Deutschland ist trauriger Spitzenreiter bei Verpackungsmüll – die Gründe überraschen nicht wirklich

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Foto: Tiia Monto [CC BY-SA 3.0 ], vom Wikimedia Commons

Das Umweltbundesamt hat eine neue Untersuchung zu Verpackungsabfall veröffentlicht – die Zahlen sind erschreckend: Jede Person in Deutschland verbraucht mehr als 220 Kilogramm Verpackungen im Jahr. Deutschland belegt im EU-Vergleich damit den Spitzenplatz.

In Deutschland sind wir oft stolz auf unser starkes Umweltbewusstsein. Wenn es um Verpackungen geht, gibt es allerdings noch einiges zu tun – das zeigt der aktuelle Bericht des Umweltbundesamts deutlich. Deutschland hat laut dem Bericht im Jahr 2016 knapp 18,2 Millionen Tonnen Verpackungsmüll produziert, so viel wie kein anderes EU-Land.

Jeder Einzelne verbrauchte in Deutschland damit durchschnittlich 220,5 Kilogramm Verpackungen, die letztlich im Müll landeten. Zum Vergleich: Der europäische Durchschnitt liegt bei 167,3 Kilo pro Kopf jährlich – das sind mehr als 50 Kilo weniger pro Person.

Mehr Plastik durch to-go-Mentalität und Online-Handel

Besonders erschütternd: In 2016 haben wir 74 Prozent mehr Kunststoffverpackungen verwendet, als noch 2000. Aber wieso verbrauchen wir überhaupt so viele Verpackungen? Das Umweltbundesamt liefert mehrere Erklärungen

Ein Grund sei der Trend hin zu to-Go-Produkten und kleineren Portionen. Die Lebensmittel zum Mitnehmen benötigen insgesamt mehr Verpackungsmaterialien, als solche in größeren Mengen. Außerdem setzen die Hersteller immer häufiger auf aufwendige Verpackungen mit komplizierteren Verschlüssen oder Dosierhilfen, für die ebenfalls mehr Material eingesetzt wird. Auch der zunehmende Online-Handel trägt dazu bei, dass wir mehr Verpackungen nutzen.

Alternativen zu Plastik?

Entwicklung des Verpackungsverbrauchs (© Umweltbundesamt)

Interessant: Der Anteil an Kunststoff-Verpackungsmüll ist minimal zurückgegangen: 2015 waren es noch 25 Kilo pro Person, 2016 dann 24,9 – also 100 Gramm weniger. Dafür wurden allerdings mehr Glas- und Aluminiumpackungen verwendet, offenbar ersetzen sie den Kunststoff.

Allerdings ist die Herstellung von Glas und Aluminium sehr energieintensiv und damit ebenfalls eine Belastung für die Umwelt. „Kunststoff durch andere Verpackungsmaterialien zu ersetzen ist nicht immer ökologisch sinnvoll. Besser ist es, weniger Verpackungsmaterial zu nutzen und die Verpackungen weniger aufwändig zu gestalten“, sagt Maria Krautzberger vom Umweltbundesamt.

Teilweise hohe Recyclingquoten

Immerhin gibt es auch ein paar gute Nachrichten – erfreuliche Recyclingquoten etwa: Bei einigen Materialien ist die Quote sehr hoch, zum Beispiel bei Glas (85,5 Prozent), Papier/Karton (88,7 Prozent) oder Aluminium (87,9 Prozent). Niedrig ist sie hingegen noch bei Kunststoff, hier liegt die Recyclingquote gerade mal bei 49,7 Prozent.

Das Recycling muss noch weiter verbessert werden, das alleine reiche allerdings nicht aus, schreibt das Bundesumweltamt: „Und vor allem müssen wir Müll vermeiden, möglichst schon in der Produktionsphase durch den Verzicht auf unnötige und unnötig materialintensive Verpackungen. Außerdem sollten Mehrwegsysteme gestärkt werden, die klare ökologische Vorteile gegenüber Einwegverpackungen haben.“

Fast die Hälfte des Verpackungsmülls aus Haushalten

Die Zahlen des Bundesumweltamts zeigen auch, dass jeder Einzelne etwas tun kann (und sollte), um den Müllberg zu reduzieren: Denn für knapp für knapp die Hälfte des 18,2 Millionen Tonnen Verpackungsmüll (47 Prozent) sind private Verbraucher verantwortlich.

Ideen und Inspirationen für weniger Verpackungsabfall und Plastik findest du hier: Verpackung vermeiden im Supermarkt: 15 Tipps  und Leben ohne Plastik: diese 14 einfachen Tipps kann jeder umsetzen 

Auch wichtig: Ab dem 1. Januar 2019 tritt ein neues Verpackungsgesetz in Kraft. Unterschreibe diese Petition, damit der Bundestag strengere Richtlinien für Plastikverpackungen verabschiedet, als es bisher vorgesehen ist.

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(4) Kommentare

  1. Ich bin jede Woche erschrocken, wenn ich meinen Müll rausstelle, wieviel Müll bei den Nachbarshäusern steht. Ich habe meinen Gelben Sack Müll mitlerweile auf einen Sack alle zwei Wochen reduziert. Früher hatte ich auch ca. einen pro Woche wie meine Nachbarn und die haben teilweise noch mehr. Einen Sack alle zwei Wochen ist mir auch immer noch zu viel und ich versuche weiter zu reduzieren, was aber gar nicht so leicht ist.

  2. Mich wundert dieses Ergebnis ehrlich gesagt schon ein bisschen. In Deutschland wird schon viel getan. Wenn wir z.B. in Italien sind, da kümmert sich kein Mensch um Recycling. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Werte stimmen. Wir haben als 4-Personenhaushalt die kleinste Mülltonne (inkl. Biomüll) und alle 2 Wochen einen kleinen gelben Sack voll Kunststoff.
    Ansetzen muss man im Supermarkt. Eingepacktes Zeug wohin man sieht. Wird der Verpackungswahnsinn nicht angeboten, dann gibts das einfach nicht und aus. Warum muss man z.B. Zuckermais vorher entpacken (der hat eine natürliche Verpackung) und dann auf einer Styroporschale mit Kunststofffolie wieder neu verpacken. Das ist Irrsinn.
    Ich kaufe nur noch Naturjoghurt und Milch in Glas-Mehrwegflaschen, loses Obst und Gemüse (als Tüte kann man Wäschesäcke verwenden),…
    Wenn jeder ein bisschen bewusster einkauft, kann man viel erreichen.

  3. Und dann gibt’s da noch die neuste Werbekampagne von Ariel: Eine Probe ihres Produktes „3 in 1 Pods“ in ganz viel Plastik verpackt als Zugabe zur Tagespost mit der Möglichkeit, das Ding kostenlos zurückzusenden, wenn man es nicht haben will.
    Wie viel Millionen solcher unnützer Plastikverpackungen landen nun wieder zusätzlich im Müll und letztlich in der Umwelt? Dass Umweltschutz von vielen großen Unternehmen nicht ernst genommen wird, kann man kaum deutlicher zeigen! Es geht nur um’s Geld.

  4. Wenn man ein bisschen nachdenkt, kann man viel Plastik sparen, Supermärkte spielen bei uns dabei aber keine Rolle mehr. Empfehle jedem die Ökokiste. Die steht Freitags bei uns vor der Tür (inkl. Milch). Sollten wir mal was extra brauchen, nehme ich es auf dem Heimweg von der Arbeit im Bioladen mit. Wir sind beide berufstätig und vertrödelt keine Zeit mit Einkaufen. Ach übrigens, wir stellen alle 8 Wochen den gelben Sack raus und arbeiten daran, das auch noch zu reduzieren….

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