„Mehr Zeit zum Genießen“: Aldis neues Gemüse-Angebot tut weh

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Die Supermärkte und Discounter wollen einerseits Plastik reduzieren – andererseits verkaufen sie absurde Produkte in Plastikverpackung. Aktuell macht Aldi Süd Werbung für geraspelten Kohl und Karotten in Plastik. Das Angebot zeigt: Für effektiveren Umweltschutz braucht es ein Umdenken. 

Eine Reibe und einen Teller zum Auffangen – mehr braucht es nicht, um Gemüse wie Karotten oder Kohl zu zerkleinern. Für all diejenigen, denen das zu viel Aufwand ist, gibt es diese Woche ein besonderes Angebot bei Aldi Süd: Der Discounter bietet fertig geraspelte Karotten, Weißkohl und Rotkohl im Plastikbeutel sowie geschnittene Champignons in der Plastikschale an.

„Wir prüfen fortlaufend, wie viel Verpackung bei unseren Produkten notwendig ist“, heißt es eigentlich auf der Webseite von Aldi Süd. „Wo immer es möglich ist, reduzieren oder vermeiden wir sie.“ Die Plastikverpackung zu vermeiden, wäre in diesem Fall durchaus möglich gewesen – wenn Aldi einfach kein fertig geraspeltes Gemüse anbieten würde.

Geraspeltes Gemüse bei Aldi: Schlecht für die Umwelt und teuer

Das geraspelte und geschnittene Gemüse verkauft Aldi unter der Eigenmarke „Natur Lieblinge“. Damit es nicht verdirbt, muss es im Supermarkt gekühlt werden – nicht sehr natürlich. „Für Sie vorbereitet – mehr Zeit zum Genießen“, wirbt Aldi im Prospekt.

Absurd ist nicht nur die Plastikverpackung und die Kühlung, sondern auch der Preis: 400 Gramm Kohl in der Tüte kosten 1,39 Euro, die Karotten gibt es für 1,19 Euro. Aufs Kilo hochgerechnet sind das 3,48 Euro für das Kilo Kohl und knapp drei Euro für ein Kilo Karotten. Unverpackt und ungeschnitten kosten die Gemüsesorten in gleicher Qualität (also nicht bio) etwa die Hälfte.

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Der Prospekt von Aldi Süd mit dem geraspelten Gemüse (rechts). (Foto: Screenshot http://onlineprospekt.com/)

Eigentlich tut Aldi bereits einiges, um Plastik einzusparen: An der Kasse gibt es keine Einweg-Plastiktüte mehr, die durchsichtigen Knotenbeutel in der Obst- und Gemüsetheke kosten etwas und Aldi hat mehrere Einwegplastik-Produkte verbannt. Im Frühjahr hat der Discounter die Folie für Gurken abgeschafft – und ordentlich Werbung dafür gemacht. Aber warum bei Gurken auf Folie verzichten und Karotten und Kohl in Plastik packen?

Vor allem to-Go- und Convenience-Produkte in Plastikverpackungen halten sich hartnäckig – nicht nur bei Aldi. Das Problem: Je kleiner die Portionsgrößen, desto höher ist im Verhältnis der Anteil an Verpackung. Dem Umweltbundesamt zufolge sind unsere Bequemlichkeit und die to-Go-Mentalität mit dafür verantwortlich, dass Deutschland jedes Jahr mehr Verpackungen verbraucht. Deutschland ist demnach im EU-Vergleich Spitzenreiter, in keinem anderen Land nutzen die Menschen pro Kopf so viel Verpackungen wie hierzulande.

Es braucht ein Umdenken bei den Kunden

Damit sich daran etwas ändert, braucht es mehr politische Maßnahmen wie etwa das EU-weite Verbot von Einwegplastik. Gleichzeitig muss sich aber auch an der Einstellung der Konsumenten etwas ändern. Solange Menschen in Plastik verpacktes geraspeltes Gemüse kaufen, werden Supermärkte es anbieten – zu Lasten der Umwelt. Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen können solche Produkte hilfreich sein. Alle anderen sollten lieber darauf verzichten. Auch wenn das Prospekt von Aldi Süd etwas anderes suggeriert – Karotten selber zu reiben, dauert gar nicht so lange.

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(2) Kommentare

  1. Zudem werden doch die Vitamine bei den geraspelten Sachen sehr schnell abgebaut, oder irre ich mich da? Noch ein kleiner Hausfrauen-Hinweis: Reibe unter fließend kaltem Wasser kurz abspülen und zum Trocknen hinstellen genügt.

  2. [Ironie an]
    Es muß doch endlich gelingen, die zubereitungsfaule Gesellschaft per Infusion ernähren zu können, so würde auch das Kauen und die Handbenutzung entfallen können und noch mehr Zeit für anderes wichtiges zur Verfügung stehen.

    Im zweiten Schritt dann Versorgung per drahtloser Energie – WLAN und 4G/5G allerorts würden dann die Energieaufnahme nochmals deutlich vereinfachen.

    Dann braucht’s auch keine industrialisierte Landwirtschaft und Massentierhaltung mehr. Alle Angestellten sind dann im Energiesektor tätig.
    [Ironie aus]