Luftballons steigen lassen: Grüne wollen ein Verbot – und das ist gut so!

Foto: CC0 Public Domain / Pixabay - Hilke Fromm

Luftballons steigen zu lassen gilt bei Hochzeiten, Kindergeburtstagen und Stadtfesten immer noch als schöne Tradition. Die Ballons allerdings landen hinterher meist irgendwo in der Umwelt. Die Grünen in Niedersachsen würden das Steigenlassen deshalb gerne verbieten. Unsere Autorin findet das sinnvoll.

„Steigen gelassene Luftballons landen in den allermeisten Fällen in der Natur. Vögel und andere Tiere fressen die weichen Ballonreste und verhungern dann mit vollem Magen“, sagte die Grünen-Landesvorsitzende Anne Kura der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Auch Ballons aus Naturlatex seien deswegen keine Alternative.

„Viele denken beim Steigenlassen von Ballons nicht daran, dass daran Tiere sterben können“

Damit reagiert Kura auf ein kürzlich beschlossenes Luftballon-Verbot in der Stadt Gütersloh in Nordrhein-Westfalen. Der Umweltausschuss der Stadt hatte am 2. September einstimmig beschlossen, dass bei städtischen Veranstaltungen und auf städtischen Flächen „auf den Massenstart von gasgefüllten Luftballons verzichtet werden soll“ – aus Gründen des Umwelt- und Artenschutzes.

„Was als Ballon in die Luft geht, kehrt als Abfall in die Natur zurück, zersetzt sich unendlich langsam und ist eine Gefahr für Tiere. Sie fressen möglicherweise die bunten Teile, erkranken und sterben oder sie verheddern sich in den Schnüren und verenden qualvoll,“ heißt es auf dem Stadtportal von Gütersloh.

Das Verbot in Gütersloh hält Kura für eine begrüßenswerte Initiative. „Auf der einen Seite steht das kurze schöne Bild von bunten Ballons in der Luft, auf der anderen das von verendeten Vögeln. Viele denken beim Steigenlassen von Ballons nicht daran, dass daran Tiere sterben können“, so die Landesvorsitzende der Grünen in Niedersachsen. „Deshalb sehen wir das Steigenlassen von gasgefüllten Luftballons sehr kritisch.“

Das niedersächsische Umweltministerium lehnt einen Verzicht auf Luftballons komplett ab – mit einer absurden Begründung. „In den Himmel steigende Luftballons haben die Menschen schon immer mit Träumen und Hoffnungen verbunden. Warum sollten wir ihnen diese Gefühle nehmen?“, zitiert die NOZ einen Sprecher von Umweltminister Olaf Lies. „Ein Ballonverbot rettet die Welt ganz bestimmt nicht.“ Auch in den sozialen Medien wird die Politikerin für ihre Aussage massiv angegriffen – auch weit unter der Gürtelinie.

Darum ist ein Luftballon-Verbot sinnvoll

Nein, die Welt retten wird ein Ballonverbot bestimmt nicht. Das hat aber ja auch niemand behauptet.

Was es allerdings bewirken könnte:

  • Weniger Plastik in der Umwelt
  • Weniger Tiere, die das Plastik fressen
  • Weniger Tiere, die an Luftballon-Resten verenden

Wenn man mit dem reflexhaften „Die wollen uns alles verbieten“-Geschrei fertig ist und darüber nachdenkt, wird man feststellen: Luftballone einfach in die Umwelt zu entlassen ist auch nicht besser als Plastiktüten in den Wald zu schmeißen. Und dabei würde sich heutzutage sicher auch keiner der „Verbots-Partei“-Schreier erwischen lassen wollen.

Luftballons sind Umweltverschmutzung
Nach ein paar Minuten werden steigen gelassene Luftballons zu Plastikmüll – hier in der Isar in München. (Foto: © Utopia)

Sieht denn wirklich irgendjemand gerne zerfetzte Luftballon-Reste im Baum hängen oder im Straßengraben liegen? Würde sich irgendjemand darüber freuen, wenn verschrumpelte Ballons im eigenen Garten landen? Oder womöglich die eigene Katze die Plastikfetzen anschleppt?

Und darum geht es schließlich bei dem Vorschlag der Grünen-Landeschefin Kura: Um Plastikmüll in der Natur. Niemand will verbieten, dass Kinder bei der Geburtstagsparty mit Ballons spielen oder der Hochzeitssaal damit dekoriert wird. Lediglich das unkontrollierte Steigenlassen von Luftballons, die hinterher irgendwo in der Umwelt landen, stellt die Politikerin in Frage.

„Auch wir haben als Landesverband in der Vergangenheit bei Veranstaltungen Ballons steigen gelassen. Das machen wir jetzt nicht mehr“, sagt Kura über den eigenen Umgang mit Luftballons.

Aus den Augen, aus dem Sinn?

Mal ehrlich: Fünf Minuten lang bunten Plastikdingern beim Aufsteigen zuzuschauen und dann nicht mehr darüber nachzudenken, was damit passiert, ist genau betrachtet ziemlich dumm. Ähnlich wie Feuerwerke zu Silvester kann es geradezu symbolisch dafür stehen, wie die Menschheit aus reinem Egoismus den Planeten zugrunde richtet.

Diese „Aus den Augen, aus dem Sinn“-Mentalität hat uns Ozeane voller Plastikmüll beschert, brennende Wälder in Südamerika, unfassbare Tierqual in Zucht- und Schlachtbetrieben, Kinderarbeit und Sklavenarbeit und letztendlich die globale Klimakrise. Auf das Steigenlassen von Luftballons zu verzichten, nimmt niemandem seine „Träume und Hoffnungen“ oder sonst irgendetwas weg außer vielleicht ein paar Minuten Entertainment.

Deshalb: Das Steigenlassen von Luftballons zu verbieten wird nicht die Welt retten. Aber vielleicht ein paar Wildtiere – und dagegen kann doch eigentlich niemand etwas haben.

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