CO2-Kompensation: Warum du nicht mehr ohne fliegen solltest

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Reisen und vor allem Fliegen produziert Treibhausgase und CO2-Emissionen, die dem Klima schaden – eine CO2-Kompensation kann dir helfen, deinen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Der CO2-Ausgleich ist weder schwer noch teuer.

Übers Wochenende nach Mallorca jetten? Zum Shopping-Wochenende nach New York fliegen? Fürs Konzert schnell nach Berlin?

Die meisten Menschen haben längst ein Gefühl dafür, dass solche Vergnügen aus Umweltsicht problematisch sind. Wer sich mal bewusst machen will, wie viel derzeit geflogen wird, wirft dazu einen Blick auf flightradar24.com.

Es wird viel geflogen und wenig co2-kompensiert
Es wird viel geflogen (und wenig co2-kompensiert) (Screenshot flightradar24.com)

Aber wegen Treibhausgasen auf den wohlverdienten Urlaub verzichten? Das will kaum jemand. Und das ist ja auch verständlich.

Es gibt zwei Wege, den Schaden in Grenzen zu halten:

  • Klüger Urlaub machen.
    Wir können gar nicht oder wenigstens seltener fliegen, Urlaub in der Nähe machen oder mit Bus und Bahn verreisen, die beide deutlich weniger CO2 produzieren als das Flugzeug. Seltener fliegen bedeutet auch, längere Zeit am Urlaubsziel zu bleiben statt mehrere Kurzurlaube anzutreten.
  • Beim Reisen CO2 ausgleichen.
    Hierbei berechnet man, welche Menge von CO2-Emissionen freigesetzt wird und kauft Ausgleichszertifikate, die bestätigen, dass andernorts durch Klimaschutzprojekte die gleiche Menge CO2 gebunden wurde. Diese CO2-Kompensation gleich die eigenen Emissionen aus.

Klar muß sein: Gar nicht fliegen ist besser als fliegen & kompensieren. Aber zu fliegen ohne zu kompensieren ist eben am schlechtesten.

CO2-Emissionen kann man berechnen

Ein Blick auf die CO2-Werte hilft, die Dimension des Problems zu erkennen: So verursachte jeder EU-Bürger pro Jahr im Durchschnitt etwa 9 Tonnen CO2-Äquivalent-Emissionen, die Deutschen liegen mit 11,5 Tonnen über dem Durchschnitt (Quelle: UBA).

Reisen fällt dabei besonders ins Gewicht. Eine Person im Reisebus produziert 32 Gramm CO2 pro Kilometer, im Flugzeug 211 Gramm (Quelle: UBA). Bei 1600 Kilometer Flugreise nach Mallorca fallen samt Rückflug 0,7 Tonnen CO2 an, bei einem Flug nach Australien schon über 12 Tonnen.

Fliegen ist von allen Reisearten das mit den größten CO2-Emissionen
Fliegen ist von allen Reisearten das mit den größten CO2-Emissionen (Infografik: Utopia)

Zugleich wollen wir als Menschheit weltweit die CO2-Emissionen auf ein Niveau reduzieren, das den Treibhauseffekt begrenzt. Rechnet man die erlaubte Gesamtmenge auf den einzelnen Menschen um, erhält jeder von uns ein „klimaverträgliches Budget“. Und das schätzt man auf nur 2,3 Tonnen CO2.

Kurzum: Wir leben weit über unser Budget, und ein einziger Urlaubsflug frisst schon das Budget eines Dritteljahres auf.

CO2-Kompensation: Ablasshandel oder sinnvoll?

Wer reist, sollte deswegen mit möglichst geringen CO2-Emissionen reisen – oder den Klimagas-Ausstoss wenigstens kompensieren. Und das geht ganz einfach, denn aus der Klimaneutralisierung bzw. CO2-Kompensation ist inzwischen ein Geschäftsmodell geworden.

Und das geht so: Man meldet sich bei den entsprechenden Seiten an und gibt an, was für eine Art von Flugreise man plant. Die Rechner ermitteln den CO2-Ausstoss und den Preis, der bezahlt werden muss, um diese Emission zu neutralisieren. Wer den Preis zahlt, hat die fragliche Kohlendioxid-Emission neutralisiert. Fertig ist der CO2-Ausgleich.

Die Idee ist, dass am Ende das Gesamtsystem klimaneutral(er) arbeitet. Das Geld wird bei Klimaschutzprojekten eingesetzt, um Treibhausgase zu binden. Man pflanzt zum Beispiel Bäume oder nässt trockengelegte Moore neu ein, denn diese binden CO2. Auch gib es Projekte, die den Ausbau erneuerbarer Energien in Asien, Afrika und Lateinamerika fördern und so Emissionen verhindern.

CO2-Ausgleich: Was kostet er, wer macht es?

Die Erde erwärmt sich, Pole schmelzen und Meeresspiegel steigen, Wetterphänomene fallen heftiger aus als gewohnt und erzeugen hier Überschwemmungen, dort Dürren. Der CO2-Ausgleich ist ein Weg, mit dem jeder Konsument gegen diese Entwicklung vorgehen kann.

Es kostet nur ein bisschen Geld. Da bezahlt man bei den unten genannten Organisationen freiwillig. Fluggesellschaften könnten für uns längst einen Ausgleich durchführen. Doch Fliegen ist leider zum Billigpreisprodukt für Schnäppchenjäger geworden (und den teuren Airlines ist es ebenfalls egal). Die Ursachen sind vielfältig, es ist aber vor allem wirtschaftlich gewollt und politisch in Kauf genommen.

Wir Verbraucher können hier in die Bresche springen und unsere Flüge CO2-neutralisieren – hier drei ausgewählte Partner dafür:

CO2-Kompensation mit Atmosfair

Atmosfair erbringt derzeit 90 % ihrer CO2-Einsparungen nach dem CDM Gold Standard. Die gemeinnützige gGmbH aus Berlin hat mehrfach Testsiege errungen und gilt als eines der besten Unternehmen ist diesem Bereich, mit geringen Eigenkosten, transparenten Unternehmensberichten und sinnvollen Klimaschutzprojekten. Bei Atmosfair kann man unter anderem ein Klimaschutzabo bestellen oder eine Kreuzfahrt kompensieren – den Rechner für Flüge findet man hier.

CO2-Kompensation mit Primaklima

Primaklima ist ein gemeinnütziger Verein mit ca. 200 ordentlichen Mitgliedern. Er setzt sich seit über 26 Jahren für den Erhalt und die Mehrung von Wäldern ein. Primaklima konnte nach eigenen Angaben bisher 13,5 Millionen Bäume pflanzen. Die Kompensation der Emissionen erfolgt über Projekte in Bolivien (Gold Standard) und Uganda (VCS/CCBS Standard). Einen CO2-Rechner gibts hier.

CO2-Kompensation mit MyClimate

Myclimate ist eine gemeinnützige Stiftung aus der Schweiz und eine der ältesten Organisationen in diesem Bereich. Die Klimaschutzprojekte erfüllen höchste Standards (CDM, GoldStandard, Plan Vivo) und wurden mehrfach ausgezeichnet. Privatpersonen können mit Myclimate verschiedene Arten von Emissionen neutralisieren, den CO2-Rechner für Flüge findet man hier.

CO2-Kompensation mit The Compensators

The Compensators ist ein gemeinnütziger Verein in Berlin, der ein bisschen anders tickt: Hier gibt man Geld, um Emissions-Zertifikate stillzulegen. Man kauft sozusagen der Industrie CO2-Verschmutzungsrechte weg und zwingt sie so dazu, weniger Treibhausgase auszustoßen. Einen CO2-Rechner für Flugreisen hat The Compensators nicht, man kann einfach selbst angeben, wie viele Tonnen man stilllegen oder wie viel Geld man spenden (oder verschenken) möchte – ideal für kleine Geldbeutel, denn Spenden geht ab 10 Euro. Beim CO2-Rechner verweist man auf den des UBA.

Wer fliegt, sollte seine CO2-Emissionen kompensieren
Wer fliegt, sollte seine CO2-Emissionen kompensieren (Foto: DLR)

Ist CO2-Ausgleich unsinniger Ablasshandel?

Das alles klingt so verdammt einfach, dass sich der Verdacht aufdrängt, dass mit der CO2-Kompensation etwas nicht stimmen kann.

Es kommt auf die Betrachtung an:

  • Neutralisieren ist gut.
    Jede neutralisierte CO2-Emission ist besser als jede nicht kompensierte Produktion klimaschädlicher Gase. Das spricht klar für den CO2-Ausgleich bei privaten (oder anderen) Flugreisen. Denn es ist am Ende egal, wo das CO2 ausgestoßen und wo es kompensiert wird – wenn die Gesamtmenge neutral ist bzw. endlich reduziert wird.
  • Vermeiden ist besser.
    Jede gar nicht erst erzeugte Tonne Treibhausgase ist natürlich am Besten, denn bei aller Kompensation darf man nicht vergessen, dass wir unser CO2-Konto massiv überziehen. Dient der CO2-Ausgleich nur dazu, ungeniert mehr reisen zu können, ist er nicht mehr sinnvoll, weil solche Verschwendung die Bemühungen von Klimaschutzprojekten unnötig aufzehrt.

Es ist also ein zweischneidiges Schwert, und über die Klimaschutzprojekte lässt sich im Einzelnen auch streiten: Wird beispielsweise vom gezahlten Geld andernorts Holzverbrennung durch Solarkocher ersetzt, wird nicht wirklich CO2 gebunden, sondern nur seine Emission verhindert – und dann uns Flugreisenden zugestanden.

Aber: Emissionen auszugleichen ist besser, das Problem der Treibhausgase einfach zu ignorieren. Die Beschäftigung mit den eigenen CO2-Emissionen ist zudem lehrreich und kann Reisenden helfen, ein besseres Gespür für deren Auswirkungen zu bekommen. Nur wer sich seiner Klima-Sünden bewusst ist, kann versuchen, sie im Alltag und eben auch auf Reisen zu reduzieren.

Fazit: Ja zur CO2-Kompensation

Der CO2-Ausgleich bringt allen etwas: Er ist ein Mittel, den eigenen Fußabdruck auf Reisen zu verringern, er schärft unser Bewusstsein für die Produktion von Klimagasen. Die CO2-Kompensation sorgt dafür, dass verschiedenste Klimaprojekte weiterkommen, Moore genässt und Wälder aufgeforstet werden.

CO2-Kompensation bleibt aber die zweite Wahl. „Nicht fliegen“ ist besser.

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(4) Kommentare

  1. Fazit: NEIN zur CO2-Kompensation – zumindest in dieser Form. Die 66€, die man bei Atmosfair für einen Flug nach New York zahlt sind gut aber nicht gut genug. Wer hat denn einen Lebensstil, der selbst ohne Flug in den Grenzen des ökologisch vertretbaren ist und wie wurde das Geld zur Kompensation denn verdient? Wenn schon, dann sollte man alles kompensieren, was über den als verträglich geschätzten 3t/Jahr liegt, ggf. zuzüglich eines Aufschlags, wenn man das Geld als SUV Verkäufer verdient hat und Schritt für Schritt bitte auch die historischen Emissionen. In 5 Jahren haben wir bei gleichem Lebensstil unser CO2 deputat global verbraucht, wir Westeuropäer unseren Anteil sowieso bereits. Da muss man sich doch mal langsam ehrlich machen!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  2. Sehe ich sehr ähnlich wie solstice. Kompensation kann nicht die Lösung sein und wir sollten mehr nach den Mechanismen Vermeiden und Reduzieren leben. Wenn natürlich dann doch Emissionen anfallen, die sich nicht vermeiden und reduzieren lassen KOMPENSATION. Allerdings vertraue ich da nur der Klima-Kollekte als Kompensationsfonds (die übrigens auch beraten im Sektor Vermeiden und Reduzieren). Die sind ein super kleiner Fonds und dementsprechend sind die Kosten für Administration etc. sehr gering (etwa 90 % deiner Spende gehen direkt an die Projekte!). Sie selber initiieren keine Projekte sondern vermarkten nur die Zertifikate lokaler Partnerorganisationen! Guckt sie euch doch auch mal an: https://klima-kollekte.de/ Besser als nichts allemal!

  3. Ich kann diesem Artikel nur vehement widersprechen! CO2-Kompensation ist moderner Ablasshandel und nicht unterstützenswert. Wir verlagern unsere Probleme in den globalen Süden und dort müssen es die Menschen ausbaden. Wie kann ich von Menschen verlangen, dass sie ihre Lebensweise ändern, anderen Strom erzeugen oder Filter nutzen, um ihr Wasser nicht mehr abzukochen, damit ich weiterhin fliegen kann? Das ist nicht im Sinne der Menschlichkeit!
    Abgesehen davon kann das CO2 nur durch Pflanzen tatsächlich gebunden werden. Die anderen Projekte vermeiden nur. Aber wer weiß denn, ob die PV-Anlagen etc. nicht sowieso gebaut werden? Bzw. wieso kann ich von anderen Menschen verlangen, was ich nicht einmal mache (Deutschland ist mit Abstand Weltmeister im Braunkohleabbau und verbrennen!!!)? Und ist es nicht besser, kein CO2 auszustoßen und trotzdem erneuerbare Energien zu fördern?
    Zu dem sind Aufforstungsprogramme auch keine Lösung. Zumindest nicht als Kompensation. Die meisten Projekte sind konfliktbelastet und den Wald schützen tun sie auch nicht. Sprich ich zahle dafür, dass die Einheimischen im globalen Süden von ihrem Land vertrieben werden, ihre Lebensgrundlage verlieren, die Wälder abgeholzt werden und mit Plantagen mit nichteinheimischen Bäumen wieder aufgebaut werden, mit Glyphosat o.ä. gespritzt werden, um zu überleben, somit den Boden, die Tiere und Menschen gefährden und das alles nur, damit ich ruhigen Gewissens weiter unseren Planeten belasten kann. Zudem müssen diese Plantagen mindestens 100 Jahre stehen, um das CO2 aufzunehmen. Und wer kann das schon garantieren? Mehr dazu auch hier: http://www.redd-monitor.org/

    Also mein Fazit: AUF KEINEN FALL KOMPENSIEREN, sondern die Emissionen reduzieren und zu dem stehen, was man tut und nicht versuchen sich sein Gewissen rein zu kaufen. Gute Projekte gerne unterstützen, aber nicht denken, dass ich damit das Recht erkauft habe, mehr zu emittieren!

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