Die größte Meeressäuberung der Geschichte steht kurz bevor

ocean clean up
Foto: © The Ocean Cleanup

„The Ocean Cleanup“ ist dem Ziel, die Ozeane von Plastikmüll zu befreien, wieder ein Stück näher: Der riesige Meeresstaubsauger wurde zu Wasser gelassen. Am 8. September soll das Gerät im Pazifischen Müllstrudel seine Arbeit aufnehmen.

Der Pazifische Müllstrudel stellt die weltweit größte bekannte Ansammlung von (Plastik-)Müll in den Meeren dar. Neuesten Erkenntnissen zufolge soll der Müllstrudel zwischen Kalifornien und Hawaii, in dem sich aufgrund der Meeresströmungen besonders viel Abfall sammelt, bereits rund fünfmal so groß wie Deutschland sein und 1,8 Billionen Plastikteile enthalten.

Das Projekt „The Ocean Cleanup“, das der Niederländer Boyan Slat vor einigen Jahren als Teenager initiierte, hat sich zur Aufgabe gemacht, die Meere von Plastikmüll zu befreien. Nach mehreren Jahren der Entwicklung  wurde im Sommer 2017 ein Prototyp in der Nordsee installiert. Mit einigen Änderungen im Design und Aufbau hielt der Meeresstaubsauger den harschen Bedingungen der Nordsee stand.

Jetzt wird man sehen, ob er sich auch im Pazifik bewährt. Am 3. August wurde die Anlage in Alameda bei San Francisco zu Wasser gelassen. The Ocean Cleanup hat dazu ein Video im Zeitraffer veröffentlicht:

Auch der Starttermin ist endlich bekannt. Am 8. Septemeber soll es losgehen.

So funktioniert „The Ocean Cleanup“

Mit einem Gerät mit kilometerlangen Fangarmen will „The Ocean Cleanup“ ab diesem Sommer tonnenweise Plastikmüll aus dem Meer fischen. Dabei wird es von einer in 600 Metern Tiefe im Wasser treibenden Ankerkonstruktion an Ort und Stelle gehalten. Ziel des Projekts ist es, in fünf Jahren die Hälfte des angesammelten Plastikmülls im Pazifik abzusaugen. Dazu sollen bis zum Jahr 2020 ganze 60 Anlagen in Betrieb genommen werden.

Diese Youtube-Video erklärt, wie es gehen soll:

Die „Arme“ sind dabei ein bis zwei Kilometer lange Röhren. Eine Verlängerung nach unten funktioniert wie eine Art Sieb, das Müll an der Meeresoberfläche abfischt. Es soll allerdings nicht in der Lage ein, Mikroplastik aufzufangen. Für Fische soll das Gerät ungefährlich sein, da sie unter den Fangarmen durchschwimmen können. Der Plastikmüll, der an den Armen hängenbleibt, wird in regelmäßigen Abständen von Booten aufgesammelt und dann recycelt.

The Ocean Clean Up Plastikmüll
Die Fangarme des Geräts (Foto: © The Ocean Clean Up)

Boyan Slat: der Gründer von The Ocean Cleanup

The Ocean Cleanup ist wohl das bekannteste Meeressäuberungsprojekt. 2013 hatte der damals 18-jährige Boyan Slat das Unternehmen gegründet. Spätestens nach seinem Ted-Talk 2014 erhielten Boyan Slat und sein Start-up internationale Bekanntheit. Der Talk über Plastikmüll wurde auf YouTube über zwei Millionen Mal aufgerufen. Seit 2013 hat The Ocean Cleanup über 30 Millionen Dollar an Spenden eingesammelt, unter anderem durch Crowdfunding. Inzwischen ist Slat 24 Jahre alt – und hat ein Team von mehr als 60 Leuten hinter sich.

Boyan Slat The Ocean Clean Up Plastikmüll
Boyan Slat, Gründer von „The Ocean Clean Up“ mit Plastikmüll aus dem Meer (Foto: © The Ocean Clean Up/Pierre Augier)

Ein Video erklärt, wie „The Ocean Cleanup“ in etwa funktionieren soll:

The Ocean Cleanup: Unrealistische Versprechen?

Das demnächst startende Pilotprojekt im Pazifischen Müllstrudel wird zeigen, ob der Plan von „The Ocean Cleanup“ aufgeht. Das Versprechen des Unternehmens, in fünf Jahren die Hälfte des Plastikmülls aus dem Pazifischen Müllstrudel herausfischen zu können, halten einige Kritiker für unrealistisch. Manche befürchten sogar, dass der „Meeresstaubsauger“ eher Schaden im Meer anrichten könnte.

Utopia meint: „The Ocean Cleanup“ war das erste größere Projekt zur Säuberung der Meere und hat dem Plastikmüll-Problem in den Meeren bereits zu viel Aufmerksamkeit verholfen. Es wäre ein großartiger Erfolg, wenn die Anlage tatsächlich so funktioniert, wie die Entwickler glauben und sie dazu beitragen kann, die Ozeane von Müll zu befreien. Es lohnt sich aber, gleichzeitig andere Projekte im Auge zu behalten, die ähnliche Ziele verfolgen.

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(8) Kommentare

  1. Man kann nur hoffen, das es so wie gewünscht funktioniert. Oder wenigstens auch nur halb so gut…
    Aber endlich tut wer was und redet nicht bloß, wie die großen Fischerflotten, die die Meere töten.

  2. Ich frage mich immer noch, wer die Kosten für die Schiffe bezahlen wird …?
    Wie funktioniert und wer zahlt das Recycling der Plastikmassen, die vermutlich voller Muscheln und Algen und Krams sind, nachdem sie monatelang im Meer trieben…?

  3. Was ein Blödsinn! Vermeiden wäre tausendmal sinnvoller. Die gefährlichen Mikropartikel können damit nicht aufgefischt werden und Fische ’sollen‘ dabei nicht zu Schaden kommen. Wer’s glaubt. Hört auf, den Dreck zu kaufen, hört auf, mit Euren Autos zu fahren, Fleisch zu essen und Flugzeuge zu benutzen, damit wäre viel mehr gewonnen. Aber dazu seid Ihr alle ja viel zu … Das Üble daran: jeder, der einen Euro gibt, wird sich damit im Recht glauben, genau so weitermachen zu können wie vorher und alles wird noch viel schlimmer werden.

  4. Mit diesem Gerät alleine ist es nicht getan, stellt nur eine „Notlösung“ dar!
    Es ist katastrophal, wo überall in der Natur Plastik zu finden ist, längst nicht nur in den Meeren, sondern auch in den Wäldern, auf Feldern, in Straßengräben, überall!

    Auch in der Landwirtschaft wird viel zu lässig mit Plastik umgegangen, teilweise das Zeug sogar auf den Äckern untergepflügt.
    Zudem ist es erlaubt, daß ein bestimmter Prozentsatz an Plastikverpackung beim Schreddern von Gemüse mitgeschreddert wird und so in den „Bio“-Gasanlagen landet und letztendlich auf unseren Äckern! Da sollten massiv die Alarmglocken schrillen und jedem die Nackenhaare zu Berge stehen.

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