Sozialexperiment: Bauer schlachtet Gänse in der Fußgängerzone

Foto: Screenshot Quarks Facebook

Es ist ein gewagtes Experiment: Ein Bauer verkauft in einer Kölner Fußgängerzone Gänse – und schlachtet die Tiere direkt vor den Augen der Kunden. Eine Kamera hält die Reaktionen der Passanten fest.

Viele von uns essen Fleisch – wie die Tiere geschlachtet werden, bekommen wir jedoch nicht mit. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) wollte herausfinden, ob sich unser Umgang mit Fleisch ändern würde, wenn wir die Schlachtungen mit eigenen Augen sehen würden – und führte deswegen ein gewagtes Sozialexperiment durch.

Der WDR hat sich dafür mit einem Geflügelmäster zusammen getan. Der Bauer verkaufte am Samstag (9.12.) in der Kölner Innenstadt Gänse an. Die Gänse lebten allerdings noch – und wurden direkt vor den Kunden geschlachtet.

„Absoluter Horror“

Die Kunden konnten sich ihre Gänse selber aussuchen. Der Verkäufer erklärte ihnen, wie das Tier gelebt und welches Futter es bekommen hatte. Vor der Schlachtung wurden erhielten die Tiere noch eine Elektrobetäubung.

In den sozialen Medien sorgte das Experiment für Aufruhr. Das Facebook-Video wurde seit Samstag über drei Millionen mal aufgerufen und über 24.000 mal geteilt (Stand 12.12.) Die Reaktionen in der Fußgängerzone waren unterschiedlich: Die meisten Passanten waren entsetzt, bei manchen flossen Tränen. „Ich find’s richtig schrecklich. Absoluter Horror was hier passiert“, sagt etwa eine Frau in die Kamera.

Die Aktion bekam jedoch auch Lob: „Das passiert jeden Tag. Deswegen finde ich die Aktion gut um bewusst zu machen, dass die Tiere vorher gelebt haben und jetzt sterben für uns – und wir uns gar keine Gedanken darüber machen.“

Industrielle Massentierhaltung

Die Mehrheit der befragten Leute auf der Straße war sich jedoch einig: So etwas wollen sie nicht sehen. Die Bilder, die man aus der industriellen Massentierhaltung zu sehen bekommt, – und aus der nach wie vor das meiste Fleisch stammt — sind allerdings weitaus schlimmer: die Tiere sind auf engstem Raum zusammengepfercht, sehen kein Tageslicht und verletzen sich oft gegenseitig – bevor sie geschlachtet werden, durchlaufen sie einen langen Leidensweg. Dem WDR zufolge sterben in Schlachthöfen jeden Tag zwei Millionen Tiere.

Das Experiment regt zum Nachdenken an

Die Schlachtung sichtbar zu machen kann dazu beitragen, Fleischesser zum Nachdenken anzuregen. Dass sich dadurch die Einstellung zu Fleisch grundlegend ändert, bezweifelt der Psychologe Professor Christoph Klotter. Wenn jemand gerne Fleisch esse, werde der Effekt nur kurz sein, erklärte Klotter gegenüber dem WDR. Aber zumindest gebe es vermehrt Widerstand gegen Massentierhaltung.

Hier könnt ihr euch das Video zum Experiment ansehen (Mit Klick auf „Watch on Facebook“). In dem Video sind kurze Szenen der Schlachtung angedeutet, deshalb hat Facebook die Vorschau des Videos gesperrt. Das Video ist zwar nichts für schwache Nerven, Blut und die Schlachtung an sich sind jedoch nicht eindeutig zu sehen. 

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