„Schwere Verbrechen gegen die Umwelt“: Gemüselieferant von Aldi, Edeka, Lidl und Rewe beschuldigt

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Foto: CC0 Public Domain Pixabay

Wir sind es gewohnt bei Aldi, Edeka und Co. zu jeder Jahreszeit alle Arten an frischem Obst und Gemüse zu finden. Um den Ertrag zu steigern, greifen Gemüsehändler jedoch auf umweltschädliche Methoden zurück. Der Sendung „Report Mainz“ zufolge ist es in Spanien deshalb zu einer Umweltkatastrophe gekommen.

Erdbeeren, Gurken, Salat oder Sellerie – jede Menge Obst und Gemüse in unseren Supermärkten stammt aus Spanien. Die Region Murcia gilt sogar als „Gemüsegarten“ Europas. Und das obwohl sie eine der trockensten Gegenden Europas ist.

Das Recherche-Team von Report Mainz ist nach Murcia gereist und hat sich die Zustände vor Ort genauer angesehen. Die Zustände sind teilweise erschreckend: Um die Pflanzen zu bewässern, nutzen die Landwirte Plastikschläuche unter der Erde oder pumpen Grundwasser ab – teilweise illegal. Noch schlimmer: Über verdeckte Zuleitungen werden stark nitrathaltige Abwässer und andere Umweltgifte aus der Landwirtschaft in die Lagune „Mar Menor“ oder in den Boden geleitet.

Größte Lagune Europas in Gefahr

Die Auswirkungen sind fatal: 2016 ist das Ökosystem von Mar Menor gekippt – Report Mainz zufolge sind 80 bis 85 Prozent der Wasserpflanzen in der Lagune abgestorben. Mar Menor ist die größte Lagune Europas und galt als Naturparadies mit kristallklarem Wasser. Die Abwässer aus der Landwirtschaft haben sie schwer beschädigt.

Eines der Unternehmen, das mit illegalen Methoden Wasser gefördert und abgeleitet hat, ist „G´S España“. Die Firma gehört laut Report Mainz zu den größten Gemüselieferanten Europas und beliefert unter anderem Rewe, Edeka, Lidl und Aldi Süd.

Erdbeeren
Erdbeeren in unseren Supermärkten stammen oft aus Spanien. (Foto: CC0 / Pixabay / Couleur)

Die Preispolitik der Lebensmittelkonzerne

Es gibt jedoch Hoffnung, dass sich etwas tut: Die Staatsanwaltschaft Murcia hat G´S España und 40 weitere Landwirte, Agrarfirmen und Amtsträger angezeigt. Sie macht die illegalen Methoden der Landwirte für die Umweltkatastrophe in der Lagune verantwortlich.

In der Reportage von Report Mainz kommt auch ein Bauer zu Wort, der Felder illegal bewässert. Er beschuldigt die Preispolitik der großen Lebensmittelketten – auch die von deutschen Konzernen: „Das sind echte Spekulanten. Das sind Piraten in schicken Anzügen, die mit der Nahrung für ganz Europa spielen. Sie wollen alles billig einkaufen. Je billiger, desto besser. Das zwingt viele von uns, illegal zu bewässern“, sagt der Mann in dem Beitrag.

Hier die ganze Sendung von Report Mainz im Video: 

Das sagen Rewe, Lidl, Edeka und Aldi

Report Mainz hat die deutschen Supermärkte mit den Vorwürfen konfrontiert: Rewe reagierte nicht, Edeka, Lidl und Aldi-Süd verwiesen lediglich darauf, dass die betroffene Liefer-Firma mit dem GLOBALG.A.P.“-Standard ausgezeichnet ist. Dieser sollte eigentlich einen umweltgerechten Anbau garantieren. Aldi Süd will die Zertifizierung überprüfen lassen.

Die Erkenntnisse von Report Mainz zeigen erneut, welche katastrophalen Auswirkungen unser Hunger auf billiges Obst und Gemüse auf örtliche Umwelt und Bevölkerung hat – und wie sinnlos manche Siegel sind. Erst vor einigen Wochen enthüllte eine groß angelegte Reportage, wie Frauen auf spanischen Erdbeerplantagen systematisch ausgebeutet und sogar vergewaltigt wurden.

Wer das nicht unterstützen will, sollte Obst und Gemüse möglichst regional und in Bio-Qualität kaufen. Orientierung liefert unser Utopia-Saisonkalender .

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(10) Kommentare

  1. Wir können nicht nur bei Alnatura oder Denns und auf dem Markt einkaufen, so viel verdienen wir nicht.
    Zum kotzen das es so läuft!!!!

    Wir versuchen sehr viel Saisonal und wenn es geht Regional zu kaufen, aber ganz vermeiden lässt sich das kaum.

  2. Das ist Quatsch. Selbst wo wir beide arbeitslos waren, haben wir am Essen nie gespart. Da gibt es andere Stellhebel… Kann dieses Rechtfertigungsgesülze nicht mehr hören. Entweder man will ein wenig besser sein als der Rest oder einfach was gutes tun, oder man lässt es einfach sein. Alles andere ist Quark. Die Leute, die sich da immer aufregen können sich zudem angeblich nichts biologisches leisten aber dann dicke Autos, oder teure Verträge haben.
    Na danke :=)

    Anmerkung: Das Denns Zeug nicht viel mit guter Bioqualität zu tun hat. Das kostet auch nicht viel mehr als der Konvinience Dreck aus den normalen Läden… Fürs gute Gewissen kann man das getrost auch kaufen, wenn man so tun will als ob.

  3. Hallo flexer 911, zum einen verstehe ich Ihre Wut sehr gut, über Menschen, die sich Luxusgüter leisten und dann jammern, daß sie sich kein Bio kaufen können. Am Essen sparen ist generell das falsche Sparen, denke ich.
    Dennoch finde ich Ihren Ton und die Anschuldigung Triz gegenüber unpassend. Erstens wissen Sie doch garnicht was sich das Paar leistet (leisten kann) und was nicht. (Unter einem bestimmten Einkommen ist es tatsächlich nicht möglich alles in Bioqualität zu kaufen.) Und zweitens ist es eher destruktiv Leute so anzugehen. Fragen Sie doch lieber nach, wo genau es bei Triz hapert und machen Vorschläge. Alles andere erzeugt meiner Meinung nach nur Unmut und bringt nichts.
    Viele Grüße und ich hoffe Ihre Laune bessert sich bald!

  4. Ich stimme voll zu! Das ist ein reines Pseudoargument. Die wenigen, die das wirklich trifft sind zu vernachlässigen, um sie geht es gar nicht. flexer911 drückt das nicht schlecht gelaunt aus, sondern noch viel zu freundlich. Ich kann das auch nicht mehr hören. Blablabla … Hat nicht Frau Langer ein Buch mit diesem wunderbaren Titel geschrieben …? 😉

  5. Da hast du absolut recht Flexer911 !! Noch nie in der Gescichte der Menschheit wurde so wenig für Lebensmittel ausegeben wie heute – gerade mal lächerliche 13 %. Behauptungen sich keine Biolebensmittel leisten zu können ist wirklich absoluter Quatsch. Selbst Stundent und Arbeitslose können das.

  6. So sehe und „fühle“ ich das auch !Ich schaue „genauer“ auf den Hersteller ,aus -„Viva Espan’a“- kaufe ich nichts mehr ein !

  7. Vielleicht liegt es daran das dein Lohn/Gehalt zu niedrig ist?
    Real wären 2000,- Netto/3100,- Brutto angesagt und zwar als Mindestlohn.

    Aber eigentlich will das niemand, weil alle neidisch sind.
    Von mir aus kann auch 100% statt 80% kippen.

  8. Kenne einige Hartzer (zeitweise selbst) die genau dort im Bioladen einkaufen. Diese haben allerdings kein iPhone und kein Auto. Keine Ahnung für was die Leute Geld ausgeben, aber dass man sich das nicht leisten kann ist Murks!
    Apropos „Regional“:
    Es ist längst bekannt, dass Händler mit dem Etikett „aus Deutschland“ betrügen, da Käufer lieber zu Waren greifen, die aus Deutschland stammen. Wer wirklich sicher gehen will kauft via Hofläden.
    Vor 2 Jahren schrieb hier eine Frau (hätte gern kommentiert, Thread war aber geschlossen), dass sie froh ist dass es Discounter gibt und dass es dort billige (Bio-) Lebensmittel gibt. Da frage ich mich dann aber auch: Sind die Discounter, die so billige Lebensmittel liefern immer noch zu teuer für Leute, die sich bei der Tafel eindecken (müssen)?! Verkehrte Welt!

  9. Um die Diskussion als Betroffene mal zu versachlichen:
    Ich lebe selbst am absoluten Existenzminimum. Und kaufe ausschließlich Bio im regionalen Biomarkt/auf dem Wochenmarkt, weil ich die Umweltverbrechen der konventionellen Erzeugung und Mechanismen der großen Ketten verachte und nicht unterstützen möchte.
    Wie ist das machbar? Indem man sehr gut haushaltet, Preise vergleicht, Grundprodukte kauft, viel selbst kocht/bäckt und auf teure „Mode“-Produkte verzichtet (kein Chia und Co.). Ich setze mir ein monatliches Budget, und damit muß ich auskommen. Dann gibt es eben auch mal nur Kartoffeln.
    Beispiel Erdbeeren: Ich leiste mir ganz bewußt nur eine oder zwei Schalen in der Saison von einem einheimischen Bio-Erzeuger. Die sind teuer. Aber ich genieße jede einzelne Beere davon. Und dann freue ich mich auf die nächste Ernte.
    Bio ist für mich machbar. Mit etwas Aufwand, aber dem absoluten Willen dazu.

    P.S. In meinem Leben gibt es auch kein Auto, keinen teuren technischen Schnickschnack, keine teuren Verträge, keine teuren Genußmittel etc. Man muß sich sehr reduzieren, Second Hand kaufen etc. Aber das befreit auch von den Zwängen der Konsumgesellschaft. Man kann eh nicht mitmachen.

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