Sind Spülmaschinen-Tabs mit wasserlöslicher Folie umweltschädlich?

Spülmaschinen-Tabs mit wasserlöslicher Folie
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Spülmaschinen-Tabs mit wasserlöslicher Folie sind praktisch und gelten als umweltfreundlich im Vergleich zu herkömmlichen Tabs. Doch ist das wirklich so?

Immer mehr Hersteller führen Spülmaschinen-Tabs mit wasserlöslicher Folie. Sie sind praktisch, da du sie nicht erst auspacken musst, sie sich in der Packung nicht gegenseitig abreiben und auch nicht mit Feuchtigkeit in Kontakt kommen.

Im ersten Moment wirken sie umweltfreundlicher als herkömmliche Tabs, bei denen die Verpackung im Müll landet. Auf der anderen Seite gibt es immer wieder Berichte von Mikroplastik in Abwässern. Sorgt auch die Verpackung von Spülmaschinen-Tabs für Mikroplastik?

Woraus besteht die wasserlösliche Folie?

Die Verpackung von Spülmaschinen-Tabs besteht aus dem Kunststoff Polyvinylalkohol (PVA). Wie andere Polymere auch ist PVA eine Aneinanderreihung von Einzelteilen, die wiederum aus Kohlenstoff-, Wasserstoff- und Sauerstoffatomen bestehen. PVA ist wasserlöslich. In Kläranlagen bauen Mikroorganismen das im Wasser gelöste PVA zu Wasser und Kohlendioxid ab. So weit die Theorie.

Wie umweltfreundlich oder -schädlich ist PVA?

Mikroorganismen in Kläranlagen können PVA offenbar nicht vollständig abbauen.
Mikroorganismen in Kläranlagen können PVA offenbar nicht vollständig abbauen. (Foto: CC0 / Pixabay / kubinger)

Tatsächlich finden sich zur Umweltschädlichkeit von PVA widersprüchliche Angaben. Dies könnte damit zusammenhängen, dass es laut Stiftung Warentest bisher nur wenige Daten zur Umweltwirkung von PVA gibt. Der Stoff gelangt nicht nur aus wasserlöslichen Verpackungen von Spülmaschinen-Tabs oder Waschmitteln ins Abwasser. Auch in Textilien, Klebstoffen, Kosmetikprodukten und vielen anderen Materialien kann PVA enthalten sein.

Dem NDR zufolge wurden bisher keine Rückstände von PVA-Verpackungen in Kläranlagen festgestellt. Zudem schließen offenbar weder das EU-Ecolabel noch der Blaue Engel PVA bei den von ihnen zertifizierten Produkten aus.

In einer Publikation aus der Schweiz heißt es allerdings, Mikroorganismen in Kläranlagen würden im Schnitt nur etwa 80 Prozent des PVA abbauen. Und auch in Deutschland haben Forscher:innen bereits PVA in Form von Mikroplastik in geklärten Abwässern gefunden. In den untersuchten Kläranlagen gehörte PVA sogar zu den am häufigsten gefunden Kunststoffen. Die Forscher:innen vermuten, dass es vor allem aus Kontaktlinsen und von Damenhygieneprodukten stammt.

Unklar bleibt, ob in solchen Produkten die Zusammensetzung beziehungsweise Verarbeitung des PVA möglicherweise anders ist als im Fall von wasserlöslichen Verpackungen. Der direkte Weg von wasserlöslichen Verpackungen in die Kläranlage lässt sich nur schwer nachverfolgen. Fraglich ist auch, ob sich der genaue Ursprung von Mikroplastik-Partikeln überhaupt erkennen lässt, da sie oftmals nur einige Mikrometer groß sind.

Bis die Datenlage zur Umweltwirkung von wasserlöslichen Verpackungen vollständig geklärt ist, erscheint es deshalb sinnvoll, diese zu meiden. Ohnehin ist PVA nicht nachhaltig, da der Stoff auf fossilen Rohstoffen basiert.

Nicht nur die Verpackung ist ein Problem

Es kommt bei Spülmaschinen-Tabs allerdings nicht nur auf die Verpackung an, sondern auch auf den Inhalt. Viele konventionelle Tabs enthalten beispielsweise immer noch Phosphate, die die Gewässer belasten. Stiftung Warentest hat 2020 Spülmaschinen-Tabs getestet und nur wenigen Produkten eine „gute“ Umweltwirkung bescheinigt. Es gibt jedoch auch ökologische Spülmaschinen-Tabs, die weder Phosphate noch chemische Tenside enthalten, zum Beispiel** von Sonett oder Ecover.

Noch umweltfreundlicher ist es, die einzelnen Bestandteile von Spülmaschinen-Tabs selbst zusammenzustellen. So kannst du die Inhaltsstoffe genau kontrollieren und sparst Verpackungsmüll. Spülmittel und Klarspüler lassen sich aus einfachen Zutaten selber machen und du kannst sie passend dosieren.

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