt mit Arsen, aber auch die Nutzung fossiler Brennstoffe.

Aus Äckern und Gewässern gelangt das Arsen dann in Pflanzen, zum Beispiel in Reis-Anbauländern wie Bangladesch und anderswo in Asien. Dabei gibt es organische Arsenverbindungen, die in Spuren als harmlos gelten, und anorganische Arsenverbindungen, die als „krebsauslösend für den Menschen“ klassifiziert sind und bei langfristiger Aufnahme schon in vergleichsweise kleinen Mengen zu vielfältigen gesundheitlichen Schäden führen können.

Reiswaffeln – die angeblichen Hungerstiller

Reiswaffeln haben Supermärkte und Bioläden gleichermaßen erobert. Die Gründe sind vielfältig: Reiswaffeln wirken leicht und locker und gelten als kalorienarmer Snack (etwa 30 Kalorien pro Scheibe), der prima mit einer Scheibe Gemüse schmeckt.

Kalorienarm sind Reiswaffeln aber nur, wenn man nicht gleich die ganze Packung isst, denn 100 Gramm Reiswaffeln haben fast so viel Kalorien wie 100 Gramm Schokolade. Die heimlichen Kalorienfallen enthalten weder Proteine noch Fette oder Ballaststoffe in nennenswerter Menge, können also auch nicht satt machen. Was aber nicht bedeutet, dass eine Reiswaffel mit Quark und Gurke obendrauf ein schlechter Snack wäre.

Immerhin: Reiswaffeln sind definitiv glutenfrei und werden meist auch ohne allzu viel Inhaltsstoffe produziert. Damit sie knusprig bleiben, stecken sie allerdings fast immer in Plastikpackungen. Es sind Snacks auf Basis von Reis, der meist aus Asien kommt, also lange Transportwege aufweist.

Alle Details zum Test findest du in der Ausgabe 11/2022 sowie online bei ökotest.de.

Utopia rät: Greife stets bevorzugt zu Bio-Produkten. Und statt Reiswaffeln schlagen wir dir vor: Iss Äpfel oder Birnen, Möhren oder Fenchel. Oder einfach gekochte, kalte Kartoffeln als Snack, bei denen man viele Sorten auch gut mit Schale essen kann. Die machen ebenso satt und können auch regional und in Bioqualität gekauft werden.

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