Innovationen sind beim Elektroauto Mangelware, oft werden bestehende Autokonzepte nur mit Elektromotor weitergedacht – mit dem ebenso revolutionären wie bezahlbaren Solarauto Sion des Münchner Startups Sono Motors könnte sich das endlich ändern.
Wo ist die nächste Stromtankstelle? Und kriege ich da wirklich Ökostrom? Für die Besitzer eines Sion-Elektroautos könnten diese Fragen der Vergangenheit angehören. Das Besondere des Sion: Wo andere Autos mit Lack glänzen, glänzt der Sion mit Solarzellen, durch die er sich mit Sonnenenergie ganz von selbst aufladen kann. Die Solarzellen auf der Karosserie kommen auf 7,5 Quadratmeter Fläche und sollen pro Tag 30 km sonnengetriebenes Fahren ermöglichen.
Solarauto Sion: Tankfüllung gratis
Noch gibt es nur einen Prototypen, in dem aber bereits 4 Jahre Entwicklungszeit stecken. Der Sion verspricht je nach Modell eine Reichweite von 120 km (Urban, 14,4 kWh) bzw. 250 km (Extender, 30 kWh). 6 Sitzplätze (vorne und hinten je drei) machen ihn zu einem Solar-Familienauto mit leichtem SUV-Feeling. Die Rückbank lässt sich für Transporte umlegen. Ein Luftfilter aus Moos, der sich mit Luftfeuchtigkeit selbst ernähren soll, filtert Feinstaub aus der Luft und dient der Schalldämmung.

Selbst eine optionale Anhängerkupplung ist vorgesehen, mit der sich mobile Kleinst-Eigenheime mit bis zu 1300 kg ziehen lassen sollen; dazu passt, dass der Sion beim Campen selbst als mobile Stromquelle dienen kann. (Der Wohnwagon wird wohl zu groß sein …) Auch bei Baustellen oder bei Katastrophenhilfseinsätzen soll der Sion so einsetzbar sein.
Jetzt ist ein Crowdfunding gestartet, um das familienfreundliche Auto zu vollenden und in den Massenmarkt zu bringen. Je nach Variante soll der Sion 12.000 bis 16.000 Euro kosten (120 oder 250 km Reichweite) und gehört damit zu den bezahlbaren Elektroautos. Den Luxus eines Tesla darf man freilich nicht erwarten, dieses Auto spricht nicht die superreichen Avantgardisten an, sondern will den Mittelstand für solare Elektromobilität begeistern.
Crowdfunding: Sion Probefahrt buchen
Beim Crowdfunding auf Indiegogo haben Nutzer die Möglichkeit, mit ihrer Spende eine Probefahrt im Solarauto zu „kaufen“ oder bereits eine Vorbestellung zu starten. Für 2000 Euro kann man sich einen Sion reservieren, für 10.560 Euro schon mal vorab das Urban-Modell kaufen, beides mit Geld-zurück-Option nach Probefahrt.
- Crowdfunding von Sono Motors:
www.indiegogo.com
Mit möglichen Probefahrten rechnet das Unternehmen 2017, mit einer Auslieferung 2018. Ein bisschen Geduld und Fantasie muss also mitbringen, wer ins Solarauto investieren will.

Utopia meint: Ja, das Konzept hat sicher noch Schwächen. Und wir hören im Kopf schon Unkenrufe der Art „30 Kilometer pro Tag mit Selbstladung – weit komme ich damit aber nicht!“ und „was ist im Winter?“. Aber darum geht es hier nicht: Erstens kann man den Sion natürlich wie ein normales Elektroauto auch per Kabel aufladen. Zweitens wird das Solarauto von Sono Motors vor allem ein erster Schritt sein zu einer sich regenerativ ladenden Elektromobilitäts-Infrastruktur, in der zum Beispiel solche Solar-Cars zusammen mit Solarstraßen ihre eigene Energie bereitstellen. Und Sono Motors denkt voraus: So existiert auch gleich ein vom Fairphone inspiriertes Instandsetzungskonzept, bei dem die Fahrer selbst (lizenzfrei herstellbare) Ersatzteile nachkaufen und unproblematisch einbauen können sollen, oder zu Werkstätten gehen, die keine teure Lizenz erwerben müssen und denen ein Werkstatthandbuch öffentlich zugänglich gemacht wird.
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Der Crowndfunding-Link funktioniert nicht. Und auf http://www.indiegogo.com ist das Projekt auch nicht zu finden…
Danke für den Hinweis, wir haben den Link im Artikel korrigiert.
Interessant. Als ich vor mehreren Jahren so ein Konzept vorgeschlagen habe, meinte ein anderer Utopia-Nutzer, der den Habitus des Technik- und speziell auch Solar-Experten hatte, diese Art der Solarenergienutzung (direkt auf Kfz Karosserien) sei viel zu ineffizient und zu teuer — Nun, zumindest wenn man nur in schattigen Straßenschluchten oder am Polarkreis unterwegs ist, dürfte der Einwand sogar stimmen, sonst aber, wie dieser neue Pkw zeigt, zu pessimistisch — Allerdings : Noch besser wäre nach wie vor das von Shai Agassy vor etlichen Jahren bereits (bis ins Detail) entwickelte Konzept, dass E-Cars einfach an jeder „Tankstelle“ leicht die Akkus wechseln lassen könn(t)en.
Bei letzterem Konzept wäre natürlich auch die Politik (und wir als wählende und sonst pol.aktive Bürgerinnen/er) gefragt, dies auch gegen Widerstände aus Kfz- und Erdöl-Industrie (und von Letzterer abhängigen Tankstellenketten etc) durchzusetzen. Hieran, und nicht an irgendwelchen technischen oder ‚rein‘ ökonomischen Problemen, ist besagtes Konzept leider bisher gescheitert.