Nachhaltige Hochzeit feiern – 16 Tipps

Foto: © CC0 Public Domain / Unsplash - Ben Rosett

Die nachhaltige Hochzeit: Der schönste Tag im Leben soll es werden, voller Romantik und Freude, eine Feier mit Verwandten und Freunden. Und gleichzeitig soll es auch nachhaltig sein – nicht nur im Sinn, dass die Verbindung auf Dauer hält, sondern auch ökologisch.

Eine Hochzeit verbinden die meisten von uns mit Sonnenschein, guter Laune und einem strahlenden Brautpaar. Dazu viel leckeres Essen und guter Wein, Musik und Tanz bis spät in die Nacht, ein unvergessliches, einmaliges Erlebnis nicht nur für das Brautpaar, sondern für alle, die dabei waren. Danach geht es in die Flitterwochen an einen exotischen Strand. Schließlich gibt es im Leben meist nur eine Hochzeitsreise, da soll es schon ein besonderes Ziel sein.

Klingt toll, aber leider ist eine solche Traumhochzeit alles andere als nachhaltig und ökologisch verträglich. Also gleich ganz verzichten und gar nicht heiraten oder zumindest keine Feier veranstalten, der Umwelt zuliebe? Das ist keine Lösung, finden wir, und haben deswegen Tipps für die nachhaltige Hochzeit gesammelt. Damit die Heirat nicht nur im Grünen stattfindet, sondern möglichst ökologisch verträglich und nachhaltig wird.

Nachhaltige Hochzeit: Öko-Heirat vorbereiten

Nachhaltig heiraten beginnt nicht erst beim Brautkleid oder Hochzeitsanzug, sondern schon bei der Planung und den Hochzeitsvorbereitungen. So haben Location, Datum und die Länge der Gästeliste großen Einfluss auf den ökologischen Fußabdruck, den deine Heirat hinterlässt. Für eine nachhaltige Hochzeit solltest du Folgendes bei der Vorbereitung beachten:

  • Datum: Die meisten Hochzeiten finden von April bis September oder als Winterhochzeit im Dezember statt. Zu diesen Terminen sind gefragte Locations schnell ausgebucht und oft auch teurer als in der „Nebensaison“. Natürlich ist eine Feier im Freien im November oder Februar nicht unbedingt reizvoll. Aber warum nicht eine vorhandene Infrastruktur zu einem weniger beliebten Zeitpunkt nutzen? Das gilt natürlich nur, wenn ihr nicht aus persönlichen Gründen einen ganz bestimmten Termin im Auge habt.
  • Location: Im Freien auf einer Wiese mag zwar sehr „grün“ klingen, erfordert jedoch den Transport des gesamten Equipments, von der Kochgelegenheit bis zur Serviette. Nutzt für die Öko-Hochzeit lieber ein Bio-Hotel als Location, wo alles Notwendige bereits vor Ort ist. Und erkundigt euch, ob ein Teil des Festes im Garten oder auf einer Terrasse stattfinden kann. Das hat den Vorteil, dass ihr bei schlechtem Wetter nach drinnen ausweichen könnt und keine stromfressenden Heizkanonen und Plastikzelte braucht. Erkundigt euch auch, ob die Trauung direkt dort stattfinden kann, das spart kilometerlange Fahrten.
Nachhaltige Hochzeit
Kräutertöpfchen: hübsche Dekoration, die du den Gästen nach dem Fest als Geschenk mitgeben kannst. (Foto: © congerdesign / Pixabay)
  • Ort: Ja, natürlich ist es romantisch, am Palmenstrand oder vor verschneitem Bergpanorama zu heiraten. Doch ihr und eure Gäste müsst erst einmal zu diesem romantischen Ort kommen. Je weiter die Anreise, desto größer der CO2-Ausstoß, der dadurch verursacht wird. Besser ist es, in Deutschland oder Österreich zu bleiben. Überlegt euch, woher eure Gäste kommen und wählt einen Ort, den alle leicht erreichen können, vorzugsweise mit Bahn oder Bus. Vielleicht gibt es ja auch die Möglichkeit einer Kutschenfahrt vom Bahnhof zum Veranstaltungsort? Das ist nicht nur romantisch, sondern hinterlässt auch bei den Gästen eine bleibende Erinnerung.
  • Gästeliste: Apropos Gäste – müssen es auf der Öko-Hochzeit wirklich 100 oder mehr sein, nur damit jene Tante oder dieser entfernte Bekannte nicht beleidigt ist? Je mehr Gäste, desto mehr Müll und Energieverbrauch fällt natürlich an. Ein großes Hochzeitsfest ist kein Garant für eine glückliche Ehe. Wenn ihr die Gästeliste kürzt, schont ihr die Umwelt und euer Budget. Zudem wird die Auswahl an Veranstaltungsorten größer, 40 oder 50 Personen lassen sich leichter unterbringen als 200.
  • Einladungen: Auch zu einer grünen Hochzeit soll stilecht eingeladen werden, mit Einladungen auf Papier. Elektronisch wäre natürlich ökologisch verträglicher, aber auch bei Papiereinladungen gibt es viele Möglichkeiten, sie grüner zu machen. Zum Beispiel, indem ihr Recyclingpapier oder handgeschöpftes Papier verwendet und eine Druckerei wählst, die umweltfreundlich druckt. Verschickt außerdem nur eine Einladung mit allen Informationen und lasst nur so viel drucken, wie ihr tatsächlich versenden wollt. Oder ihr kauft edles Papier und schreibt die Einladungen mit der Hand.

Öko-Hochzeit auch am Traualtar

Nachhaltige Hochzeit
Achte beim Kauf der Kleidung auf Öko-Labels wie die von IVN. (Siegel: © IVN)

Zu einer gelungenen Hochzeit gehören ein schönes Kleid für die Braut, ein schicker Anzug für den Bräutigam, hübsche Schuhe für beide. Doch die Textil- und Modeindustrie genießt nicht zu Unrecht einen schlechten Ruf. Kinderarbeit, schlechte Arbeitsbedingungen und Bezahlung, giftige Chemikalien und fehlende Umweltschutzmaßnahmen sind bei den Herstellern in Fernost immer noch an der Tagesordnung.

Die Zeiten, in denen Öko-Mode mit unförmigen Jutesäcken gleichzusetzen war, sind jedoch schon längst vorbei. Und auch sonst könnt ihr eine Menge tun, um euch für eine ökologisch nachhaltige Hochzeit passend einzukleiden.

Nachhaltige Hochzeit
Wer sagt, dass der Bräutigam schwarze Schuhe tragen muss? (Foto: © karentheicehouse / Pixabay)
  • Kauft Kleid und Anzug von einem lokalen Schneider oder kleinen Modelabel aus Deutschland oder Österreich. Fragt ganz gezielt nach Zertifizierungen wie GOTS, der Fair Wear Foundation oder IVN zertifiziert Naturtextil. Diese stehen für ökologisch und/oder sozial verträgliche Textilproduktion und garantieren euch Naturfasern.
  • Kauft für die nachhaltige Hochzeit nichts, was ihr nicht auch danach öfter tragen wollt oder könnt. Einen schicken Anzug und die dazu passenden Schuhe kannst du auch im Büro oder zu anderen Anlässen tragen. Zur Hochzeit peppst du den Anzug mit Weste, Einstecktuch oder einem besonders edlen Hemd auf. Gleiches gilt für das Brautkleid, das auch als Ball- oder Abendkleid Verwendung finden kann. Wer in Weiß heiraten will, färbt das Kleid hinterher einfach um. Und als Brautschuhe machen alltagstaugliche Pumps mit Glitzer- oder Blumenschmuck eine gute Figur.
  • Alternativ könnt ihr euer Hochzeitsoutfit auch leihen oder gebraucht kaufen. Vielleicht hat ja Oma, Freundin, Bruder oder Onkel etwas Passendes im Schrank? Falls es nicht 100-prozentig passt, kann eine Änderungsschneiderei es passend machen und/oder umarbeiten, sodass Kleid und Anzug in neuem Glanz erstrahlen. Das gilt auch für Kleidung vom Flohmarkt, Vintage ist ohnehin gerade „in“. Natürlich solltet ihr gebrauchte Kleidung vor dem Tragen gründlich reinigen und desinfizieren lassen, am besten auch auf möglichst umweltfreundliche Art.
  • Brautjungfern müssen nicht zwingend die gleichen Kleider tragen. Viel abwechslungsreicher wird die grüne Hochzeit, wenn ihr nur Farbe und Stil vorgebt und der Rest der jeweiligen Frau überlassen bleibt. Dasselbe gilt auch für Trauzeugen oder Brautführer: Lieber etwas aus der vorhandenen Garderobe wählen lassen, als etwas Neues kaufen zu müssen.

Essen und Trinken für die nachhaltige Hochzeit

Bei der Hochzeitsfeier und den Geschenken lässt sich nicht viel Richtung nachhaltig und umweltverträglich machen? Weit gefehlt. Weine (z.B. von Delinat**), Sekt und Champagner gibt es heute in Bioqualität, idealerweise von einem lokalen Weinbaubetrieb. Fleisch und Fisch aus nachhaltiger Produktion sind zwar teurer. Aber lieber hochwertiges Essen für weniger Gäste – als viele mit Billigfleisch abspeisen zu müssen.

Fragt bei den Caterern oder bei den Veranstaltungsorten nach, ob sie Bezugsquellen für saisonale Bioprodukte aus der Region haben. Falls Bioqualität nicht möglich ist, sucht weiter, es gibt mittlerweile darauf spezialisierte Unternehmen.

Bei der Speisenauswahl solltet ihr außerdem hauptsächlich vegetarische oder vegane, saisonale Gerichte bevorzugen und die Mengen relativ knapp bemessen. Bleibt etwas übrig, könnt ihr das euren Gästen als Lunchpaket mitgeben. Oder ihr spendet es einer Tafel oder anderen karitativen Einrichtung in der Nähe eurer Hochzeitslocation.

Grüne Heirat und Geschenke

Die Geschenkliste zur Hochzeit rührt noch aus der Zeit, als man gleichzeitig mit der Ehe einen neuen Hausstand gründete. Heute ist das meist nicht mehr der Fall, und der Bedarf an edlem Kristall oder Geschirr ist nicht wirklich vorhanden.

Keine Geschenke zur Öko-Hochzeit ist aber auch nicht schön. Dafür gibt es ja sehr kreative, nachhaltige Alternativen zu den Klassikern (z. B. bei** Oxfam oder OxfamUnverpackt). Wie wäre es beispielsweise mit einem Stück Regenwald oder ein paar frisch gepflanzten Bäumen im Amazonasgebiet? Oder mit einer größeren Spende an eine Organisation, die damit eine Schule für Mädchen in der Dritten Welt errichtet? Selbstverständlich könnt ihr euch auch einfach finanzielle Unterstützung für eure grüne Hochzeit wünschen und mehr für eine nachhaltige Feier ausgeben.

Nachhaltige Hochzeit
Geht lieber mit der Bahn auf Hochzeitsreise, statt umweltbelastend zu fliegen (Foto: © 2182694 / Pixabay)

Nach der Hochzeit: Hochzeitsreise und Co.

Ökologisch heiraten ist aber auch nach der Hochzeit noch nicht zu Ende. Da wären einmal die Gastgeschenke als Erinnerung an den besonderen Tag. Anstelle unnützer Kleinigkeiten, die schnell im Müll landen, eignen sich etwa kleine Topfpflanzen oder Kräutertöpfchen als nette Andenken (online** z. B. bei Avocadostore, DieStadtGärtner, Baldur Garten). Diese haben den zusätzlichen Vorteil, dass sie ein hübsches Tischdeko ergeben und somit weiteren Blumenschmuck überflüssig machen. Das ist gleich doppelt nachhaltig.

Eine weitere Tradition sind die Dankeskarten samt einiger Hochzeitsfotos auf Papier. Ökologisch besser ist es, ihr verschickt eure Danksagungen per Email und gestaltet dafür ein nettes PDF mit ein paar Fotos. Zusätzlich könnt ihr so zu einem Onlinealbum mit allen Bilder verlinken. Die Hochzeitsgäste können sich diese entweder herunterladen oder entwickeln lassen, wenn ihnen etwas besonders gut gefällt. Das spart Energie und Ressourcen.

Last but not least, gehört für viele zu einer Hochzeit auch eine Hochzeitsreise. Hier gelten dieselben Regeln wie für Urlaubsreisen allgemein.

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Besser, ihr bleibt in Europa und reist mit Bus oder Bahn (bei** Ltur oder der Deutschen Bahn gibt es viele Sparangebote) an euer Ziel. Soll es eine exotisches Hochzeitslocation und eine Flugreise sein, dann passt eure Aufenthaltsdauer an die Entfernung an, mindestens zwei Wochen sollten es sein. Auch bei der Wahl der Unterkunft gilt, dass kleine, lokale Betriebe in Europa vorzuziehen sind. Am besten solche mit Zertifizierung als umweltfreundlicher Betrieb. Orientieren kannst du dich an Öko-Hotel-Labeln wie Viabono, Greenkey, dem österreichischen Umweltzeichen oder Bio Hotels.

Die ökologisch verträglichste Variante ist aber sicher, auf eine eigene Hochzeitsreise zu verzichten und stattdessen den Jahresurlaub ein wenig auszudehnen. Schließlich soll eine grüne Hochzeit ja euch und der Umwelt Freude bereiten.

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(3) Kommentare

  1. Na aber das „Wichtigste“ wurde hier jetzt ja gar nicht berücksichtigt: Die Ringe!
    Da sollte doch auch darauf geachtet werden, dass es nicht aus Minen stammt die ökologisch oder sozial mehr als fragwürdig sind (bspw. http://www.spiegel.de/politik/ausland/suedafrika-30-tote-bei-polizeieinsatz-gegen-minenarbeiter-a-850540.html).
    Mittlerweile gibt es doch auch Juweliere die nur recycelte oder fair gehandelte Edelmetalle verarbeiten. Und der kleine Aufpreis dürfte dann auch keinen Unterschied machen dürfen, denn es rechnet sich ja sowieso, wenn es für die Ewigkeit ist.