Die Palmöl-Problematik: unsere tägliche Urwaldzerstörung beim Einkauf

Palmöl – die tägliche Urwaldzerstörung beim Einkauf
Foto: © Brasil2, Baris Onal / istockphoto.com

Palmöl ist das wichtigste Pflanzenöl der Welt. Die wenigsten wissen, dass es mittlerweile in zahlreichen Produkten des täglichen Gebrauchs zu finden ist, auch in biologischen. Doch in den Herkunftsländern verursacht der trügerische Rohstoff Treibhausgase, Zerstörung des Regenwalds und Menschenrechtsverletzungen.

Der heimliche Superstar unter den pflanzlichen Fetten, wird hauptsächlich in der Nahrungsmittelproduktion verwendet. Wir konsumieren es in Deutschland unter anderem als Inhaltsstoff von Lebensmitteln (Süßigkeiten, Öle, Fertigprodukte, etc.), veganen Produkten (Margarine, Fleisch- & Käseersatz, etc.) und Kosmetika. Auch in Bio-Erzeugnissen ist oft Palmöl enthalten.

In letzter Zeit gab es viel negative Berichterstattung zum Thema. Wir sagen dir, was du darüber wissen solltest.

Was ist Palmöl?

Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der sogenannten Ölpalme gewonnen und ist eines der effizientesten pflanzlichen Öle. Der Ertrag pro Fläche übersteigt zum Beispiel Raps um etwa das Dreifache. Wegen seiner hochwertigen Eigenschaften ist es angenehmer und leichter zu verarbeiten als z.B. Kokosfett.

Aus diesen Gründen ist es das meist verwendete Pflanzenöl der Welt (30% Marktanteil 2010), derzeit werden davon über 50 Millionen Tonnen jährlich produziert. Der Großteil davon, rund 85 Prozent, kommt aus Malaysia und Indonesien. Bei den aktuellen Zuwachsraten wird sich bis 2050 die Nachfrage aus dem Jahr 2000 verdreifacht haben.

Palmöl-Problematik: Urwald- und Klimakiller

Fatalerweise wachsen Ölpalmen hervorragend auf Dschungelboden im asiatisch-pazifischen Raum, nachdem dieser trockengelegt wurde. Sollten die Prognosen zutreffen, werden in ein paar Jahrzehnten alle geeigneten Waldgebiete gerodet und trockengelegt sein. Dieser Torfboden wird von Greenpeace als „wahre Kohlenstoffbombe“ bezeichnet. Der Boom hat dazu geführt, dass das Palmöl-Boomland Indonesien schon jetzt nach den USA und China der weltweit drittgrößte Produzent von Treibhausgasen ist.

Das Ökoparadies Urwald muss riesigen Monokulturen weichen, Tierarten werden ausgerottet und Urwaldvölker gewaltsam vertrieben. Die einzig größere, vom WWF angestoßene Nachhaltigkeits-Initiative, der RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil), wird von den seriösen Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen (Greenpeace, Rettet den Regenwald e.V., IUF) immer wieder heftig kritisiert. Greenpeace befand 2016: Lebensmittelkonzerne blenden mit leeren Versprechen. Das Thema bleibt problematisch, lies dazu auch Palmöl: Wie stoppen wir die Zerstörung des Regenwalds?

Bringt die Bio-Zertifizierung was?

Jein. Auch Bio-Palmöl kann von gerodeten Plantagen kommen – solange beim Anbau bestimmte Pestizide vermieden werden, wie das eben bei Bio-Anbau die Vorschrift ist. Die Fernkontrolle außerhalb der EU ist aber auch bei Bio-Palmfetten oft noch lückenhaft und leicht umgehbar. Zwar gibt es einige Bio-Produzenten, vor allem in Südamerika, die nachhaltigen Anbau und faire Bedingungen nachweisen können. Dabei handelt es sich jedoch um Einzelfälle, so dass auch das Bio-Siegel keine Nachhaltigkeit gewährleisten kann. „Keine Firma kann derzeit garantieren, dass das eingesetzte Palmöl aus umweltverträglicher Produktion stammt!“, sagt Greenpeace.

Aber: Bio ist zwar keine perfekte Lösung, aber denoch besser als konventionelles. Lies den aktuellen Stand dazu im Beitrag Bio-Palmöl: zertifizierte Zerstörung oder echte Alternative?.

Kann der Verbraucher Palmöl vermeiden?

Palmöl einfach durch ein anderes Öl zu ersetzen ist nicht die Lösung. Andere Öle sind weniger effizient, verbrauchten als noch mehr Ressourcen, um die selbe Menge an Öl zu erzeugen. Den Stoff vermeiden erscheint schon machbarer. Allerdings befindet es sich heute in einer sehr großen Bandbreite von Produkten. Das Problem: Es wird selten als solches ausgewiesen, die Liste der Stoffe, die aus Palmfetten gewonnen werden und schließlich auf der Zutatenliste landen, ist unmöglich auswendig zu lernen.

Wie du das das Öl trotzdem vermeiden kannst? Mühsam. Genau hinschauen hilft schon viel. In dieser Galerie zeigen wie Dir, welche Markenprodukte Palmöl enthalten und welche Alternativen es gibt.

Ein beliebtes Produkt mit Palmöl ist Schokoaufstrich. Einzelne Hersteller sind hier bereits auf dem Weg, wenigstens besseres Palmöl zu verwenden. Andere kommen ganz ohne aus. Lies dazu: Bio, fair, palmölfrei: 5 echte Nutella-Alternativen.

Kosmetik ist ein weiterer Bereich, in dem sich der problematische Stoff versteckt. In dieser Galerie zeigen wie dir palmölfreie Kosmetik wie Seife, Cremes, Shampoo & Co.

Denkansatz – Gehen uns die Alternativen aus?

Palmöl wird als vielversprechender Ersatz für tierische Fette und – auf lange Sicht – auch als ernsthafte Alternative zum Erdöl gehandelt. Doch bereits jetzt schafft die Produktion ernsthafte ethische und ökologische Probleme. Das Öl der Palmen ist heute absolut kein nachhaltiger Rohstoff. So stellt sich schließlich die Frage, wie die heute konsumierten Mengen an Erdöl jemals nachwachsend ersetzt werden können. Lies dazu auch den empfehlenswerten Beitrag Bio-Palmöl: zertifizierte Zerstörung oder echte Alternative.

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(36) Kommentare

  1. ^^ habe gerade die restlichen Kommentare überflogen mir scheint, dass mit diesem Artikel ein falsches Bild bei verbrauchern erzeugt wird mit verheerenden Folgen. Ich gehe nun mal davon aus, dass die verwertung von Palmöl/-fett in RAPUNZEL-Produkten sogar positive Auswirkung auf den Regenwald hat. Das würde bedeuten, dass man mit diesem Artikel durch blindes Vertrauen der Verbraucher auf die Richtigkeit und Eindeutigkeit dieses Artikels sogar einem Regenwaldförderer ein schnippchen Geschlagen wird. Dies kann ja wohl kaum die Intention dieser Community sein.

    Ich werde daher genüßlich weiter in RAPUNZEL-Palmfett meine Sachen braten und anstelle diese Kritik für voll zu nehmen mir ernsthafte Gedanken machen ob ich hier in der richtigen Community bin!!!

      • Das hört sich ja schon alles sehr schwer durchschaubar an. Allerdings glaube ich kaum, dass Rapunzel bei Anbietern ihre Rohstoffe kauft, welche ebenfalls konventionellen Anbau in dem gleichen Gebiet betreibt ich werde dem allerdings auf den Grund gehen und danke dir für deine Hinweise.

        Ich finde weiterhin, dass hier von vornherein differenzierter Informiert werden sollte. Diese Schlagzeile gefällt mir gar nicht. Ich hoffe, dass meine Nachfrage zumindest für mich Klärung bringen wird.

      • Danke für deine Antwort.

        Rapunzel bezieht sein Palmöl von der Firma Daabon aus Kolumbien, einer der beiden von mir oben genannten Firmen:

        „Woher bezieht RAPUNZEL sein Bio-Palmöl?

        RAPUNZEL bezieht Bio-Palmöl über einen deutschen Importeur, der rotes Bio-Palmöl zu einem neutralen cremefarbigen Palmfett weiterverarbeitet (s.u.: Wie wird Palmfett hergestellt). Dieses Bio-Palmöl kommt aktuell von der Firma Daabon Organic aus Kolumbien.

        Das Familien-Unternehmen Daabon Organic in Nord-Kolumbien produziert seit Beginn der 1990er Jahre Bio-Palmöl. Zu Beginn arbeitete man ausschließlich mit Bio-Palmöl aus den eigenen Plantagen. Vor einigen Jahren begann Daabon, auch mit Gruppen von Kleinbauern zusammenzuarbeiten. Diese Bauern sind in sogenannten Alianzas (= Allianzen) zusammengeschlossen.“

        Quelle: http://www.rapunzel.de/fragen-zu-palmoel.html

  2. Die Frage, ob Palmöl „ja oder nein“ habe ich für mich dahingehend beantwortet, dass ich keine Produkte mit Palmöl nutze (soweit ich davon weiß).
    Mit diesem Thema wird sehr deutlich, wie schwierig es ist, seinen eigenen nachhaltigen Weg zu finden.

    Man ist gezwungen, Kompromisse zu schließen: und muss für sich selbst entscheiden.

  3. Ich habe anlässlich dieses Threads beim Münchner Umweltinstitut http://www.umweltinstitut.org nach der Bedeutung von energetischer Palmölnutzung angefragt und folgende interessante Antwort erhalten:

    ==================================================

    Hallo Herr Sommer,

    leider ist Ihre Anfrage nach hinten gerutscht. Wir hatten viel zu tun und ich war selten im Büro.
    Hier etwas spät eine kurze Antwort:

    Palmöl-Diesel ist in den Produktionskosten schon teurer als fossiler Diesel (um rund 20 ct/Liter). Ein Grund liegt darin, dass bei der Produktion von Pflanzenkraftstoffen erstmal größere Mengen fossile Kraftstoffe investiert werden müssen. Agrarkraftstoff-Preise sind also immer an die Erdölpreise gekoppelt (wie es übrigens in unserer industrialisierten Landwirtschaft bei allen Agrarprodukten der Fall ist).

    Bei Palmöl ist der fossile Energieinput sicher geringer als bei Raps, zudem sind die Flächenerträge deutlich höher. Trotzdem wird (im Moment) relativ wenig Palmöl als Biodiesel verwendet, weil es sich extrem gut als Speiseöl eignet und Biodiesel aben die so genannten Nachhaltigkeits-Kriterien einhalten muss. Daher wird in der Lebensmittelherstellung anstatt heimischem Sonnenblumen- oder Rapsöl eben Palmöl eingesetzt, das Rapsöl wandert in den Tank. Wichtig ist also nur Gesamtmenge an Biodiesel/Ethanol, die weltweit verbraucht wird, weil die meisten Pflanzen Flex-Crops sind, also für verschiedenen Zwecke verwendet werden können.

    Nach UFOP wurden 2011 rund 1 Mio Tonnen Palmöl in die EU importiert. Durch die neue „Nachhaltigkeits“-Verordnung gab es hier aber sicher Verschiebungen nach unten, in den folgenden Jahren, wenn mehr Importeure das „NAchhsltigkeits“Zertifikat haben, werden die Importmengen sicher wieder ansteigen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Antje Wagner

  4. Ich verwende in gewissen Mengen das naturbelassene Aceite de Dendê aus Brasilien, also das rohe, rote, halbflüssige Urprodukt sehr gerne. Es ist meines Erachtens ein sehr gutes Lebensmittel mit einem ganz eigenen Geschmack, den ich mag. Es verleiht blassen Gerichten Farbe, die auch noch gesund ist. Ein Glas mit 500 g hält bei mir Monate.

    Die aufgeführten Lebensmittel wie Snickers, Nutella und Co. sind sowieso nicht gut, aus einer Vielzahl von Gründen.

    Kritisch finde ich insgesamt den Anbau von Pflanzen wie Mais, Ölpalmen, Soja, Zuckerrohr… für die energetische Nutzung. Dazu gehören auch Kerzen, die sind doch nahezu sinnlos in der heutigen Welt. In Brasilien, wo Alkohol-Fahrzeuge eine lange Tradition haben, arbeitet man intensiv an der Vergärung von landwirtschaftlichen Nebenprodukten und an der Veresterung von Sekundärfetten (Restfette, Recyclate).
    An Nummer 2. des Schlimmen steht der Massenanbau für Tierfutter und Nummer 3. für Kosmetik.

    Auch wenn Nahrungsmittelerzeugung die Hauptnutzung von Palmöl ist, so ist das noch eine einigermaßen gute Verwendung. Wirklich schlimm sind doch die Monokulturen und die großflächige Abholzung von Wäldern für den Anbau von …. name it …. und ganz besonders die Verschwendung und sinnlose Vernichtung.
    Sparsamer, respektvoller Umgang mit möglichst naturbelassenen Rohstoffen ist auch bei Palmöl möglich und „gut“.

  5. Mir fällt allgemein folgendes auf: Sobald wir Produkte finden, die gut sind, uns gut tun… dann passiert die Massenproduktion.
    Und die hat immer schlimme Folgen – egal, ob es sich dabei um Aloe-Vera-Produkte handelte, um Kräuter oder Wurzeln: Wann immer die Firmen feststellen, nun wird mehr nachgefragt, stellen sie ihren Markt darauf ein. Die Folge: Ein unglaublich arroganter Mißbrauch bei den Menschen, deren Grund & Boden und letztendlich beim Verbraucher – zum Teil unter Mitwirkung angeblicher Bodenschützer.
    Rendite um jeden Preis, Abzocke und Gewinne…
    Da brauchs für meine Begriffe eine politisch andere Richtung, damit diese Zerstörung aufhört. Gibt es keine Subventionen mehr… Gibt es keine Zuwächse mehr… Dann brauchts auch diese Maßnahmen nicht mehr.

  6. Das Thema Palmöl beschäftigt mich auch schon länger…. Unter anderem deshalb werden wir im Frühjahr auf die Insel Borneo reisen, denn auch dort wird Regenwald zugunsten von Palmölplantagen abgeholzt. Das wollen wir uns ansehen und mit den Menschen vor Ort sprechen. Die Wälder sind ein Paradies der Artenvielfalt und noch heute entdeckt man bislang unbekannte oder ausgestorben geglaubte Arten dort. Ich persönlich verzichte jetzt bereits – soweit möglich – auf Produkte die Palmöl beinhalten und hoffe, dass es zu einem Umdenken kommt, das Thema ist ja zum Glück mittlerweile in der Öffentlichkeit angekommen 🙂

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