Wärmepumpe anschaffen: So vermeidest du die 8 größten Fehler

Wärmepumpe Fehler
Foto: Silas Stein/dpa

Wärmepumpen gelten derzeit als wichtigstes Heizsystem, um unabhängiger von Gas und Öl zu werden. Die Nachfrage ist extrem hoch. Doch bevor man sich für eine Wärmepumpe entscheidet, sollte man einige Dinge beachten – um folgenschwere Fehler zu vermeiden.

In Zeiten von Gasknappheit, hohen Energiepreisen und Klimakrise haben Wärmepumpen entscheidende Vorteile: Sie sind sehr effizient und sie brauchen keine fossilen Brennstoffe, sondern lediglich Strom. Den können viele Haushalte entweder mittels Photovoltaik selbst erzeugen oder aber zumindest aus erneuerbaren Quellen beziehen. Damit ist der Betrieb der Wärmepumpe quasi klimaneutral.

Trotzdem eignet sich das Heizsystem nicht für jedes Haus. Wir zeigen, welche Fehler man vermeiden sollte.

1. Wärmepumpen-Fehler: Keinen Ökostrom beziehen

Wärmepumpen brauchen für den Betrieb vergleichsweise viel Strom. Das ist vor allem dann ein Problem, wenn dieser Strom nicht aus erneuerbaren Quellen stammt, sondern mithilfe von klimaschädlichen fossilen Energieträgern erzeugt wird – wie Kohle und Gas. Im Gesamt-Mix stammen in Deutschland immer noch 52,9 Prozent aus konventionellen Energieträgern, davon 31,5 Prozent des Stroms aus Kohleverbrennung (Stand: Juni 2022). Und das ist alles andere als klimaneutral.

Wärmepumpenstrom: Die besten Ökostromtarife für Wärmepumpen
Wärmepumpenstrom: Am besten nutzt du Ökostromtarife für Wärmepumpen. (Foto: PhotoGranary / stock.adobe.com)

Wirklich sinnvoll ist also eine Wärmepumpe, wenn sie mit reinem Ökostrom betrieben wird. Je nach Voraussetzungen kann man theoretisch einen Teil des Stroms – zumindest im Sommer – aus der eigenen Photovoltaik-Anlage beziehen. Der restliche Strom sollte aber unbedingt von einem seriösen Ökostrom-Anbieter stammen. Nur so ist die Wärmepumpe wirklich klimafreundlich. Lies dazu auch unseren Artikel mit den besten Öko-Tarifen für Wärmepumpenstrom.

2. Wärmepumpen-Fehler: Zu viel Eile

Vor der Anschaffung einer Wärmepumpe – egal ob im Neubau oder im Altbau – sollte man gründlich bewerten, ob diese Heizart für die konkreten Gegebenheiten Sinn macht. Dafür kann man sich Hilfe bei Fachleuten wie Energieberater:innen oder auch qualifizierten Handwerksbetrieben holen. Wenn sich der Einbau lohnen soll, muss vorher feststehen, dass die Heizung auch wirklich effizient funktionieren kann.

Noch ein Grund, warum man es derzeit mit dem Einbau einer Wärmepumpe nicht zu eilig haben sollte: Sowohl die meisten Handwerksbetriebe als auch die Lieferketten sind derzeit maximal ausgelastet. Die Wartezeit vom Auftrag bis zur Installation kann darum locker sechs Monate oder mehr betragen – für den kommenden Winter ist es womöglich schon zu spät. Um Energiesparmaßnahmen wird man daher diesen Winter sowieso nicht herum kommen.

3. Wärmepumpen-Fehler: Mit dem falschen Heizsystem planen

Damit Wärmepumpen effizient arbeiten können, müssen einige Grundvoraussetzungen erfüllt sein: Das im Haus verbaute Heizsystem sollte eine relativ niedrige Vorlauftemperatur haben. Diese sollte maximal 50 bis 55 Grad Celsius im Dauerbetrieb sein, optimal sind Werte von 30 bis 40 Grad Celsius.

Die Heizkörper müssen zudem groß genug sein, ideal sind Flächenheizungen wie Fußboden- oder Wandheizungen. Um herkömmliche Heizkörper ausreichend aufzuheizen reichen oft die mittels Wärmepumpe erzeugten Temperaturen nicht.

4. Wärmepumpen-Fehler: Falsche Dimensionierung der Pumpe

Damit die Wärmepumpe den optimalen Nutzen bringt und keine Fehlinvestition wird, sollte man auf die richtige Dimensionierung der Pumpe achten. Genauer gesagt: Wärmepumpen sind darauf ausgerichtet, langfristig Heizwärme zu erzeugen. Hierfür muss die Größe der Heizung entsprechend angepasst sein und es muss von vorneherein bekannt sein, wie viel kW Energie pro Quadratmeter erzeugt werden soll.

Wohnt man zum Beispiel in einer kälteren Region, wird mehr Strom (pro Quadratmeter) benötigt als in wärmeren Regionen, für die weniger Heizbedarf besteht, da zum Beispiel Warmwasser im Sommer auch ohne Heizung aufbereitet werden kann. Auch die Heizkörper im Raum sind entscheidend für die Menge an Strom. So brauchen zum Beispiel Fußbodenheizungen weniger Heizleistung und Strom, da die Wärme sich hier besser im Raum verteilt als mit Radiatoren an der Wand, denn Wärme steigt bekanntlich nach oben.

Kalt und starr wie Eis werden wechselwarme Tiere im Winter
In kälteren Regionen ist der Heizbedarf höher. Deshalb wirkt sich die Lage des zu beheizenden Orts auf die Größe der Wärmepumpe aus. (Foto: CC0 / Pixabay / nancymorris)

Eine vereinfachte Faustregel: Pro Quadratmeter kann man einen Wärmeverbrauch in Höhe von 100 Wh ansetzen und anschließend 20 Prozent für die Wasseraufbereitung aufschlagen. In einer Beispielrechnung für ein Wohnhaus mit 150 Quadratmetern sieht das wie folgt aus: 15.000 kWh + 3.000 kWh = 18.000 kWh. Die Wärmepumpe muss demnach eine Heizleistung von 18 kW liefern.

Dennoch: Um die passende Dimensionierung für die Wärmepumpe zu ermitteln, empfiehlt es sich dringend, einen Fachbetrieb hinzuzuziehen.

5. Wärmepumpen-Fehler: Zu wenig Platz einplanen

In vielen Innenstadt- und Mehrfamilienhäusern ist der Einbau einer Wärmepumpe nur schwer möglich. Denn neben dem bisherigen Heizsystem spielt auch die Lage des Gebäudes und der verfügbare Platz eine Rolle.

Wer schon einmal eine Wärmepumpen-Heizung gesehen hat, kennt die mehr oder weniger großen Kästen, die dafür neben dem Haus aufgestellt werden müssen. Dieser Wärmetauscher – eine Art Ventilator, der die Luft ansaugt – braucht ausreichend Platz. Zudem verursacht das Gerät Geräusche, etwas Abstand zu den Nachbar:innen und Bewohner:innen ist also ratsam.

wärmepumpe
Eine Wärmepumpe braucht Platz. (Foto: CC0 / Pixabay / HarmvdB)

Wer über den Einbau einer Erdwärmepumpe nachdenkt – also eine Wärmepumpe, welche nicht die Umgebungsluft, sondern die Erdwärme nutzt, um sie in Heizwärme umzuwandeln – braucht zudem ausreichend Platz für die notwendigen Bohrungen. Durch diese Voraussetzungen fallen viele Gebäude in Innenstadtlage bereits weg.

6. Wärmepumpen-Fehler: Schlechte Dämmung

Wärmepumpen werden mit Strom betrieben. Je stärker ein Haus beheizt werden muss, desto mehr Strom ist notwendig und desto höher werden die Betriebskosten. Wärmepumpen machen also vor allem in gut gedämmten Häusern Sinn, also in der Regel in sanierten oder relativ neu gebauten Häusern.

Im schlecht gedämmten Altbau hingegeben sollte man vorher ganz genau abwägen, ob sich der Einbau und der Betrieb einer Wärmepumpe lohnt – eine Einschätzung und Beratung durch Fachleute ist ratsam.

7. Wärmepumpen-Fehler: Klimaschädliche Kältemittel in der Wärmepumpe

Wärmepumpen brauchen Kältemittel. Was zunächst seltsam klingt, kann folgendermaßen erklärt werden: Wärmepumpen nutzen Außenwärme (zum Beispiel aus der Umgebungsluft) und wandeln diese wiederum in Wärme für Innenräume um. Das Kältemittel ist, vereinfach gesagt, dafür zuständig, diese Außenwärme aufzunehmen, weiter zu erhitzen und nach innen wieder abzugeben. So kann eine Wärmepumpe auch im Winter Wärme von außen ins Haus leiten, obwohl es draußen kalt ist.

Auch bei niedrigen Außentemperaturen verdampft das Kältemittel und entzieht der Außenluft Wärme. Anschließend wird das so entstandene Gas in der Wärmepumpe wieder verdichtet und das Temperaturniveau auf die gewünschte Raumtemperatur gebracht. Dadurch kondensiert das gasförmige Kältemittel und gibt dabei Wärme an den Heizkreislauf ab. Es wird also schön warm in den eigenen vier Wänden. Ohne Kältemittel wäre das nicht möglich.

Ausstoß an Treibhausgasen steigt 2021 in Deutschland um 47 Millionen Tonnen.
Der Ausstoß an Treibhausgasen muss dringend reduziert werden, um die negativen Folgen des Klimawandels möglichst gering zu halten. (Foto: CCO Public Domain / Pixabay - catazul)

Dabei sind ebendiese Kältemittel nicht unkritisch und in der Vergangenheit wurden auch FCKWs eingesetzt, die inzwischen wegen ihrer schädlichen Wirkung auf die Ozonschicht verboten sind. Das heute noch gängige Kältemittel R410A hat ebenfalls ein erhebliches Treibhauspotential. Zwar gilt dies nur für den Fall, dass es der Wärmepumpe entweicht, doch ist die Nutzung von R410A ab 2025 in Split-Wärmepumpen bis drei Kilogramm Füllmenge verboten. Als Alternative gilt derzeit vor allem das Kältemittel R32, welches immer noch ein hohes Treibhauspotenzial hat, jedoch weitaus geringer als der Vorläufer.

Weitere gängige Kältemittel, die wie Treibhausgase wirken, sind Fluorkohlenwasserstoffe (FKW) und teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (HFKW). Diese sind tragen einen wesentlichen Anteil an der Erhöhung des Treibhauseffekts.

Alternativ kann in Wärmepumpen zur Warmwasseraufbereitung zum Beispiel Propan als Kältemittel eingesetzt werden. Dies ist zwar ein brennbares Gas, es gilt aber bei einer sachgerechten Installation und Betriebsweise der Wärmepumpe als ungefährlich und das Brandrisiko geht gegen Null. Zudem empfehlen sich klimafreundlichere Luft/Wasser- oder Sole/Wasser-Wärmepumpen, für die keinerlei F-Gase wie Fluorkohlenwasserstoff genutzt werden. Auch hier gilt, sich vor dem Kauf einer Wärmepumpe fachgerecht beraten zu lassen und nachzufragen, ob diese als Kältemittel natürliche Gase wie Propan, CO2 oder Wasser nutzt.

8. Wärmepumpen-Fehler: Keinen Notfallplan für Stromausfälle haben

Wärmepumpen werden elektrisch betrieben, deshalb können sie bei einem Stromausfall nicht genutzt werden und das Haus bleibt kalt. Um solchen Situationen vorzubeugen, sollte man sich einen Notfallplan zurechtlegen, der bei einem Stromausfall zum Einsatz kommt. In so einem Fall kann es gut sein, etwa einen eh vorhanden Kachelofen anzuheizen. Sich eigens einen Holzofen für den Fall eines Stromausfalls zuzulegen, macht hingegen weniger Sinn.

Allgemein macht es Sinn, sich für einen Stromausfall entsprechend vorzubereiten und zum Beispiel ein paar Decken, warme Kleidung und dergleichen zur Hand zu haben. Gut zu wissen: Bei Ökostrom ist die Gefahr eines Stromausfalls nicht höher, dabei handelt es sich um einen Mythos.

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