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Verantwortungseigentum: Warum über diese Unternehmensform diskutiert wird

Verantwortungseigentum
Foto: CC0 / Pixabay / StartupStockPhotos

Das Verantwortungseigentum ist eine spezielle Form von Unternehmertum. Diese gibt dem Unternehmen mehr Handlungsspielraum, aber hat auch einige Nachteile.

Das Verantwortungseigentum ist eine Alternative zu herkömmlichen Eigentümerstrukturen. Die Hauptmerkmale von Firmen mit Verantwortungseigentum sind folgende:

  • Sie arbeiten für sich selbst, also für ihre Mitarbeiter:innen und Kund:innen statt für die Gewinnmaximierung.
  • Das sorgt dafür, dass diese Unternehmen sicherer vor Spekulationen und Zersplitterung sind.
  • Zudem können die Gewinne im Unternehmen reinvestiert werden, sie kommen also Mitarbeiter:innen zugute oder werden über Stiftungen für gemeinnützige Zwecke eingesetzt.
  • Die Entscheidungsträger:innen in solchen Unternehmen sind immer Menschen, die auch im Unternehmen tätig sind oder eine Verbindung mit dem Unternehmen haben, statt zum Beispiel externe Mitarbeiter:innen.
  • Das schafft in der Regel auch mehr soziale Verantwortung.

Die Unternehmen gewinnen somit eine gewisse Unabhängigkeit und können diese und ihre eigene Werteorientierung bindend in der DNA des Unternehmens verankern. Unternehmen im Verantwortungseigentum verpflichten sich zudem zu den folgenden zwei Prinzipien:

  1. Selbstbestimmung: Das Steuerrad des Unternehmens und die Stimmrechte liegen bei den aktiven Unternehmer:innen. Das bedeutet, dass die Mehrheit der Stimmrechte nicht an Investor:innen verkauft werden kann, sondern treuhänderisch von Verantwortungseigentümer:innen auf Zeit gehalten werden muss.
  2. Vermögensbindung: Die Gewinne sind Mittel zum Zweck und nicht Selbstzweck.

"Purpose" im Verantwortungseigentum

Der "Purpose" beim Verantwortungseigentum kann zum Beispiel eine gesellschaftliche Aufgabe sein.
Der "Purpose" beim Verantwortungseigentum kann zum Beispiel eine gesellschaftliche Aufgabe sein.
(Foto: CC0 / Pixabay / 28703)

Außerdem haben Unternehmen im Verantwortungseigentum auch einen sogenannten „Purpose“ – zu Deutsch „Sinn“. Das bedeutet, dass die Unternehmen grundsätzlich einem bestimmten Sinn dienen und dass sie ihren Gewinn als Mittel zu diesem Zweck sehen. Dies steht konträr zu traditionellen Unternehmen, welche normalerweise nur die Gewinnmaximierung und Steigerung des Unternehmenswertes verfolgen.

Dieser Sinn kann jedoch von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich sein: Für manche ist es eine gesellschaftliche Aufgabe, wie zum Beispiel die Förderung nachhaltiger Forstwirtschaft oder gesellschaftlicher Gerechtigkeit. Andere Unternehmen wiederum können die Bereitstellung hochwertiger Produkte als ihren Sinn sehen. Es kann sich dabei um eine Vielzahl an Produkten handeln.

Wie wirkt sich Verantwortungseigentum auf Unternehmen aus?

Bei Unternehmen, die sich nach dem Verantwortungseigentum richten, geht der Sinn über den Gewinn hinaus.
Bei Unternehmen, die sich nach dem Verantwortungseigentum richten, geht der Sinn über den Gewinn hinaus.
(Foto: CC0 / Pixabay / StartupStockPhotos)

Bei Unternehmen, die sich bereits zum Verantwortungseigentum verpflichten, zeigt sich nach einigen Jahren, dass sie erfolgreich sind. Sie übertreffen viele traditionelle, gewinnorientierte Unternehmen in folgender Hinsicht:

  • Sie haben langfristig höhere Gewinnmargen,
  • eine geringere Anfälligkeit für politische und wirtschaftliche Krisen,
  • zahlen außerdem in der Regel höhere Löhne und Zusatzleistungen für ihre Mitarbeiter:innen,
  • haben eine höhere Mitarbeiterbindung und
  • eine 40 Prozent niedrigere Fluktuation bei Führungskräften.

Welche Kritik gibt es am Verantwortungseigentum?

Die Stiftung Verantwortungseigentum geht in einer Stellungnahme auf verschiedene Kritikpunkte bezüglich des Verantwortungseigentums ein. Die Kritikpunkte umfassen:

  • Der Name an sich sei irreführend, da dieser impliziere, dass die Eigentümer die Verantwortung tragen, was jedoch nicht der Fall ist.
  • Es gebe Steuerlücken, denn da das Eigenkapital im Unternehmen bleibt, müssen die Unternehmen nur einen Steuersatz von 15 Prozent statt der sonst geltenden 19 Prozent Umsatzsteuer zahlen. Die Regelungen im Zusammenhang mit dem Verantwortungseigentum könnten außerdem dazu genutzt werden, die Erbschaftssteuer zu umgehen. Das liegt daran, dass es keine erbsteuerrechtlichen Vorgaben gibt.
  • Es gebe einige ungelöste Fragen bezüglich Finanzierung, Behandlung und Kontrolle verdeckter Gewinnausschüttungen, Haftungsfragen sowie der Aufsicht.

Laut heise.de fordern Unternehmen und Wirtschaftsexpert:innen eine neue Rechtsform des Verantwortungseigentums, die VE-GmbH. Auch an diesem Entwurf äußern Kritiker:innen Bedenken:

  • Sie ermögliche steuerliche Bevorzugung, und eine Umgehung des sogenannten „Asset-Locks“.
  • Es fehle an Governance und Finanzierungsmöglichkeiten.
  • Außerdem gebe es rechtssystematisch Einwände sowie keinen echten Bedarf an dieser neuen Rechtsform.
  • Die Stiftung Familienunternehmen hat ebenfalls ihre Bedenken bezüglich dieser Unternehmensform. Sie wünscht sich statt der neuen Unternehmensform des Verantwortungseigentums laut Sage Advice eher ein entbürokratisiertes Stiftungsrecht. Sie ist nämlich der Meinung, dass die neue Regelung eher dazu führen könnte, dass neue unbeaufsichtigte Quasi-Stiftungen in körperschaftlicher Form entstehen.
  • Wenn sich kleine oder mittelständische Unternehmen dazu entscheiden, eine Stiftung zu gründen, um ihren „Purpose“ zu erfüllen, ist der Aufwand in der Regel zu hoch für diese Unternehmen. Das hat 2019 dazu geführt, dass sich die Stiftung Verantwortungseigentum gegründet hat. Die Stiftung möchte dieses Problem verringern, Unternehmen vernetzen und das Verantwortungseigentum generell stärken.

Lage in Deutschland und anderen Ländern anhand von Beispielunternehmen

Das Unternehmen Zeiss ist eines der deutschen Unternehmen, das nach dem Verantwortungseigentum agiert.
Das Unternehmen Zeiss ist eines der deutschen Unternehmen, das nach dem Verantwortungseigentum agiert.
(Foto: CC0 / Pixabay / Skitterphoto)

Die Idee des Verantwortungseigentums ist keine neue Idee. Es gibt in Deutschland bereits einige Firmen, welche auf diese Art und Weise agieren. Einige haben ihr Eigentum in Stiftungen gebunden. In Deutschland sind es laut Sage Advice insgesamt 200 Unternehmen, die somit nach dem Vorbild des Verantwortungseigentums agieren. All diese Firmen beschäftigen insgesamt rund 1,2 Millionen Mitarbeiter:innen und machen jährlich etwa 270 Milliarden Euro Umsatz. Einige Beispiele für deutsche Firmen sind die folgenden:

  • Bosch
  • Zeiss
  • Mahle
  • Alnatura
  • Ecosia

Ein anderes Beispiel für eine Firma im Verantwortungseigentum ist das US-amerikanische Unternehmen Mozilla, das den Firefox-Browser betreibt. Ihr Purpose ist der Beitrag zur Sicherstellung eines freien und für alle zugänglichen Internets. In Dänemark hingegen gibt es bereits etwa 1000 Unternehmen, welche nach dem Prinzip des Verantwortungseigentums agieren.

Das Purpose Economy-Team setzt sich dafür ein, dass sich das Verantwortungseigentum auf der Welt ausbreitet und mehr Unternehmen nach diesem Prinzip agieren.

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