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CO2-Kompensation: Warum du nicht mehr ohne Ausgleich reisen solltest

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Reisen und vor allem Fliegen produziert Treibhausgase und CO2-Emissionen, die dem Klima schaden – eine CO2-Kompensation oder ein CO2-Ausgleich können dir helfen, deinen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Worauf du beim Kompensieren deiner Flüge achten solltest.

Übers Wochenende nach Mallorca jetten? Zum Shopping-Wochenende nach New York fliegen? Fürs Konzert mal schnell nach Wien? Für die einen noch Alltag, für die anderen reiner Wahnsinn.

Dass solche Vergnügen aus Umweltsicht höchst problematisch sind, dafür haben heute die meisten Menschen ein Gefühl – zu massiv diskutieren wir heute über Klimawandel und CO2-Steuern.

Wer sich einmal bewusst machen will, wie viel derzeit geflogen wird, wirft dazu einen Blick auf flightradar24.com. Auch die Corona-Pandemie konnte den Flugverkehr nur kurzzeitig verringern.

Es wird viel geflogen und wenig co2-kompensiert
Es wird viel geflogen (und wenig CO2-kompensiert) (Screenshot flightradar24.com)

Aber wegen Treibhausgasen auf den wohlverdienten Urlaub verzichten? Das will kaum jemand. Und das ist ja auch nur allzu menschlich.

Es gibt zwei Wege, den Schaden in Grenzen zu halten:

  • Klimafreundlicher Urlaub machen.
    Wir können gar nicht oder wenigstens seltener fliegen, Urlaub in der Nähe machen oder mit Bus und Bahn verreisen, die beide deutlich weniger CO2 produzieren als das Flugzeug. Seltener fliegen bedeutet auch, längere Zeit am Urlaubsziel zu bleiben statt mehrere Kurzurlaube anzutreten. Lies auch: Fernbus, Bahn, Auto, Flugzeug – was ist umweltfreundlicher.
  • Beim Reisen CO2 ausgleichen.
    Hierbei berechnet man, welche Menge an CO2-Emissionen freigesetzt wird und kauft Ausgleichszertifikate, die bestätigen, dass andernorts durch Klimaschutzprojekte die gleiche Menge CO2 gebunden wurde. Diese CO2-Kompensation gleicht die eigenen Emissionen aus, besonder für Flüge ist das sehr beliebt.

Klar muss uns aber auch sein:

Gar nicht Fliegen ist besser als Fliegen & Kompensieren.

Aber zu fliegen ohne zu kompensieren ist eben am schlechtesten.

CO2-Emissionen kann man berechnen

Ein Blick auf die CO2-Werte hilft, die Dimension des Problems zu erkennen: So verursachten EU-Bürger:innen 2019 pro Jahr und Kopf im Durchschnitt etwa 8,1 Tonnen CO2-Äquivalent-Emissionen, die Deutschen lagen mit 9,7 Tonnen über dem Durchschnitt (Quelle: UBA).

Reisen fällt dabei besonders ins Gewicht. Eine Person im Reisebus produziert 36 Gramm CO2 pro Kilometer, im Flugzeug 284 Gramm (Quelle: UBA). Bei 1600 Kilometer Flugreise von Berlin nach Mallorca fallen 0,3 Tonnen CO2 an, mit Rückflug schon 0,6 Tonnen (Rechner: Myclimate). Bei einem Flug hin und zurück nach Australien (gemeinsam circa 32.200 Kilometer) sind es schon etwa 5,7 Tonnen.

CO2-Kompensation ist ein Weg, um den Schaden von Flügen zu reduzieren.
CO2-Kompensation ist ein Weg, um den Schaden von Flügen zu reduzieren. (Grafik: MP/ Utopia, Zahlen: Umweltbundesamt (https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/emissionsdaten))

Zugleich wollen wir als Menschheit weltweit die CO2-Emissionen auf ein Niveau reduzieren, das den Treibhauseffekt begrenzt. Rechnet man die erlaubte Gesamtmenge auf einzelne Menschen um, erhält jede:r von uns ein „klimaverträgliches Budget“. Und das schätzt man auf nur 1,5 Tonnen CO2.

Kurzum: Wir leben weit über unserem Budget und ein einziger Urlaubsflug in Europa frisst schon über die Hälfte des jährlichen CO2-Budgets auf, ein Überseeflug weit mehr.

Nicht nur Flüge: So kompensierst du CO2

Wer reist, sollte deswegen mit möglichst geringen CO2-Emissionen reisen –oder den Klimagas-Ausstoß wenigstens kompensieren. Und das geht ganz einfach, denn aus der Klimaneutralisierung bzw. CO2-Kompensation ist inzwischen ein Geschäftsmodell geworden.

CO2 kompensieren geht so:

  1. Du meldest dich bei den Webseiten von CO2-Ausgleichern (siehe unten) an.
  2. Du gibst an, was für eine Art von Reise oder Flug du planst oder kompensieren willst.
  3. Die Rechner ermitteln den CO2-Ausstoss und den Preis, der bezahlt werden muss, um diese Emission zu neutralisieren.
  4. Wer den Preis zahlt, hat die fragliche Kohlendioxid-Emission neutralisiert.
  5. Fertig ist der CO2-Ausgleich.

Das steckt hinter der CO2-Kompensation

Die Idee ist, dass am Ende das Gesamtsystem klimaneutral(er), korrekter noch: CO2-neutraler arbeitet. Das Geld wird bei Klimaschutzprojekten eingesetzt, um Treibhausgase zu binden. Man pflanzt zum Beispiel Bäume oder nässt trockengelegte Moore neu ein, denn diese binden CO2. Auch gibt es Projekte, die den Ausbau erneuerbarer Energien fördern und so Emissionen verhindern.

Die Erde erwärmt sich, Pole schmelzen und Meeresspiegel steigen, Wetterphänomene fallen heftiger aus als gewohnt und erzeugen hier Überschwemmungen, dort Dürren. Der CO2-Ausgleich ist ein Weg, mit dem jede:r Konsument:in gegen diese Entwicklung vorgehen kann.

5 wichtige Anbieter für CO2-Kompensation

1. Climate Fair: sozio-ökologische Folgekosten

Climate Fair errechnet bei Flug-, Bahn, Bus- und Autoreisen die mit der Reise einhergehenden „sozio-ökologischen Folgekosten“, die du dann kompensieren kannst. Denn Climate Fair will über eine bloße CO2-Kompensation hinaus „ein gesamtgesellschaftliches System erreichen, in dem es gesellschaftlicher Konsens ist, dass nur Waren oder Dienstleistungen angeboten werden, bei denen die Schadenskosten im Preis enthalten sind“.

Weitere Besonderheit: Das Geld geht an gemeinnützige, lokale Nachhaltigkeitsfonds, welche von einer Stiftung verwaltet werden und vor allem regionale Projekte fördern, die ausdrücklich einen Beitrag zur Ausgestaltung einer sozial und ökologischen gerechten Gesellschaft leisten. Derzeit fließen Investitionen vor allem in regionale Ökostrom- und Energiespar-Projekte. Climate Fair, das Angebot der gemeinnützigen Stiftung Klimaschutz+, wurde 2018 vom Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) mit dem Preis „Projekt Nachhaltigkeit 2018“ ausgezeichnet.

Die Kalkulation der Folgekosten erfolgt auf Grundlage eines vom Institut für Energie und Umweltforschung entwickelten Experten-Modells sowie Empfehlungen des Umweltbundesamtes. Die Verantwortungsübernahme kostet bei Climate Fair mehr als bei bloßen, im folgenden aufgeführten CO2-Kompensationsangeboten, weil Climatefair statt der einfachen Vermeidungskosten die vollen Umwelt-Folgekosten der Treibhausgase einzubeziehen versucht. Dabei bleibt es allerdings in der Eigenverantwortung der Nutzer:innen, in welcher Höhe sie diese Kosten übernehmen können und wollen.

Climate Fair zusammengefasst:

  • gemeinnützig
  • strebt einen Konsens über „wahre Kosten“ an
  • Gelder fließen in regional-lokale Nachhaltigkeits-Projekte
  • Beispiel: Flug von MUC nach JFK (einfach, Economy) kompensieren: circa 1,1 Tonnen CO2e – 191 Euro
  • climatefair.de

2. CO2-Ausgleich mit Atmosfair

Die gemeinnützige gGmbH aus Berlin hat mehrfach Testsiege errungen, bei Stiftung Warentest schnitt sie 2018 zum Beispiel mit „sehr gut“ ab. Die Tester:innen hoben damals hervor, dass Atmosfair 99 Prozent seiner Projekte mit den anspruchsvollen Gold-Standard-CER-Zertifikaten zertifiziert. Wie viele es heute sind, geht aus der Website nicht klar hervor. Bei Atmosfair kann man unter anderem ein Klimaschutzabo bestellen oder einen Flug kompensieren – den Rechner findest du hier

Atmosfair zusammenfasst:

  • gemeinnützig
  • Testsieger bei Stiftung Warentest 2018 („sehr gut“)
  • Beispiel: Flug von MUC nach JFK (einfach, Economy): 1,5 Tonnen CO2 – 36 Euro
  • www.atmosfair.de

3. CO2-Kompensation mit KlimaKollekte

KlimaKollekte ist ein CO2-Kompensationsfonds christlicher Kirchen in Deutschland und möchte Organisationen, Institute, Gemeinden und Privatpersonen sowohl aus dem kirchlichen Bereich als auch darüber hinaus für den Ausgleich unvermeidbarer Treibhausgasemissionen gewinnen. Die CO2-Emissionen werden durch Klimaschutzprojekte kirchlicher Organisationen oder ihrer Partner vorgenommen. Die Projekte befinden sich in Afrika oder asiatischen Ländern wie Indien.

KlimaKollekte auf einen Blick:

  • gemeinnützig
  • kirchlich
  • für Privatpersonen, Kirchengemeinden, Unternehmen, Organisationen
  • Testsieger bei Stiftung Warentest 2018 („sehr gut“)
  • Beispiel: Flug von MUC nach JFK (einfach, Economy) kompensieren: 1,4 t CO2e – circa 36 Euro
  • klima-kollekte.de

4. CO2-Kompensation mit Primaklima

Primaklima ist ein gemeinnütziger Verein. Er setzt sich seit über 30 Jahren für den Erhalt und die Mehrung von Wäldern ein. Primaklima konnte nach eigenen Angaben bisher über 14 Millionen Bäume pflanzen. Die Kompensation der Emissionen erfolgt zum Beispiel über Projekte in Uganda (VCS/CCBS Gold-Level) und Indonesien (VCS/CCBS Gold-Level), aber auch in Nicaragua und Deutschland ist die Organisation aktiv. Einen CO2-Rechner gibt’s hier.

Primaklima zusammengefasst:

  • gemeinnützig
  • DZI-Siegel für Spenden
  • Für Privatpersonen und für Unternehmen
  • Geschäftsberichte einsehbar
  • Testsieger bei Stiftung Warentest 2018 („sehr gut“)
  • Beispiel: Flug von MUC nach JFK (einfach, Economy) kompensieren: circa 1,4 t CO2 – circa 39 Euro
  • primaklima.org

5. CO2-Kompensation mit myclimate

Myclimate ist eine gemeinnützige Stiftung aus der Schweiz und eine der ältesten Organisationen in diesem Bereich. Die Klimaschutzprojekte erfüllen seriöse Standards (VCS, GoldStandard, Plan Vivo) und wurden mehrfach ausgezeichnet. Privatpersonen können mit Myclimate verschiedene Arten von Emissionen neutralisieren, den CO2-Rechner für Flüge findet man hier.

Myclimate auf einen Blick:

  • gemeinnützig
  • für Privat- und Geschäftskunden
  • Urteil von Stiftung Warentest 2018: „gut“ (für „MyClimate“ Deutschland)
  • Beispiel: Flug von MUC nach JFK (einfach, Economy) kompensieren: 1 t CO2 – ab 27 Euro
  • de.myclimate.org

Myclimate arbeitet auch mit der Lufthansa und Swiss Airlines zusammen, was bereits mehrfach kritisiert wurde. Im Anschluss an die Buchung kann jeder Fluggast über einen Emissionsrechner seinen CO2-Ausstoß für die jeweilige Strecke ermitteln und gleich bei der Organisation kompensieren.

6. CO2-Kompensation mit TeamClimate

Auch das Social-Start-up TeamClimate mischt im Kompensationsmarkt mit – mit einem besonderen Modell. Auf der Plattform kannst du dir seit Sommer 2020 deinen persönlichen jährlichen CO2-Abdruck berechnen lassen, indem du 30 Fragen zu deinem Lebensstil beantwortest. Basierend auf deinen Ergebnissen bietet dir die Seite anschließend ein maßgeschneidertes Klima-Abo zur CO2-Kompensation an.

Das funktioniert genauso, wie es klingt: Du bezahlst regelmäßig einen fixen Betrag, der dafür sorgt, dass dein CO2-Budget automatisch ausgeglichen wird. Ab 6,- Euro im Monat geht’s los. TeamClimate spendet dafür an drei Klimaschutzprojekte; die laut Website durch die United Nations, VCS und den GoldStandard zertifiziert sind.

Zuvor hat das Unternehmen auch schon mit Geschäftskunden zusammengearbeitet und bietet seit 2019 auch Kompensation von Flügen an (hier).

TeamClimate auf einen Blick:

  • Social Start-up
  • für Privatpersonen, Geschäftskunden, Flugkompensation
  • Klimaabo, um einen durchschnittlichen oder deinen persönlichen CO2-Fußabdruck zu kompensieren
  • Beispiel: Flug von MUC nach JFK (einfach, Economy) kompensieren: 1,2 t CO2 – circa 24 Euro
  • teamclimate.com

Weitere Anbieter für CO2-Kompensation:

  • Arktik: Gewerblich, für Unternehmen, Methoden zur Treibhausgasmessung, -berichterstattung, -verringerung und mehr, http://www.arktik.de/
  • ClimatePartner: Gewerblich, für Unternehmen, diverse Klimaschutzprojekte, auch in Deutschland, https://www.climatepartner.com/de
  • Project Climate: Gewerblich für Unternehmen: https://www.project-climate.de/, Schwerpunkt der Kompensation liegt auf der betrieblichen Mobilität (Fuhrpark, Mitarbeitermobilität, Geschäftsreisen) ist jedoch um weitere Themen ausweitbar.
Wer fliegt, sollte einen CO2-Ausgleich vornehmen.
Wer fliegt, sollte seine CO2-Emissionen kompensieren. (Foto: DLR)

Ist der CO2-Ausgleich ein unsinniger Ablasshandel?

Das alles klingt so verdammt einfach, dass sich der Verdacht aufdrängt, dass mit der CO2-Kompensation etwas nicht stimmen kann, und tatsächlich ist derlei Emissionshandel nicht unumstritten.

Es kommt auf die grundsätzliche Betrachtung an:

  • Neutralisieren ist gut.
    Jede neutralisierte CO2-Emission ist besser als jede nicht kompensierte Produktion klimaschädlicher Gase. Das spricht klar für den CO2-Ausgleich bei privaten (oder anderen) Flugreisen. Denn es ist am Ende egal, wo das CO2 ausgestoßen und wo es kompensiert wird – wenn die Gesamtmenge neutral ist bzw. endlich reduziert wird.
  • Vermeiden ist besser.
    Jede gar nicht erst erzeugte Tonne Treibhausgase ist natürlich am Besten, denn bei aller Kompensation darf man nicht vergessen, dass wir unser CO2-Konto massiv überziehen. Dient der CO2-Ausgleich nur dazu, ungeniert mehr reisen zu können, ist er nicht mehr sinnvoll, weil solche Verschwendung die Bemühungen von Klimaschutzprojekten unnötig aufzehrt.

Es ist also ein zweischneidiges Schwert. Und der Teufel emittiert auch im Detail:

Verschmutzungsrecht für Reiche:
Man geht davon aus, dass vor allem Besserverdiener:innen mehr CO2 produzieren. Das liegt auch auf der Hand: Größere Wohnungen (die zu beheizen sind), mehr Langstreckenflüge, dickere Autos … Zugleich können sie sich einen CO2-Ausgleich eher leisten. Zu Ende gedacht und etwas überspitzt formuliert räumen wir damit Besserverdiener:innen ein höheres Umweltzerstörungsrecht ein, meist auch noch kompensiert mit Projekten in armen Ländern. (Nimmt man sie allerdings nicht in die Ausgleichspflicht, wäre dies auch nicht sinnvoll.)

Unklare Berechnung:
Wie beziffert man einen Klimaschaden denn eigentlich genau? Das macht jeder anders: Die Berechnung des ökologischen Fußabdrucks bringt höchst unterschiedliche Resultate zutage, wie die oben genannten Beispiele zeigen. Als sie die CO2-Emissionen derselben Strecke (vom Münchner Flughafen zum John F. Kennedy Flughafen in New York) berechneten, gelangten unterschiedliche Rechner zu unterschiedlichen Ergebnissen. Der Rechner von Climate Fair setze zudem deutlich höhere Kosten an mit der Begründung, dass gängige Berechnungen nur die Treibhausgase, aber nicht andere „sozio-ökologische Folgekosten“ berücksichtigen. Die Frage bleibt: Ist es nun per se besser, „teurer“ auszugleichen – wenn dabei einige Nutzer:innen vielleicht abspringen und es ganz sein lassen?

Umstrittene Aufforstungsprojekte:
Bäume pflanzen ist immer gut, zeigt aber erst nach Jahren bis Jahrzehnten Wirkung und bringt nicht immer die erhoffte Kompensationsleistung. 2018 sagte eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), dass im großen Stil Bäume oder Gräser in Plantagen anzupflanzen für Biodiversität, Nährstoffkreisläufe, Wasserhaushalte und Landnutzung neue Probleme nach ich ziehen kann. Das sehen andere Organisation durchaus anders: Nur mit Aufforstung könnten wir Klimaziele erreichen, sagte 2019 eine Studie der ETH. (Von den oben genannten Anbietern setzt Primaklima am meisten auf Aufforstung.)
Man sollte gewiss nicht alles auf die Karte der Aufforstung setzen. Doch auch, wenn der freiwillige CO2-Ausgleich allein die Welt nicht retten wird: Die Politik tut das derzeit eben auch nicht. Da ist es doch besser, wenn immerhin einige ihre Emissionen bereits kompensieren.

Kompensieren vermeidet Vermeidung:
Viele Projekte zum CO2-Ausgleich finden in Ländern des globalen Südens statt, denn es ist billiger, dort zu kompensieren. Das macht es nicht automatisch schlechter, nur reduziert es unter Umständen die Motivation der Industrienationen, selbst Emissionen zu vermeiden. Schließlich ist es ja billiger, in Ländern des globalen Südens eine preiswerte CO2-Vermeidung oder Kohlendioxid-Bindung „einzukaufen“. Und rein ökonomisch mag das sogar zutreffen, es lenkt aber immerhin Geld von den reichen in die armen Länder.

Umweltprojekte greifen in fremde Länder ein:
Wenn Geld aus reichen Ländern für Umweltprojekte in arme Länder fließt, greift das natürlich unweigerlich in deren Strukturen ein. Was wir für gut und richtig halten, mag dann einen lokalen Anbieter in der Ruin treiben oder in der Region andere negative Folgen haben, die für uns letztlich nicht absehbar sind.

Aber dennoch: Emissionen auszugleichen ist besser, als das Problem der Treibhausgase einfach zu ignorieren. Die Beschäftigung mit den eigenen CO2-Emissionen ist zudem lehrreich und kann Reisenden helfen, ein besseres Gespür für ihre Auswirkungen zu bekommen. Nur wer sich seiner Klima-Sünden bewusst ist, kann versuchen, sie im Alltag und eben auch auf Reisen zu reduzieren.

Selbst wenn die eigene CO2-Kompensation global gesehen ein Tropfen auf den heißen Stein ist, so ist sie auf einen selbst bezogen 100 Prozent dessen, was man selbst kompensieren kann.

Fazit: Jein zur CO2-Kompensation

Der CO2-Ausgleich bringt allen etwas: Er ist ein Mittel, den eigenen CO2-Fußabdruck auf Reisen zu verringern und er schärft unser Bewusstsein für die Produktion von Klimagasen. Die CO2-Kompensation sorgt dafür, dass verschiedenste Klimaprojekte weiterkommen, Moore genässt und Wälder aufgeforstet werden.

Doch der CO2-Ausgleich bleibt eine Wiedergutmachung bereits entstandener Schäden – er ist keine Einladung zur Verschwendung. Wirklicher Klimaschutz vermeidet Treibhausgase: Weniger fliegen, öfter mal Mitfahrgelegenheiten nehmen, ein bisschen veganer werden wäre besser.

CO2-Kompensation bleibt also nur die zweite Wahl. „Nicht fliegen“ ist besser.

Übrigens: Man kann nicht nur einen Flug kompensieren, sondern auch eine Autoreise oder eine Reise im Bus … oder sein komplettes CO2-Jahresbudget. Statt die Kompensation undifferenziert einfach nur schlecht zu reden, könnten wir damit einfach mal anfangen – denn sie ist wie eine CO2-Steuer, nur freiwillig und sofort verfügbar.

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