Kleiderspende statt Altkleidercontainer: Gebrauchte Klamotten sinnvoll spenden

Foto: © Sensay - Fotolia.com

Wer seine alte Kleidung an Bedürftige weitergeben möchte, ist bei Altkleidercontainern leider an der falschen Adresse. Utopia zeigt dir, wie du deine Kleider sinnvoll spenden kannst.

Altkleidercontainer gibt es in jeder Stadt – sie stehen an Straßenkreuzungen, in Wohngebieten, auf Parkplätzen. Spätestens seit dem Skandal um das Deutsche Rote Kreuz – aufgedeckt durch die NDR-Doku „Die Altkleiderlüge“ (siehe unten) – allerdings weiß man: Es ist ziemlich egal, ob die Container karitativen Hilfsorganisationen oder privaten Abzockern gehören, denn die Kleidung landet nur in den wenigsten Fällen dort, wo die Spender es vermuten, nämlich ohne Umwege und Kosten bei den Bedürftigen.

Was stattdessen meistens passiert: Gut erhaltene Kleidung wird an Secondhand-Läden in Deutschland oder im Ausland (meist nach Osteuropa) weiterverkauft, minderwertige Ware (circa 60 Prozent) landet auf südamerikanischen und afrikanischen Märkten. Was gar nicht zu gebrauchen ist, muss laut deutschem Gesetz recycelt werden – das betrifft ungefähr 15 Prozent der Spenden. Daraus werden dann Putzlappen oder Dämm-Materialien für Autos.

Altkleidercontainer: Gut für die Umwelt, schlecht für Entwicklungsländer

Da unbrauchbare Teile recycelt werden und somit ein zweites Leben beginnen, sind Altkleidercontainer – zumindest wenn es um Umweltschutz geht – keine ganz schlechte Sache. Denn ein recycelter Pullover ist immer noch besser als einer, der im Müll landet und verbrannt werden muss. Doch der Teil der Kleiderspenden, der nach Afrika, Asien und Südamerika verkauft wird, zerstört unter Umständen die lokale Textilindustrie und kann den Menschen vor Ort eher schaden, als ihnen zu helfen.

Als der NDR die „Altkleiderlüge“ aufgedeckt hatte, berichtete Die Zeit in einem Artikel, dass allein in Tansania rund 80.000 Beschäftigten der (ehemals stattlichen) Textilindustrie aufgrund von Kleiderspenden ihre Arbeit verloren hätten. Mittlerweile dürfte die Zahl weiter angestiegen sein. Gegen die günstigen Preise, zu denen die gespendete Kleidung auf den örtlichen Märkten verkauft wird, kommt ein einheimisches Produkt nicht an: Jeans für zwei Dollar lassen sich auch in Afrika nicht produzieren.

Kleiderspenden: Sind gemeinnützige Organisationen gemein?

Wie können gemeinnützige Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) solche Vorgänge zulassen? Zum Beispiel, weil die Hosen und Pullover nicht nur transportiert, sondern auch sortiert werden müssen – und das kostet die Organisation Geld. Diese Kosten können durch den Weiterverkauf gedeckt werden. Nur zehn Prozent der Kleiderspenden an das DRK landet in den über 800 Kleiderkammern Deutschlands, wo sie kostenlos oder gegen eine kleine Schutzgebühr an Bedürftige ausgegeben werden.

Den Utopia-Saisonkalender hier gleich bestellen
Utopia Saisonkalender für Obst und Gemüse
Den Utopia-Saisonkalender hier gleich bestellen

Einen guten Zweck haben die Spenden trotzdem: 2013 nahm das DRK 13,5 Millionen Euro durch den Weiterverkauf von Kleiderspenden ein – sie flossen in verschiedene soziale Projekte der Organisation (zum Beispiel in Suppenküchen, Schuldnerberatungsstellen, Besuchsdienst für alte oder kranke Menschen usw.) und kamen damit Bedürftigen in Deutschland zugute. Dafür verloren Menschen in Tansania womöglich ihre Existenzgrundlage.

Das DRK streitet diesen Zusammenhang ab und verweist auf Studien des Fachverbands FairWertung in Kamerun und Tansania: Die importierten Kleiderspenden hätten sogar einen positiven Einfluss auf die Entwicklungsländer, denn im Gegensatz zur lokal produzierten Kleidung seien diese auch für arme Menschen erschwinglich. Zudem habe FairWertung herausgefunden, dass in den untersuchten Ländern sogar neue Arbeitsplätze rund um Handel und Aufarbeitung der Secondhand-Kleidung entstanden seien.

Richtig Kleidung spenden: sinnvoll und nachhaltig
Gut erhaltene Kleidung und Schuhe spendet man am besten an lokale soziale Einrichtungen. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash)

Die Frage, wie korrekt gemeinnützige Organisationen hier handeln, lässt sich also nicht eindeutig beantworten. Wenn du ganz sicher gehen willst, dass deine gespendeten Kleider einem guten Zweck dienen, solltest du aber auf die üblichen Kleidercontainer verzichten.

Wie du deine Kleidung sinnvoll spenden kannst

1. Selber zu den Kleiderkammern bringen

Besser, als die Klamotten in den Container zu werfen und einfach darauf zu hoffen, dass sie bei Bedürftigen ankommen, ist es, sie direkt hinzubringen. Sogenannte Kleiderkammern waren in der Nachkriegszeit dazu da, die Bevölkerung vor allem in der kalten Jahreszeit mit warmer Bekleidung zu versorgen. Heute sind noch einige davon übrig. Hier wird Kleidung an Hartz-IV-Empfänger, Obdachlose, Flüchtlinge und andere Bedürftige weitergegeben. Unbedingt vorher anrufen und nachfragen, ob Bedarf besteht!

Hier findest du Kleiderkammern in deiner Nähe:

2. Direkt in eine andere soziale Einrichtung spenden

Auch andere soziale Einrichtungen benötigen regelmäßig Kleiderspenden, um Bedürftigen in akuten Notsituationen mit warmer Kleidung und Schuhen zu helfen. Frag dazu bei der Stadtverwaltung oder anderen Einrichtungen nach, zum Beispiel:

  • bei der zuständigen Arbeiterwohlfahrt (AWO)
  • bei Kirchenverbänden, Bahnhofsmissionen, Notunterkünften in deinem Viertel oder deiner Umgebung
  • bei kleineren, regionalen Hilfsverbänden wie z.B. Hanseatic Help in Hamburg, Deutsche Kleiderhilfe in Köln
  • Sehr hilfreich ist die Plattform „Wohin damit“: Sie hilft, soziale Einrichtungnen in der eigenen Stadt zu finden, an die man Sachspenden geben kann.

3. In Sozialkaufhäuser abgeben

Träger von Sozialkaufhäusern sind in der Regel Wohlfahrtsverbände, Kirchen oder Sozialämter. Hier kann jeder – unabhängig von seinem Einkommen – besonders günstig einkaufen. Neben Kleidung gibt es auch Möbel, Geschirr und andere Haushaltswaren.

Zum Beispiel hier:

Richtig Kleidung spenden: sinnvoll und nachhaltig
Benötigen auch oft Kleiderspenden: Kirchenverbände und Bahnhofsmissionen in deinem Viertel. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash)

4. Im nächsten Oxfam-Laden verkaufen

Altkleider kannst du auch in den nächsten Oxfam-Laden bringen. Wichtig dabei: nur saubere und unbeschädigte Ware spenden. Alles andere muss von den ehrenamtlichen Helfern aufwendig aussortiert und entsorgt werden. Da der Lagerplatz der einzelnen Shops begrenzt ist, ist es zudem ratsam, Kleidung zu bringen, die zur Jahreszeit passt und so schnell verkauft werden kann.

Deine Kleidung wird dann bei Oxfam** weiterverkauft. Das Geld kommt der entwicklungspolitischen Arbeit von  Oxfam Deutschland e.V. zugute. Auch für Unverkäufliches versucht Oxfam, eine sinnvolle Weiterverwertung zu finden – so werden nicht verkaufte, gut erhaltene Dinge an lokale Sozialkaufhäuser oder Beschäftigungsprojekte weitergegeben. Ein Teil der überschüssigen Kleidung wird an andere gemeinnützige Organisationen oder Textilrecycling-Firmen verkauft. Zu den Abnehmern der unverkäuflichen Kleidung gehören unter anderem die Brockensammlung Bethel, die Deutsche Kleiderstiftung und die Aktion Hoffnung.

  • Einen Oxfam-Laden in deiner Nähe findest du auf dieser Karte.
  • Was gespendet werden darf und was nicht, liest du hier.

Zudem arbeitet Oxfam vorwiegend mit Partnern des Dachverbands FairWertung zusammen – für eine transparente und nachhaltige Ausschöpfung des Verwertungskreislaufs.

5. Wenn schon Kleidercontainer, dann FairWertung!

Leider bedeutet selbst ein Aufkleber, der das Rote Kreuz zeigt, oder ein Schriftzug wie „Helfen Sie, damit wir helfen“ auf einem Kleidercontainer nicht immer, dass wirklich ein karitativer Verband dahintersteht. Hier hilft FairWertung: Der Dachverband ist ein Zusammenschluss gemeinnütziger Altkleidersammler, den es schon seit 1994 gibt. Das Siegel auf dem Container versichert dir, dass die Erlöse aus diesen Sammlungen für die Arbeit gemeinnütziger Organisationen verwendet werden.

FairWertung möchte mit seinen verbindlichen Standards mehr Transparenz und Fairness in das Sammeln und Vermarkten von gebrauchter Kleidung bringen. „Die gesammelten Textilien oder die Erträge aus dem Verkauf werden unmittelbar und mittelbar sozialen, diakonischen oder karitativen Zwecken zugeführt“, schreibt FairWertung auf seiner Website. Das heißt auch, dass mit den Kleiderspenden keine eigenwirtschaftlichen Ziele verfolgt werden. Jedes Kleidungsstück, das an einen FairWertung-Sammler abgegeben wird, unterstützt soziale Zwecke.

Der SWR hat ebenfalls eine gute Doku über die Arbeit von FairWertung veröffentlicht:

Mit der Standortabfrage von FairWertung kannst du einfach herausfinden, wo sich Abgabestellen und Container in deiner Nähe befinden. Eine Liste aller Standorte kann der Verband aus Schutz vor Missbrauch der Mitgliedsorganisationen leider nicht veröffentlichen.

Weiterlesen auf Utopia.de:

Bestenlisten:

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter:

(58) Kommentare

  1. Auch wir wollten sehr gute erhaltene Kleidung (Gore-Tex)Winterstiefel, Skihosen, Pullover usw. bei verschiedenen Hilfsorganisationen wie: Roten Kreuz, Caritas, sowie aktuell diversen Flüchtlingsorganisationen abgeben, jedoch wurden die Spenden rundweg abgelehnt, sodass letztlich alles auf dem Müll landete. Hätten wir Neuware wie: Hugo Boss, Diesel, Karl-Lagerfeld Ware gehabt, diese wäre uns bestimmt abgenommen worden. Auch Nachbarn haben hier gleiche Erfahrung machen müssen, sodass in Zukunft alles direkt auf dem Müll landen wird. Dass Hilfsorganisationen wirklich an Kleidung und Spielsachen interessiert sind, kann nicht bestätigt werden.

  2. Da kann ich zum Glück die berühmte Ausnahme präsentieren: Beschäftigt Euch mal im Internet mit dem „Konvoi der Hoffnung“. Diese (meist im Rentenalter) befindlich Damen und Herren arbeiten alle ausnahmslos ehrenamtlich und geben wirklich alles. Ich war total erstaunt, was so mancher von ihnen für ein Arbeitspensum jeden Monat bewältigt. Ich habe mir alles selber vor Ort angeschaut (Oberhausen nähe Karlsruhe). Da kommt wirklich alles dort an, wo es hin soll. Am besten wäre es die Spenden nach Männlein, Weiblein, Kinder, nach Größen sortiert in Bananenkartons abzugeben. Diese passen sowohl sehr gut auf den LKW, wie auch auf den Schiffcontainer. Diese Organisation agiert deutschland-, europa- und weltweit. Wirklich beeindruckend. Ich versuche z.B. immer ganz viel Schulmaterialien zu sammeln und da abzugeben. Aber lest selbst.

  3. Ich habe ganz andere Erfahrungen als Christoph Jäger gemacht. Da wir in unsrer unmittelbaren Umgebung eine Erstaufnahme-Einrichtung hatten, habe ich dort schon einige Säcke mit Kleidung hingebracht. Ich hatte mich vorher erkundigt, was noch gebraucht wird. Es war keine Neuware, sondern hauptsächlich Sachen von unsren Kindern, aus denen sie rausgewachsen waren. Alles wurde angenommen und an die Asylbewerber verteilt. Habe sie damit rumlaufen sehen:))

  4. Ich hatte kürzlich meinen Kleiderschrank ausgemistet um es im nahegelegenen Flüchtlingsheim zu spenden. Die waren besonders froh über die Winterjacken und ich habe wieder Platz im Schrank.

  5. Ich gebe meine Kleidung im Café Jerusalem in Neumünster ab, da ist ein Minikleiderladen für Obdachlose und die Leute freuen sich jedesmal, wenn man hinkommt und an sie denkt.

  6. Ich finde den Artikel nicht wirklich gelungen. So werden noch mehr Menschen ihre Altkleider in den Müll werfen. Jede Nutzung von Altkleidern, egal wie oder durch wen ist doch nachhaltiger als sie zu entsorgen. Ich persönlich kaufe zum Teil fair hergestellte Mode die relativ teuer ist und zum anderen Second Hand Kleidung die sehr günstig ist. Ich bin also froh, dass es auch in Deutschland Second Hand Geschäfte gibt, die Sachen aus Containern aufkaufen und wieder in Umlauf bringen. Das ist nicht nur nachhaltig sondern schafft auch Arbeitsplätze. Wenn man bedenkt wie viele Kosten für das Sammeln, Transportieren, Sortieren und Lagern der gespendeten Kleider entstehen, ist es eigentlich logisch, dass diese nicht kostenlos weitergegeben werden können, außer jeder Spender würde noch 5 Euro dazu legen 😉

  7. Kennst Du die Doku „Die Altkleiderlüge“? Da wird gezeigt wie unsere „Kleiderspenden“ über mehrere Zwischenhändler in arme Länder verkauft werden und dort die lokale Kleiderfabriken ruiniert, weil es halt billiger ist. Ich glaube die Doku zeigt auch, dass es inzwischen fast egal ist, weil ja schon alles zerstört ist, und die Entwicklung nun auch durch den asiatischen Import nicht mehr aufzuhalten ist.

  8. In dem Artikel fehlt die Diakonie, die analog zur Cariatas gut erhaltene Kleidung annimmt, überall vertreten ist und mit der Fair Wertungssiegel ausgezeichnet ist.
    In eigenen Betrieben werden die gespendeten Dinge von Menschen, von denen einige über Wiedereingliederungsmaßnahmen angestellt sind, sortiert und dann in den eigenen Diakonieläden verkauft bzw. gespendet.

    Kleidung, die nicht mehr tragbar ist, kann man bei H&M abgeben Das Unternehmen sammelt in jeder Filiale alte Kleidung und arbeitet mit Textilrecyclingunternehmen zusammen. Der Erlös fließt in soziale Projekte. Gegen Abgabe einer Tüte bekommt man einen Gutschein über 15%.

    Für Kinderkleidung gibt es in jeder Stadt seit vielen Jahren gut organisierte Kinderflohmärkte.

  9. Die Recycling-Maßnahmen sind, finde ich, kritisch zu sehen. Man gibt aussortierte Kleidung ab und bekommt im Austausch einen Gutschein, der zum Kaufen neuer Produkte anregt.

  10. Und das außerdem für Kleidung von einer Kette wie H&M. Über deren Produktionsbedignungen mensch sich auch mal informieren sollte, bevor er dort unter beschissenen Bedingungen billig hergestellte Kleidung mit Rabatten kauft.

  11. Bei uns gibt es eine „Give-Box“ an der Straßenkreuzung. Dort kann man alles reinstellen, was man nicht mehr braucht und kann natürlich auch was mitnehmen. Finde ich persönlich sehr praktisch. Früher habe ich alles in Kartons auf die Straße gestellt (auch Kleidung), so haben die Sachen ein Dach übern Kopf und finden innerhalb weniger Stunden einen neuen Besitzer.

  12. Ich selbst habe einen Umsonstladen mitgegründet, also einen Laden an den Leute Sachen bringen die sie verschenken wollen und man sich einfach etwas aussuchen kann. Da muss aber auch öfters ausssortiert werden, weil mehr gebracht wird, als abgeholt…
    Ich habe gelesen dass Dämmstoffe etc. aus den Lumpen die nicht mehr getragen werden können gemacht werden und in den Kleidercontainern landen. Das finde ich super, kennt jemand vielleicht noch andere Stellen für alte Stoffe, z.B. Nähwerkstätte etc.?

  13. Ich möchte an der Stelle drauf hinweisen, dass das DRK keine monolitisches Gebilde ist.
    Das DRK glieder sich in Kreisverbände und Ortsvereine die eigenständige Vereine sind und selbst entscheiden, was mit den Kleiderspenden passiert.
    Es empfiehlt sich also beim lokalen DRK nachzufragen was mit den Kleidern passiert.

    Aus Dresden weiß ich, dass dort keine Kleider zum Export weiterverkauft werden und die brauchbaren Sachen in örtlichen Kleiderkammern gegen eine „Schutzgebühr“ an Bedürftige verkauft werden.

  14. Kann das leider so nicht bestätigen. In Roßwein (Sachsen) wird der Kleidercontainer vom DRK betrieben. Die haben vor Ort auch eine Kleiderkammer, die Arbeit macht eine Rentnerin fast allein. Alles was verwertbar ist, wird auch an Leute weitergegeben. Leider werden die Cotainer auch als Müllcontainer mißbraucht – von benutzten Windeln bis hin zu einem toten Huhn hat die besagte Rentnerin schon alles mögliche drin vorgefunden.

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.