Zeit Online: „Aufs Fliegen zu verzichten, rettet die Welt nicht“ – 3 Gründe, warum das nicht stimmt

Fotos: golubovy - Fotolia.de und CC0 Public Domain / Pixabay

Ob wir Fliegen oder nicht, hat kaum einen Einfluss auf den Klimawandel. Das zumindest meint der Autor eines aktuellen Texts bei Zeit Online. Wir erklären, warum das nicht stimmt.  

Das Flugzeug ist das mit Abstand umweltschädlichste Verkehrsmittel: Es verursacht ohrenbetäubenden Lärm, Flughäfen nehmen enorm große Landflächen ein und beim Fliegen wird tonnenweise Kerosin verbrannt. Dabei wird nicht nur klimaschädliches CO2 freigesetzt: Es entstehen weitere Substanzen, wie Stickoxide, Aerosole und Wasserdampf, die zur Erderwärmung beitragen – besonders,  weil sie in der Luft noch stärker wirken als am Boden.

Fliegen ist also eine enorme Belastung für die Umwelt und vor allem fürs Klima. Wer darauf verzichtet, rettet die Welt – nicht. Das zumindest behauptet der Autor Niels Boeing in einem aktuellen Text bei Zeit Online. Weil es verantwortungslos ist, wenn ein Leitmedium eines der klimaschädlichsten Transportmittel so verharmlost, halten wir dagegen.

Hier der Post von Zeit Online auf Twitter: 

1. Weniger Fliegen macht einen Unterschied

Im Artikel schreibt Boeing: „Der Schluss liegt da nahe: Fliegen ist Wahnsinn. Doch ich halte diesen Schluss für falsch. Ich behaupte sogar, dass sich die Debatte auf dem Holzweg befindet, wenn sie die Verantwortung für den Klimawandel beim Individuum ablädt.“ Stattdessen brauche es politische Entscheidungen.

Auch wir sind der Meinung, dass die Politik etwas tun muss. Fluggesellschaften etwa profitieren von Steuervorteilen und Subventionen. Diese müssten abgeschafft werden, damit Fliegen nicht billiger ist als Bahnfahren – und die Menschen zumindest auf unnötige Flüge verzichten.

Den Einzelnen damit aus der Verantwortung zu nehmen, ist aber auch nicht die Lösung. Denn anders als Boeing behauptet, macht es sehr wohl einen Unterschied, ob man weniger fliegt. Wer etwa weniger fliegt und darüber spricht, sorgt dafür, dass sich gesellschaftliche Normen verschieben. Aktuelle Studien zeigen das. So können wir die Politik unter Druck setzen – und schließlich zum Handeln bewegen.

2. Je weniger Menschen fliegen, desto weniger Emissionen werden ausgestoßen

In seinem Text argumentiert Boeing: Der Flugverkehr sei 2014 gerade mal für zwei Prozent der Treibhausgas-Emissionen weltweit verantwortlich gewesen. Andere Quellen sprechen von bis zu fünf Prozent. Das klingt nach wenig, seine Schlussfolgerung lautet deshalb: Fliegen ist ja gar nicht so schlimm fürs Klima.

Was Boeing dabei außen vor lässt: Für diese zwei Prozent (im Jahr 2016) sind gerade mal drei Prozent der Menschheit verantwortlich (im Jahr 2017). Doch es werden mehr: Allein 2017 haben die Fluggesellschaften einen Anstieg an Passagieren von 7,1 Prozent gegenüber 2016 festgestellt. Laut der Internationalen Organisation für zivile Luftfahrt (Icao) ist der wachsende Markt der Billigfluggesellschaften dafür verantwortlich: Diese beförderten 1,2 Milliarden Passagiere und waren damit für knapp 30 Prozent des zivilen Luftverkehrs verantwortlich.

Fast 40 Prozent der weltweiten Passagiere waren 2017 übrigens Europäer. Was wenn nun auch die Menschen Indiens, Afrikas und China so viel fliegen wollen wie der durchschnittliche Europäer? Denn auch das passiert.

3. Wir müssen die Gesamtemissionen senken

Der Flugverkehr ist nicht Klimakiller Nr. 1, argumentiert Boeing. Viel schlimmer sei die fossile Stromerzeugung. Auch wenn das richtig ist, hinkt die Argumentation: Denn nur, weil es schädlicher für das Klima ist, Strom aus fossilen Energieträgern zu erzeugen, wird das Fliegen ja nicht weniger schädlich – sondern nur im Vergleich.

Sinnvoll wäre es doch, wenn wir bei beidem reduzieren würden. Denn die Klimakrise können wir nur dann lösen, wenn alle Sektoren ihre Emissionen senken – egal wie viel sie zu den Gesamtemissionen beitragen. Und wir alle können etwas tun: 15 Tipps gegen den Klimawandel, die jeder kann

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(7) Kommentare

  1. Ist es Feigheit oder eigentlich Gleichgültigkeit, wenn man für sein Handeln keine Verantwortung übernehmen will und stattdessen die Politik, die/den Chef*in oder Mutter/Vater vorschiebt?

  2. Wahrscheinlich beides und ich meine da gibts noch mehr: Selbstbetrug gepaart mit der Unfähigkeit die Auswirkungen des eigenen Handelns auch nur ansatzweise zu begreifen, sowie Desinteresse für das allgemeine Wohlergehen durch die gesellschaftlich angestrebte Arroganz eines Raubtierkapitalismus.
    Achso, da wäre noch die Ignoranz und Dummheit unserer Party- und Unterhaltungsgesellschaft in der die Menschen jegliche persönliche und gesellschaftliche Verantwortung abgegeben haben.
    Hab ich noch was vorgegessen? Ich bin mir sicher es gibt noch mehr 😉

  3. Natürlich macht es einen Unterschied, schon für einen selbst – die Frage ist da meistens, wie groß soll der eigene Unterschied quasi sein und gäbe es noch effektivere Alternativen? Wobei ich mich da ohnehin selten angesprochen fühle, bin in meinem Leben auch nur ein halbes Dutzend Mal in einem Flieger gewesen. Zugreisen erscheinen mir einfach entspannender und entschleunigender.

  4. Es ist so einfach mit dem Strom zu schwimmen.

    So lange der Strom in Richtung Energieverschwendung, Umweltbelastung, Ausbeutung der Erde und Ressourcenverschwendung fließ, ist es nicht verwunderlich, dass Alle die sich an Bequemlichkeit gewöhnt haben, da einfach mitschwimmen.

    Nun da es gerade eine Trendwende einsetzt, versuchen natürlich viele, die sich an den Komfort auf Kosten der Umwelt gewöhnt haben, das Thema herunterzuspielen, Gegenargumente hervorzukramen und Theorien zu erfinden, die ihr Verhalten entschuldigen und/oder befürworten.

    Natürlich ist es ernüchternd, wenn sich herausstellt, dass ein Großteil der modernen Technologie zwar hilfreich für die Wirtschaft und komfortabel, aber schädlich und zerstörerisch für die Umwelt ist.

    Die Herausforderung an die Technologen der heutigen Zeit ist eindeutig.

    Sie haben die Aufgabe die Energie die sie bisher in die Weiterentwicklung ressourcenverschwendender Technologien gesteckt haben, in alternative, regenerierbare Projekte zu lenken.

    Auf die Ergebnissen dürfen wir Alle gespannt sein.

    Die Intelligenz der Menschheit sollte ausreichen, Mittel und Wege zu finden um das zu schaffen. Vermutlich braucht es dazu ein neues Denken.

    Das es so wie bisher nicht weiter gehen darf, weil es ohnehin auf die Dauer so nicht weiter gehen kann, sollte inzwischen Allen klar sein.

    Die konsequente Entwicklung in Richtung Vernunft ist ganz sicher ein sehr erfreuliches Ereignis.

  5. Heißt der Autor wirklich „Boeing“? Das ist ja lustig … passt zur Argumentation.
    Wie immer ist es aber letztlich der Verbraucher, der den Markt lenkt. Es hilft nichts, große Unternehmen wie Nestlé, Bayer/Monsanto oder auch Billigfluglinien zu verunglimpfen, wenn wir sie durch unsere Kaufentscheidungen mitfinanzieren. Was das touristische Fliegen betrifft, habe ich den Eindruck, dass sehr viele Menschen durch Werteverlust und materialistische Erziehung sich selbst verloren haben und unbewusst glauben, sie könnten durch dauerndes Herumreisen „irgendwo“ sich finden. Dabei sind Reisen in unser Inneres, die Beschäftigung mit spirituellen Werten, das Pflegen von Beziehungen zu Verwandten und Freunden m.E. wesentlich befriedigender, ohne die Lebenserhaltungssysteme der Erde zu belasten. Ich habe jedenfalls definitiv entschieden, nicht mehr zu fliegen. Das schränkt zwar meine Möglichkeiten ein, aber es erlaubt mir auch, kreativ zu sein und das Weniger zu würdigen.

  6. Ja, bleibt zu hoffen dass die Menschheit die Kurve kriegt und wirklich mal Vernunft vor Profitstreben und albernen Machtspielchen setzt, sonst verlieren wir am Ende alle.
    Genau, die Zeit ist reif für ein neues Denken – hätte ich nicht besser formulieren können! (um auch mal mit dem Strom zu schwimmen… haha)
    Der Wissensstand war noch nie so hoch wie heute, alle sind vernetzt und die Masse fordert schon lange eine gerechtere Welt. Es gibt viele nahezu saubere Technologien die uns eine lebenswerte, fortschrittliche Zukunft ermöglichen würden. Es fehlt einzig an Konsequenz, mangels der Einsicht dass „reich“ zu sein nichts mit Geld zu tun hat und viel Geld und Luxusgüter anzuhäufen eine Beraubung der Gesellschaft und Natur darstellt.

    Vielleicht ist es auch noch ein weiter Weg, aber für den Moment hoffe ich, dass die Leute sich nicht mehr von den Falschen beeinflussen lassen, mündige Konsumenten werden die kritischer hinterfragen, Konzerne endlich ihre Verantwortung ernst nehmen und nicht noch extra Fakenews streuen, während sie in Wirklichkeit darauf bauen, dass die Pole abschmelzen und sie noch schnell die letzten Rohstoffe plündern können, bevor die Erde ein unbewohnbarer, toter Klumpen wird…

    Ja, ich kenne auch so manche, die viel fliegen. Ich weis ja auch nicht… gerade jetzt nachdem eigentlich allen klar sein sollte, dass man es besser sein lässt tun sie es trotzdem weiter… Realitätsflucht?
    Das heißt also, wir dürfen nicht aufhören den Finger in die Wunde zu drücken und auf die Misstände hinzuweisen und ein gutes Beispiel zu sein, wie man sein Leben auch anders gestalten kann 😉

  7. Du meine Güte, was ist das denn für ein Artikel in der „Zeit“?
    Da hat Herr Boeing aber versucht alles reinzupacken was ihm so eingefallen ist, noch mit ein paar Zahlen um sich geworfen, um dann zu dem Fazit zu kommen, dass es doch engstirnig wäre in einer Welt, in der nicht dauernd herumgeflogen wird?

    Mal abgesehen von seiner eigenen Engstirnigkeit, die sich offenbar nicht vorstellen kann, dass Weltoffenheit nichts mit Flugzeugen zu tun hat, hat er nicht nur Levitation mit Fliegen verwechselt, er hat auch noch mal schnell die christlichen Dämonen genauso in diesem Artikel verwurstet wie die Hexen, deren Flug mehr mit Fliegenpilzen als mit Besen zu tun hat. Aber diese Kleinigkeiten sind ihm offenbar entgangen bei seiner Recherche.
    Ikarus hat er in seinem Artikel „vergessen“ zu erwähnen … vielleicht, weil der abgestürzt ist? Solche Assoziationen wollte Herr Boeing wohl lieber nicht aufkommen lassen… ?
    Dieser ausgelutschte Spruch: „Der Traum der Menschheit vom Fliegen“ … ich kenne einschließlich mir selbst niemanden, der/die unbedingt fliegen will oder davon träumt hier und da herumzuflattern.
    Fazit: Ich zumindest gehöre dann ja schon mal nicht zur Menschheit …

    Vielleicht fühlte sich Herr Boeing aber einfach wegen der Namensgleichheit mit dem bekannten Flugzeughersteller dazu berufen, die Luftfahrt zu retten vor Menschen, die bewusster leben wollen und die eins und eins zusammenzählen?
    Oder vielleicht ist’s ja auch die Verwandtschaft mit den Boeings, die ihm diesen Artikel abpresste? Da er doch extra die Flüge zur Verwandtschaft erwähnte in seinem indirekten Aufruf, doch bitte immer schön weiter sinnlos in der Welt herumzufliegen… nicht dass die Boeing Company womöglich noch geschädigt wird durch solche absurden Ideen, wie nicht oder weniger zu fliegen.

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