Alnatura stoppt Kükenschreddern – jetzt in allen Märkten

Foto © Alnatura

Der Bio-Supermarkt Alnatura bietet nun auch Eier von Legehennen an, deren männliche Geschwister („Bruderküken“) als Masthähnchen aufgezogen werden. Die „Bruderküken-Initiative“ gibt es seit April 2017 in allen Alnatura Märkten.

Männliche Küken von Legehennen können bekanntlich keine Eier legen, für die Mast sind sie auch nicht geeignet. Sprich: Sie haben keinen ökonomischen Nutzen. In der industriellen Tierhaltung werden sie deshalb direkt nach dem Schlüpfen so unaufwendig wie möglich entsorgt: geschreddert oder vergast.

Das ist keine Ausnahme, sondern gängige Praxis, die (fast) jeder unterstützt, der Eier und Hühnerfleisch isst. Man geht von täglich 140.000 getöteten männlichen Küken in Deutschland aus.

„Eier ohne Schreddern“ seit April in allen Alnatura-Märkten

Alnatura möchte diese Praxis gemeinsam mit seinen Bio-Bauern ändern und hat deshalb im Oktober 2016 die Alnatura Bruderküken-Initiative gestartet. „Wir gehen aus ethischen Gründen als erster überregionaler Bio-Händler diesen neuen Weg“, so Robert Poschacher damals, Bereichsverantwortlicher Produktmanagement und ergänzt: „Bislang gibt es in Deutschland lediglich vereinzelte, regionale Angebote für Eier aus Bruderküken-Haltung. Wir wollen jedoch so bald wie möglich in allen über 100 Alnatura Super Natur Märkten sowie bei ausgewählten Handelspartnern die neuen Alnatura Eier anbieten.“ Seit April 2017 gibt es die Eier der Bruderküken-Initiative nun in allen 114 Alnatura Supermärkten.

5 Cent mehr pro Ei

Dass auch die Kunden die Aufzucht der männlichen Küken wollen, zeige die positive Resonanz auf zwei Alnatura Pilotprojekte in Norddeutschland: Die bereits seit 2014 bzw. 2015 im Ökodorf Brodowin bzw. auf Gut Wardow erzeugten Bruderküken-Eier werden laut Alnatura von den Kunden in Berlin und Hamburg sehr gut angenommen. Für das Unternehmen ein Grund mehr für ihre überregionale Bruderküken-Initiative.

Bei diesen Projekten werden die männlichen Bio-Küken zu Masthähnchen, die weiblichen Küken wie bisher zu Legehennen aufgezogen. Weil auch die Bruderküken Platz, Futter und Betreuung benötigen, entstehen zusätzliche Kosten. Diese gleicht Alnatura durch einen höheren Eier-Einkaufspreis aus. In den Alnatura Märkten kostet das Bruderküken-Ei in der 6er-Packung fünf Cent mehr als bisher.

Denkanstoß: Kükenschreddern ist eine grausame Praxis eines kranken Systems, die man als bewusster Konsument nicht hinnehmen kann. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass auch die Hähnchen der Bruderküken-Initiativen Nutztiere sind. Sie dürfen zwar ein paar Wochen länger leben, werden aber am Ende auch getötet. Wer gegen Kükenschreddern ist, sollte das auch zum Anlass nehmen, unseren Umgang mit Tieren als Produkten zu hinterfragen.

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(74) Kommentare

  1. fand ich auch gut … aber nur bis ich bei allnatura feststellen musste
    dass nicht alle angebotenen eier diesem vorsatz entsprechen …
    NUR die aus der 4er packung sind von betrieben die nicht schreddern alle anderen angebotenen eier sind weiterhin von den SCHLECHTEN Betrieben
    habe dies auch UTOPIA mitgeteilt …darauf kam leider keine reaktion..
    fazit Ansatz gut ..
    Umsetzung schlecht

  2. Natürlich wäre wünschenswert, wenn alle Eier schon von dem Programm kämen, aber man muß auch mal etwas Geduld haben.
    Es gibt ja noch gar nicht genug Betriebe, die mit machen.
    Und vermutlich auch noch nicht genug Hühner.
    Ich habe ja schon mal von unserer slow Food Aktion in Augsburg berichtet, wo eine altes Zweinutzungshuhn-Rasse von einer Bäuerin gezüchtet wird.
    Da gab es Anfangs große Probleme genug Kücken zu bekommen.
    Dieses Jahr hatte sie schon viel mehr, aber noch weniger, als Interessenten…
    Sowas dauert einfach und wenn die Verbraucher darauf verständnislos reagieren, dann hilft das dem Projekt nicht im geringsten.

  3. Klingt erstmal gut, habe ich auch sofort in die Tat umgesetzt und kaufte deswegen auch wieder Eier. Allerdings hat mich ein Freund zum Nachdenken gebracht……….er meinte, getötet werden die Hähne so oder so, ob nun als Küken oder als Masthuhn. Da konnte ich nun leider kein Argument dagegen setzten, außer auch weiterhin keine Eier zu kaufen und zu essen.

  4. Genauso schauts aus. Und lieber einen schnellen tot oder ein längeres nicht so schönes Leben? Mit dem Kauf von Eiern unterstützt man ja trotzdem weiterhin den Mord an den Küken, nur halt zu einem späteren Zeitpunkt

  5. Caro, dann erklär Deinem Freund doch mal, dass es durchaus einen Unterschied macht, ob ein Küken/Hähnchen sinnlos getötet und entsorgt wird, oder ob es getötet wird um als Nahrung zu dienen. Vielleicht ist er so einem Ansatz ja sogar intellektuell gewachsen.

  6. eben, ist ja genauso wie bei den männlichen Kälbern, die werden zwar auch meist nicht nach der Geburt getötet sondern erst gemästet und dann geschlachtet ein guter Grund keine Milchprodukte zu kaufen. Genauso ist es mit den Eiern, Veganer kann man jedenfalls mit dieser Methode nicht überzeugen.
    Und sinnlos ist das Töten der Tiere immer denn wir leben im Überfluss, es gibt genug Alternativen. Unser Überleben hängt nicht von Tierprodukten ab. Tierprodukte haben nur Nachteile für die Menschen, die Umwelt, die Tiere und die Gesundheit

  7. „Veganer kann man jedenfalls mit dieser Methode nicht überzeugen.“
    Das will vermutlich auch keiner. Was allerdings keineswegs bedeutet, dass die Argumente und Behauptungen von Veganern alle richtig sind oder gar als Grundlage einer allgemeingültigen Ethik taugen.

  8. „… und dann geschlachtet ein guter Grund keine Milchprodukte zu kaufen.“
    Andersherum wird ein Schuh daraus: Wenn man Milchprodukte zu sich nimmt, ist das ein guter Grund, sich auch mal Kalbfleisch schmecken zu lassen. 🙂

  9. Warum sollte man Veganer mit der Methode überzeugen?
    Gehört sicher nicht in die Zielgruppe der Initiative…was bei 1% der Bevölkerung sicher zu verschmerzen ist. 😉

  10. Ich muss ehrlich sagen, dass ich das nicht sonderlich gut finde.

    1. Was ist allgemein das Problem, wenn Kücken geschreddert und als Futter weiterverwendet werden? Der Tod ist unumgänglich und nichts schlimmes. Wir reden es uns nur selbst ein, dass der Tod schrecklich wäre. Was macht den Tod eines Kückens auf „natürlichen“ Wege (z.B. von Fuchs gefressen) besser oder schlechter als den Tod auf „unnatürlichen“ Wege (geschreddert). Natürlich finde ich Kücken auch absolut niedlich und die Tötung erst einmal grausam, doch sollte man sich lieber vom Geiste als vom Herzen lenken lassen.

    2. Es ist absolut nicht nachhaltig, wenn die Hähne gemästet werden, da ihre Futterverwertung äußerst schlecht ist. Das heißt, dass mehr Futter –> mehr Energie/ Ackerfläche –> und dadurch auch mehr CO2,… produziert und Erdöl verbraucht wird.
    Deshalb finde ich weder die Bruderküken-Initiative (mir war sie bis jetzt als Bruderhahn-Initiative bekannt) noch die Haltung von Zweinutzungshühnern für nachhaltig und naturschonend.

    Ich halte die ökologische Landwirtschaft und ein nachhaltiges Leben absolut richtig, jedoch finde ich, dass Nachhaltigkeit und Umweltschutz nicht durch (eventuell) übertriebene Tierliebe beeinträchtigt werden darf.

    Mit freundlichen Grüßen

  11. „Was macht den Tod eines Kückens auf „natürlichen“ Wege (z.B. von Fuchs gefressen) besser oder schlechter als den Tod auf „unnatürlichen“ Wege (geschreddert).“
    Vielleicht der Sinn hinter der Aktion?
    „Das heißt, dass mehr Futter –> mehr Energie/ Ackerfläche –> und dadurch auch mehr CO2,… produziert und Erdöl verbraucht wird.“
    Auch für die Erzeugung und Bebrütung der Eier werden Ressourcen verbraucht, die vermutlich durch die Verwertung der geschredderten Küken nie und nimmer wieder rein kommen. Daher wirst Du Deine Bewertung der Haltung von Zweinutzungshühnern schon unter Einbeziehung aller Faktoren belegen müssen.
    „Der Tod ist unumgänglich und nichts schlimmes. Wir reden es uns nur selbst ein, dass der Tod schrecklich wäre.“ + „doch sollte man sich lieber vom Geiste als vom Herzen lenken lassen“ + „Es ist absolut nicht nachhaltig…“
    Dann wäre es ja wohl am sinnvollsten, bei sich selbst anzufangen und den Strick zu nehmen.

  12. „Vielleicht der Sinn hinter der Aktion?“ Wieso das? Wie ich bei 2. schrieb ist der Sinn des schredderns (Energieeinsparung,…) nicht verwerflich.

    „Auch für die Erzeugung und Bebrütung der Eier werden Ressourcen verbraucht“ Das ist richtig, aber ich vermute sehr stark, dass die zusätzlich benötigten Ressourcen bei Zweinutzungshühnern weit mehr sind, als die die durch die nutzlose Bebrütung verbraucht werden.
    Durch die Geschlechtsbestimmung im Ei, die hoffentlich bald gängige Praxis wird, fallen in Zukunft auch die Ressourcen für die unnötige Bebrütung männlicher Embryos weg.

    „bei sich selbst anzufangen und den Strick zu nehmen.“ So oder so ähnlich… Abhängig davon, wie man den Sinn des Lebens betrachtet…

  13. „ist der Sinn des schredderns (Energieeinsparung,…) nicht verwerflich.“
    Das behauptest Du.
    „… ich vermute sehr stark, dass die zusätzlich benötigten Ressourcen…“
    Eine Vermutung ist kein Beleg.
    „Abhängig davon, wie man den Sinn des Lebens betrachtet“
    Und Du scheinst ihn ja nur unter dem Aspekt der Energieeinsparung zu betrachten.
    „Geschlechtsbestimmung im Ei“
    Das scheint mir auch ein vielversprechender Ansatz zu sein.

  14. „Eine Vermutung ist kein Beleg“ Das richtig aber wiederlegen kannst du es wahrscheinlich auch nicht und um eine Studie dazu zu starten fehlen mir momentan noch die Mittel.

    „„Abhängig davon, wie man den Sinn des Lebens betrachtet“
    Und Du scheinst ihn ja nur unter dem Aspekt der Energieeinsparung zu betrachten.“
    Die Ressourcen bzw. Energieeinsparung (genau so den Naturschutz) sehe ich nur als Weg zu diesem Ziel. Meiner Meinung nach ist der Sinn des Lebens die Entwicklung bzw. das Bestehen der eigenen Art und meiner Meinung nach müssen wir eben ökologischer/ nachhaltiger leben, damit der Mensch weiter bestehen kann.

  15. „aber wiederlegen kannst du es wahrscheinlich auch nicht“
    Wozu auch? Wer eine Behauptung aufstellt hat diese zu belegen.
    „Meiner Meinung nach ist der Sinn des Lebens die Entwicklung bzw. das Bestehen der eigenen Art und meiner Meinung nach müssen wir eben ökologischer/ nachhaltiger leben, damit der Mensch weiter bestehen kann.“
    Ach so, und anderes Leben ist sinnlos/wertlos? Der Sinn des Lebens besteht nur in der eigenen Art? Schon etwas armselig, oder?

  16. „Meiner Meinung nach ist der Sinn des Lebens die Entwicklung bzw. das Bestehen der eigenen Art“
    Tja, das sehe ich als freiwillig kinderlose Person aber etwas anders…;-)

  17. Also was ist denn das bitte für ein Riesenmüll?!? Es ist also humaner/ti erfreundlicher, ein Küken aufzuziehen (unter übrigens nicht besonders tollen Bedingungen trotz Bio) und es dann zu töten, anstatt es direkt umzubringen? Haben die Leute irgendwie noch nen Hirn zum denken? Ich dachte das wird mit Fleischkonsum extra groß… ??

  18. Das Problem liegt in der Zucht (übrigens nicht nur bei Hühnern, nicht nur bei Tieren sondern auch bei Pflanzen etc.). Was passiert denn mit den gemästeten Hähnchen? Sie können nicht richtig Fleisch ansetzen und werden dann zu Hühnersuppe oder ähnlichem verarbeitet. Natürlich immer noch besser als zu schreddern (was sind denn das für Kommentare hier „Was ist allgemein das Problem, wenn Kücken geschreddert und als Futter weiterverwendet werden?“)…. Aber wir müssen zurück zum Ursprung, weg vom rein wirtschaftlichen Interesse.

  19. „Aber wir müssen zurück zum Ursprung“
    Und der wäre?
    „weg vom rein wirtschaftlichen Interesse“
    Du meinst also, die Halter sollen mehr oder weniger umsonst arbeiten, oder wie? Dann geh ruhig mal zu Deinem Arbeitgeber und erklär Ihm, dass Du da eine prima Idee hast und nicht mehr aus wirtschaftlichen Interessen arbeiten willst.

  20. „Das Problem liegt in der Zucht“
    Und genau das Problem soll ja mit solchen Initiativen aus der Welt geschafft werden.
    Ziel ist es eben, Hühner zu züchten, die sowohl Fleisch ansetzen, als auch Eier zu legen.
    Klar, daß das Ein dann etwas mehr kostet, weil das Huhn nicht so viele legt.
    Und Klar, daß das Brathuhn pro Kilo mehr kostet, weil es etwas weniger Fleisch ansetzt, aber die gleiche Arbeit bei der Aufzucht macht und auch die gleiche Menge Futter benötigt. Es setzt einfach weniger an, weil es mehr rum rennt, als reine Mastrassen.
    Aber das ist ja genau das Ziel solche Zucht, daß man kein bewegungsunfähiges Masthuhn möche, daß sich die Brust aufscheuert, weil es sich vor lauter verfettetem Fleisch nicht mehr auf den Beinen halten kann.
    Ich verstehe nicht so ganz, was der gönnerhafte Spruch „Natürlich immer noch besser als zu schreddern“ in dem Zusammenhang soll…

  21. „das Ziel solche Zucht, daß man kein bewegungsunfähiges Masthuhn möche, daß sich die Brust aufscheuert, weil es sich vor lauter verfettetem Fleisch nicht mehr auf den Beinen halten kann.“

    Die aller meisten Masthühner werden sehr jung geschlachtet. In diesem Alter sind die Hähnchen noch lange nicht Bewegungsunfähig oder zu schwer sich auf den Beinen zu halten. Verfettet sind Masthähnchen definitiv auch nicht, da sie für die Produktion von Fleisch (mageren Fleisch) gezüchtet sind und nicht für die Produktion von Fett.
    „Aufgescheuert“ und Bewegungsunfähig werden sie nur durch die meist extrem enge Haltung in der industriellen Landwirtschaft und hat nichts mit der Zucht dieser Tiere zu tun. Durch eine artgerechtere Haltung mit Freilauf und mehr Platz treten diese Erscheinungen nicht (kaum…) auf.

  22. Naja, es ist vielleicht weniger Fett, sondern Muskelmasse, was den Masthühnern auf die Brust gezüchtet wurde.

    Das Ergebnis ist bei den Turob-Masthühnern aber wie beschrieben:
    http://www.jedes-bisschen-zaehlt.de/glueckliche-tiere/masthuehner-massentierhaltung/

    Solche Masthühner sind für die von Dir beschriebene Haltung gar nicht mehr geeignet.

    Ich habe das schon das Extrem beschrieben, natürlich gibts zwischen echtem Zweinutzungshuhn und Turbo-Masthähnchen auch noch Zwischenstufen, wie z.B. die in Bio-Haltung üblicherweise verwendeten Masthähnchen-Rassen, die ja ca. doppelt so lange leben, wie die konventionellen Masthähnchen.
    Auch die Bio-Rassen werden für meinen Geschmack viel zu groß und zu wuchtig.
    Ich möchte als Verbraucher lieber eine Größe, die mein Mann und ich in zwei Tagen weg schaffen.

  23. naja ob das leben als masthähnchen jetzt so großartig ist möchte ich bezweifeln….nach dem motto, willst du auf die Guillotine oder lieber langsam auf dem Scheiterhaufen schmoren?

  24. Man sollte das Masthähnchen einfach mal vor die Frage stellen, ob es lieber gar nicht auf die Welt gekommen wäre, statt als Masthähnchen zu enden?
    Da wird es allerdings schwierig.
    Ich unterstelle mal, jedes Hühnchen möchte gerne auf die Welt kommen und dann eher länger als kürzer möglichst gut leben und danach möglichst schnell und human sterben…
    Was dabei raus kommt, ist ein Zweinutzungshuhn in argerechter Kleingruppenhaltung.

  25. Bruderküken: Wird nicht gleich nach der Geburt geschreddert, sondern noch 4-8 Wochen gemästet und dann erst geschlachtet. Massentierhaltung ist und bleibt grausam und der einzige Weg dies nicht mehr zu unterstützen ist vegan(er) zu leben. Hier gibt es einige Tipps: http://www.vegaliferocks.de

  26. „Massentierhaltung ist und bleibt grausam und der einzige Weg dies nicht mehr zu unterstützen ist vegan(er) zu leben.“ falsch
    1. Es gibt noch einige Alternativen mehr:
    Fleisch vom Wild –> Das wird gar nicht gehalten, sondern nur von den ach so bösen bösen Jägern ermordet.
    Fleisch von Tieren, die nicht aus Massentierhaltung stammen. (Wer hätte es gedacht?)
    2. Ich finde es viel grausamer Soja vom anderen Ende der Welt zu importieren und als Fleisch bzw. Milchersatz zu verwenden, anstatt ein ökologisch erzeugtes Stück Fleisch zu verzehren.

  27. Ökologisches Fleisch? Wie soll das gehen. Jeder Bauer bei uns nutzt als Futtermittel doch auch Soja. Die Futterrübe oder Kartoffel als Saufutter gibts bei uns nur noch bei Privatleuten.
    Der Umweg „durchs“ Tier ist auch nicht ökologisch… abgesehen davon das der durchschnittliche Veganer oder Vegetarier Soja nicht als Hauptnahrungsmittel nutzt.

  28. „Jeder Bauer bei uns nutzt als Futtermittel doch auch Soja. “
    Nein, das stimmt nicht.
    Man muß die Bauern suchen, die ihre Tiere auf die Weide schicken und nur etwas hofeigenes Kraftfutter zufüttern, aber es gibt sie und sie verdienen es, daß man sie unterstützt.
    Hofeigenes Futter kann inzwischen auch schon Soja sein kann, das ja sogar bei uns in Bayern angebaut wird.
    Aber wir reden hier ja von Hühnern, wo es eher anderes Futter ist.

    Mit solchen Behauptungen, daß jeder Bauer (importiertes) Soja nutzt, spielst Du nur den Leuten in die Tasche, die sich sagen, dann kann ich ja auch billiges Discounter-Fleisch essen, statt teurer Fleisch ab Hof, Bio und ohne Zufütterung zu kaufen.

    Es will nun mal nicht jeder als Veganer oder Vegetarier leben.

  29. Mich würde interessieren, welche Art Zweinutzhuhn verwendet wird. Es eignet sich ja nicht jede Rasse als Lege- und Masttier.
    Wo kann ich erfahren, welche Art Hühner das sein sollen oder weiß das hier vielleicht jemand?

    Im Übrigen sterben auch die Hennen, wenn ihre Legeleistung nach einem Jahr zurück geht. Kein Huhn aus der Nutztierhaltung bzw Hybridhuhn zur Eiproduktion läuft 7 Jahre glücklich über den Hof. Das nur zur Info, da hier kritisiert wurde, dass die Hähne ja nun dennoch sterben würden ( nur eben später).

  30. So wie ich es verstehe, wird noch mit verschiedenen Rassen experimentiert.
    Ich habe aber auch keine genaueren Infos zur Bruder-Hahn-Initiative gefunden.

    Zweinutzungshühner waren früher fast alle Rassen, weil kein Bauernhof sich zwei Rassen für Mast und Eier gehalten hat.
    Diese Rassen sind aber z.T. kaum für den professionellen Einsatz geeignet.

    Wir haben mit Slow Food Augsburg eine Aktion gestartet, wo eine Bäuerin das Augsburger Huhn aufzieht, was eine alte Zweinutzungsrasse ist.
    Dieses Huhn hat aber einige Eigenheiten, was dazu führt, daß es kaum wirtschaftlich gehalten werden kann.

    Es ist sehr behende und kann fliegen und möchte dann auf Bäumen übernachten, was dazu führt, daß es eine leichte Beute für den Marder ist.
    Da es viel leichter ist, als andere Masthühner, wird es in einem Hühnerhof mit gemischten Rassen bevorzugt vom Habicht geholt – logisch.

    Die letzten Jahrzehnte wurde es wegen seinem schönen Hahnenkamm (kronenförmig) in erster Linie als Schau-Huhn gezüchtet.
    Leider wurde dabei bei der Zucht-Auslese wenig auf Gesundheit geachtet, so daß sie auch noch krankheitsanfälliger sind.

    Und zuguter Letzt hat es ein ganz anderes Fleisch, als man bei einem Brathuhn gewöhnt ist.
    Dadurch, daß es mehr rum läuft, ist das Fleisch viel fester und es setzt weniger Fleisch auf der Brust an.
    Manche Liebhaber schätzen den wildartigen Geschmack, der an Fasan erinnert, aber der durchschnittl. Verbraucher kann damit nichts anfangen.

    Die Haltung ist sehr zeitaufwändig und es frißt so viel wie ein anderes Masthuhn, setzt aber weniger an.
    Die Aufzuchtzeit beträgt mind. 6 Monate.
    Auch beim Schlachten und in der Vermarktung ist der Aufwand gleich.
    Das Gewicht aber viel geringer.

    Alle diese Faktoren führen dazu, daß die Bäuerin einen sehr hohen Preis verlangen müßte, um auf ihre Kosten zu kommen.
    Es ist also eher ein Liebhaber-Huhn für Selbstversorgung und weil man solche Rassen als Slow Food Arche Passagier erhalten möchte.

    Das nur mal, um aufzuzeigen, wo überall Schwierigkeiten lauern und warum manche Produkte einfach deutlich teurer sein müssen.

    Für die moderne Bio-Haltung versucht man nun, aus verschiedenen der alten Zweinutzungsrassen ein Huhn mit besseren Eigenschaften zu züchten.

  31. Vielen Dank für die informative Antwort, Maria!
    Unsere Sundheimer sind theoretisch auch Zweitnutzungstiere . Aber auch hier, sehe ich nicht die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Haltung. Daher die Frage, wie das überhaupt funktionieren soll, kann, wird….

  32. Liebe Maria,
    vielen Dank für die ausführliche und erhellende Antwort. Es ist toll, dass du so ein praktisches Beispiel zur Hand hast. Das macht die ganze Debatte auch mal angenehm sachlich.
    Liebe Grüße
    Katharina

  33. Hier habe ich bei Ökolandbau etwas gefunden über die Zweinutzungshühner.
    Es handelt sich nicht um das gleiche Projekt, aber es gibt noch ein paar Details.
    https://www.oekolandbau.de/erzeuger/tierhaltung/artspezifische-anforderungen/gefluegel/grundlagen-der-biogefluegelhaltung/zuechtung/eine-huehnerrasse-fuer-ei-und-fleisch/

    Sundheimer hat die Bäuerin auch, die für uns das Augsburger Huhn züchtet.
    Die sind wohl immer noch leichter zu halten, als das A. H.

    Ich denke, bei solchen Projekten muß man sich immer den ganzen Betrieb ansehen und auf besagtem Betrieb sind die Hühner nur ein kleiner Teil im Puzzle.
    Es werden auch Rinder und Schweine (Schwäb. Hällisches) gezüchtet, sowie Damwild und Wild vom Jäger.

    Es gibt einen kleinen Hofladen, der an ein paar Tagen die Woche geöffnet hat.
    Freitags wird im Wechsel ein Rind oder ein Schwein geschlachtet und möglichst vollständig alle Teile verkauft.

    Durch die Eier kommen viele Besucher regelmäßig in den Hofladen und kaufen dann auch Fleisch und Gemüse.
    Das wird also gewissermaßen Querfinanziert.

    Und viele Leute kommen, um sich die nette bunte Hühnerschar anzusehen. 😉

  34. Ganz allgemein stellt sich mir die Frage, mit welchem Recht hier Veganer wieder mal ein Thema kapern und zerreden, das mit den Vor- oder Nachteilen einer veganen Lebensweise nicht wirklich viel zu tun hat.