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Schwarzer Tee im Test: viel Gift, wenig Fairness

Foto: © Martina Misar - Fotolia.com

Schwarzer Tee unter der Lupe: Die meisten Tees sind mit Pestiziden und anderen Schadstoffen belastet. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktueller Test des ZDF-Magazins WISO – und bestätigt damit frühere Befunde von Öko-Test. Faire Erzeugung ist bei Tee die Ausnahme.

Egal ob teuer oder billig: Schwarztee ist pestizidbelastet. WISO hat drei günstige und drei teure Schwarztees im Labor testen lassen. Alle getesteten Tees enthalten Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, so die Ergebnisse der Stichprobe. Und zwar gleich mehrfach: Alle Produkte sind mit mindestens vier unterschiedlichen Pestiziden belastet.

Im „Assam Spezial“ von der bekannten Teemarke Eilles fanden die Tester sogar zehn unterschiedliche Pestizid-Rückstände. Allerdings wurden damit laut Laborbericht die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten.

Neben Pestiziden enthielten fünf der sechs Tees den Stoff Anthrachinon. Anthrachinon wird unter anderem zur Abwehr von Vögeln nach der Aussaat eingesetzt. Erst seit 2014 ist bekannt, dass es als Verunreinigung in Tees vorkommen kann. Da die Substanz im Tierversuch krebserregend wirkte, ist sie in der EU nicht mehr zugelassen. Der „Ostfriesen Teefix“ von Teekanne war der einzige schwarze Tee im Test, der keine Rückstände von Anthrachinon enthielt.

Besonders brisant: Zwei der Tees, „Ceylon-Assam Schwarzer Tee“ von der Lidl-Marke Lord Nelson und die „Ceylon-Assam Schwarzteemischung“ von der Rewe-Eigenmarke ja! waren bereits im Öko-Test 2015 durch erhöhte Pestizidwerte aufgefallen.

Die Sendung: WISO „Teuer oder billig: Schwarztee“ läuft am Montag, 23. Januar 2017, um 19:25 im ZDF.

Schwarzer Tee bei Öko-Test: intransparente Produktionsbedingungen

Das Verbrauchermagazin Öko-Test hat bereits im September 2015 schwarze Tees getestet. Von 30 Sorten waren im Test nur zwei „sehr gut“, was faire Erzeugung und Inhaltsstoffe angeht. Fast die Hälfte der Schwarztees im Test war ungenügend.

Die Anbaubedingungen von Tee sind problematisch: Ausbeutung von Arbeitern ist genauso an der Tagesordnung wie der Einsatz hochgiftiger Pestizide. Mehr zu den Problemen in der Teeproduktion: Die bittere Wahrheit über Tee.

„Guter“ Tee muss darum zwei Bedingungen erfüllen: eine faire Behandlung der Produzenten und eine möglichst geringe Belastung mit Giftstoffen. Anders als das ZDF-Magazin WISO hat Öko-Test in seinem Schwarztee-Test beides getestet. Das Magazin versendete Fragebogen an alle Hersteller, in denen die Anbaumethoden von Tee und die Arbeitsbedingungen abgefragt wurden. Doch nur wenige kamen mit vollständigen Angaben und zugehörigen Nachweisen zurück – der Großteil der Unternehmen war nicht in der Lage oder gewillt, faire Produktionsbedingungen zu garantieren und fiel daher im Test durch.

Im Labor testete Öko-Test die schwarzen Tees außerdem auf Schadstoffe. Das Ergebnis des Tests: Nur zwei Teesorten schnitten „sehr gut“ ab, zwei weitere „gut“. Ganze 18 Produkte wurden mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ bewertet, weil sie stark mit Pestiziden und anderen Schadstoffen belastet waren und/oder aus intransparenten Produktionsbedingungen stammen. Dabei testete Öko-Test genau wie WISO Billig- und Marken-Tees. Darunter waren Tees aus Bio-Anbau und koventionelle Produkte.

Schwarztee & Co: Teeanbau ist oft nicht fair
Der Anbau von Schwarztee geht oft mit der Ausbeutung von Arbeitern einher – nicht so im fairen Handel. (Foto: © TransFair e.V. / Santiago Engelhardt)

Öko-Test Testsieger: Bio-Schwarztee von Gepa und Lebensbaum

Schwarzer Tee im Test: GEPA ist Testieger
GEPA-Tee: Testsieger bei Ökotest und bei den Utopia-Usern (Foto: © GEPA)

Bio-Anbau verbietet den sonst üblichen Einsatz chemischer Pestizide. Beruhigend ist daher, dass die beiden von Öko-Test mit „sehr gut“ bewerteten Schwarztees von öko-fairen Herstellern stammen: Auf Platz eins landete ein Tee des Fairen Handels-Pioniers Gepa (Assam, lose), auf Platz zwei der „English Breakfast Tea“ (lose) von Lebensbaum.

Weniger schön: Drei Bio-Tees stufte Öko-Test als „ungenügend“ ein. Und zwar in zwei Fällen trotz vorbildlicher Transparenz und Produktionsbedingungen. Das Labor fand den Stoff Anthrachinon in den Tees, eine Substanz, die möglicherweise krebserregend ist.

Die Teekampagne, einer der durchgefallenen Hersteller, kritisiert das Vorgehen von Öko-Test: Nach Bekanntwerden des Anthrachinon-Problems 2014 habe man sofort reagiert, so dass alle ab 2015 geernteten Tees die Grenzwerte einhielten. Die bewertete Probe stamme jedoch aus 2014. „Ich stelle anheim, ob es von Ökotest fair ist, uns in dieser Situation gleich ganz abzuwerten zumal keinerlei weitere Mängel gefunden wurden“, schrieb der Teekampagnen-Initiator Günter Faltin auf seinem Blog.

Als „gut“ bewertete Öko-Test übrigens zwei schwarze Tees aus konventionellem Anbau: Den Lipton Yellow Label Tea (Beutel) und die „Indische Teemischung“ von Teekanne (lose) mit Fairtrade-Siegel. Der Lipton-Tee ist jedoch „nur“ von der Rainforest Alliance zertifiziert, die nach Angabe von Öko-Test „mit fairem Handel nichts zu tun“ hat. Laut Test halten zwar beide Hersteller die ILO-Kernarbeitsnormen ein, schließen aber nicht aus, dass es ungerechtfertigte Abzüge vom Lohn der Arbeiter gibt – ein weit verbreitetes Problem im Teeanbau. Immerhin: Bei den Inhaltsstoffen schneiden die beiden Schwarztees sehr gut ab.

Relativ stark mit Pestiziden belastet sowie intransparent in der Herstellung und daher „ungenügend“ waren bei Öko-Test zum Beispiel die Schwarztee-Mischung der Edeka-Eigenmarke Gut & Günstig (Beutel), der Darjeeling-Tee der Marke Meßmer (Beutel) und der Windsor-Castle „Orange Pekoe-Tea“ (lose).

Fair gehandelte Bio-Schwarztees findest du hier bei Utopia:

Bestenliste: Der beste Bio-Tee

Utopia meint: Um zu vermeiden, dass Arbeiter und Umwelt bei der Teeproduktion leiden und wir Schadstoffe mittrinken, sollten wir möglichst fair gehandelten Bio-Tee kaufen. Die Testergebnisse des ZDF-Magazins WISO und von Öko-Test lassen vermuten, dass die meisten konventionellen Tees mit Pestiziden und Schadstoffen belastet sind. Öko-Test hat im Schwarztee-Test bestätigt, dass viele öko-faire Premiumhersteller transparent und fair wirtschaften, zeigt aber auch, dass es in der Tee-Branche noch viel Verbesserungsbedarf gibt.

In unserer Bestenliste „Der beste Bio-Tee“ empfehlen wir Produkte, die Bio- und / oder Fair-Siegel tragen.

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(12) Kommentare

  1. Danke für den Artikel.
    Da ich allerdings selten Schwarztee trinke, sondern lieber grünen oder weißen Tee, Pfefferminz und Kamille, würde ich mich über eine weiterfassende Untersuchung dieser Tee-Sorten sehr freuen.

  2. Hallo smarla,
    ich befürchte, dass viele Ergebnisse der Öko-Test-Untersuchung in ähnlicher Form auch auf grünen und weißen Tee zutreffen. Die werden ja meist auf denselben Plantagen geerntet & verarbeitet wie der schwarze Tee. Aber wir halten natürlich gerne die Augen offen nach weiteren Tests. Öko-Test hat übrigens 2012 grünen Tee getestet: http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=99298&bernr=04 und erst im Novermber 2014 Kräutertees: http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=105122&bernr=04

  3. Danke für das automatische Einstellen meines Kommentars vom 11. September 2015.

    Allerdings würde ich es begrüßen, wenn Ihr mich informiert, bevor Ihr meinen Kommentar so erscheinen lasst, als wäre dieser aktuell zu diesem Artikel vom 23.01.2017 (siehe alle 3 hier aufgeführten Kommentare vom September 2015):

    smarla schrieb am 11. September 2015 um 17:13 Uhr

    Danke für den Artikel.
    Da ich allerdings selten Schwarztee trinke, sondern lieber grünen oder weißen Tee, Pfefferminz und Kamille, würde ich mich über eine weiterfassende Untersuchung dieser Tee-Sorten sehr freuen.

  4. Hallo Annika, da Ihr den Artikel „aktualisiert“ habt, könnte mein früherer Kommentar nicht mehr „passend“ sein.
    In diesem Falle ist es ok.
    Grundsätzlich sehe ich es so, dass Ihr mit einer Aktualisierung eines älteren Artikels dessen Inhalt verändert, so dass ein damaliger Kommentar auch aus dem Zusammenhang gerissen sein könnte.

    Mein Tipp:
    Macht es doch offensichtlich, dass dieses Thema bereits früher Antworten bekommen hatte-z.B. mit dem Hinweis „frühere Kommentare“; und informiert vor Einstellung den jeweiligen Ersteller des Kommentars, ob es für diesen ok. ist, dass Ihr den damaligen Beitrag wieder als Kommentar einstellen wollt. Vielleicht will der ein oder andere auch etwas an seinem Beitrag aktualisieren.

  5. Hallo,
    danke für den Artikel. Ich finde es schlimm, immer wieder lesen zu müssen, dass unsere Lebensmittel, Kosmetikartikel und auch alles andere mit irgendwelchen Pestiziden und anderen gesundheitsgefährdenden Stoffen verseucht sind.

    Und was mich immer wieder ärgert: Wenn schon festgestellt worden ist, dass das Produkt X die Grenzwerte überschreitet, dann sollte es meiner Meinung nach spätestens dann aus dem Verkauf genommen werden. Solange man den Verkauf solch belasteter Produkte zulässt, wird sich auch nichts ändern.
    Und wir werden auch weiterhin an Krebs etc. erkranken.

  6. In Konventionellen Produkten sind nun mal Pflanzenschutzmittel enthalten. Man kann ja Bio kaufen, wenn man möchte. Ich weiß gar nicht, warum aus der Erkenntnis solch eine Furore gemacht wird. In konventionellen Gemüse, etc. sind ebenfalls Mehrfachrückstände nachweisbar und diese werden in erheblich größeren Mengen konsumiert. Dafür werden Grenzwerte erlassen und diese werden auch in diesem Beitrag eingehalten. Anthrachinon entsteht ebenso beim Rösten und Verbrennungsprozessen. Schon mal Anthrachinon bei einer gebratenen Bratwurst messen? Oder im Steak? Die Erkenntnis wird sein: Lebensbedrohliche Werte! zumindest in der Theorie. Warum das nicht getan wird? Eine viel zu starke Fleisch-Lobby und Angst vor gerichtlichen Folgen.
    Warum nun nichts weiter passiert oder aus dem Verkehr gezogen wird? Sterben tut nämlich weder ein Inder, noch ein Chinese, noch die Araber vom vielen Teekonsum. Deutsche Angst, populistischer Journalismus und einsteige Faktenlage lassen grüßen. Die Erkenntnisse dieses Beitragen sind einfach nichts Wert..

  7. Mich enttäuscht zutiefst, dass so eine renommierte Marke wie Windsor Castle so einen belasteten Müll wie Orange Pecoe Ceylon ihren Kunden anbietet. Haben die keine Prüflabore? Stümper!

  8. Windsor Castle ist aber nicht wegen besonderer nachhaltigkeit renomiert – oder habe ich was verpasst?
    Andernfalls würden sie Bio-Tee verkaufen.
    Die haben mit Sicherheit Prüflabore…aber wenn die Ergebnisse unter dem Grenzwert liegen, sehen sie keinen Grund zu reagieren.
    Deshalb braucht es unabhängige Tester und Kunden, die daraus Konsequenzen ziehen und nur noch Bio kaufen.

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