„Strom ausverkauft“! Etliche Energie-Lieferanten lehnen Neukunden ab – aber nicht diese 6 Ökostromanbieter

Stromanbieter Neukundenstopp - Wo der Stromwechsel noch möglich ist
Foto: Colourbox.de

Wohin können wir noch wechseln, wenn wir einerseits das Klima schützen wollen, andererseits aber nur wenige der empfehlenswerten (Öko-) Stromanbieter noch Kunden annehmen? Utopia hat nachgefragt – und sechs Empfehlungen gegen Neukunden-Stopp.

Aktuell (Stand 4. Mai 2022) können wir ganz konkret 6 Anbieter für einen Ökostromwechsel empfehlen, die derzeit keinen Neukunden-Stopp vermelden oder die sich zumindest in gewissen Grenzen in der Lage sehen, Neukunden gezielt aufzunehmen.

Zu diesen Stromanbietern können Neukunden wechseln

Hinweis: Für diese sechs haben wir nun auch einen aktuellen Preisvergleich durchgeführt, lies dazu Strompreise vergleichen: Das sind die günstigsten Öko-Stromanbieter. Entsprechend haben wir alle unten genannten Anbieter auch hier nach dem ermittelten Durchschnittspreis sortiert. Wenn es dir vor allem um den Preis geht, lies dort weiter:

Prokon Strom

„Ja, wir nehmen Neukunden an“, sagte uns Achim Vogt von Prokon Regenerative Energien. „Wir haben zu einem für uns günstigen Zeitpunkt beschafft und befinden uns auf einem moderaten Preisniveau.“ Man sehe derzeit weder Boom noch Flaute und führe eigene Kundenzuwächse auf das Vertrauen zurück, das durch die genossenschaftliche Organisation des Unternehmens entstehe.

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Naturstrom

„Klar, wir nehmen Neukunden an!“, sagte uns Dr. Tim Loppe von Naturstrom, und das sogar mit Preisgarantie bis Ende 2022, allerdings wie überall natürlich teurer als bisher. Dort sah man Anfang 2022 übrigens weder einen großen Ansturm, noch geringeres Interesse an Ökostrom – Kunden-Fluktuationen lagen zu dieser Zeit „im Rahmen des Üblichen“.

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Polarstern Wirklich Ökostrom

Auch Polarstern gibt ausdrücklich an, noch Neukunden anzunehmen. Abwarten will man dort, was die weitere Entwicklung angeht: „Es gab eine starke Wechselaktivität, die langsam wieder abflacht. Oftmals gab es zu Jahresbeginn wieder einen neuen Impuls und die Wechsel zogen erneut an, ob das dieses Mal wieder so eintrifft, bleibt abzuwarten“, so Anna Zipse von Polarstern.

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Fair Trade Power Fair Strom

„Ja, wir nehmen weiterhin Stromkunden an“, so Christian Spitzner von Fair Trade Power. Ein bisschen Einsicht gab er uns in die Preisgestaltung: „Wir mussten zwar unsere Preise erhöhen. Da sich allerdings die Preissituation auch bei den konventionellen Anbietern geändert hat, kommen weiterhin Neukunden zu uns.“ Auch für die Bestandskunden musste man die Preise anheben, aber: „Da wir aber für unsere Bestandskunden für das Jahr 2022 kontinuierlich beschafft haben, war die Preisanpassung für Bestandskunden vergleichsweise moderat.“

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Bürgerwerke Bürgerstrom

„Die Bürgerwerke nehmen weiterhin Neukund:innen an“, so Christopher Holzem von den Bürgerwerken. Das gilt indes nur für Ökostrom – die BürgerÖkogas-Tarife mit 5 % und 10 % Biogas seien derzeit nicht buchbar, hingegen ist BürgerÖkogas 100 % weiterhin abschließbar (und sowieso die Empfehlung von Utopia). Man sehe viel Bewegung im Markt und „dass sehr viele Versorger insbesondere im Gasbereich ihr Angebot eingeschränkt und sich zum Beispiel aus Tarifvergleichsportalen zurückgezogen haben. Das erhöht den Zustrom an Kund:innen bei allen Versorgern, die weiterhin Angebote haben“.

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Proengeno Naturmix Premium

Nachdem Proengeno die Aufnahme neuer privater Stromkund:innen zwischenzeitlich gestoppt hatte, bietet der Anbieter mit Stand 11. Mai 2022 wieder neue Verträge an. Aktuell jedoch nur für Ökostrom-Tarife, Gas-Verträge werden bis auf Weiteres nicht angeboten.

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Lies mehr dazu auch hier:

Natürlich ist für viele Kund:innen der Stromanbieterwechsel auch eine Preisfrage: Wenn für dich vor allem der Preis das Kriterium ist, das ein Ökostromanbieter erfüllen muss, dann

  • lies den Beitrag Strompreise vergleichen: die günstigsten Öko-Stromanbieter, wo wir für diese sechs empfehlenswerten, noch liefernden Anbieter einen Preisvergleich angestellt haben.
  • oder verwende den Utopia-Stromvergleich auf stromvergleich.utopia.de. Möglicherweise findest du dort einen noch günstigeren Anbieter, der dann aber nicht ganz so strengen Kriterien entspricht wie in dieser Liste – aber immer noch mindestens eines der beiden empfehlenswerten Ökostrom-Siegel trägt.
  • Du kannst direkt hier Postleitzahl und Stromverbrauch eingeben:
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Ökostromtarife finden

Insolvenz und Neukunden-Stopp: Was steckt dahinter?

Die aktuelle Strompreissituation ist schwierig für alle Marktteilnehmer: Wir Kunden müssen höhere Preise bezahlen, klar. Die Stromverkäufer wiederum haben entsprechend empörte Kunden am Telefon. Trotzdem nützen ihnen die Mehreinnahmen erst mal wenig, weil auch sie im Handel höhere Preise bezahlen müssen.

Im Gegenteil: Inzwischen hat fast ein Dutzend Anbieter Insolvenz angemeldet, wenn auch bisher allesamt eher kleine Anbieter oder solche wie Lition Energy und Enyway, die mit neuen Konzepten (StromMarktplatz, Blockchain) vielleicht ein paar Jahre zu früh dran waren oder es vielleicht auch mit ihren Startup-Allüren übertrieben haben.

Die Folge: Die dort abservierten Kund:innen fluten nun die anderen Anbieter – und treffen zunehmend auf verschlossene Türen, weil diese soviel Strom gar nicht zur Verfügung haben.

Kein Riesenproblem, möchte man meinen: Sie könnten ja zusätzlichen Strom an den Börsen kaufen. Dort aber steigen die Preise mit der Nachfrage. Das führt zu hohen Strompreisen für Neukunden von derzeit um die 33 Cent/kWh (bei den billigsten Atom-Kohle-Anbietern; zum Vergleich: die Durchschnittspreise lagen 2010 bei ca. 23 Cent/kWh, 2000 ca. 13 Cent/kWh), teilweise auch das Doppelte.

Nervt: Neukundenstopp bei Ökostromanbieter parallel zur Erhöhung bei der Stromrechnung
Nervt: Neukundenstopp bei Ökostromanbieter parallel zur Erhöhung bei der Stromrechnung (Foto: Wayhome Studio / stock.adobe.com)

Teil des Problems ist auch, dass gegenüber Kunden üblicherweise Preisgarantien bis zu einem Jahr üblich waren. Wenn der Einkauf nicht ebenfalls mit langfristigen Preisgarantien arbeitete, ziehen explodierende Börsen-Strompreise natürlich Startups und kleine Anbieter als erstes in die Pleite, weil die sich oft auf Spotmärkte und kurzfristige Strom-Schnäppchen verliessen – die es derzeit nicht gibt.

Ohne Zynismus kann aber das aber auch als Marktbereinigung sehen, denn wirklich nachhaltig ist eben nur solcher Ökostrom, der nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch nachhaltig ist.

Wie Öko-Stromanbieter Neukunden-Stopp begründen

Empfehlenswerte Ökostromanbieter hat es bei den Stromanbieter-Pleiten bislang nicht erwischt. Keine neuen Kunden annehmen zu wollen ist auch keineswegs ein Indiz für eine Insolvenz oder dergleichen. Diese Anbieter möchten nur einfach aus verschiedenen Gründen derzeit keine neuen Kunden annehmen – die Versorgung und Konditionen der jeweiligen Bestandskund:innen sind von alldem nicht berührt.

Bei EWS Schönau heisst es schon auf der Website „Die europäischen Energiemärkte befinden sich derzeit in einer historischen Ausnahmesituation … Schweren Herzens mussten wir deshalb die Entscheidung treffen, unser Ökostromangebot für Neukundinnen und Neukunden vorübergehend auszusetzen.“

Ein ähnliches Bild Bei Green Planet Energy (vormals: Greenpeace Energy), auch dort will man „vorübergehend keine Neukund:innen mehr unter Vertrag nehmen.“ Christoph Rasch von Green Planet Energy begründet das auf Utopia-Nachfrage so: „Um eine große Zahl neuer Kund:innen versorgen zu können, müsste Green Planet Energy für diese zusätzliche Energiemengen zu den aktuellen, extrem teuren Konditionen beschaffen – und sich auch langfristig an dieses Preisniveau binden.“. Dies würde die Energiegenossenschaft zwar nicht vor wirtschaftliche Probleme stellen, aber am Ende Bestandskunden treffen. „Die höheren Beschaffungskosten für die Neukund:innen [würden] die Preise für all unsere Kund:innen in die Höhe treiben“.

Zuletzt änderte Mann Strom ihre Darstellung: Ende 2021 waren Neukunden noch Willkommen, 2022 heisst es nun bei Mann Strom „Die von uns im Vorfeld für das Jahr 2022 beschafften Strommengen sind jetzt leider ausverkauft. Vor diesem Hintergrund müssen wir unseren Tarifrechner vorerst schließen.“

Fünf Jahre Strompreis-Krise?

Zu alledem sei noch angemerkt: Auch Anbieter, die eigenen Ökostrom erzeugen, können nicht beliebig skalieren. Sie müssten jetzt also schnell neue Stromerzeugungsanlagen bauen. Genau dies aber haben die Politik und andere Interessensgruppen in den vergangenen Jahren erschwert.

In Folge dessen liegt die Dauer von Genehmigungsprozessen teils im Bereich von über fünf Jahren. Wenn wir dieses Problem nicht Deutschlandweit und EU-weit beheben, werden wir die Strompreisprobleme also vielleicht in fünf Jahren immer noch haben.

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