Dm führt Männerregal ein – und macht ein Problem unserer Gesellschaft sichtbar

Foto: © dm

Ab März steht in den Filialen von dm ein neues Regal speziell für Männer. Dort findet man nur noch Männerprodukte, außerdem ist das Regal „bewusst anders“ gestaltet. Für das stereotype Konzept gibt es bereits Kritik – das eigentliche Problem liegt jedoch tiefer.

„Seinz.“ – so heißt die neue „Männerwelt“ bei dm, wie „seins“ nur mit „z“. Sie besteht aus Rasier-, Styling- und Pflegeprodukten für Männer, die alle auf einem einzigen, langen Regal platziert sind. Die Idee dahinter: Männer müssen nicht mehr durch verschiedene Bereiche in der Drogerie laufen, um ihre Kosmetik zu finden.

Dm geht es aber auch darum, die männliche Zielgruppe zum Einkaufen zu animieren. „Im Bad hat Frau die Nase noch immer vorn. Betonung auf noch. Denn jetzt kommt Seinz.“, heißt es im aktuellen dm-Magazin.

Dm-Männerregal für „Männer wie unz“

dm Männerregal seinz
Seinz-Kosmetik (Foto: Utopia/nay)

Zusätzlich zu dem Männerbereich kommt eine neue Männerkosmetik-Linie auf den Markt, die ebenfalls „Seinz.“ heißt. Sie besteht aus 21 Produkten, darunter Shampoo, Bartpflege und Gesichtsmasken. Kosmetik „für Männer wie unz“, lautet die Werbung dazu.

Das Regal und die Pflegeartikel orientieren sich im Design am bewährten Gender-Marketing: dunkle Farben, Produkte mit Namen wie „Strassenkicker“ und Slogans wie „für geschmeidige Männerhaut“. Naturkosmetik findet man im Männerregal vergleichsweise wenig.

Geschlechtertrennung bei dm?

Man kann sich die Frage stellen, wie zeitgemäß die Unterteilung in Frauen- und Männerregale ist. Bei Rasur oder Bartpflege ist sie nachvollziehbar. Aber weshalb verwenden Frauen und Männer nicht das gleiche Duschgel oder die gleiche Bodylotion? Und wieso muss eine Gesichtsmaske eine schwarze oder blaue Verpackung haben, damit auch Männer sie kaufen? Ein Autor der Süddeutschen Zeitung kommentiert: „Wollte man die Geschlechtertrennung nicht mal abschaffen? Bei dm wird sie jetzt wieder eingeführt.“

Andererseits ist das Regal für Männer ziemlich praktisch. Sie brauchen nicht mehr durch die Drogerie laufen um Shampoo, Rasiergel und Deo zu kaufen. So ein System würde auch Frauen viel Zeit sparen. Ein „Frauenregal“ mit allen Pflegeartikeln auf einen Blick wäre allerdings undenkbar – es gibt einfach zu viel verschiedene Kosmetik.

Schönheitsideale üben Druck aus

Und genau da liegt das eigentliche Problem: Frauen verwenden deutlich mehr Produkte als Männer – aber nicht, weil sie so viel mehr Körperpflege brauchen. Vielmehr versuchen sie damit Schönheitsideale zu erreichen, die ihnen von klein auf eingeredet werden.

Es fängt schon früh an, etwa mit Frisierköpfen und Schminkpuppen, mit denen Mädchen schminken üben, noch bevor sie lesen können. Später sind es Fernsehshows wie „Germany’s Next Topmodel“ oder „Shopping Queen“, die Frauen auf ihr Aussehen reduzieren. Noch schlimmer sind Frauenmagazine, bei denen es hauptsächlich um Diäten, den perfekten Teint oder makellose Haut geht.

Das Männerregal von dm

Das Ergebnis: Frauen versuchen ständig sich zu optimieren – und brauchen dafür jede Menge Cremes, Gele, Öle, Seren, Peelings, Tagespflege, Fluide und was die Drogerien noch so hergeben. Während viele Männer mit Augenringen oder Hautunreinheiten leben können, überdecken Frauen sie mit Concealer, Foundation, Make-up und anderen Mittelchen. „Frauenkosmetik“ ist außerdem oft teurer als Produkte für Männer. 

Man kann das bewusste Gendermarketing des neuen dm-Männerregals kritisieren. Aber das Regal zeigt vor allem, was in den „Frauenabteilungen“ der Drogerien nicht stimmt. Und egal ob Kosmetik für Männer, Frauen oder beide: der Umwelt und der Gesundheit zuliebe sollte es nur Naturkosmetik sein – nach unserem Geschmack könnte diese in der Drogerie häufiger und präsenter vertreten sein.

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(19) Kommentare

  1. Weshalb diese Aufregung? dm hat da eine clevere Marketingidee die zugleich noch einen praktischen Wert hat.
    Passen die Adjektive Blind und Dämlich zum Wort Mann? Wie sieht es denn da mit der Geschlechterannäherung aus?

  2. Ich verstehe ehrlich gesagt die Aufregung auch nicht. Hier wird ja niemand diskriminiert. Außerdem gibt es in Bekleidungsgeschäften schon seit eh und je getrennte Abteilungen für Männer und Frauen. Nur, da sind wir es gewohnt seit langem. Da hat sich bisher auch noch nie jemand aufgeregt, dass die Damen Hose nicht neben der Herrenjeans platziert ist…

  3. Das eigentliche Problem liegt in der Farbe der Verpackung der Männerprodukte. Nach einem Bericht im WDR-Magazin „Quarks“ erkennen die Scanner der Sortieranlagen der Recycling-Betriebe bei schwarz eingefärbten Verpackungen nicht, um welche Art Kunststoff es sich handelt und sortieren diese – obwohl grundsätzlich recyclingfähig – aus. Das bedeutet, sie werden verbrannt. Das betrifft auch die zunehmend auftauchenden Flüssig-Waschmittel für dunkle Wäsche, deren Behältnisse – da Mann/Frau ja nicht so gut lesen kann – ebenfalls schwarz eingefärbt werden.
    Dadurch wird unnötigerweise Kunststoff zu Restmüll – egal in welchem Regal die Flaschen ursprünglich mal gestanden haben.

  4. Also ich finde das Regal insgesamt unnötig, es ist doch jeder Mensch fähig in einem Laden etwas zu finden, was ihm/ihr gefällt.
    Man muss einfach nur ein bisschen eigenständig denken und sich davon distanzieren unbedingt etwas männliches, oder weibliches kaufen zu wollen.
    Aber ich bin allgemein dafür nur Unisex-Produkte anzubieten, den ganzen Pheromon und Parfüm Schwachsinn braucht doch niemand.

  5. Es gab schon immer „Männerabteilungen“ in Regalen … *soifz*
    Nun ist es halt ein ganzes Regal bei dm, nebst neuer Produktlinie eigens für „Ihn“ …

    Gab und gibt es immer wieder, nix Neues.

    Ich empfehle: Ignorieren und bloß nicht aufregen.

    Einmal bitte alle schütteln, mit den Schulten zucken und was sinnvolles mit der Energie machen. 🙂

  6. Als Mann wäre ich über diese Aktion beleidigt. Als wäre man(n) zu unfähig und fragil, um sich sein Deo oder Shampoo im Standardregal auszusuchen, nur weil es neben Produkten stehen die an Damen gerichtet sind. Wie wäre es denn noch mit einem Bällebad für die armen Herren? Oder ein hübsches Kindermädchen das Händchen hält und die AutoBild bereit hält falls das shoppinggeile Frauenzimmer ihren armen Gatten zu lange warten lässt? Albern ist das. Und ein kleiner aber weiterer Schritt in die aufgedrängte Unmündigkeit.

    Davon ab, nur Naturkosmetik- nach diversen Allergieschüben (inkl. bleibender Schäden im Gesicht) und Haarausfall dankend abgelehnt. Nicht jeder hat eine Haut wie eine Panzerkarosserie.

  7. Ich sehe Gender Marketing auch kritisch, weil gerade für Frauen viele völlig unnötige Produkte zu überteuerten Preisen verkauft werden. Aber ein Regal für Männerkosmetik? Warum nicht? Männerkosmetik ist im Angebot von Drogerien stark unterrepräsentiert, und ich kann verstehen, dass es Männer nervt, sich durch die Regalreihen zu quälen, bis sie das Produkt ihrer Wahl irgendwo gefunden haben.

    Ansonsten fände ich es wünschenswert, wenn die Kommentatoren die Negativbeispiele, die sie bringen, auch kennen würden. Dies ist bei der Sendung Shopping Queen offensichtlich nicht der Fall. Man kann diese Sendung konsumkritisch sehen, keine Frage. Dies hat auch durchaus seine Berechtigung. Aber sie gehört niemals in eine Reihe mit Germany’s next Top Model. Shopping Queen feiert die Typenvielfalt der Frauen. Das sieht man schon am Kandidatinnenfeld: Es gibt sehr kleine und riesig große Frauen, sehr schlanke, „normal“ figurige oder sehr korpulente, sehr junge und sehr alte (die älteste Teilnehmerin war, glaube ich, über 80 und hat sogar gewonnen). Hier geht es eben nicht um die Propagierung eines Einheitstyps, wie er dem Marketing gefällt, sondern um Vielfalt, Stile, unterschiedliche Geschmäcker, und wie man sich typgerecht kleidet. Im Zentrum steht die Kandidatin und nicht das, was die Gesellschaft optisch von ihr erwartet. Dies spiegelt sich auch bei den Gewinnerinnen wider, die sehr oft weder sehr jung noch sehr schlank sind oder dem Massengeschmack entsprechen, wie er von den Marketingabteilungen in ihren Kampagnen propagiert wird.

    Wer Kleidungsstile für nebensächlich hält, dem ist das unbenommen. Wer die Wirkmächtigkeit eines passenden, typgerechten Outfits negiert, der ist noch nie einer selbstbewussten Frau in ihrem individuellen, typgerechten Poweroutfit begegnet – und mit Power-Outfit ist hier nicht der Business-Style à la Merkel oder von der Leyen gemeint.