Saubermacher oder Keimschleuder – wie hygienisch ist feste Seife?

Seife am Stück bekommt man ganz ohne Plastik
Foto: © Alexander Raths - Fotolia.com

Wer Plastik vermeiden will, benutzt oft feste Seifenstücke statt Flüssigseife aus einem Seifenspender. Aber ist das auch hygienisch? Oder übertragt das Seifenstück Bakterien und Keime? Mehrere Studien geben eine Antwort.

Für die Umwelt ist feste Seife die bessere Wahl – wer Seifenstücke verwendet, spart in der Regel jede Menge Plastik– und Verpackungsmüll ein. Viele bleiben trotzdem lieber bei der Flüssigseife, aus Sorge, dass das Seifenstück zu stark mit Bakterien belastet ist.

Immerhin fassen wir die Seife mit schmutzigen Händen an und verunreinigen sie mit den Keimen, die an unseren Händen kleben. Aber wie groß ist die Infektionsgefahr durch feste Seifenstücke?

Die New York Times widmete sich kürzlich in einer Gesundheitskolumne dieser Frage – und kam zu einem interessanten Ergebnis: Feste Seifenstücke übertragen keine Bakterien oder Krankheiten.

Studien zu fester Seife

Die New York Times berief sich dabei auf verschiedene Studien – die gründlichste stammt aus dem Jahr 1965: Forscher hatten ihre Hände für Experimente mit fünf Millionen Bakterien kontaminiert, darunter E.coli und Staphylokokken. Anschließend wuschen sie ihre Hände mit einem Seifenstück. Danach benutzten andere (unbelastete) Personen die Seife. Die Analyse zeigte: Die Bakterien wurden nicht auf die nachfolgenden Benutzer übertragen.

Mehrere ähnliche Studien – unter anderem aus den 80er-Jahren – konnten bestätigten, dass sich auf den Seifenstücken zwar Bakterien befinden können, diese aber nicht übertragen werden, berichtet die New York Times.

Weniger Keime in Flüssigseife

Raus aus dem Bad: Seifenspender mit Flüssigseife
Flüssigseife. (Foto: © e.m. - Fotolia.com)

Es gibt aber auch Untersuchungen, die vor fester Seife warnen. Eine Studie aus dem Journal of Environmental Pathology Toxicology and Oncology etwa zeigt, dass Flüssigseife weniger stark mit Bakterien kontaminiert ist als feste Seife.

Die Wissenschaftler empfehlen deshalb, im öffentlichen Raum keine feste Seife zu benutzen. Die Studie untersuchte allerdings lediglich, wie viele Bakterien sich auf den Seifenstücken und Flüssigseife befanden. Ob die Bakterien auch übertragen werden, wurde nicht analysiert.

Seife richtig aufbewahren

Die gute Nachricht ist also: Wer feste Seifen statt Flüssigseife verwendet, produziert weniger Plastikmüll – ohne Gefahr für die Gesundheit. Empfehlungen findest du in unserer Liste mit den besten Naturseifen:

Empfehlenswerte Seifen: Bestenliste – Die beste Naturseife 

Generell gilt bei festen Seifen: Wichtig ist, sie richtig aufzubewahren. Die Seife sollte nicht allzu lange nass sein, denn Bakterien lieben eine feuchte Umgebung. Ideal ist daher eine Seifenschale, bei der das Wasser gut ablaufen kann, damit die Seife schnell trocknet.

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(8) Kommentare

  1. Danke für diesen Artikel. Es wird Zeit, die Seife zu rehabilitieren. Dass feste Seifen aus öffentlichen Waschräumen verschwunden sind, hat vor allem mit der (unbegründeten) Panikmache der Kosmetikindustrie vor Keimen zu tun. Doch das ist genauso ein Märchen wie jenes vom Säureschutzmantel, der angeblich von festen Seifen mehr angegriffen wird, als von Flüssigprodukten. Hintergrund ist schlicht ein kommerzieller: Mit einem Flüssigprodukt wie Seife, einem „seifenfreien Waschstück“ oder Duschgel für 1,50 oder 5,– Euro lässt sich mehr verdienen als mit einem Stück Seife für 25 Cent. Inzwischen hat die Industrie auch nachhaltig die Hautärzte beeinflusst, die dann ebenfalls alles „seifenfreie“ empfehlen und vor echter Seife gar warnen.

    Das Problem: Flüssigprodukte müssen wegen des Wassergehalts immer konserviert werden (feste Seife nicht), sie kommen in Einwegplastikflaschen daher, verursachen hohe Transportkosten, da zu mehr als 90 Prozent einfach nur Wasser transportiert wird, sie sind künstlich gefärbt und beduftet, was wiederum Reizungen auslösen kann; zudem trocknen sie die Haut so aus, dass man der geneigten Kundschaft gleich auch noch Handcremes und Bodylotions mitverkaufen kann.

    Auf der (basischen) Oberfläche von echten festen Seifen haben Keime dagegen kaum eine Überlebenschance. Sie brauchen einfach eine geeignete Seifenschale, damit sie nicht im Wasser liegen. Keime entwickeln sich immer im feúcht-nassen Milieu, daher müssen Flüssigprodukte auch immer konserviert werden. Hier die (etwas aktuellere) Meinung eines Wissenschaftlers der Universität Graz zum Thema:

    https://derstandard.at/1331780000449/Genauer-Betrachtet-Sind-Seifen-Keimschleudern

    Im normalen Haushalt besteht überhaupt kein Grund, Flüssigseifen zu verwenden. Überlegt mal: Selbst wenn was auf der Seife wäre – Ihr WASCHT Euch die ja Hände. Das größere Risiko ist der Türgriff beim rausgehen, den vor Euch Leute angefasst haben, die ihre Hände vielleicht GAR NICHT gewaschen haben. Egal mit was.

    Feste Seife besteht eigentlich nur aus Natronlauge und Fett. Sie ist so vollständig biologisch abbaubar. Die Industrie mixt allerdings auch da oft noch unnötige Dinge mit hinein wie EDTA, künstliche Farben oder Düfte. Und oft wird Palmöl verwendet. Da hilft ein Blick auf die Zutatenliste oder eine App wie Codecheck.

  2. Seife kann man restlos aufbrauchen ohne Rückstände. Ich nehme den Rest und „klebe“ ihn an ein neues Stück so daß es dadurch vollständig aufgebraucht wird. Hält problemlos fest. Auch das ist ein Vorteil gegenüber Flüssigseife…

  3. Jetzt brauche ich nur eine Seife, mit der ich auch die Haare waschen kann, das geht mit gewohnlicher Seife nicht. Das liegt an irgendwelchen Kalk- (?) oder Fettrueckstaenden, die man nicht aus den Haaren herausbekommt. Diese Rueckstaende bleiben auch auf der Keramik zurueck, deshalb ist wiederum ein erhoehter Reinigungsaufwand noetig.
    Also eigentlich eine feste Seife mit den Eigenschaften einer Fluessigseife.
    Und uebrigens: nicht umsonst ist das in Krankenhaeusern undenkbar, wo OP-Personal die Wasserhaehne usw. mit den Armen betaetigt!
    MfG W. Labuhn

  4. Hallo blauwasser,
    inzwischen gibt es zahlreiche feste Shampoos und Haarseifen auf dem Markt. Ich benutze diese schon lange inzwischen habe ich die für mich richtige gefunden. Ich habe lange und feine Haare und musste mir früher alle 2 Tage die Haare waschen mit dem festen Shampoo muss ich das jetzt nur noch einmal in der Woche, daher rechtfertigt sich auch der minimal höhere Preis.

  5. baluwasser, es gibt extra Haarseife und ganze Gruppen dazu im Internet. Meine Haare wasche ich seit inzwischen Jahren mit reiner Olivenölseife (ich hole mir immer diese großen viereckigen Klötze – sie halten knapp ein Jahr, ich wasch mich damit auch beim Duschen und Baden oft). Man kann abschließend eine Rinse nehmen, was ich aber auch Jahre nicht gemacht habe – derzeit probiere ich Kamillentee und Zitrone. Ich bürste sie anschließend mit ner Naturhaarbürste. Etwas graue Rückstände bleiben drin, die wasche ich dann aus der Bürste.
    Die Haare selber sind anstandslos, wurden schon gelobt.
    Ich muss sie auch nicht mehr alle zwei Tage waschen.

  6. Ein sehr guter Beitrag.
    Ich weiß auch nicht wann genau die allgemeine Hygienehysterie ausgebrochen ist und so viele Leute glauben sie müssten ständig sich selbst und ihren gesamten Haushalt desinfizieren (als müsste man stänig in der eigenen Wohnung auf die nächste große Operation vorbereitet sein) Wenn man nicht gerade selbst oder eine andere Person an einer Immunschwäche oder hoch infektiösen Erkrankung leidet reicht sauber völlig aus. In der Erkältungs- bzw Grippezeit reicht es aus sich häufiger die Hände zu waschen.

  7. Feste Seife aus „öffentlichen Räumen“, wie Krankenhäusern, Gastronomie, Schulen, Flughäfen, Bahnhöfen …. zu verbannen hat nichts mit Hysterie zu tun, sondern mit Hygiene und Stabilität von Keimen auf langsam auseinanderlaufenden Seifen auf einem Bahnhofsklo.

    Flüssigseifen, Wolfgang hatte schon ein paar Stichworte genannt, enthalten unter anderem auch Haftmittel, mit dem Düfte an die Haut gehaftet werden und wegen ihrer Allergieförderung umstritten sind.

    Soweit Flüssigseifenbehälter aus Vorratsgebinden nachgefüllt werden, was in der Industrie (Mitarbeiter-WC, Kantine etc.) und Gastronomie nicht unüblich ist, konterkarieren die hygienischen Bedingungen beim Umfüllen und Lagern den Gedanken einer geschlossenen Hygienekette.

    Und: auch das stärkste Konservierungsmittel geht in die Knie, wenn die Flüssigseife nett drappiert auf dem Fenstersims in der Sonne strahlt. Erkennungszeichen: die Seife ist „reif“, wenn sich oben an der Flasche schon Kondensat bildet.

    Ich halte es aus Erfahrung grundsätzlich so, dass ich öffentliche Orte meide, um mir nicht sprichwörtlich die Pest zu holen. Sei es aus herumgeisternden Keimen ausserhalb des Flüssigseifenbehälters (Seifenabzug am Behälter) oder der Flüssigseife im Behälter.

    Ich bin halt öfter in einer Klinik mit gut tausend Patienten (stationär, ambulant, Rettungsdienst) und ebenfalls gut zweitausend Besuchern, Krankenwagen- und Transportfahrern, sonstigen Dienstleistern etc., pro Tag. Ein Fehlgriff dabei kann nur etwas Harmloses oder eben auch etwas Ernsthaftes auslösen.

  8. Ich bin beruflich in der Hygiene tätig und kann nur immer wieder den Kopf schütteln. Der Focus liegt auf den falschen Dingen. Es ist nicht die böse Seife, man sollte erst mal bei sich anfangen. Zum Beispiel, sie zu benutzen….Wenn Spender für Flüssigseife nicht beim Wechsel gesäubert werden, sind sie schlimme Keimschleudern. Und wenn ich mit zentimeterlangen Fingernägeln herumrenne, nehme ich alles darunter mit nach Hause. Ich benutze zuhause nur feste Seife und habe keine Infektionen seit Jahren

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