Fairphone 2 im Dauer-Test – unsere Erfahrungen nach einem 1 Jahr

Fairphone 2 Test
Foto:Fairphone unter CC-BY-NC-SA 2.0; utopia

Das Fairphone 2 ist ziemlich schwer und klotzig. Wir finden es im Test und nach 10 Monaten praktischer Erfahrungen trotzdem besser als Apple iPhone und Samsung Galaxy und sagen dir auch, warum.

Die farbigen Rückteile für das Fairphone 2
Einige farbige Rückteile für das Fairphone 2 (Foto: Utopia.de/A.Winterer)

Wir hatten und haben das Gerät nun über 1 Jahr lang im Einsatz und berichten dir in diesem Test von unseren Erfahrungen.

Der Lieferumfang ist simpel: Fairphone (international) und andere (Details im Beitrag Fairphone kaufen & bestellen) schicken das Smartphone normalerweise ohne Zubehör, Kopfhörer, Kabel oder Netzteil. Wir finden das konsequent, denn wenn man ehrlich zu sich ist, hat das jeder bereits mehrfach vorliegen.

Beim Rückteil hat der Kunde beim Bestellen die Wahl zwischen verschiedenen Farbtönen, zum Beispiel ein etwas billig wirkendes, leuchtendes Blau oder auch ein edleres, transparentes Blau (finden wir im Test am besten) oder natürlich Schwarz, aber auch grau-transparent und völlig transparent. Seit Anfang 2017 gibts auch neue Slim-Back-Cover in frischen Farben.

Für eilige Leser: das Fairphone 2 in Bildern

Fairphone 2 im Dauer-Test

Das Einsetzen von SIM- und Speicherkarten ist dank Anleitung kein Problem, das Fairphone 2 dann zusammen zu setzen schon eher. Der Kunststoffrahmen dient bei diesem Smartphone als „Bumper“-Schutzhülle und legt sich daher wie eine Art Gummidichtung um das Display, was aber erst nach etwas zerren und zupfen einwandfrei gelingt.

Im Test: Das Fairphone 2 steckt ab Werk in einem "Bumper", braucht also kein externe Schutzhülle.
Das Fairphone 2 steckt ab Werk in einem „Bumper“, braucht also keine externe Schutzhülle. (Foto: Utopia.de/A.Winterer)

Am Ende liegt das Fairphone 2 mit Abmessungen von 143 x 73 x 11 und 168 Gramm ziemlich wuchtig in der Hand. Das Display fällt mit 5 Zoll groß aus und bietet bei einer Auflösung von 1920×1080 Pixel mehr als viele Einstiegs- und Mittelklasse-Smartphones, selbst mehr als das iPhone 6. Der Touchscreen reagierte bei unserem Gerät butterweich, nur die Knöpfe auf der Gehäuseaußenseite haben aufgrund der Bauweise keinen besonders angenehmen Druckpunkt.

Auffallende Macke ist bei unserem Gerät im Test ein Flimmern des Displays bei gering eingestellter Helligkeit; allerdings ist hier wohl nicht das Display das Problem, sondern der Helligkeitssensor; es hilft, über „Einstellungen / Display“ die Option „Adaptive Helligkeit“ abzuschalten und zugleich nicht die geringste Helligkeitseinstellung zu wählen. Kleinere Probleme im Test: Die Stereo-Zuweisung beim Kopfhörer ist vertauscht und das Starten des Handys dauert ewig.

Ausstattung des zweiten Fairphone

Die Kamera knipst mit 8 MPixeln (1/3,2-Zoll-Sensor mit f2.2), das ist heute im Vergleich nicht mehr viel, aber völlig ok. Die Qualität geht gerade noch in Ordnung, die Bilder zeigen auch noch Details, sind letztlich aber eine der Schwächen des Gerätes. Die Frontkamera löst nur mit 2 MPixel auf, für Selfie-Fans ist das nur ausreichend. Einer der drei seitlichen Knöpfe ist mit der Kamera-Funktion verbunden und hierfür auch sinnvoll platziert. Bei der Kamera wird für 2017 ein besseres Kameramodul erwartet – lies dazu: Bessere Kamera, Android 6 für das FP2.

Fairphone 2 mit verschiedenen anderen Covern
Fairphone 2 mit verschiedenen anderen Covern (Foto © Fairphone unter CC BY-SA )

Als Prozessor wählte das niederländische Unternehmen diesmal einen Snapdragon 801 mit vier Kernen, der mit 2,26 GHz betrieben wird. Das ist ein gehobenes Chip-System, wie es zum Beispiel auch im Samsung Galaxy S5 verwendet wurde. Es sorgt für einige der besseren Features im Fairphone 2, neben Radioempfang, höherer Auflösung, besserer Spiele-Performance auch 4G-Datenverbindungen (LTE) und WiFi-Verbindungen mit IEEE 802.11 b/g/n/ac (also auch mit 5-GHz-Funknetzen) und Bluetooth 4.0 LE.

Handystrahlung? Beim FP2 schwer in Ordnung: Den SAR-Wert gibt das Fairphone mit 0,288 / 0,426 W/Kg (Kopf/Körper) an; zum Vergleich: das iPhone 6 liegt in seinen Modellen zwischen 0,91 und 0,97, das iPhone 7 strahlt noch mehr. Hier eine Bildstrecke mit Strahlung und SAR-Wert aktueller Top-Handys:

Das Fairphone 2 kann zwei Micro-SIM-Karten (1,2) und eine Micro-SD-Speicherkarte aufnehmen
Platz für zwei Micro-SIM-Karten eine Micro-SD-Speicherkarte (Foto © Fairphone unter CC BY-SA )

Mit 2 GByte Arbeitsspeicher und 32 GByte Speicher ist das Fairphone 2 vergleichsweise üppig ausgestattet, im Test ging uns nie der Speicher aus. Das Mehr an Speicher erhöht zwar den Preis, dient aber der Langlebigkeit, weil Speicherknappheit zuweilen als Argument für ein neues Gerät herhalten muss. Die Speichereinteilung zeigt keine Probleme, auch mit vielen installierten Apps kann man noch arbeiten. Mehr Speicher kann man in Form von SDHC-Karten ausrüsten.

Der Akku ist wechselbar und hat eine Kapazität von 2420 mAh. Das ist auf dem Papier nicht wenig, in der Praxis reicht es aber nur knapp 2 Tage, sofern man nicht die üblichen Energieschlucker (WLAN, Standort, Facebook/Whatsapp/etc.) deaktiviert. Der Akku darf als eine der Schwächen des FP2 gelten.

Android 5.1 und Fairphone Onion

Fairphone Update
Fairphone Update (Screenshot: Fairphone OS)

Als Betriebssystem setzt das Smartphone auf eine leicht modifizierte Version (ursprünglich „Fairphone Onion 1.0“, seit April „Fairphone OS“) von Android 5.1 Lollipop. Das ist nicht ganz aktuell, aber marktüblich. Fairphone versprach ein regelmässiges Fairphone Update für Android 5, seit April 2016 sind wie versprochen monatliche Updates erschienen, die wir im Test stets alle installiert haben und damit nie Probleme hatten. Ein kostenloses größeres Update auf Android 6 Marshmallow soll schon im ersten Halbjahr 2017 geben (Quelle).

An Wahl des Betriebssystems gibt es auch Kritik, denn das „Stock-Android“ ist inzwischen stark mit Google verknüpft und alles andere als „frei“. Leicht zu rooten ist es aber nicht, inzwischen gibt es aber hier Hilfe auf Englisch. Fairphone denkt laut darüber nach, alternative und freiere Betriebssysteme wie Sailfish OS oder Ubuntu OS für das Fairphone zu portieren; Ubuntu für FP2 gibt es bereits auf ubports.com (englisch) (Firefox OS wird hingegen nicht mehr weiterentwickelt). Noch ist das teils Zukunftsmusik, es hängt auch davon ab, ob die Community genügend Interesse entwickelt.

Das Fairphone 2 kann man ohne Google-Zugangsdaten in Betrieb nehmen, doch das ergibt wenig Sinn, weil vor allem Google-Apps vorinstalliert sind und sich diese auch nicht entfernen lassen. Interessante App-Extras sind der Datei-Manager Amaze und die App der Reparatur-Community iFixit. Auch informiert das FP2 regelmäßig über mögliche Privatsphäre-Probleme der genutzten Apps, allerdings ohne Möglichkeit, das im Nachhinein zu bearbeiten. Unser Rat: Zur Kenntnis nehmen, aber nichts sperren (lieber deinstallieren), sonst gibt es Probleme. Ein modifizierter App-Launcher wird sichtbar, wenn man von der Seite ins Display wischt. Unentbehrlich ist er nicht.

Das Fairphone 2 kann zwei SIM-Karten parallel bedienen, beide müssen als Micro-SIMs vorliegen. Dann aber kann man problemlos zum Beispiel der einen SIM-Karte Datendienste, der anderen SIM-Karte Telefondienste zuweisen. Störend fällt auf, dass die Benachrichtigungszeile rechts oben eine nicht eingelegte zweite SIM-Karte stets als fehlend anzeigt (durchgestrichenes Icon).

Fairness beim Fairphone 2

Das erste Fairphone ging 2013 an den Start. Im Rückblick muss man konstatieren, dass es nicht „das faire Smartphone“ war, das die Community erhofft hatte. Eine bittere Kritik zum ersten Gerät ist hier nachlesbar. Doch das allein Fairphone anzukreiden ist falsch: Alle sonstige Smartphones werden derart ohne jeden Gedanken an ethische und ökologische Produktion hergestellt, dass die etablierten Lieferstrukturen sich kaum dazu bewegen lassen, es anders zu machen. Vergleichsweise geringe Stückzahlen von einigen Zehntausend fairen Geräten in einem Markt von Milliarden unfairen Handys änderten daran wenig. Als Leistung des ersten Fairphones bleibt, das Thema ethischer Elektronikproduktion bekannter gemacht zu haben.

Wolfram-Abbau in Ruanda
Wolfram-Abbau in Ruanda (Foto: Fairphone (CC BY-NC-SA.)

Das zweite Fairphone ist im Vergleich beispielhaft darin, seine Produktion transparent zu machen. Das beginnt bei einer Aufstellung der Kosten (PDF, Blog) und endet nicht bei der Aufstellung der Zulieferer für das Fairphone 2 und der mit der Smartphone-Herstellung einhergehenden Probleme etwa bei Rohstoffen wie Zinn und Tantal, seit Anfang 2016 auch Gold (erhofft bald auch Wolfram), oder bei der Produktion.

So kommt der Preis zustande
So kommt der Preis zustande (© Fairphone unter CC BY-SA )

Perfekt ist das alles aber nicht. „Auch das Fairphone 2 hat noch Einiges zu bewältigen, bis es ein wirklich faires Gerät ist“, so Johanna Sydow, Referentin für Ressourcenpolitik und IT-Branche bei germanwatch.org, „aber es gibt derzeit nichts, was besser wäre“. Auch das Fairphone 2 ist eben nur etwas fairer, etwas umweltfreundlicher. „Man kann aber sehen, dass das Unternehmen seine Bemühungen wirklich ernst meint, auch gab es Verbesserungen vom ersten zum zweiten Modell“, so Sydow. Veränderungen in der Branche bräuchten Zeit und somit könne es derzeit noch nicht viel bewegen, aber „es bringt auf jeden Fall eine Bewusstseinsveränderung mit sich“. Ein ausführliches und lesenswertes Hintergrundpapier zum Fairphone 2 findest Du auf germanwatch.org (PDF).

Der modulare Aufbau des Fairphone

Das Fairphone 2 wagt ein neues, modulares Design: Das Gerät lässt sich ohne große Fachkenntnisse in (mit Rückschale und Akku) 7 Bauteile und 9 Schrauben zerlegen. Defekte Module lassen sich austauschen, im Shop erhält man derzeit die Ersatzteile Akku (ca. 20 Euro) und Display (ca,. 90 Euro).

Die Reparaturcommunity iFixIt hat die Reparierbarkeit des Fairphone mit 10 von 10 Punkten bewertet. Auch wir haben es ausprobiert und im Dauer-Test eigene Erfahrungen gesammelt: Das Display, häufigstes Bauteil mit Defekt, lässt sich ohne Werkzeug austauschen. Will man das Gerät wirklich in alle Einzelteile zerlegen, benötigt man einen Uhrmacher-Schraubenzieher, etwas handwerkliches Geschick – und den Mut, sein 500-Euro-Gerät tatsächlich auseinander zu nehmen. Sollte man nur machen, wenn es nötig ist, auch wenn es in unserem Fall einwandfrei klappte und das Fairphone 2 nach dem Zusammenbau wieder funktionierte. In einer Bilderstrecke zeigen wir, wie man das Fairphone 2 zerlegt:

Vergleich: Fairphone 2 vs. Shift 5.1

Shiftphones Shift 5 faires Smartphone
Wettbewerber: Shiftphones Shift (Foto: Shiftphones)

Das Fairphone 2 kostet 530 Euro, das Shiftphones Shift 5.1 im Vergleich 244 Euro. Wir hatten beide im Test und auch beide im dauerhaften Einsatz. Die Unterschiede sind technischer, äußerlicher und ideologischer Natur:

  • Das Fairphone 2 ist das technisch überlegene Gerät, mit mehr Speicher, schnellerem Prozessor, besserem Display; der modulare Aufbau ist wegweisend, macht es aber auch etwas klotzig. Im Test erwies sich das Fairphone 2 bei uns als stabiler und mit weniger Problemen behaftet als das Shift Phone.
  • Das Shift 5.1 ist allerdings das optisch und haptisch deutlich gelungenere Gerät, das besser in der Hand liegt und leichter ist.
  • Fairphone 2 ist weiter darin und hat mehr Erfahrungen, die Lieferketten seines Produktes im Sinne der Fairness unter Kontrolle zu bekommen und dies auch glaubwürdig zu kommunizieren. Shiftphones gelingt dies noch nicht so gut, doch es ist personell von hohem individuellen Engagement getrieben und setzt auf die Hilfe einer Community, um neue Geräte zu finanzieren und Hilfestellungen zu geben.
  • Gleiches gilt für die Recycelbarkeit. Fairphone hatte hierzu auf der MWC 2017 eine Studie (PDF) vorgelegt. Bei der kommt keineswegs heraus, dass die Modularität ausnahmslos punktet, sie wirft vielmehr viele weitere Fragen auf und zeigt auch, dass sich diese Branche dem Thema bislang noch kaum gewidmet hat – auch hier ist Fairphone Vorreiter.

Wie also entscheiden? Wenn man die Geräte nicht einfach gegeneinander ausspielen möchte, weil ja beide erhofft der besseren Sache dienen, dann sollte man nach seinen Möglichkeiten agieren. Wer sich’s leisten kann, nimmt das Fairphone 2, Menschen mit knapperem Budget sollten wenigstens zum Shift 5.1 greifen statt zu irgendeinem Noname.

Weiterhin bleibt ein Gebraucht-Handy die beste Wahl in Sachen Nachhaltigkeit. Allein für das Gold eines einzigen Smartphones werden nach Schätzungen etwa 100 Kilogramm Abraum bewegt – jedes Smartphone, das gar nicht erst gebaut wird, ist das beste.

Warum es im Test besser gefällt als Apple iPhone und Samsung Galaxy

Einen Test, der das FP2 rein technisch mit anderen Geräten vergleicht, halten wir nicht für sinnvoll. Uns gefällt das Fairphone 2 natürlich vor allem wegen der Nachhaltigkeit: Apple, Samsung und die anderen Hersteller kümmern sich nach wie vor so gut wir gar nicht um Umweltschutz und Fairness.

Das spiegelt sich zum Beispiel im Rank-A-Brand-Ranking Elektronik, wo das Fairphone ein „B“ erhält, Apple nur ein „C“ und Samsung gar nur ein „D“. Der Misstand ist umso größer, als gerade die großen Elektronik-Unternehmen Geld und Macht hätten, die Elektronikbranche fairer zu machen, wie es etwa MakeITFair fordert. Apple positioniert sich gar als Luxusmarke und schert sich nicht um den Ruf eines Sklaventreibers.

Würde man das Fairphone 2 an den Standards des (teuer zu bezahlenden) Elektronik-Siegels TCO messen, würde es laut einer Studie (Südwind, CIR, SOMO) 20 von 34 Kriterien erfüllen (das einzige jemals TCO-zertifizierte Smartphone Samsung Galaxy S4 erfüllt demnach nur 7 davon über industrieüblichen Standards).

Aber es gibt noch weitere Gründe:

  • Ob Apple iPhone 6 oder Samsung Galaxy S6: Beide haben fest verbaute Akkus. Wird der schwach, ist das Gerät ein Fall für die Reparatur. Explodiert er gar, wie bei Samsung, müssen Millionen von Geräten zurückgerufen werden. Beim Fairphone 2 reicht es, für etwa 20 Euro einen Ersatzakku zu erwerben und das Gerät ist wie neu.
  • Apple- und Samsung-Geräte lassen sich nur schwer reparieren. Egal, was kaputt geht: Ohne teure Reparaturdienste geht wenig. Das Fairphone 2 hingegen läßt sich tatsächlich in vielen Fällen reparieren, ein Displaywechsel ist sogar ohne Werkzeug möglich.
  • Du hast viele MP3s und willst diese auch hören? Weder Apple iPhone noch das aktuelle Samsung Galaxy S6 erlauben es, den Speicher zu erweitern. Beim Fairphone 2 geht das ganz einfach mit einer MicroSD-Karte (64 GByte kosten etwa 20 Euro).
  • Apple und Samsung belästigen ihre Benutzer mit vorinstallierten und auch nicht entfernbaren Apps, die keiner braucht und die nur Platz verschwenden. Beim Fairphone 2 sind es wirklich nur die Google-Apps, Amaze und iFixIt, wobei man letztere als Teil des Konzepts verstehen kann. Der Rest vom Speicherplatz ist wirklich deiner. Das gefällt uns.
  • Ja, die „Bumper“-Schutzhülle macht das FP2 dick und läßt es auch ein bisschen retro wirken. Aber: Dafür brauchst Du keine zusätzliche Hülle aus verdächtig riechendem Plastik. Und: Inzwischen gibt es 4 neue, bunte, schlankere Back Covers, lies dazu: Back Cover für das Fairphone in 4 neuen Farben.

Und nicht zuletzt: Apple und Samsung bringen ständig neue Modelle heraus, die uns dazu bringen sollen, auch diese zu kaufen. Das Fairphone 2 ist so gemacht, dass es uns länger glücklich macht.

Hi-P in Suhou, China, produziert das Fairphone 2.
Hi-P in Suhou, China, produziert das Fairphone 2. (Foto © Fairphone unter CC BY-SA )

Fazit: das Fairphone 2 ist teuer, aber sinnvoll

Unserer Erfahrung nach ist das Fairphone 2 nicht das ideale Smartphone. Das Wagnis, ein modulares und besser reparierbares Handy zu bauen, bezahlt Fairphone mit dem Preis, ein ziemlich klotziges und schweres Gerät entwickelt zu haben. Im Test erweist es sich als dick, nicht besonders schön und es liegt auch nicht gut in der Hand. Diese Kröte muss man schlucken. Technisch bekommt man dafür dann ein zeitgemäß gut bis sehr gut ausgestattetes Smartphone mit passabler Kamera und viel Platz sowie der Gewissheit, mit dem Kauf einen Beitrag für eine ethischere Entwicklung der Elektronikbranche geleistet zu haben. Es ist ein Statement-Telefon.

Das durch den Namen gegebene „faire“ Element, das für Medien (auch für uns) wichtig ist, scheint in der Kommunikation etwas in den Hintergrund getreten zu sein zugunsten der Langlebigkeit, deren Versprechen auf dem modularen Aufbau und der Reparierbarkeit beruht. Betrachtet man, wie Fairphone sich selbst auf seiner Website und auf dem Handy darstellt, so ist das Smartphone für das Unternehmen aber nur ein Schritt – auf dem richtigen Weg hin zu einer generell nachhaltigeren Herstellung von Elektronik-Produkten.

Dauertest: Über 1 Jahr Erfahrungen mit dem Fairphone 2

[UPDATE, Januar 2017] Die Erfahrungen, die wir in nunmehr mehr als einem Jahr mit dem Fairphone 2 gemacht haben, sind positiv.

Positive Erfahrungen:

  • Das Fairphone 2 ist schnell und zuverlässig. Ja, es zeigte im Dauer-Test durchaus auch mal Mucken; aber nicht schlimmer als andere Android-Smartphones auch. Selbst namhafte Hersteller bringen ja mal explodierende Handys auf den Markt …
  • Fairphone-OS-Updates kommen monatlich und haben zu einer Verbesserung des fairen Handys geführt. Wir freuen uns auf das Android-6-Update in den „nächsten Monaten“ (Quelle).
  • Das Fairphone 2 wurde inzwischen mit dem Umweltsiegel Blauer Engel ausgezeichnet und erhielt den Deutschen Umweltpreis 2016.
  • Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und das Fraunhofer-Institut IZM veröffentlichten im Auftrag der Telekom Deutschland gemeinsam eine Studie zur Nachhaltigkeit des neuen Fairphone 2. Ergebnis: Das Fairphone ist einzigartig nachhaltig, der modulare Aufbau bahnbrechend.
  • Immer mehr Anbieter verkaufen es, auch mit Vertrag ist es zu haben, siehe Fairphone 2 bestellen.
  • Wer will, kann eine Google-freie Version installieren. (Infos hier. Haben wir nicht ausprobiert.)
Fairphone 2: Kamera nur mau

Negative Erfahrungen:

  • Der Akku ist etwas schwach auf der Brust. Für einen Tag reicht es, aber eben selten mehr. Es hilft (sehr gut sogar), den Energiesparmodus zu benutzen (was aber einige Nachteile hat) oder (etwa für Geschäftsreisende) im Fairphone-Shop einen Zusatzakku zu erwerben.
  • Die Cam würde man sich besser wünschen. Sie ist nicht schlechter als bei 200-Euro-Smartphones, aber eben nicht so gut, wie man sich zu diesem Preis wünschen kann. Hier ist Hilfe in Sicht: Fairphone 2 plant definitiv ein neues Kameramodul. In einem Interview mit Futurezone hieß es:

Das erste zusätzliche Modul, das wir herausbringen, wird ein Kamera-Modul sein.“ (Bas van Abel, 28.11.)

Beachtet bitte auch die Bilderstrecken: Das Fairphone 2 in Bildern und So zerlegt man das Fairphone 2.

Fairphone 3

Wann kommt das Fairphone 3? Diese Frage stellen sich im Internet bereits einige, doch als seriöse Antwort gibt es derzeit nur eine: Es wäre Unsinn, sich auch beim diesem Gerät auf ständige Produktneuerungen einzustellen, denn das würde Zielen wie der angestrebten Langlebigkeit von Geräten widersprechen.

Auf der anderen Seite dreht sich das Rad technischer Entwicklungen weiter, Kunden wünschen sich bestimmte Funktionen und das Modell 2 hat eben auch einige Schwächen. Wenn Fairphone als eine Bewegung für fairere Elektronik erfolgreich sein will, müssen auch die Geräte erfolgreich sein – und dazu gehört auch Fairphone 3.

Wir rechnen frühestens Ende 2017 mit einem Fairphone 3, eher 2018. Details im Beitrag Wann kommt das Fairphone 3?

Fairphone kaufen:

Ohne Vertrag:

Mit Vertrag:

Welche Erfahrungen habt ihr mit eurem Fairphone 1 oder 2 gemacht? Berichtet uns in den Kommentaren davon!

Mehr zum Fairphone und zu anderen Themen auf Utopia.de:

Hier noch ein Video von Fairphone:

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(60) Kommentare

  1. Hallo,
    unterm strich wird das fairphone im Netz ja nicht schlecht bewertet. Aus diesem Grund habe ich mich vor über 15 Monaten auch für eines entschieden. Besonders der leichte display Wechsel und das ich mir ein neues Akku kaufen und einfach einsetzen konnte (wie früher;-)) gefiel mir. Ich habe keine Ahnung von techn. Daten und bin dahingehend leihe, ich kann nur sagen ich würde es mir nicht nochmal holen. Die Kamera ist eine Katastrophe (bin HTC verwöhnt gewesen) im Dämmerlicht bekommt man keine vernünftigen Fotos hin. Ich habe viele Tiere und habe bisher gerne daheim und unterwegs mal einen Schnappschuss gemacht, die Qualitätsansprüche musste ich nun ganz schön runterschrauben. Der Akku hält nicht lange, Telefonate brechen weg und der upload von Fotos o. Videos dauert ewig. Ich habe nicht den Anbieter gewechselt, nur das Handy. Manchmal kann ich auch Fotos o. Videos nach zig versuchen gar nicht hochladen. Die aktivierte lautsprecher funktion während eines telefonates ist nur minimal lauter als deaktiviert. Seit 6 Wochen habe ich nun das Problem, das mich der gesprächspartner überhaupt nicht mehr hört. Ich kann also nur noch über die Freisprecheinrichtung im auto telefonieren. Ansonsten Festnetztelefon finden und zurückrufen. Etwas später begann dann das ladeproblem, sprich ich kann mein handy kaum noch aufladen, zig kabel probiert, aber daran liegts nicht. Da ich ehrenamtlich verwaiste Wildtiere aufziehen, und dann stellenweise nicht erreichbar bin ist das für die tierkinder eine Katastrophe, da geht es manchmal einfach um Stunden. Der service via E-Mail ist freundlich, wir wussten schnell wo das Problem liegt, ich benötige ein neues bottom Modul, nur ist das leider nicht lieferbar. Kein Mensch weiss wann es wieder lieferbar ist und so warte ich weiter. Fairphone 2? Einmal und nie wieder!

    • Nach Auskunft von Fairphone, diesen Monat, ich stelle auf Wireless Laden um. Dann dürfte das Problem behoben sein. Ich frage mich nur, ab nur fairphone bei dieser Laderbuchse das Problem hat? Vieleicht dauert es so lange, weil sie die Konstruktion ändern um das Problem zu beheben. Aber das sieht man nicht.

      • Immer noch Nicht lieferbarund kein Mensch bei fairphone kann mir sagen wann. Warte seit Anfang Februar….

  2. Leider eine einzige Enttäuschung. Nachdem ich das Fairphone II gerade mal einen Tag in Betrieb hatte ging gar nix mehr. Einen echten Support haben die Niederländer leider auch nicht, daher wohl oder übel neues unfaires Smartphone gekauft. In Foren darauf gestoßen das es sich bei meinem Problem um keinen Einzelfall handelt. Für mich ist das Abzocke und aus Umweltgesichtspunkten, wohl zumindest mein Fairphone, mit der schlechtesten Umweltbilanz.

  3. Das FP2 ist ein weitgehend nicht funktionierendes Smartphone. Ich besitze es seit Februar 2016. Seitdem gibt es jeden Monat ein substantielles Update. Die Dysfunktionalität hat verschiedene Wirkungen:
    1. Man kann nicht zuverlässig telefonieren. Problem: Nach 45-80 Sekunden hört der FP2-Nutzer den Angerufenen nicht mehr oder umgekehrt. Das gilt für 80% der Telefongespräche.
    2. Das GPS ist extrem langsam.
    3. Der Näherungssensor reagiert falsch. Man darf beim Telefonieren den Screen nicht berühren, da man ansonsten alles Mögliche an Aktionen ausführt.
    4. Das erste SlimCase war nach einem Jahr kaput. Die das Display umschließende Gummierung riss vom harten Kunststoff ab. Ich habe im März 2017 ein neues gekauft (40 EUR inklusive Lieferung). Es ist substantiell anders aufgebaut. Bei diesem neuen Modell der Abdeckung sind jedoch schon beim Auspacken die Abdeckungen der Knöpfe locker und aus ihren Verankerungen herausgerissen.
    5. Der Akku bzw. der Stromverbrauch ist indiskutabel.
    6. Die USB-Steckverbindung ist nach einem Jahr so locker, dass das Kabel bei geringstem Zug herausspringt. Es ist zu vermuten, dass dieses Modul bald für teures Geld (inklusive Lieferung) neu gekauft werden muss.
    7. Die Modularität ist der Ressourcen schonende Gewinn der Konzeption des FP2, aber man muss die Module auch wechseln, weil sie schnell kaputt gehen.
    8. Der Screen. Der Helligkeitssensor funktionierte lange so gut wie gar nicht, das führte zum Falckern. Das Problem besteht weiterhin, aber es ist sehr selten geworden. Aber der Sreen friert ständig ein: dann muss man ihn kurz ausschalten und wieder einschalten, dann wird er für Tastenklicks wieder sensitiv.
    9. Bei Jedem Update werden manche Dinge bessser, andere wieder schlechter. Das pendelt hin und her. Was bleibt, ist: Mal mehr, mal weniger rebootet das FP2 ständig. Vornehmlich bei der Navigation im Autobahnkreuz, dann wenn man es wirklich braucht. Neben vielen Ursachen gibt es eine hervorstechende: Die Sim-Karten-Slots sind pipperig, sie leiern aus und binden die SIM-Karte nicht zuverlässig an die Kontakte. Wenn man eine Folie zum Herandrücken der SIM-Karte in den Slot friemelt, wird es besser. Man sollte das FP2 aber immer sehr vorsichtig ablegen, sonst startet es.
    10. Der Start dauert ewig.
    … es muss gekürzt werden …

    Insgesamt ist das FP2 bestenfalls ein Alpha-Produkt und man sollte Spaß an Problemen haben und sich daran freuen im Netz an Workarounds zu suchen. Es wird vieler Genereation bedürfen bis das FP?? …

    • 1. 2. 3. 4. 6. 9. kann ich so einfach nicht bestätigen bzw. habe diese Probleme einfach nicht.

      8. Das Flackern kann verschiedene Ursachen haben, bis hin zum Schmutz, als Workaround hilft, die automatische Helligkeitsanpassung abzuschalten, denn die läßt es flackern.

      Zu 5. Akku ist definitiv eine Schwäche, ja.

      Zu 9. Das liest man immer wieder, aber auch hier hatte ich das Problem nie, ganz anders als bei Smartphones von Sony und Samsung, wo ich eben dieses Problem schon hatte (extreme Erwärmung, Akku in Minuten leer, Reboots). Ich halte es eher für ein Android-Problem.

      Zu 10. Ja, der Start dauert gefühlt ewig und unerklärlich lang.

      Ganz ehrlich, bei Deiner Anzahl von Beschwerden wäre es wohl klüger gewesen, möglichst früh ein Ersatzgerät zu fordern, denn das ist einfach *nicht* normal.

      • Sie müssen die Punkte ja auch gar nicht bestätigen. Und nur, weil Sie die Probleme nicht hatten, bedeutet es nicht, dass hans diese Probleme nicht hatte.

        Ich habe selber sehr schlechte Erfahrungen mit dem Fairphone2 gemacht. Die beschriebenen Probleme kenne ich auch aus Erfahrung. Ich hab seit Januar 2016 ein Fairphone2 und seitdem sind drei Cover bei normaler Hosentaschennutzung verschlisssen, der Näherungssensor fällt ständig aus, das GPS funktioniert sehr langsam, Datenverbindung und -übertragung ist sehr langsam, durch Überhitzung ist ein Display letzten Sommer ausgefallen und musste ersetzt werden. Das neue Slimcover führt bei einigen Nutzern zu ständigen abstürzen des Handys.
        Derzeitig liegt mein FP2 unbrauchbar in der Schublade, da das Display erneut defekt ist und neue Display-Module bis auf weiteres nicht lieferbar sind.

        Das war ein teures High-Tech-Vergnügen. Rückblickend hätte ich mein altes Handy behalten und das Geld spenden sollen. Das wäre zumindest ein ordentlicher Betrag gewesen, der auch noch steuerlich absetzbar gewesen wäre.

        Dem obigen Artikel kann ich nicht zustimmen!

  4. Kommentar zum Test auf dieser Seite: Der Test ist komplett unseriös und beruht garantiert nicht auf einer echten Nutzung des Gerätes. Jedenfalls lässt sich meine echte Nutzererfahrung mit wenigen Details vereinbaren. Der Test ist fakenews oder Werbung.

    • Es ist verständlich, dass jemand, der mit seinem Gerät Probleme hat, seinen Dampf dort abläßt, wo das eben möglich ist. Viel klüger wäre aber doch, den Dampf beim Hersteller abzulassen, denn der kann vielleicht helfen oder das Feedback (wenn es argumentativ etwas inhaltsstärker ist als „Der Test ist fakenews oder Werbung“) in die Produktentwicklung einfließen lassen.

      • Mein persönlicher Produkttest fällt auch ganz anders aus, als der obrige.
        Schön Andreas Winterer, dass Sie so voller guter Ratschläge sind. Dennoch erfüllt das FP2 die Erwartungen einiger Kunden nicht. Auch, wenn Ihnen das nicht zu gefallen scheint.

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