Studie: Bio kann die Welt ernähren

Bio Welt ernähren Landwirtschaft
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Bio-Landwirtschaft kann nicht mehrere Milliarden Menschen versorgen – dieses Argument haben wahrscheinlich viele schon einmal gehört. Allerdings stimmt es nicht, wie eine aktuelle Studie zeigt. Bio kann die ganze Welt ernähren – unter bestimmten Bedingungen.

Wir sind zu viele Menschen auf der Welt, mit rein ökologischem Anbau würden wir es gar nicht schaffen, genug Lebensmittel für alle zu produzieren – das ist eines der Totschlagargumente, das Bio-Kritiker immer wieder bringen.

Eine neue Studie gibt ihnen jedoch Unrecht: Ein internationales Forscherteam hat mit einer Modellsimulation berechnet, ob und wie man die gesamte Weltbevölkerung mit Bio-Lebensmitteln ernähren könnte. Ihr Ergebnis: Theoretisch wäre es machbar – wenn wir unser Konsumverhalten und landwirtschaftliche Methoden ändern.

Bio-Lebensmittel für neun Milliarden Menschen

Die zwei wichtigsten Maßnahmen: Lebensmittelverschwendung reduzieren und weniger Fleisch essen. Wenn die Menschheit etwa ein Drittel weniger Fleisch und andere tierische Produkte essen und ihre Nahrungsmittelabfälle um die Hälfte reduzieren würde, könnte man sogar neun Milliarden Menschen mit Bio-Produkten versorgen, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Studie. Die neun-Milliarden-Marke erreichen wir voraussichtlich im Jahr 2050.

Mehr Landfläche für Bio-Anbau

Die Berechnung der Wissenschaftler basiert auf folgenden Grundannahmen: Die Erträge im Bio-Landbau sind deutlich geringer als die der konventionellen Landwirtschaft. Der ökologische Anbau benötigt also mehr Fläche, um auf eine vergleichbare Menge an Ernteerträgen zu kommen. Berechnet man ungünstige Bedingungen beispielsweise durch den Klimawandel mit ein, brauchen wir im Jahr 2050 für den ökologischen Anbau im schlimmsten Fall bis zu 81 Prozent mehr landwirtschaftliche Flächen als heute.

Das funktioniert nur, wenn wir mehr Flächen schaffen und diese effizienter nutzen: Wenn wir weniger Fleisch essen, geht weniger Ackerland für den Anbau von Tierfutter verloren – die Flächen können stattdessen zum Anbau von Nahrung für Menschen genutzt werden. Wenn wir weniger Lebensmittel wegwerfen, „verschwenden“ wir weniger Anbauflächen.

Ökologische Vorteile

Wie die Forscher betonen, hätte die Umstellung auf Bio-Anbau einige ökologische Vorteile. Die konventionelle Nahrungsmittelproduktion belastet die Natur und das Klima etwa durch Pestizide und Überdüngung. Die negativen Konsequenzen könnte man mit einer rein ökologischen Anbauweise reduzieren.

Auch wenn die Ergebnisse der Studie Hoffnung machen – Kritiker halten sie für unrealistisch. Allerdings nicht, weil sie die Berechnungen in Frage stellen, sondern weil sie davon ausgehen, dass sich die nötigen Veränderungen kaum umsetzen lassen.

So erklärte etwa ein Agrarwissenschaftler von der Universität Kassel gegenüber Spiegel Online: „Die Studie zeigt zwar umfassend, was prinzipiell möglich ist, aber eine weltweite Etablierung des fleischarm essenden, vernünftigen Bildungsbürgers ist unrealistisch. Das ist ein Wünsch-dir-was-Szenario, das nur durch große Veränderungen in der Politik und in der Bildung vorangetrieben werden könnte.“

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