Drastische Maßnahme: Edeka boykottiert Nestlé

Fotos: Colourbox.de und "Untitled" von steve p2008 unter CC-BY-2.0

Edeka legt sich mit Nestlé an: Die Supermarktkette hat über 160 Nestlé-Artikel aus dem Sortiment genommen. Der Grund dafür ist ein Streit über die Preispolitik von Nestlé.

Wagner-Pizza, Vittel-Wasser, Nescafé oder Produkte von Thomy und Bübchen – all diese Nestlé-Produkte wird es bald bei Edeka deutschlandweit nicht mehr zu kaufen geben. Edeka bestellt schon seit einigen Tagen rund 160 Produkte von Nestlé nicht mehr nach, berichtet die „Lebensmittel Zeitung“ (LZ).

Der Grund für den Bestellstopp: Der europäische Einkaufsverbund Agecore, zu dem auch Edeka gehört, ist unzufrieden mit Nestlés Lieferpreisen. Agecore stört, dass Nestlé keine Preisnachlässe gewährt und die Konkurrenz günstiger beliefert. Mit dem Boykott will Agecore nun Druck auf Nestlé ausüben.

„Drastische Sanktion“ gegen Nestlé

Laut Lebensmittel Zeitung bekamen die rund 4000 selbstständigen Edeka-Einzelhändler von ihren Großhändlern ein Schreiben mit Informationen zu dem Boykott. In dem Schreiben seien 163 Nestlé-Produkte aufgeführt, die nach und nach aus den Regalen verschwinden werden. Die Edeka-Gruppe und ihre Partner sehen sich zu dieser „drastischen Sanktion“ gezwungen.

Weder Edeka noch Nestlé haben sich bislang zu dem Bestellstopp geäußert. Nur das Großhandelsunternehmen „Coop Schweiz“ (ebenfalls Teil der Agecore-Gruppe) bestätigte den Boykott für „gewisse Produkte von Nestlé“. Aktuell verkaufe man außerdem Thomy-Salatsaucen mit 50 Prozent Rabatt – womöglich eine Strategie, um der Marke mit Dumpingpreisen zu schaden.

Nestlé-Boykott könnte wegweisend werden

Der Boykott von Edeka könnte wegweisend für die gesamte Branche werden, schreibt die Lebensmittel Zeitung. Er zeigt aber vor allem eins: Auch wenn Nestlé der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern der Welt ist– Lebensmittelhändler könnten theoretisch auch ohne ihn auskommen. „Wir haben […] gute und preislich attraktive Alternativen“, meinte auch Coop Schweiz laut LZ.

Vielleicht inspiriert der Bestellstopp also auch andere Supermärkte und Unternehmen, ihre Kooperationen mit Nestlé zu überdenken. Außer der Preispolitik gäbe es dafür einige andere Gründe: Fragwürdige Wassergeschäfte, Lebensmittelskandale oder Kinderarbeit auf Kakaoplantagen sind nur einige Beispiele, für die Nestlé immer wieder kritisiert wird.

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(10) Kommentare

  1. Sehr gute Aktion! ?
    Es ist sowieso eine Schande, dass 10 Grossfirmen unser Essen und unsere Getränke kontrollieren, wozu u.a. eben auch Nestle gehört.

    (Coca-Cola

    – PepsiCo

    – Unilever

    – Danone

    – Mars

    – Mondelez International (früher Kraft)

    – Kellogg’s

    – General Mills

    – Nestlé

    – Associated British Foods)

    Nur 2 davon wurden von Oxfam als fair bezeichnet, darunter auch Nestle. Wenn man also die Schlagzeilen von Nestle bedenkt weiß man, dass keines dieser Grossunternehmen (welche hinter 100ten anderen Marken stecken) eine faire Arbeitsweise für Mensch und Natur anstreben.

    Es gibt allerdings immer Alternativen.

    Ich würde mich freuen, wenn auch andere Märkte diese Großunternehmen meiden würden allerdings nicht nur wegen der Lieferpreise sondern wegen der Alleinkontrolle des Lebensmittelmarktes und vor allem der Ausbeutung von Menschen und Natur.

  2. Es liegt nur an uns!

    Klar ist das eine schöne Sache, aber es geht hier sicher ausschließlich um Preise. Sobald sich die Konzerne geeinigt haben, sind die hochverarbeiteten Lebensmittel wieder in den Regalen. Die ganze Aktion ist nur eine Kraftprobe. Man will herausfinden, wer den längeren Atem hat. Nur mit viel Glück muss Nestlé draußen bleiben.

    Aber es liegt doch nur an uns, dem Konsumenten. Wir MÜSSEN das Zeug nicht kaufen! Mit ein wenig Übung dauert es auch nicht länger, ein leckeres Essen aus unverarbeiteten Zutaten zu zaubern – und isst zudem viel gesünder.

    Würden wir alle auf die Produkte der handvoll Großfirmen verzichten, wären sie ratz-fatz vom Markt.

    Also lasst uns weiter mit offenen Augen einkaufen, umdenken und Freunde, Familienmitglieder und Kollegen überzeugen, mitzumachen!

  3. Oxfam hat als maßgebende Instanz nun zwar nach den letzten Skandalen versagt, dennoch bleibt die Liste richtig. Und klar geht es um Geld und nicht um Moral. Aber man kann wieder bei Edeka einkaufen, und den Filialleiter sprechen wollen, und betonen, dass man so lange hier Kunde und Kundin ist, wie Nestlé draußen bleibt. Und am Eingang am Hundeschild „wir müssen leider draußen bleiben“ einfach das Wort Nestlé dran hängen.. 😉

  4. Ja, das lässt sich Edeka nicht gefallen. Es geht mal wieder um den Rabatt.
    Schade, dass ein Discounter wie Edeka, Konzernware von Nestle nicht aus umweltpolitischen oder gar ethischen Gründen boykotiert.
    Das mit dem Nestle-Boykott aus eigenen Gründen kann ja jeder für sich machen. Finde es dennoch Schade, dass es keine Ketten gibt, die Nestle grundsätzlich boykottieren. Das wäre ein deutliches Zeichen, was allerdings gutes Rückrat und die entsprechende Einstellung verlangen würde.

  5. DA es hier um Preispolitik und NUR um Preispolitik geht, sollte man einmal überdenken, bei wem NESTLE sparen wird, wenn es sich auf den Druck von EDEKA einlassen wird.?
    Es ist naiv zu denken, dass NESTLE günstiger wird und alle dann glücklich sind. Denn im Endeffekt wird dann im Hause NESTLE gespart, und sei es, dass Mitarbeiter gehen müssen
    Aber Hauptsache, der Konsument kann noch günstiger einkaufen – ich hatte gehofft, die Geiz- ist Geil-Ärea hat endlich sein Ende

  6. Hier gehts nur ums Geld wenn Nestle den andren wie Edeka auch die 0,4% bessere Preise einräumt wird das nur Auswirkung nach unten also den Kaffeebauern und Kakaosklaven haben

  7. Grundsätzlich gute Aktion, Schade ist allerdings das es sich hier leider nur um ein preispolitisches und nicht um umweltpolitisches oder moralisches Boykott handelt. Dennoch zeigt es das Nestle nicht allmächtig ist und wir alle es in der Hand haben. Ich denke wenn wir als Verbraucher den jeweiligen Edeka Filialleitern gratulieren zu dieser Aktion und ihnen mitteilen das wir gern hier einkaufen kommen solange Nestle draußen bleibt – bei uns aber motiviert wegen umweltpolitischer und moralischer Bedenken – würde dies ebenfalls eine Denkprozess auslösen. Und wer weiß da man sieht das es auch ohne Nestle geht, bleibt es dann vielleicht so 🙂

  8. Klasse, solche Nachrichten!
    Werde jetzt EDEKA-Stammkunde!! (Auch wenn’s der EDEKA v.a. um den Preis und weniger um Umwelt- oder ethische Aspekte geht: Die Hauptsache ist der Effekt!)

  9. Gute Aktion, leider dass falsche Motiv. Mir fallen auf Anhieb viele andere Gründe ein diesen Konzern zu boykotieren. Leider sehe ich auch in Bioläden immer häufiger Nestlé Produkte. Meine Strategie dagegen kochen mit frischen Lebensmitteln und was ich nicht selber herstellen kann da habe ich ca. 3 Hersteller die nichts mit Nestle, also an denen Nestlé auch keine Aktien hält deren Produkte ich kaufe.