5 geniale Ideen, die unsere Erde retten sollen

Ideen Welt retten
Foto: © kit291 - Fotolia.com; Utopia

Straßen, die Strom produzieren, künstliches Fleisch und riesige Meeresstaubsauger – Unternehmer und Forscher haben jede Menge Ideen, um die größten Umweltprobleme unserer Zeit anzugehen. Wir stellen euch fünf erstaunliche Konzepte vor.

Luftverschmutzung, Plastikmüll im Meer, knappe Rohstoffe, Artensterben und der Klimawandel – unserem Planeten geht es nicht gut. Nahezu täglich erfahren wir von einer neuen katastrophalen Entwicklung.

Viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hingegen diejenigen, die etwas dagegen tun. Wir stellen euch fünf Projekte vor, die die schlimmsten Umweltprobleme unserer Zeit lösen könnten.

1. CO2-Filteranlagen

In vielen Großstädten weltweit ist die Luftverschmutzung gefährlich hoch. Auch in einigen deutschen Städten werden Schadstoff-Grenzwerte teilweise nicht mehr eingehalten, viele Erkrankungen lassen sich auf schlechte Luft zurückführen.

Climeworks

Dagegen geht unter anderem das Schweizer Unternehmen „Climeworks“ vor – mit einem revolutionären Konzept: Die Firma betreibt die weltweit erste kommerziell genutzte CO2-Filteranlage. Die Anlage filtert mit 18 Kollektoren das Treibhausgas CO2 direkt aus der Luft.

Klimawandel CO2-Filter Luft
Die erste Anlage von Climeworks (Foto: © Retter / Climeworks)

Das Prinzip funktioniert folgendermaßen: Ventilatoren saugen die Umgebungsluft an. Im Inneren der Anlage stecken Zellulose-Filter, die das CO2 absorbieren. Nach einigen Stunden sind die Filter voll und mit CO2 gesättigt. Das gewonnene CO2 verkauft Climeworks weiter, etwa an Gewächshäuser. So sorgt Climeworks dafür, dass Klimaschutz auch ökonomisch nachhaltig ist.

Mehr Informationen: Climeworks: Das Unternehmen, das CO2 aus der Luft filtert 

Smog Free Tower und Smog Free Bike

Ähnlich wie die Anlage von Climeworks funktioniert auch der „Smog Free Tower“ eines niederländischen Designers. Der Turm filtert jedoch kein reines CO2, sondern reinigt die Luft von Smog und Feinstaub. Laut Herstellerangaben ist der Smog Free Tower der größte Luftreiniger der Welt – er soll 30.000 Kubikmeter Luft pro Stunde reinigen.

Der Smog Free Tower des niederländischen Designers Roosegaarde (Foto: © Studio Roosegaarde/Hasy)

Der Mechanismus ist dabei ein anderer als bei Climeworks: Im Inneren des Turms befinden sich Kupferspulen, die Feinstaub aus der Luft elektrisch aufladen. Anschließend wird der Staub mithilfe von Filtern gebunden, während der „Smog-Staubsauger“ die gereinigte Luft wieder ausstößt. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert auch das „Smog Free Bike“, ein Fahrrad, das die Luft bei Fahren reinigt.

smog free bike rooseegaarde luftverschmutzung
Das Smog Free Bike ist für Städte mit hoher Luftverschmutzung gedacht. (Foto: © Studio Roosegaarde)

Mehr Informationen: Smog Free Bike: Dieses Fahrrad reinigt die Luft beim Fahren 

2. Künstliches Erdöl

Erdöl ist einer der wichtigsten Energielieferanten weltweit – zugleich aber auch einer der umweltschädlichsten. Das norwegische Unternehmen „Nordic Blue Crude“ arbeitet deshalb derzeit daran, klimaneutrales künstliches Erdöl herstellen.

Die Zutaten: Wasser, CO2 – und Ökostrom. 2020 soll die erste Großanlage entstehen. Das Unternehmen arbeitet dafür mit einer Reihe von Partnern zusammen, unter anderem mit Climeworks, sowie mit der deutschen Firma „Sunfire“. In einer Pilotanlage produzierte Sunfire bereits mehrere Tonnen des künstlichen Erdöls.

Mehr Informationen: Norwegen: Unternehmen will ab 2020 künstliches Erdöl produzieren 

3. Stromerzeugende Straßen

Solar Fahrradweg
Der Solarradweg beim Aufbau (Foto © SolaRoad Netherlands)

Auch in der Stromerzeugung machen vielversprechende Projekte Mut und Konzepte für erneuerbare Energien werden immer kreativer. So können Radfahrer in Amsterdam seit 2014 auf dem weltweit ersten Solarradweg fahren. Der 70 Meter lange Radweg mit Solarpanelen produziert selbst im Winter bei schwacher Sonne Strom. Experten zufolge kann rund ein Fünftel aller Radwege in den Niederlanden prinzipiell zur Erzeugung von Ökostrom genutzt werden.

Stromerzeugender Fußweg London Pavegen
Der stromerzeugende Fußweg in London (Foto: © pavegen)

Ein vergleichbares Konzept wurde auch in London getestet. Ein Unternehmen baute im Herzen des Londoner Westend einen stromerzeugenden Fußweg auf. Der Fußweg erzeugte durch die Schritte der Passanten Strom und betrieb damit LED-Lichter und Tonaufnahmen. Projekte wie diese zeigen, dass die Energiegewinnung der Zukunft mit dem Stadtbild verschmelzen wird. Strom aus Kohle- oder Atomkraftwerken gehört hoffentlich bald der Vergangenheit an.

Mehr Informationen: Solarradweg erreicht Spitzenwerte und Stromerzeugender Fußweg in London eröffnet

4. Künstliches Fleisch

Der weltweite Fleischkonsum ist so hoch wie nie zuvor – für das Klima und unsere Umwelt ist das eine Katastrophe. Bei der Fleischproduktion und der Viehhaltung werden extrem viel CO2 und andere Treibhausgase freigesetzt. Der hohe Bedarf an Soja als Tierfutter führt außerdem dazu, dass Urwälder und Ökosysteme Soja-Feldern weichen müssen.

Eine tier- und klimafreundlichere Alternative ist deshalb Fleisch aus dem Labor. Unter anderem das US-amerikanische Unternehmen „Memphis Meats“ will mit künstlichem Fleisch das Tierleid und die hohe Umweltbelastung beenden. Das erste Fleischbällchen aus dem Labor stellte das Unternehmen schon 2016 vor.

Um das Fleisch im Labor wachsen zu lassen, isolieren die Wissenschaftler von Kühen oder Schweinen Zellen, die sich selbständig nachbilden können. Sie führen diesen Sauerstoff und Nährstoffe wie Zucker und Mineralien zu. Die Zellen entwickeln sich in einem Bioreaktor zu Skelettmuskeln und können nach einer Zeit zwischen neun und 21 Tagen „geerntet“ werden.

So soll nicht nur das Töten von Tieren überflüssig werden, sondern auch 90 Prozent weniger Treibhausgasemissionen freiwerden. Außerdem ist das Fleisch laut Memphis Meats frei von Antibiotika, Fäkalien, Krankheitserregern und anderen Verunreinigungen, die in herkömmlichem Fleisch immer wieder gefunden werden.

Mehr Informationen: Das erste Fleischbällchen aus dem Labor ist da 

5. Plastik-Staubsauger in den Ozeanen

Unsere Meere drohen, am Plastikmüll zu ersticken. Gleich mehrere Projekte und Initiativen versuchen, genau das zu verhindern. Das wohl bekannteste Meeressäuberungsprojekt ist „The Ocean Cleanup“.

The Ocean Clean Up Plastikmüll
Ein „Fangarm“ des Geräts von The Ocean Cleanup (Foto: © The Ocean Clean Up)

Das Unternehmen will mit einem Gerät mit kilometerlangen Fangarmen tonnenweise Plastikmüll aus dem Meer fischen. Die „Arme“ sind dabei ein bis zwei Kilometer lange Röhren. Eine Verlängerung nach unten funktioniert wie eine Art Sieb, das Müll an der Meeresoberfläche abfischt. Der Plastikmüll wird aufgesammelt und recycelt.

Pacific Garbage Screening
Die Anlage von „Pacific Garbage Screening“ (Bild: © Pacific Garbage Screening)

Eine etwas andere Herangehensweise hat das „Pacific Garbage Screening“, die Anlage einer deutschen Architektin. Sie sieht aus wie ein riesiger Kamm und ist eine schwimmende Plattform, die durch ihre spezielle Bauweise Plastikmüll aus dem Meer filtern soll. Die Plattform soll architektonisch so konzipiert sein, dass sie Meeresströmungen beruhigen kann, wodurch Plastik an die Oberfläche treibt. Der Plastikmüll kann dann einfach von der Oberfläche abgesammelt werden.

Mehr Informationen: The Ocean Cleanup und Pacific Garbage Screening

Fazit: Erde retten – den Versuch ist es wert

Gewiß, die oben genannten Projekte sind erst einmal nur Tropfen auf dem heißen Stein. Und doch machen die Ideen Mut und zeigen, dass wir nicht die Hände in den Schoß legen müssen, sondern etwas tun können. Wenn ihr weitere erstaunliche Projekte dieser Art kennt, schreibt uns in den Kommentaren!

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(6) Kommentare

  1. Spreadseed!

    Nui Well auch ganz super!!

    Ansonsten: Acrai, CompBox, Breeze, Lilium, parkHero (weniger Verbrauch), ParkHere und viele tolle Startups vom Climate KIC. (Climate Launchpad).

    Würde mich über die Vorstellung freuen, bin selbst Gründer bei Spreadseed, Nui Well, ParkHero, etc.

    Viele liebe Grüße 🙂

  2. Was hat die Luftverschmutzung mit CO2 zu tun ? Mal relativ gar nichts. Da wird dann also der CO2-Filter auch rein gar nichts gegen Luftverschmutzung bewirken koennen. Weiter unten beim Smog Free Tower kommen wir dann tatsaechlich zum Thema Luftverschmutzung – aber am besten Ihr werft immer alles kunterbunt durcheinander !

  3. Hi ihr Lieben, sehr empfehlenswert, inspirierend und mutmachend ist der Film(DVD): Tomorrow!!!
    Eine Gruppe von französischenJornalisten und Umweltaktivisten macht sich auf den Weg, um weltweit nach Alternativen für eine nachhaltige Lebensweise zu suchen. Über die verblüffenden Erfolge, die weltweit schon gelebt werden, berichtet der Film. Außerdem ist die Mediathek des Fernsehsenders 3sat eine wahre Fundgrube(z. B. Cradle to cradle)
    Liebe Grüße und viel Spaß Ramara

  4. Hey,
    ich bin wirklich begeistert von HumanConnection.org.

    Die gemeinnützige Alternative zu anderen Social Networks. Ich glaube, dass dies auf einer Metaebene einen riesen Hebel hätte, um viel zu bewegen.

    Sie sind noch 20 Tage im Crowdfunding, also teilt das Projekt weiter, wenn ihr es auch so cool findet, damit es zustande kommt!
    Liebe Grüße, Janina

  5. Hallo,
    das Fleisch aus dem Reagenzglas finde ich persönlich etwas befremdlich. Mir gefallen die „Madenburger“ besser. Bzw. einfach diesen Proteinlieferanten mehr in die Ernährung einzubauen. Das könnte man auch gut sehr Regional machen, man muss nicht unbedingt große Produktionsstätten haben.

    Viele Grüße

  6. Wie die Aufnahme von CO2 durch Zellulose funktionieren soll, erschließt sich mir nicht. Für die Herstellung von Zellulose muss man zunächst Bäume fällen – die Bäume nehmen vermutlich effektiver CO2 auf, wenn sie stehen bleiben, was natürlich nur dann was nützt, wenn man das Holz nicht wieder verbrennt oder verrotten lässt, sondern als Baumaterial nutzt. Anschließend benötigt man jede Menge Energie (unter Freisetzung von CO2), um Zellulose, Bleche und die anderen Komponenten der Filteranlage herzustellen. Die Zellulose wird sicher nicht unter Schutzatmosphäre hergestellt und gelagert, so dass sie schon ab Herstellung im Gleichgewicht mit der Atmosphäre steht, d. h. gesättigt ist. Dann wird sie in einen Filter verbaut und (unter Aufwendung erheblicher Energie, d. h. Freisetzung von CO2) Luft durch die Filter bewegt. Die Filter nehmen dann allen möglichen Schmutz auf (Partikel und Aerosole), doch wie zusätzliches CO2 (ein Gas) aufgenommen werden soll, ist keineswegs ersichtlich. Aber nehmen wir mal an, die Zellulose würde jetzt auf unerklärliche Weise tatsächlich irgendwie weiteres CO2 aus der Luft aufnehmen – wie bringt man die Zellulose anschließend dazu, das CO2 wieder abzugeben? Indem man die Zellulose verbrennt (war nur’n Scherz)? Erhitzen auf 100°C überzeugt mich nicht.

    Und dann das CO2 an Treibhäuser verkaufen… als ob das eine nachhaltige Sache sei. Das CO2 entweicht natürlich aus den Treibhäusern und wird wieder in die Atmosphäre freigesetzt. Auch die Aufnahme von CO2 durch die Pflanzen ändert nichts an der Gesamtbilanz, denn die werden ja wieder gegessen, verfüttert oder kompostiert, wobei das CO2 lediglich etwas später wieder frei gesetzt wird.

    Crowdfunding ist sicher eine tolle Sache – selbstverständlich gibt es viele gute Ideen, die sonst nicht realisiert werden würden. Doch man muss sich stets auch bewusst sein, dass es auch Leute und sogar Firmen gibt, die Ideen präsentieren, die zu schön sind um wahr zu sein. Dazu noch eine rührige Geschichte und passende Fotos – und schon fließt das Geld der Gutgläubigen. Es gibt genug technisch oder naturwissenschaftlich nicht hinreichend gebildete Menschen, die unrealistische Versprechungen nicht als solche erkennen und sich gerne dem schönen Traum hingeben – Klassiker: Perpetuum Mobile. Und der Urheber solcher Ideen kann sich ein lockeres Leben machen, ohne irgendwem Rechenschaft zu schulden… Es wäre nicht schlecht, wenn es eine unabhängige Stelle gäbe, welche die Seriosität solcher Projekte prüft.

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