So sollen die Städte autofreier werden: Multimodale Verkehrskonzepte der Zukunft

Multimodale Verkehrskonzepte der Zukunft
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Fast autofreie Innenstädte und deutlich weniger platzraubende Parkplätze – unvorstellbar? Verkehrsexperten sagen genau solche Szenarien voraus. Dafür müssen wir nur verschiedene Verkehrsmittel intelligent vernetzen.

Ungefähr ein Fünftel aller Wege, die mit dem Auto zurückgelegt werden, sind laut Umweltbundesamt kürzer als zwei Kilometer. Solch eine Strecke kann man meistens problemlos mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurücklegen – oft sogar schneller als mit dem Auto. Für längere Strecken gibt es Bus und Bahn.

Trotzdem lassen sich viele Autofahrer nur schwer davon zu überzeugen, auf ihr Auto zu verzichten. Die meisten ÖPNV-Anbieter sind berüchtigt für ihre Verspätungen oder ihre lückenhaften Fahrpläne. Multimodalitätskonzepte wollen einen Ausweg bieten:

Was ist Multimodalität?

Multimodalität im Personenverkehr bedeutet, verschiedene Transportmöglichkeiten intelligent miteinander verknüpfen: Nutzer sollen auf ihrem Weg schnell und flexibel von einem auf ein anderes Verkehrsmittel umsteigen können. Apps sollen dabei unterstützen, die passende Transportmittel für die gewünschte Strecke zu finden. Dabei werden – je nach Konzept – Leihfahrräder, öffentlicher Nahverkehr, Carsharing und oft auch Taxis miteinander verknüpft.

Statt des dem Nutzer zu überlassen, sich die beste Strecke aus verschiedenen Verkehrsmitteln selbst zusammenstellen zu müssen, übernimmt das oftmals eine App. Oder man bucht als Nutzer ein Abonnement, dass mehrere Dienste verbindet. Diese Konzepte sind längst keine Zukunftsmusik mehr, sondern werden bereits in der Praxis getestet.

Vorteile, Funktionen und Probleme von Multimodalität

Die meisten Privatautos sind laut dem Verkehrsclub Deutschland eher Steh- statt Fahrzeuge – sie stehen ungefähr 23 Stunden am Tag ungenutzt herum. Mulimodalität soll erreichen, dass weniger Menschen auf ein eigenes Fahrzeug angewiesen sind. Statt dem eigenen Auto soll man vermehrt auf öffentliche Verkehrsmittel oder andere Sharing-Economy-Konzepte wie Car- oder Bike-Sharing-Anbieter zurückgreifen.

  • Dadurch könnten Ressourcen (für die Herstellung von Autos und Benzin) gespart werden.
  • Wenn nicht jeder ein eigenes Auto nutzen würde, würde sich der CO2-Ausstoß und die Feinstaubbelastung in den Städten verringern.
  • Die Städte würden generell autofreier und es gäbe weniger Staus.

Dass wollen neue Verkehrskonzepte erreichen, indem sie

  • die Vorteile, die die einzelnen Verkehrsmittel bieten, miteinander verknüpfen: Das Fahrrad, mit dem man unkompliziert und schnell von der Haustür weg unterwegs ist, der Nahverkehr, der den CO2-Ausstoß verringert, indem er große Menschenmengen auf einmal befördert und die Transportmöglichkeiten, die ein Auto beispielsweise beim Einkaufen bietet.
  • Hersteller dazu anregen, Verbindungen und Anschlüsse für Busse und Bahnen besser auszubauen. Dadurch würden Nutzern lange Wartezeiten zu erspart.

Damit die Konzepte auch an die Bedürfnisse und Wünsche der Bevölkerung erfüllt werden, hat der Verkehrsclub Deutschland (VCD) eine Umfrage gemacht, was sich die Nutzer von öffentlichen Nahverkehr & Co. wünschen.

Allerdings konzentrieren sich die bisherigen Projekte vornehmlich auf Städte – der ländliche Raum findet bisher wenig Beachtung. Auch die Frage, wie man das Muster der Gewohnheitsautofahrer durchbricht und in Zukunft mehr Leute dazu bewegt, auf ein eigenes Auto zu verzichten, ist noch ungeklärt.

Mobilitätskarten, neue Verkehrsapps und einfachere Bezahlmöglichkeiten

Neue Konzepte funktionieren häufig über einfache Apps
Neue Konzepte funktionieren häufig über einfache Apps (Foto: CC0 / Pixabay / FirmBee)

Viele Projekte, die Multimodalität fördern wollen, befinden sich noch in der Test- und Probephase. Einige erste Versuche hin zu neuartigen Verkehrskonzepten gibt es bereits auch in Deutschland:

Die Stadtwerke Münster beispielsweise bieten eine Karte an, mit der du in Bussen, Taxis und auf Parkplätzen ganz einfach bargeldlos bezahlt kannst. Auch für Carsharing-Autos kannst du die „PlusCard“ benutzen. Registrierte Nutzer können außerdem an drei großen Haltestellen ihrer Fahrräder kostenfrei in Fahrradboxen abstellen. Auch im Bus fahren die Nutzer günstiger. Abgerechnet wird die PlusCard am Ende des Monats über die Stadtwerke.

Um in der Stadt mehr Aufmerksamkeit für das Thema „Multimodalität“ zu generieren, hat Leipzig sogenannte „Mobilitätsstationen“ errichtet. An den blau-gelben Säulen kannst du dein E-Auto auftanken oder dir breitstehendes Carsharing-Auto oder Leihrad ausleihen. Dazu gibt es eine App, die Angebote von Bus, Bahn, Leihauto, Leihfahrrad und Taxi integriert. Hier kannst du flexibel die verschiedenen Angebote in nur einer Anwendung buchen. Auch hier werden alle genutzten Angebote zusammen am Monatsende abgerechnet.

Der sogenannte Mobilitätsshop Hannover hat gleich zwei Angebote im Gepäck: Das kostenpflichtige Mobilitätspaket „Hannovermobil“, bei dem gleichzeitig eine Bahncard 25 enthalten ist, und den kostenfreien „Mobilitätsmix“. Beim Mix können Carsharing, Bahn und Taxi und die einzelnen Bausteine je nach eigenem Bedarf über die Website flexibel gebucht werden. Abgerechnet wird gesammelt am Ende des Monats.

Mit der Mobilkarte in Osnabrück kannst du den ÖPNV nutzen und das Ticket sogar weitergeben. Außerdem hast du 20 Euro Guthaben für Carsharing-Anbieter und darfst Fahrräder kostenfrei im Bus mitnehmen. Dein Fahrrad kannst du an der Radstation am Bahnhof kostenlos abstellen. Dazu gibt es alle zwei Monate eine Gratis-Radwäsche.

Die Projekte aus Hannover, Leipzig und Osnabrück wurden mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ ausgezeichnet.

Mobility as a Service – die Finnen zeigen, wie MAAS funktioniert

Wie die Mobilität der Zukunft funktionieren könnte, machen uns mal wieder die Skandinavier vor: Das Unternehmen „MaaS Global“ mit Sitz in Helsinki hat die App „whim“ ins Leben gerufen, die verschiedene Mobilität-Anbieter in sich vereint.

In der App wählst du alle Transportmittel aus, die für dich in Frage kommen – zur Wahl stehen zum Beispiel der öffentliche Nahverkehr, Taxi, Carsharing, Leihauto und Stadtfahrrad. Dann gibst du dein Ziel ein und die App zeigt dir deine Fahrtoptionen – mit den günstigsten Preisen und kürzesten Routen. Die Fahrt kannst du komplett mithilfe der App bezahlen – egal, ob du nur ein Verkehrsmittel nutzt oder zum Beispiel vom Bus ins Taxi und anschließend auf Leihrad umsteigst. Du kannst also für einen Weg mehrere Transportmöglichkeiten nutzen und musst nur einmal zahlen.

Mittlerweile gibt es Whim nicht nur in Helsinki, sondern auch Antwerpen und Amsterdam.

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