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Flygskam: Genialer Umwelt-Trend aus Schweden

Foto: CC0 Public Domain / Pixabay

Wer die Umwelt und das Klima schützen will, sollte vor allem auf eines verzichten: Flugreisen. In Schweden wird der Flugzeug-Boykott und der Hashtag „Flygskam“ gerade zum Trend – unter anderem dank eines berühmten Sportlers.

Flygskam setzt sich aus den schwedischen Wörtern „flyg“ und „skam“ zusammen – „Flug“ und Schande. Es geht also darum, sich wegen seiner Flugreisen zu schämen – und nun lieber andere Verkehrsmittel auszuwählen. Wie das Portal „Klimareporter“ berichtet, könnte der Begriff in Schweden das Wort des Jahres 2018 werden.

Der Hashtag entstand in den letzten Wochen und Monaten, nachdem mehrere Politiker und Prominente öffentlich erklärten, auf Flugreisen zu verzichten. Jüngstes Beispiel: Der ehemalige Biathlet und Olympiasieger Björn Ferry.

13.000 Kilometer mit dem Zug

Flugzeug Treibstoff
Der Treibstoff von Flugzeugen ist eine Belastung für das Klima. (Foto: CC0 Public Domain/Pixabay)

Das schwedische öffentlich-rechtliche Fernsehen wollte den Sportler als Kommentator für die Wintersportsaison einstellen. Ferry sagte zu – unter einer Bedingung: Er wird in kein Flugzeug steigen.

Als Expertenkommentator muss Ferry allerdings nach Norwegen, Slowenien und Italien reisen, berichtet Klimareporter. Die Strecken wird der ehemalige Biathlet nun mit der Bahn zurücklegen – insgesamt mindestens 13.000 Kilometer.

#flygskam und #jagstannarpåmarken

Das Fernsehnetzwerk akzeptierte die Bedingung von Björn Ferry. „Hätten sie Nein gesagt, hätte ich das nicht gemacht“, sagt Ferry laut Klimareporter. Für die längeren Strecken wolle er vor allem Nachtzüge nutzen. „Viele finden das idiotisch. Aber manche denken vielleicht auch: Verdammt, was der Ferry kann, das kann ich doch auch“, zitiert Klimareporter den Sportler.

Und Ferry ist nicht allein: Noch vor dem Hashtag „flygskam“ trendete in Schweden „#jagstannarpåmarken“, was so viel bedeutet wie: „Ich bleib auf dem Boden“. Unter anderem die Kultusministerin Alice Bah Kuhnke sei im Mai zu Terminen in Paris, Cannes und Berlin mit dem Zug gereist. Andere Politiker folgten ihrem Vorbild.

Umwelttrends aus Schweden

Offenbar zeigt der Trend schon erste Effekte: Von Januar bis September verzeichneten die Fluggesellschaften drei Prozent weniger innerschwedische Flugreisen, berichtet Klimareporter. Bei den Nachtzügen sei es umgekehrt: Die Strecke zwischen Malmö und Stockholm beispielsweise wurde deutlich mehr gebucht. Ab Dezember solle es daher neue Verbindungen geben.

Erst „Plogging“, dann „Plalking“ und jetzt „Flygskam“ – die Menschen in Schweden verstehen es, Umweltschutz zu einem Social-Media-Trend zu machen. Die Hashtags beschreiben zwar vergleichsweise einfache Aktionen, wie Müll aufsammeln oder eben auf Flugreisen zu verzichten. Sie schaffen es aber, Menschen zum Nachahmen zu inspirieren – auch außerhalb von Schweden.

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(1) Kommentar

  1. Bei der dünnen Besiedlung (vor allem in Nordschweden), den enormen Entfernungen zwischen den Städten und der deswegen vergleichsweise geringen Verkehrs-Infrastruktur in Schweden sind solche Aktionen ausgerechnet in Schweden mehr als verwunderlich.
    Zumal das Eisenbahnnetz in Schweden von der Linienführung, dem Ausbau der Strecken und den möglichen Fahrgeschwindigkeiten in erster Linie den Bedürfnissen des Güterverkehrs angepaßt ist und dort Tempo 90 auf Landstraßen und 120 auf Autobahnen gilt. Das Flugzeug ist damit für Schweden auf weiteren Strecken viele das sinnvollste Verkehrsmittel.

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